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Wegen Vandalismus

Videoüberwachung am Berliner Mahnmal für homosexuelle NS-Opfer

Vandalismus am Denkmal soll künftig durch Videoüberwachung verhindert werden. Der LSVD begrüßt die Entscheidung und will im nächsten Jahr darüber sprechen, auch Kameras an anderen Gedenkorten zu errichten.


Kameras sollen dafür sorgen, dass der Erinnerungsort in Berlin-Tiergarten künftig nicht mehr Ziel von Vandalismus wird (Bild: R/DV/RS / flickr)

Nach sich häufenden Fällen von Vandalismus hat sich die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas dazu durchgerungen, das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin-Tiergarten mit einer Videokamera überwachen zu lassen. Das bestätigte die für das 2008 eingeweihte Mahnmal verantwortliche Stiftung gegenüber dem Magazin "Mannschaft". Demnach gebe es keine datenschutzrechtlichen Bedenken gegen die Überwachung. Eine zweimonatige Testphase startet am 17. Oktober.

Bereits mehrfach war in diesem Jahr das Mahnmal beschädigt worden. Zuletzt beschmierten es Unbekannte im September mit schwarzer Farbe (queer.de berichtete). Die Bundesregierung hat erst kürzlich festgestellt, dass es einen erheblichen Anstieg von Sachbeschädigungen gebe, die aus Hass gegen sexuelle und/oder geschlechtliche Minderheiten verübt werden (queer.de berichtete).


Wiederholt beschmierten Unbekannte – offenbar aus Homophobie – das Sichtfenster zum Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen (Bild: Angel Ivanov / LSVD)

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LSVD begrüßt Videoüberwachung

Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg begrüßte die Entscheidung. "Wir haben diesbezüglich großes Vertrauen in die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas", erklärte LSVD-Landeschef Jörg Steinert gegenüber queer.de. Die Mitglieder des Verbandes hatten sich bereits im vergangenen Jahr mit großer Mehrheit für eine Videoüberwachung von LGBTI-Denkmälern und Kriminalitätsschwerpunkten in der Szene ausgesprochen (queer.de berichtete).

Steinert sagte weiter, dass sich mit der neuen Videokamera damit die Chance erhöhe, dass Täter ermittelt werden könnten. Bislang war es den Behörden noch nicht gelungen, auch nur einen der Täter zu identifizieren. "Bestenfalls hat die Maßnahme abschreckenden Charakter und es kommt zu keinem Vandalismus mehr", so Steinert. Der Verband plane für die erste Jahreshälfte 2020 ferner einen Runden Tisch, "um Konsequenzen auch für andere Gedenk- und Erinnerungsorte, wie z.B. dem am Magnus-Hirschfeld-Ufer, zu erörtern."

Erst am Montag war am Denkmal für die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung am Magnus-Hirschfeld-Ufer eine Beschädigung entdeckt worden, die auf mutwilligen Vandalismus zurückgeführt wird. Der Staatsschutz beim Landeskriminalamt hat die Ermittlungen aufgenommen (queer.de berichtete). (dk)



#1 Patrick SAnonym
  • 02.10.2019, 10:46h
  • Geht natürlich in keiner Weise an die Wurzel des Problems, aber wenigstens tut man endlich "etwas" dagegen und schützt unsere Gedenkstätte. Hat ja lange genug jeder nur zugesehen.

    Dass das überhaupt 2019 notwendig ist, ist armselig und ein Armutszeugnis für die Nachkriegsgenerationen in Deutschland.
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#2 Etwas gelerntAnonym
  • 02.10.2019, 11:36h
  • Da haben sie wohl hier die Kommentare mitgelesen? und immerhin die Video-Überwachung umgesetzt.
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#3 LotiAnonym
  • 02.10.2019, 11:49h
  • Diese Videoüberwachung wird den oder die Täter keinesfalls davon abhalten völlig vermummt diese Schmierereien weiterhin zu tun. Der Tiergarten ist groß und bietet genug Schutz um schnell zu verschwinden. Warten wir ab was passiert.
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#4 PetterAnonym
  • 02.10.2019, 11:51h
  • Traurig, dass das nötig ist, aber da es nun mal leider nötig ist, ist es gut, dass das endlich kommt.
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#5 IronikerEhemaliges Profil
  • 02.10.2019, 12:02h
  • Ich habe 1984 Abitur gemacht.

    1984.

    Natürlich war das gleichnamige Buch Lektüre im Englisch-Leistungskurs.

    Leider haben wir 1984 in vielerlei Hinsicht längst überschritten, was die Überwachung der Bürger_innen betrifft. Dennoch ist mir nach wie vor äußerst unwohl, wenn überall Videokameras stehen, die jeden Menschen erstmal als verdächtig und überwachenswert klassifizieren. Es ist die Grundhaltung dahinter, die mir nicht passt.

    Wir brauchen nicht mehr Überwachung, sondern endlich eine Politik, die der Gesamtgesellschaft klarmacht, wie mit Minderheiten umzugehen ist: Respektieren und Schützen. Als absolut gleichwertig behandeln. Da muss was in den Köpfen passieren.

    Leider haben wir im Moment eine exakt gegenläufige Tendenz - Ehe für Alle hin oder her.

    Dem gesellschaftlichen Umbruch, den wir brauchen, werden jedenfalls diese Videokameras nicht förderlich sein.
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#6 PetterAnonym
#7 WwertzuiopüAnonym
  • 02.10.2019, 12:29h
  • Antwort auf #5 von Ironiker
  • Das sehe ich auch so. Der Vandalismus ist respektlos, aber er gefährdet keine Menschen. Eine gesellschaftliche Diskussion ist da wünschenswerter als Videoüberwachung, die eh nichts bringt.
    Nichtsdestotrotz wird wenigstens etwas unternommen.
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#8 IronikerEhemaliges Profil
  • 02.10.2019, 12:42h
  • Antwort auf #6 von Petter
  • Nur dass wir in den letzten Jahren plötzlich gefühlt ständig neue Kriminalitätsschwerpunkte hinzubekommen haben...

    Selbst das betuliche Städtchen, in dem ich lebe, in dem nun wirklich kaum etwas passiert, hat vor kurzem verkündet, man werde unbedingt verstärkte Maßnahmen ergreifen, um den Bürger_innen ein verstärktes Sicherheitsgefühl zu geben. Was natürlich mehr Überwachung bedeutet.

    Ab und zu rühmt man sich dann, mal wieder ein paar Kiffer hochgenommen zu haben.

    Sorry, aber es ist eben nicht nur EIN "Kriminalitätsschwerpunkt", es sind zig, hunderte... man braucht nur mal die neuesten Nachrichten zu "Videoüberwachung Deutschland" zu googeln.

    Ich wiederhole: wir brauchen eine andere Grundhaltung. Prävention statt Bestrafung im Nachhinein.

    Ganz abgesehen davon, stimme ich einem der Vorredner zu, der sagt, dass das Täter wohl kaum davon abhalten wird, sich zu vermummen, die Verunstaltung vorzunehmen und sich dann unerkannt vom Acker zu machen.

    Meines Erachtens ist der grundsätzliche gesellschaftliche Schaden einer vollständigen Überwachungsgesellschaft viel höher als der Erfolg, vielleicht ab und zu mal einen Täter schnappen zu können. Ich halte es nicht für hilfreich, jeden Menschen grundsätzlich zunächst als Verdächtige_n zu behandeln. Genau diese Grundhaltung steht hinter einer Videoüberwachung, und genau diese Haltung lehne ich zutiefst ab.

    Übrigens gibt es ein reales Szenario: in China gibt es ein sogenanntes Social Credit System - inclusive Videoüberwachung mit Gesichtserkennung. Da passieren dann Dinge wie dies: jemand geht bei Rot über eine Ampel und erhält sofort einen Negativpunkt. Der Person wird dann plötzlich verweigert, ein Bahnticket zu kaufen. (Ja! Das gibt es wirklich! Kann man nachlesen.)

    Will irgendjemand hier in einer solchen Vollüberwachungsgesellschaft leben?

    Ich definitiv nicht.
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#9 Homonklin44Profil
  • 02.10.2019, 12:48hTauroa Point
  • Da hat man mal einen vernünftigen Gedanken aufgegriffen, denn die Leute, die diese Beschädigungen anrichten, sind ja schon erzogen worden, wenn auch nicht ganz richtig. Mit viel Aufklärung und Wort in Schrift, Bitten oder Anmahnen hat man die bisher nicht erreicht. Dafür muss man erst mal erfahren, wer die sind, und da ist die Chance durch Angucken können am besten. Auch wenn die sich "vermummen" kann man doch am Bewegungsstil, Körperhaltung und der Art, wie etwa Schmiererei stattfindet, Rückschlüsse ziehen, evtl. gar Verbindungen zu Fällen anderswo, wo die Schmierer bekannt sind.

    Ohne das zu wissen, ist die Chance marginal, überhaupt was rauszukriegen. Und wenn da Kameras sichtbar angebracht sind, hält das Manchen davon ab, sein Schmierwerk umzusetzen, wer weiß.
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#10 FliegenAnonym