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Berlin

Videoüberwachung von LGBTI-Denkmälern: Kultursenator "sehr skeptisch"

Am Denkmal für die homosexuellen NS-Opfer soll künftig eine Videokamera Vandalismus Einhalt gebieten. Der offen schwule Kultursenator glaubt aber nicht, dass damit das Problem gelöst wird.


Kultursenator Klaus Lederer (Bild: Wiki Commons / Martin Rulsch / CC-BY-SA-3.0)

Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) warnt davor, sich von der Aufstellung von Überwachungskameras zum Schutz von LGBTI-Denkmälern zu viel zu versprechen. Zwar seien Akte von Vandalismus wie gegen die Gedenktafeln am Magnus-Hirschfeld-Ufer Anfang der Woche "gezielte Angriffe auf die LGBTQ-Community", so Lederer gegenüber dem Magazin "Mannschaft". "Ob allerdings Videoüberwachung hier hilft, ist die Frage – als Linker bin ich sehr skeptisch, was den verstärkten Einsatz von Videoüberwachung generell angeht. Weder verhindern Kameras solche Angriffe, noch ändern sie die dahinterstehende Geisteshaltung."

Hintergrund der Äußerung ist der Beschluss einer Denkmalstiftung, dass das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen im Berliner Tiergarten künftig von einer Kamera überwacht werden soll. Eine zweimonatige Testphase dazu startet am 17. Oktober (queer.de berichtete). Lederer versicherte jetzt, dass wie beim Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma die Kamera so positioniert werde, dass keine Passanten gefilmt werden, sondern nur Personen, die sich direkt am Denkmal aufhielten.

Keine Videoüberwachung am Magnus-Hirschfeld-Ufer

Für die Gedenktafeln für die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung am Magnus-Hirschfeld-Ufer ist Lederers Kulturverwaltung direkt verantwortlich. Da diese Tafeln "völlig frei im Straßenland" stünden, sehe er keine rechtliche Grundlage für eine Videoüberwachung. Er halte diese auch nicht für verhältnismäßig.

Die Mitglieder des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg hatten sich im vergangenen Jahr mit deutlicher Mehrheit für eine Videoüberwachung von LGBTI-Denkmälern und Kriminalitätsschwerpunkten in der Szene ausgesprochen (queer.de berichtete). Erst vergangene Woche stellte die Bundesregierung fest, dass es in Deutschland einen erheblichen Anstieg von Sachbeschädigungen gebe, die aus Hass gegen sexuelle und/oder geschlechtliche Minderheiten verübt werden (queer.de berichtete).

Der offen schwule Politiker Lederer war von 2007 bis 2016 Berliner Landeschef der Linkspartei. Seither ist der 45-Jährige Kultursenator in einer rot-rot-grünen Koalitionsregierung. (cw)



#1 TheDadProfil
  • 04.10.2019, 12:43hHannover
  • ""Weder verhindern Kameras solche Angriffe, noch ändern sie die dahinterstehende Geisteshaltung.""..

    Das stimmt..
    Doch ich kann mich nicht daran erinnern das je eine/r der Täter* solcher Vandalismen gefasst wurde..

    Und das muß sich zunächst dringend ändern um eine Veränderung dieser "Geisteshaltung" in der Bevölkerung auszulösen..

    Am Ende muß es aber auch heißen :
    Was für das Holocaust-Mahnmal gilt, muß auch für die anderen Mahnmale der Stadt gelten, egal ob nun für das Homosexuellen-Mahnmal gegenüber, oder das Mahnmal für die gefallenen Sowjetischen Soldaten wenige Hundert Meter weiter..
    Sie alle müssen vor solchem Vandalismus geschützt werden..
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#2 N8EngelProfil
  • 04.10.2019, 12:48hWenden
  • Ja, es stimmt, man verändert nicht die Geisteshaltung der Täter und ihres Umfeldes. Es verändert aber das Selbstverständnis der LGBTIQQ* Scene. Ideal wäre es, niemand bräuche eine Überwachungskamera, die nur dazu dienen kann Täter zu ermitteln, aber es werden keine Täter ermittelt, es steht niemand vor Ort, der das Mahnmal schützt. Wenn ein derartiges Zeichen nicht geschützt werden kann, wer schützt dann die Menschen vor denen die ein Gedankengut haben, welches nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist.
    Die Überwachung sehe ich als ein Symbol. Es zeigt, das Dieses Mahnmal nicht weniger Bedeutung hat wie ein kleiner Stadtrandbahnhof.
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#3 SixtinusAnonym
  • 04.10.2019, 13:50h
  • Dass Kameras keine Beschädigung verhindern, wäre von Herrn Lederer erst noch zu beweisen.

    Nur Behauptungen aufstellen, ist bei einem so wichtigen Thema nicht ausreichend.

    Und vom Erfassen der Täter möchte ich erst gar nicht sprechen.
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#4 PetterAnonym
  • 04.10.2019, 14:34h
  • -------------------
    Da diese Tafeln "völlig frei im Straßenland" stünden, sehe er keine rechtliche Grundlage für eine Videoüberwachung. Er halte diese auch nicht für verhältnismäßig.
    ------------------

    Aha, Vandalismus gegen Mahnmale für LGBTI-Opfer ist also für die Linkspartei keinen Schutz wert. Gut zu wissen...

    Wo diese Mahnmale stehen, sollte unerheblich sein. Aber naja, das sieht die Linke wohl anders.

    Und der Linkspartei ist offenbar auch nicht klar, dass Gewalt gegen Dinge der erste Schritt einer Gewaltspirale ist, der irgendwann auch Gewalt gegen Menschen folgt.

    Im "Dritten Reich" wurden auch zunächst nur Scheiben eingeschmissen, Fassaden beschmiert, etc. Was dann folgte, ist jedem klar.

    Naja, ein gutes hat die Sache: dann weiß ich schon mal, wen ich nicht mehr wählen kann...
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#5 Ana NymAnonym
  • 04.10.2019, 16:39h
  • Ich finde es auch sehr bedenklich mit Überwachungskameras dagegen vorgehen zu wollen.
    1. Kann man aus sicherer Entfernung etwa Farbbeutel werfen.
    2. Sollte man bei Denkmälern nicht unter Aufsicht stehen.
    Wer geht dahin? Ach die schon wieder? Was hat die damit zu tun? Usf.
    Wer möchte beim Gedenken gefilmt werden wenn gän nicht in politischer Mission unterwegs ist. Wer wird gerne gefilmt wenn gän heulen muss, für SICH sein will.
    Denkmäler und damit die regulären Besucher*innen zu überwachen, das geht so gar nicht.
    Das ist wie Kamera in Duschen um etwa zu sehen wer immer die Duschköpfe mit Kaugummi zuklebt. Oder Toiletten, wer nicht abspielt oder Drogen hinein wirft oder oder.
    Kann man immer Gründe finden warum man auch noch den Raum überwachen muss , dich man gibt dafür zu viel her.
    Wir haben eh schon zu viel Bespitzelung in öffentlichen Räumen.
    Wie viel Bespitzelungen sind am Ende des Tages gerechtfertigt?
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#6 SixtinusAnonym
  • 04.10.2019, 19:14h
  • Antwort auf #5 von Ana Nym
  • 1. Den Vergleich von Duschköpfen mit Gedenkstätten hinkt, aus zwei Gründen:

    - Die Gedenkstätte ist nicht nur ein Ding sondern repräsentiert die toten und auch die lebenden Opfer der Gewalt.
    - Duschen macht man nicht öffentlich; das Gedenken ist hier öffentlich.

    2. Warum sind sich die Gegner der Kameras so sicher dass es nichts bringt. Sie haben keine Beweise. Im Gegenteil: es hat sich gezeigt, dass Kameras durchaus abschreckende Wirkung haben.
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#7 Ironiker
#8 Harmloser BoyAnonym
  • 09.10.2019, 12:45h
  • Vorschlag: Vielleicht sollte man das Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen an einem belebteren, mehr frequentierten Ort innerhalb Berlins platzieren als bisher!

    Das könnte sicherlich sowohl der öffentlichen Wahrnehmung des Denkmals und der dahinterstehenden wichtigen Anliegen der Gay Community als auch dem Schutz des Denkmals vor Vandalismus nützen!

    Viel günstiger als die jetzige, oft eher ruhige Parkanlage am Spreeufer könnte doch ein zentral gelegener, auch von Touristen viel mehr frequentierter Ort im Strassenraum in Berlin sein!
    Vorschläge: direkt auf dem Kurfürstendamm oder auf dem Breitscheidplatz oder direkt vis-a-vis zum Brandenburger Tor!
    Dann würden viel mehr Menschen als bisher das Denkmal wahrnehmen - und viel weniger Angreifer würden eine Sachbeschädigung "wagen"!

    ... Und ich bin schwul, und ich bin sehr stolz auf meine schwule Identität!
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#9 TheDadProfil
  • 10.10.2019, 09:32hHannover
  • Antwort auf #8 von Harmloser Boy
  • ""Vorschlag: Vielleicht sollte man das Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen an einem belebteren, mehr frequentierten Ort innerhalb Berlins platzieren als bisher! ""..

    Das wurde bereits mehrfach diskutiert..

    Der Ort an dem das Mahnmal steht IST ein solcher belebter Ort, und die Position genau gegenüber des Mahnmales für die ermordeten jüdischen Menschen ist Teil des Konzeptes der Erinnerung, um zu zeigen, das die verfolgten Homosexuellen auch von den anderen Insassen der vielen KZ's in diesen separiert, und selbst dort diskriminiert wurden..

    Dieses Konzept nun aufzugeben, und das Mahnmal irgendwo anders hin zu versetzen ist daher keine Lösung..
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