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Ab heute im Kino

"Celebration": Der Film, der über zehn Jahre im Giftschrank lag

In seiner Doku zeigt Olivier Meyrou das Leben von Kult-Designer Yves Saint Laurent, doch nach der Premiere auf der Berlinale 2007 ließ sein Partner Pierre Bergé die Aufführung verbieten. Jetzt läuft sie doch im Kino.


Pierre Bergé, der ehemalige Lebenspartner von Yves Saint Laurent, wird oft als die entscheidende Kraft in den Angelegenheiten des Modehauses bezeichnet (Bild: Edition Salzgeber)
  • Von Nicole Michalak
    26. September 2019, 09:51h, noch kein Kommentar

"Der Film, von dem Pierre Bergé nicht wollte, dass wir ihn sehen.", schreibt die "New York Times" in ihrer Kritik zu Oliver Meyrous Dokumentarfilm über Yves Saint Laurent. "Celebration" hat eine turbulente Geschichte hinter sich, fast so turbulent wie die des Designers selbst. Das Endergebnis ist jedoch eine Zusammenstellung künstlerischer Aufnahmen, die den emotionalen Zustand Saint Laurents sowie die Beziehung zu seinem Lebensgefährten Bergé auf die Leinwand bringt.

Aber warum wollte Pierre Bergé verhindern, dass die Öffentlichkeit diesen Film zu sehen bekommt? "Celebration" wurde im Jahr 2001 gedreht und sechs Jahre später auf der Berlinale gespielt. Bergé echauffierte sich zu genüge über die Dokumentation und verbat, sie zu seinen Lebzeiten weiter aufführen zu lassen. Heutzutage wird der Film von Kritikern hoch gelobt. Denn im Jahr 2018 – ein Jahr nach dem Ableben Bergés und zum zehnten Todestag Yves Saint Laurents – lief Meyrous Film in den französischen Kinos und startet nun eben auch bei uns. Dennoch wurde der Final Cut leicht abgeändert, und die Frage nach Bergés Verbot besteht weiter: Wollte er etwa verhindern, dass ein negatives Bild von ihm in der Doku gezeichnet wird?

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Die Männer hinter der Maison Yves Saint Laurent


Poster zum Film: "Celebration" läuft seit 26. September im Kino

Die Beziehung zwischen Yves Saint Laurent und Pierre Bergé war ebenso lang wie sie intensiv war. In den späten Fünfzigerjahren lernten sie einander auf einer Dinnerparty kennen und waren schnell ein Paar. Bergé war der größte Unterstützer des Modedesigners, er begleitete ihn durch die schwersten Zeiten, die er wohl jemals durchmachen musste. Nachdem er in den Wehrdienst berufen wurde, litt Yves Saint Laurent unter Angstzuständen und wurde stark medikamentös behandelt. Danach geriet er in Abhängigkeiten und fiel der Drogensucht zum Opfer. Trotz all dessen blieb Bergé an der Seite seines Partners – auch nach der Trennung 1976.

Die beiden waren nicht nur Lebens- sondern auch Berufspartner, sie hatten gemeinsam das Modehaus Yves Saint Laurent gegründet. So war die Rollenverteilung schnell klar: Saint Laurent als kreatives Aushängeschild der Maison und Bergé als der Mann, der bis zum Ende im Hintergrund die Strippen zieht. Im Film ebenfalls so dargestellt zu werden – besonders durch den geschwächten Eindruck, den man von Saint Laurent vermittelt bekommt – scheint Bergé wohl nicht geschmeckt zu haben.

Eine Dokumentation mit Bühnenfeeling

Zweieinhalb Jahre filmte das Team rund um Meyrou (Kamera: Jean-Marc Bouzou, Florian Bouchet), was sich im Modehaus YSL abspielte. Der Aufbau der Dokumentation ist klar: Meyrou verfolgte den Designer von einem großen Event zum nächsten. Diese hatte Bergé selbst organisiert – in Antizipation zu Saint Laurents Ruhestand. Der Ablauf ähnelt sich sehr: Man sieht gestresste Schneiderinnen, gestresste Models und einen gestressten Bergé. Aber sobald der Designer selbst den Raum betritt, funktioniert alles wie geplant. Hier kommt also das organisatorische Händchen seines Geschäftspartners zum Zuge.



Yves Saint Laurent war schon immer sehr kamerascheu. Das Filmteam interagierte beim Dreh kaum mit dem Designer (Bild: Edition Salzgeber)

Die Besonderheit am letztendlichen Schnitt des Dokumentarfilms ist ein Wechsel in der Farbgebung, da einige Szenen in Schwarzweiß gedreht wurden, wiederum einige in Farbe (Schnitt: Cathie Dambel, Amrita David). Auffällig ist, dass die meisten Aufnahmen mit Yves Saint Laurent monochrom gehalten wurden. Starre Kameraeinstellungen sorgen außerdem für ein bühnenähnliches Gefühl. Dadurch wird oftmals eine gewisse Distanz zum Designer aufgebaut und seiner Aura eine Melancholie verliehen.

Sein Auftreten wirkt ohnehin, auch durch Altersschwäche bedingt, eher gebrechlich. Jedoch zeigt ihn die erste Aufnahme im Film am ehesten so, wie Bergé ihn später beschreiben sollte: In seiner Traumwelt gefangen. Der Anfang der Dokumentation zeigt einen konzentrierten, zeichnenden Yves Saint Laurent, der in Gedanken verloren arbeitet. Kaum eine Aufnahme zeigt ihn so in seinem Element, oft wirkt er stattdessen geistesabwesend.

"Er ist ein Schlafwandler"

Besonders interessant sind jedoch auch die Schwarzweiß-Aufnahmen im Interview mit einer Journalistin. Das Gespräch wirkt zwar schwerfällig, aber Saint Laurent erzählt davon, seine Ängste loswerden zu wollen. Später erkundigt sich die Frau bei Bergé über diese Aussage, der nur antwortet: "Nein, das schafft er nicht. Aber das hat auch sein Gutes. Seine Ängste sind sein Rückgrat. […] Er ist wie ein Schlafwandler und ich versuche ihn nicht aufzuwecken." Solche Aussagen könnten wohl dazu geführt haben, das Bergé die Ausstrahlung des Filmes verhindern wollte.


Der Mann, der im Hintergrund die Strippen zieht: Pierre Bergé (Bild: Edition Salzgeber)

Die Farbaufnahmen des Dokumentarfilms zeigen eine dynamischere Welt. Im Gespräch mit Schneiderinnen des Modehauses oder mit Bergé versuchte Olivier Meyrou mehr über Yves Saint Laurent herauszufinden. Generell gilt: Es wird sehr viel über ihn geredet, aber nur sehr wenig mit ihm. In Farbe sieht man Saint Laurent meistens dann, wenn er mit seinen Models interagiert und wahrlich Freude bei seiner Arbeit zeigt.

Letztendlich lernt man durch "Celebration" nicht viel Neues über Yves Saint Laurent – man schafft sich jedoch ein Bild eines alten Mannes, der zu den Koryphäen seines Faches gehört. Auch die Art und Weise wie sich über ihn geäußert wird, lässt auf die Beziehungen des Designers zu seiner Umwelt schließen.

Dabei weiß das Filmteam genau, wie man die Personen rund um den Kult-Designer inszenieren muss. In einem sehr stillen, starren und fast schon bühnenhaften Film wird so ein kleiner Teil der Welt gezeigt, in der sich Yves Saint Laurent und Pierre Bergé gemeinsam bewegten.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

Celebration. Dokumentarfilm. Frankreich 2007/2018. Regie: Olivier Meyrou. Laufzeit: 73 Minuten. Sprache: französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Verleih: Edition Salzgeber. Kinostart: 26. September 2019