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Urteil

US-Richter: Eltern haben das Recht, ihre homosexuellen Kinder zu "heilen"

Ein Bundesrichter hält das Verbot von "Konversionstherapien" zur "Heilung" von homo- oder transsexuellen Jugendlichen für verfassungswidrig.


Werbetafel für "Konversionstherapien" an einer US-Autobahn im Bundesstaat Georgia

Psychologenverbände argumentieren seit Jahren, dass sogenannte Konversionstherapien gefährlicher Humbug seien, der Homo- oder Transsexuelle in den Selbstmord treiben könne. Trotzdem hat am Freitag US-Bundesrichter William Jung ein sehr begrenztes "Heilungs"-Verbot in Tampa gestoppt. Die Verordnung der rund 400.000 Einwohner zählenden Großstadt in Florida hatte die "Behandlungen" von Jugendlichen mit dem Ziel, Trans- oder Homosexualität zu "heilen", untersagt.

Der republikanische Richter, der vergangenes Jahr von Präsident Donald Trump zum "United States District Judge" für den Bundesstaat Florida ernannt worden war, argumentierte in seiner Urteilsbegründung, dass Gesundheitsfürsorge auf der Ebene der Staaten anstelle der Gemeinden oder Bezirke reguliert werden müsse. Er sieht aber auch generelle Probleme mit dem Verbot: Dieses würde möglicherweise auch das Recht des Patienten auf Privatsphäre verletzen. Außerdem würden unter Umständen Elternrechte verletzt, die ein Recht hätten, die Gesundheitsfürsorge für ihre Kinder zu bestimmen. Elternrechte würden in der Landesverfassung besonders geschützt, argumentierte Richter Jung – sie dürften nicht an der Stadtgrenze von Tampa enden.

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Verbot sah 1.000 Dollar Strafe vor

Tampa hatte 2017 das Verbot von "Homo-Heilung" für Menschen unter 18 Jahren eingeführt. Die städtische Verordnung sah eine Geldstrafe in Höhe von 1.000 Dollar (900 Euro) bei der ersten Überschreitung sowie in Höhe von je 5.000 Dollar (4.500 Euro) bei weiteren Verstößen vor. Die Verordnung nahm allerdings sogenannte "glaubensbasierte" Anbieter vom Verbot von "Homo-Heilungen" aus, sofern diese nicht mit einer Lizenz des Bundesstaates arbeiteten.

Ein christlich-fundamentalistischer Familientherapeut hatte gegen das Verbot geklagt. Er war von der homophoben Organisation Liberty Counsel unterstützt worden, die von der Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center als "Hassgruppe" eingestuft wird.

Das "Heiler"-Verbot in mehreren Städten Floridas steht nun auf der Kippe. Landesweit ist kein Verbot in Sicht, da beide Parlamentskammern und das Gouverneursamt von den Republikanern kontrolliert werden, die in dieser Frage keinen Anlass für Gesetzesänderungen sehen.

Queere Aktivisten: Urteil ist lebensgefährlich

Die LGBTI-Organisation Equality Florida kritisierte das Urteil scharf: "Das ist eine gefährliche Entscheidung, die einige der am meisten bedrohten jungen Menschen einem Risiko aussetzt", erklärte Gruppensprecher Jon Harris Maurer. Er verwies darauf, dass sich Experten einig seien, dass "Homo-Heilung" von Jugendlichen eine "gefährliche und tödliche Praxis" sei.

Twitter / equalityfl


Noch ist die Reaktion von Tampa unklar: Die städtische Anwältin Gina Grimes erklärte, man werde das Urteil prüfen und dann entscheiden, ob man weitere Rechtsmittel einlegt. Das "Heiler"-Verbot in Tampa orientiere sich am Verbot in Boca Raton, das im Februar nach einer Klage von Homo-Hassern von Bundesrichterin Robin Rosenberg bestätigt wurde.

Christliche Homo-Hasser fühlen sich diskriminiert

In den letzten Jahren haben 18 der 50 amerikanischen Bundesstaaten Verbote von "Homo-Heilung" beschlossen. LGBTI-Gegner wollen in den USA gerichtlich dagegen vorgehen. Sie argumentieren, dass eine derartige Behandlungspraxis in einem freien Land nicht verboten werden dürfe. Das würde auch gegen die Religionsfreiheit verstoßen, da die Bibel Homosexualität ablehne. Menschenrechtler argumentieren dagegen, dass vor einem halben Jahrhundert mit dem Argument der Religionsfreiheit auch Rassentrennung von vielen evangelischen Christen gerechtfertigt worden sei. Damals hatten insbesondere Gläubige in den Südstaaten behauptet, dass Gott durch den biblischen Turmbau von Babel die Rassen getrennt habe und es weißen Christen daher nicht zugemutet werden könne, mit Schwarzen zu verkehren.

Die wegen vieler Ernennungen von Präsident Trump konservativer werdende US-Justiz hat bereits Einfluss auf die Verbote von "Homo-Heilung": So hatte New York City erst im September angekündigt, sein Totalverbot von "Konversionstherapien" wieder abzuschaffen; Grund war die Befürchtung, dass Richter entsprechende Verbote grundsätzlich für verfassungswidrig erklären könnten (queer.de berichtete). Trump hatte seit seiner Amtseinführung zwei der neun Richter am Obersten Gerichtshof ernannt, die beide als erzkonservativ gelten.

Die deutsche Bundesregierung will auf Initiative von CDU-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn "Homo-Heilung" verbieten. Laut einem angeforderten Expertenbericht sollten "Konversionstherapien", die Homo- oder Transsexualität "behandeln", mit bis zu einem Jahr Haft bestraft werden (queer.de berichtete).



#1 Ehrliche HautAnonym
  • 07.10.2019, 14:43h
  • Die dunklen Wolken am queeren Himmel türmen sich immer deutlicher zu schwarzen Unwetterboten zusammen.
    Noch ist Europa insbesondere im Westen nicht komplett im Sumpf des Populismus und des reaktionären Menschenhasses versunkenen.
    Es gibt noch die Chance den Rückfall in düsterste Zeiten zu verhindern.
    Wir müssen mit allen anständigen, menschenfreundlichen Zeitgenossen egal ob Hetero oder Homo, CIS oder Trans solidarisch zusammenarbeiten und uns nicht in Partikularinteressen verzetteln.
    Sonst werden äußerst negative politische Umwälzungen dem Klimawandel voranschreiten und unsere Welt zu einem unwirtlichen Ort werden lassen, schon bevor die Natur uns den Garaus macht.
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#2 TimonAnonym
  • 07.10.2019, 15:45h
  • Skandalös, dass ein psychologischer Laie wissenschaftliche Fakten ignoriert um seine persönliche Meinung durchzusetzen.

    Das gefährdet Menschenleben.
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#3 FinnAnonym
  • 07.10.2019, 16:59h
  • Das hätte es mit Hillary Clinton nicht gegeben, weil sie längst ein entsprechendes Bundesgesetz erlassen hätte.

    Sie hatte sogar die Mehrheit der Wähler. Aber dank des US-Wahlsystems kann auch der Unterlegene Präsident werden.
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#4 AFD-WatchAnonym
  • 07.10.2019, 17:26h
  • "Damals hatten insbesondere Gläubige in den Südstaaten behauptet, dass Gott durch den biblischen Turmbau von Babel die Rassen getrennt habe und es weißen Christen daher nicht zugemutet werden könne, mit Schwarzen zu verkehren."

    Was für Idioten! Wenn das so ist, was haben diese Leute dann auf einem Kontinent verloren, von dem ihre europäischen Vorfahren einst durch den Atlantik auch "gottgewollt" "rassengetrennt" wurden?

    "US-Richter: Eltern haben das Recht, ihre homosexuellen Kinder zu "heilen""

    Wo bleiben die Rechte der Kinder? Kinder sind nicht das Eigentum der Eltern und Eltern haben nicht das Recht, Kindern das Leben zur Hölle zu machen und sie gar in den Suizid zu treiben!
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#5 LogikAnonym
  • 07.10.2019, 18:10h
  • "Christliche Homo-Hasser fühlen sich diskriminiert"

    Auch wenn die das in ihrem Wahn nie kapieren werden, kann man es nicht oft genug wiederholen:

    Religionsfreiheit bedeutet, dass man selbst nicht wegen seines Glaubens diskriminiert werden darf. Aber nicht, dass man andere, die einen anderen oder gar keinen Glauben haben, diskriminieren darf.

    Ansonsten wäre das ja auch ein logischer Widerspruch in sich, weil für diese anderen dann keine Religionsfreiheit herrschen würde.

    Aber mit Logik haben es solche Leute nicht.
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#6 Carsten ACAnonym
  • 07.10.2019, 18:41h
  • Antwort auf #3 von Finn
  • Ja, und die halten sich auch noch für eine Muster-Demokratie, wo ein Kandidat, der die Wahl verloren hat, sie doch gewinnen kann. Aufgrund dieses kruden Wahlmännersystems und der Wahl nach Bundesstaaten.

    Und dann kann die Politik auch noch die obersten Richter bestimmen, was nichts mit demokratischer Gewaltenteilung zu tun hat. Naja, zumindest dieser Punkt ist ja in Deutschland auch nicht anders. Was es aber nicht besser macht, sondern nur zeigt, dass auch Deutschland ein Demokratie-Defizit hat.
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#7 Still_Ith
  • 07.10.2019, 18:52h
  • Ich hab so ein wenig den Eindruck, dass es hier der Sprachgebrauch ist, der den Braten fett macht. Und solange irgendwer das Wort "Heilung" dafür verwenden darf, sieht's ja tatsächlich nach einer Frage im gesundheitlichen Verantwortungsbereich von Eltern aus.
    In der Konstellation Kinder <> Eltern wär's insofern vielleicht sinnvoll, einen Begriff zu etablieren, in dem Kontext, der die Geschädigtenperspektive widerspiegelt. Vorschlagen würde ich ("homo- bzw. transfeindlich begründete") Kindesmisshandlung.

    Nicht, dass christliche Eltern nicht auch diesbezüglich gern Vorrechte einfordern, für die Menschen mit Anstand und Mitgefühl sich schämen würden. Soll heißen, ich erwarte von Christen nicht, dass sie das Recht ihres menschlichen Eigentums auf Unversehrtheit respektieren. Aber zumindest wäre unbedarften Leser_innen dann klar, dass es um Dinge wie Zwang, Nahrungsentzug, Rauswurfdrohungen sowie sonstige physische und psychische Gewalt geht. Und nicht etwa um irgendetwas, das zum allgemeinen Wohlbefinden des nicht-dinglichen Ziels beitragen würden.
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#8 Mal mehrere FragenAnonym
  • 07.10.2019, 18:57h
  • Antwort auf #6 von Carsten AC
  • Auch bei uns bestimmt die Politik die obersten Richter, oder irre ich mich da.
    Das Wahlsystem der USA ist nicht mehr zeitgemäß.
    Zweifellos, aber
    1. Was sollen wir hier als queer.de Foristen dagegen unternehmen?
    Gibt es irgend eine Petition, Eingabe oder Dergleichen die zum Ziel hat das amerikanische Wahlsystem zu ändern?
    Wen beeinflussen wir mit der wiederholten Klage über diese Wahlsystem?
    2. Ist nicht wesentlich relevanter, dass überhaupt so knapp abgestimmt wurde, dass Trump gewinnen konnte?
    So viele Millionen Menschen diesem Populisten hinterhergelaufen sind und weiterhin laufen?
    Ist diese Spaltung der amerikanischen Gesellschaft, nicht in sich schon so bedenklich, dass das Wahlsystem da beinahe zweitrangig ist?

    ist es nicht sinnvoller den Menschen hierzulande die USA und die Folgen dieser Wahl stärker vor Augen zu führen und klarzustellen dass auch hiesige Populisten keinen Deut besser sind als Trump?
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#9 KotzAnonym
  • 07.10.2019, 19:03h
  • Antwort auf #7 von Ith_
  • Auch oder sogar besonders in religiösem Kontext wurde ja nicht gerade mit der Prügelstrafe gerspart wen es um die Erziehung, sprich in deren Duktus Heilung von unwilligen, bösen oder gar gottlosen Kindern ging.
    Erwartet da jemand tatsächlich, dass die Folter der Homoheilung für diese "Christen" nicht auch als notwendige , ins Erziehungsrecht der Eltern fallende, legitime Maßnahme ist.
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#10 SlatanAnonym
  • 07.10.2019, 19:18h
  • Antwort auf #5 von Logik
  • Religionsfreiheit bedeutet, seine Religion ausleben zu dürfen. Wenn die Religion gegen Homosexualität ist, hat ein erwachsener, mündiger Bürger das Recht, sich Therapien zu unterziehen, mit dem Ziel, den Betroffenen heterosexuell zu machen (ob diese funktionieren oder nicht sei dahingestellt). DU hast kein Recht das irgendwem zu verbieten.
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