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  • 20. September 2005 43 4 Min.

Der Papst gibt dem Kampf gegen schwule Priester sein Ja-Wort, ein Kardinal will eine Ehe Light, aber nur für Heteros.

Von Norbert Blech

Während in Deutschland politische Chaostage drohen, haben in Italien und speziell im Vatikan Tage von bemerkenswerer Klarheit begonnen: der Kampf gegen schwule Priester und die Homo-Ehe geht jetzt erst so richtig los.

Papst gegen Homo-Priester

Mit einigen Tagen Verspätung hat Papst Benedikt XVI. seine Zustimmung zu einem Dokument gegeben, dass schwule Männer aus dem Priesteramt verdrängen soll. Das Dokument der Kongregation für das Katholische Bildungswesen liegt schon länger vor, sollte aber nicht vor dem Weltjugendtag in Köln vor einem Monat veröffentlich werden. Neben Kriterien zur Zulassung von neuen Priestern soll es auch darlegen, wie schwule Priester - ob sexuell aktiv oder nicht - aus dem Dienst entfernt werden können. Das Dokument soll erst im Oktober veröffentlich werden, Papst Johannes Paul II. hatte es vor elf Jahren in Auftrag gegeben.

Der neue Papst habe das Dokument bereits Ende August unterschrieben, berichten die "Catholic World News". Laut dem Bericht heißt es in dem Dokument, Homosexualität sei eine "schwere Geistesstörung", daher seien auch sexuell nicht aktive schwule Priester aus dem Dienst zu entfernen. Diese Ansicht über schwule Priester ist nicht neu und entspricht der vatikanischen Lehrmeinung seit Jahrzehnten - eine praktische Umsetzung des Gedankens gab es jedoch so gut wie nie.

In den USA hat der Kampf gegen schwule Priester bereits in der letzten Woche begonnen. Eine aus dem Vatikan angereiste Untersuchungskommission befragt seitdem in Einzelgesprächen alle Teilnehmer von Priesterseminaren nach ihrer sexuellen Orientierung - und der ihrer Mitschüler. Auch die erfolgreichen Absolventen der letzten drei Jahre sollen befragt werden. Wer homosexuell ist oder zu sein scheint, soll, egal ob sexuell aktiv oder nicht, aus dem Priesterdienst bzw. aus den Seminaren entfernt werden.

Kritiker bemängelten an dem Vorgehen von Anfang an, dass der Vatikan damit den Schwulen die Schuld an den Missbrauchsfällen von Priestern an Jugendlichen und Kindern in den USA geben will. Am Dienstag wurde nebenbei bekannt, dass die Generalstaatsanwaltschaft in den USA Ermittlungen gegen den Papst abgelehnt hat. Einen Tag zuvor war die Klage eingereicht worden, der Papst habe im Zusammenhang mit einem Missbrauchsfall in den USA die Ermittlungen vertuscht. Doch der Papst genieße Immunität, sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Peter Keisler.

Kampf gegen Homo-Ehe

Auch in Italien hat sich der Kampf des Vatikans gegen Homosexualität verschärft. Nach der Ankündigung des Oppositionsführers Romano Prodi, eingetragene Lebenspartnerschaften einzuführen nach französischem Pacs-Vorbild, also mit weniger Rechten wie die Ehe und offen für Hetero- und Homo-Paare gleichermaßen, konnten sich die Kirche und nahestehende Medien mit Kritik nicht zurückhalten.

Der Plan des Oppositionskandidaten bei den nächsten Parlamentswahlen verstoße gegen die Verfassung, betonte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Camillo Ruini, am Montag. "Die Verfassung versteht die Familie als auf der Ehe gegründete natürliche Gesellschaft", betonte Ruini bei der Tagung des Ständigen Rats des Episkopats in Rom, nun drohe der Familie "Gefahr". Es sei falsch, die verschiedenartigen Lebensformen als gleichwertig zu bezeichnen, meinte Ruini. Es entstünden Probleme, wenn Kinder keinen "wirklichen, dauerhaften Raum des Schutzes und der Geborgenheit" hätten.

Ruini überraschte jedoch mit der Ansicht, der Staat könne durchaus ein Rechtsinstitut schaffen, das weniger Rechte und Pflichten für Paare vorsieht - solange es heterosexuellen Paaren vorbehalten sein. Homo-Paare wollten ohnehin keine rechtliche Absicherung und ihre Partnerschaft als "exklusiv private Sache" verstanden wissen, so Ruini.

Während einige Politiker in Italien daraufhin mehr Zurückhaltung der Kirche in staatlichen Regelungsdingen forderten, wies Prodi die Vorwürfe zurück, indem er die Homosexuellenfrage relativierte: "Der zivile Solidaritätspakt hat in 96 Prozent der Fälle nichts mit dem Problem der Homosexuellen zu tun. Millionen von Menschen, die seit Jahren zusammen leben, gemeinsam Kinder oder Erbschaftsprobleme mit der Wohnung haben, sind am Solidaritätspakt interessiert", sagte der frühere Ministerpräsident und Ex-Präsident der EU-Kommission. Er habe sich nicht für die Öffnung der Ehe für Homo-Paare und auch nicht für ein Adoptionsrecht für sie ausgesprochen.

20. September 2005

-w-

#1 Stefan K.Anonym
  • 20.09.2005, 15:31h
  • Da hilft nur eins, Brüder: Konsequent und knallhart austreten! Gebt den Hasstiraden keine Chance!

    Zudem möchte ich hinzufügen, dass normalerweise ein Nachname nichts über das Verhalten einer Person bzw. über die Person aussagt. Allerdings kann man bei Herrn RUINI da wohl eine Ausnahme machen.

    Die Kirche bootet sich selbst aus der Gemeinschaft aus. Ich hätte gerne mit Katholiken ökumenisch sozial zusammengearbeitet. Schade, dass die Mehrheit der 117 Kardinäle ausgerechnet für Ratzinger entschieden haben. In zehn oder zwanzig Jahren werden sie mit Missfallen über diese Wahl denken...
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#2 AngelpowerAnonym
  • 20.09.2005, 15:42h
  • @ StefanK: Als evangelischer Christ solltest du den deinen Ratschlägen geben und nicht uns:-)! Ich kann nur sagen, dieses mittelalterliche Denken von innen bekämpfen. Wrr resigniert, gibt den Glauben auf und das haben die Millionen von Katholiken in der ganzen Welt nicht verdient. Sollte das alles so sein wie im Bericht , dann ist weiterhin wichtig die HUK und schwule Christen und Katholiken im Kampf gegen diese krankhaften Aussagen zu unterstützen. Einer Geistesstörung unterliegn wohl eher die Verfasser dieses Dokument, die absolut die Zerschlagung und Zerstörung unserer Gemeinschaft wollen !
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#3 Stefan K.Anonym
  • 20.09.2005, 15:58h
  • @Angelpower: Ich glaube nicht, dass Norbert Blech die Gemeinschaft zwischen kath. Kirche und Homos zerstören. Er hat lediglich seine Aufgabe, für Schwule/Lesben/Bisexuelle/Transsexuelle/Intersexuelle Berichte zu schreiben und die per Internet weiterzugeben, dass wir uns über die Sachlage informieren. Ich würde übrigens auch in Vereinigungen wie HuK oder LSVD gerne eintreten, allerdings bin ich z. Zt. in einer Ausbildung in einem Berufsbildungswerk (BBW), wo man vonner Arbeitsagentur grademal lächerliche 93,00 € für's Taschengeld pro Monat, Fahrtkosten für zwei Wochenendheimfahrten bzw. -hinfahrten, Ausbildungskosten, Verpflegung und so erstattet bekommt. Eintreten würde ich jedenfalls gerne. Seufz.
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