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Scharmützel wegen Ehe für alle

Republikaner beschwert sich über "pervertierte Handlungen" von Homosexuellen

Konservative Homo-Gegner aus den USA haben immer noch nicht ihren Frieden mit der Ehe für alle gemacht – mit scharfer Rhetorik versuchen sie weiterhin, erneut ein Ehe-Verbot für Schwule und Lesben einzuführen.


Larry Pittman (li.) und Mike Speciale, Parlamentsabegordnete in North Carolina, arbeiten weiterhin daran, Homosexuellen das Recht auf Eheschließung abspenstig zu machen

Republikanische Politiker arbeiten auf Ebene der amerikanischen Bundesstaaten weiterhin daran, homosexuellen Paaren das Recht auf Eheschließung wieder zu entziehen. Dabei argumentieren sie auch, dass gleichgeschlechtliche Eheschließungen eine Parodie oder eine Perversion seien, die so nicht von den US-Gründungsvätern um George Washington und vom christlichen Gott akzeptiert werden würden.

Die Ehe war im gesamten US-Gebiet im Juni 2015 durch eine Entscheidung des Supreme Court geöffnet worden (queer.de berichtete). Die Höchstrichter hatten argumentiert, dass das Ehe-Verbot gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz in der US-Verfassung verstoße.

In mehreren Bundesstaaten, darunter South Carolina, Wyoming, Tennessee und Kansas, arbeiten Republikaner bereits an Gesetzentwürfen, um dieses Urteil zu umgehen. In North Carolina ist der Marriage Amendment Reaffirmation Act bereits Anfang des Jahres eingebracht worden.

Twitter / occupyind

Die Autoren des Gesetzes aus North Carolina argumentieren, dass die Bevölkerung des Südstaats 2012 in einem Volksentscheid mit großer Mehrheit gegen gleichgeschlechtliche Eheschließungen gestimmt habe (queer.de berichtete). Die direkte Demokratie sei höher zu bewerten als die Entscheidung des Supreme Court, die lediglich "Parodie-Ehen" legalisiert habe.

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Speciale: Alles außer verheirateten Hetero-Paaren mit Kindern ist keine Familie

Wie Blogger Hemant Mehta berichtete, verteidigen die Autoren des Gesetzes in einem Brief an einen Wähler ihren Gesetzentwurf mit scharfer Rhetorik: "Die Familie ist, was passiert, wenn ein Mann eine Frau heiratet und sie Kinder bekommen", erklärte der Parlamentsabgeordnete Mike Speciale. "Ich verteidige die Freiheiten aller Bürger. Das schließt ein, dass nicht jede pervertierte Handlung, die Menschen aus freien Stücken vollziehen, legitimiert wird", so der 63-Jährige.

Die Anerkennung von Schwulen und Lesben sei in der US-Verfassung ohnehin nicht vorgesehen: "Wenn homosexuelle Ehen von den Staatsgründern gewollt worden wären, hätten sie zu dieser Zeit schon existiert", argumentierte Speciale. Der Republikaner erwähnte freilich nicht, dass zur Gründungszeit im späten 18. Jahrhundert in den USA aus heutiger Sicht fragwürdige Dinge wie Sklaverei existierten und Frauen kein Wahlrecht hatten.

Pittman: "Erzählen Sie es Satan, wenn Sie ihn treffen"

Der republikanische Parlamentarier Larry Pittman verteidigte den Gesetzentwurf mit Verweis auf seinen Glauben: "Ich habe nicht vergessen, dass Gott perfekt ist. Daher gibt es keine Notwendigkeit, mit der Zeit zu gehen", so Pittman, der seinen Brief an den kritischen Wähler mit den zickigen Worten beendete: "Wenn Ihnen das nicht passt, erzählen Sie es Satan, wenn Sie ihn treffen."

Der Gesetzentwurf hat praktisch keine Chance, umgesetzt zu werden. Zwar verfügen die Republikaner in beiden Parlamentskammern in der Landeshauptstadt Raleigh über eine Mehrheit, allerdings halten selbst viele Konservative das Thema für abgeschlossen. Zudem könnte der LGBTI-freundliche demokratische Gouverneur Roy Cooper sein Veto einlegen. Außerdem gilt es als sehr wahrscheinlich, dass Gerichte das Gesetz schnell kassieren würden, da es direkt gegen die Supreme-Court-Entscheidung verstoßen würde. Republikanische LGBTI-Gegner hoffen jedoch, dass konservative Richter künftig anders entscheiden könnten. US-Präsident Donald Trump versucht bereits seit Jahren, nur Richter zu ernennen, die die politische Haltung seiner Anhänger teilen. Auch für den Supreme Court benannte er mit Neil Gorsuch und Brett Kavanaugh zwei erzkonservative Richter.

Der Bundesstaat North Carolina hatte jahrelang mit dem sogenannten "Klo-Streit" für Aufregung gesorgt. 2016 hatte der inzwischen abgewählte Gouverneur Pat McCrory ein LGBTI-feindliches Gesetz unterzeichnet, das sofort eine nationale Protestwelle auslöste. Das Gesetz erklärte nicht nur alle kommunalen LGBTI-Antidiskriminierungsverordnungen für ungültig, sondern verbot Transsexuellen ausdrücklich, Toiletten oder andere geschlechtergetrennte Einrichtungen an öffentlichen Gebäuden zu nutzen, die ihrer Geschlechtsidentität entsprechen. Der neue Gouverneur Roy Cooper wollte sofort nach seinem Amtsantritt 2017 das Gesetz abschaffen, scheiterte aber an der republikanischen Mehrheit im Parlament. Daraufhin einigte man sich auf einen Kompromiss, der die meisten diskriminierenden Teile des Gesetzes bis Ende 2020 beibehält (queer.de berichtete). (dk)


Protestmarsch im Jahr 2014 gegen die erzkonservative Politik der Republikaner in North Carolina (Bild: James Willamor / flickr)



#1 FilipProfil
  • 26.09.2019, 14:15hHamburg
  • Das (letzte???) "Aufbäumen" der Populisten und Katholen weltweit. Die Welt scheint wirklich im Wandel.
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#2 MarbellaAnonym
  • 26.09.2019, 14:25h
  • ...und vom christlichen Gott akzeptiert werden würden.
    wow - der hat wirklich kontakt zu Gott? Oder meint der nur zu wissen was Gott will - ist das nicht anmaßend?

    was wäre, wenn ich direkten Kontakt zu Gott habe und ich deshalb weiß, er aktzeptiert keine verbohrten Fatzke, die andere ständig nerven und Schickanieren - das wäre ja ein totaler Unfrieden im Himmel oder nicht?

    Mittleweile scheinen die weltlichen Gesetze bald göttlicher zu sein als die von Gott, da diese sowieso ständig von irgendwelchen verklemmten Idioten nach ihren Vorstellungen ausgelegt werden.

    ..."Die Familie ist, was passiert, wenn ein Mann eine Frau heiratet und sie Kinder bekommen" - Hat nicht erst die Kirche das Heiraten eingeführt? - dann wäre doch die heilige Familie auch keine!
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#3 ursus
  • 26.09.2019, 15:03h
  • "dass zur Gründungszeit im späten 18. Jahrhundert in den USA aus heutiger Sicht fragwürdige Dinge wie Sklaverei existierten und Frauen kein Wahlrecht hatten."

    Und was bitteschön soll denn an Sklaverei und Frauenunterdrückung so verkehrt gewesen sein? Steht doch alles in der Bibel. Man muss doch wohl nicht jedem zeitgeistigen Nonsens applaudieren!

    -
    Die Formulierung "fragwürdig" in Bezug auf Sklaverei und Frauenentrechtung finde ich übrigens fragwürdig...
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#4 DramaQueen24Profil
  • 26.09.2019, 16:41hBerlin
  • He, Reps. Schon gehört? Marriage equality ist BUNDESGESETZ! Diskriminierungen und Verbote auf Staatsebene verletzen Bundesrechte! Wenn Ihr es trotzdem versucht, werdet Ihr dafür einen verdammt hohen Preis zahlen müssen, selbst, wenn der SCOTUS Euch Recht geben würde!
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#5 DramaQueen24Profil
  • 26.09.2019, 16:44hBerlin
  • Antwort auf #1 von Filip
  • Und das Erschreckende dabei ist, dass der SCOTUS so besetzt ist, dass sie damit Erfolg haben könnten. Aber selbst dann, werden die Damen und Herren der Republikaner einen sehr hohen Preis dafür zahlen müssen, denn die Gemeinschaft in den USA wird sich dagegen mit allen Mitteln wehren.
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#6 Homonklin44Profil
  • 26.09.2019, 16:54hTauroa Point
  • ""...dass gleichgeschlechtliche Eheschließungen eine Parodie oder eine Perversion seien, die so nicht von den US-Gründungsvätern um George Washington und vom christlichen Gott akzeptiert werden würden.""

    Mit welchem Recht gestattet es sich dieser aufgeblasene Einfaltspinsel eigentlich, die Ehe zweier Frauen oder Männer als Perversion oder Parodie zu bezeichnen? Was für eine Frechheit! Was würde der denn sagen, würde man seine Ehe als Parodie eines märchennahen Idealismus verurteilen?

    Und dann den Gründervätern posthum eine beschränkte Weitsicht anzutackern, die als längst Tote nicht mehr mitreden können.
    Und von einem Fantasmus daher labern, was das Ding alles akzeptieren könnte. Also wenn das nicht pervers ist, und ein bissel weltentrückt...

    Und dann noch "Satan" ? Seriously? Von dem war doch der Brief, den der Kritiker bekam...weia.

    Nein, mit der Zeit gehen muss man nicht, aber dann gehe er doch bitte zu den Amish und führe seine Schafe mit Bescheidenheit und Demut und all so nem Schotter!

    Nochmal, zu Familie - abgeleitet vom Wort Famulus = Haussklave. In der frühen Römerzeit war es auch nicht notwendig, nur zu einem bestimmten "Gott" zu beten, es gab genügend für jeden Anlass.
    Was diese Fritzen mit ihrem Begehren vor haben, ist doch klar - die Religion, die den Christengott als Galleonsfigur vor sich her trägt, soll alles andere in den USA mit ihren antiquierten Vorstellungen dominieren!
    Und wie verträgt sich das mit der Religionsfreiheit?
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#7 PopulistischAnonym
  • 26.09.2019, 19:37h
  • Mit welchen abstrusen Erklärungen sie ihre Abneigung äußern, wird immer wahnsinniger.
    Die Erklärung mit Gott ist ja schon bekannt, aber jetzt kommen sie mit George Washington daher (*kopfschüttel*).

    Hello,
    Who knows what George Washington thought about homosexuality? And what impact has it on nature? Does nature care about human beings who disrespect a part of human beings? Even if George Washington had an antipathy towards homosexual people, it wouldn't have changed nature. Diversity is a part of nature, no matter what a few people say. It's most healthy to care about oneself instead of disrespecting others by judging them through stigmatization.

    BuntesUndSchönes
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#8 DramaQueen24Profil