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Prävention

Kalifornien: PEP und PrEP werden rezeptfrei

Um HIV besser bekämpfen zu können, schafft der Westküstenstaat die Rezeptpflicht für Medikamente ab, die Negative vor dem Virus schützen sollen.


PrEP-Tabletten sollen im Kampf gegen HIV einen wichtigen Beitrag leisten (Bild: NIAID / wikipedia)

Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom hat am Montag das Gesetz SB 159 unterzeichnet, das den Bürgern ab dem 1. Januar 2020 einen rezeptfreien Zugang zur Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) und zur Post-Expositionsprophylaxe (PEP) gewährt. Die PrEP ist ein Medikamentenmix, der regelmäßig oder rund um einen Anlass von HIV-negativen Menschen eingenommen wird, um eine HIV-Infektion zu verhindern. Die PEP wird von Negativen als Nach-Risiko-Vorsorge eingenommen, wenn etwa bei einem vorherigen Sexualkontakt ein Kondom gerissen ist.

Die PEP und die PrEP werden damit im bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat künftig gleich behandelt wie die Pille (oder die "Pille danach") für Frauen. Das bedeutet, dass krankenversicherte Menschen nicht vorher bei ihrer Versicherung die Erlaubnis abholen müssen, um die Medikamente erstattet zu bekommen. Apotheker dürfen die Medikamente allerdings erst verkaufen, nachdem sie einen entsprechenden Kurs bei der staatlichen Apothekenbehörde absolviert haben.

Gouverneur Newsom begründete den Schritt damit, dass die Präventionsmaßnahmen "buchstäblich Leben retten können". Der rezeptfreie Zugang zur PEP und PrEP sei ein Schritt hin zum Ziel, HIV in den nächsten zehn Jahren "endgültig zu beenden". Im ersten Jahr rechnet die kalifornische Regierung allerdings "nur" mit 25 weniger HIV-Neuinfektionen infolge des Gesetzes.

In den letzten Jahren waren neue Fälle von HIV im knapp 40 Millionen Einwohner zählenden Kalifornien weitgehend stabil – rund 4.500 Menschen infizierten sich 2017 im Bundesstaat. Zum Vergleich: In Deutschland gab es laut dem Robert-Koch-Institut im selben Jahr geschätzt 2.700 Neuinfektionen (queer.de berichtete).

Aktivisten begrüßen Rezeptfreiheit

LGBTI- und Aids-Aktivisten begrüßten die entfallende Rezeptpflicht. Dadurch könnten Hemmschwellen zur Einnahme des Medikamentes abgebaut werden. Derzeit müssten viele Kalifornier etwa wochenlang auf einen Termin bei ihrem Hausarzt warten. Das Gesetz sei ein "riesiger Schritt in Richtung null Übertragungen", erklärte Rick Zbur von der queeren Gruppe Equality California. Er erklärte, besonders in ländlichen Gebieten sei der Zugang zu PrEP und PEP bislang nicht ausreichend.

Twitter / eqca

Die PrEP ist in den USA seit 2012 zugelassen, die Europäische Kommission folgte im Jahr 2016 (queer.de berichtete). Seit September müssen gesetzliche Krankenkassen in Deutschland das Medikament als reguläre Kassenleistung anbieten (queer.de berichtete). Für Aids-Aktivisten ist die PrEP eine dritte Schutzmöglichkeit gegen HIV – neben Kondomen sowie die Wirkung der HIV-Therapie, die die Übertragung des Virus verhindert. (dk)



#1 SchlüssigAnonym
  • 08.10.2019, 16:56h
  • Diese Maßnahme halte ich, und es dürfte aus zahlreichen Beiträgen bekannt sein, dass ich der PrEP/PEP für essentiell in der Bekämpfung von HIV halte, für mindestens problematisch.
    Es ergibt Sinn, dass zumindest im amerikanischen Gesundheitssystem, der Patient keine Genehmigung zur Erstattung der Medikamente mehr einholen muss,.
    Allerdings bringt eine Befreiung von der Rezeptpflicht die Gefahr mit sich, dass der Nutzer nicht mehr die notwendigen Vor- und Routineuntersuchungen beim Arzt durchführen lässt.
    Dadurch steigt insbesondere die Gefahr, dass bereits seropositive Nutzer durch unregelmäßige intermittierende Einnahme Resistenzmutationen in seinem Viruspool provozert. Das wäre höchst kontraproduktiv.
    Ebenso würde die regelmäßige Testung auf Standard STI wegfallen.
    Ebenfalls kontraproduktiv.
    Es mag dem kuriosen amerikanischen Gesundheitssystem zuzurechnen sein.
    Für Deutschland wünsche ich mir keine Rezeptfreiheit.
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#2 Biedermann-WatchAnonym
  • 08.10.2019, 17:45h
  • Antwort auf #1 von Schlüssig
  • "Für Deutschland wünsche ich mir keine Rezeptfreiheit."

    ..., weil in Deutschland dann Sodom und Gomorrha herrschen?

    ..., weil Deutsche dumm sind und nicht mündig auf ihre Gesundheit Acht geben können?

    ......, weil Deutsche fahrlässig sind, sich unkontrolliert nicht untersuchen lassen und dadurch den Volkskörper schädigen?

    ..., weil Deutsche immer vom Staat an die Hand genommen werden müssen?

    ..., weil Deutsche einfach vom Staat kontrolliert werden sollen?

    ..., weil in Deutschland keine selbstbestimmte sexuelle Freiheit herrschen darf?
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#3 SchlüssigAnonym
  • 08.10.2019, 18:17h
  • Antwort auf #2 von Biedermann-Watch
  • Weil ich als Mediziner die Folgen einer solchen Maßnahme abschätzen kann....
    Mir mit Biedermeier zu kommen ist unter aller Kanone.
    Mach Dir mal die Mühe nach Beiträgen von mir zum Thema zu suchen.
    Vielleicht kommt dann von Dir etwas Konstruktiveres.
    Allein wenn jemand der die PrEP rezeptfrei in Anspruch nimmt, ohne sich vorher auf HIV testen zu lassen, oder selbst zu testen entstehen große Risiken.
    Daneben fehlen noch Untersuchungen zur Nieren- und Leberfunktio. TRUVADA wird über die Nieren ausgeschieden.
    Bei bestehender Niereninsuffizienz besteht die Gefahr des Nierenversagens.

    Nur das das nochmal klar wird.
    Erstattung durch die GKV/PKV
    AUF JEDEN FALL.
    Verschreibungspflichtig.
    AUF JEDEN FALL.

    Oder mochtest Du such Antibiotika oder systemisch wirksame Funghizide zur Selbstmedikation freigeben?
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#4 LotiAnonym
  • 08.10.2019, 20:17h
  • Antwort auf #3 von Schlüssig
  • Deine Darstellungen in allen Ehren und ich kann es sogar nachvollziehen was Du schreibst. Aber glaubst Du nicht auch, jeder der auf sein Körper und seine Gesundheit achtet, geht auch regelmäßig zur Untersuchung. So Handhabe ich es. Ich schmunzel schon immer, wenn mein Hausarzt mich sehr gewissenhaft nach HIV Infektion abfragt, da mein Sexleben mit gestiegenem Alter auf Null gesunken ist.
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#5 SchlüssigAnonym
  • 08.10.2019, 20:27h
  • Antwort auf #4 von Loti
  • ich kann Dir da nur sagen:
    "Aber glaubst Du nicht auch, jeder der auf sein Körper und seine Gesundheit achtet, geht auch regelmäßig zur Untersuchung."
    Ich glaube es gerne, aber die Erfahrung lehrt, dass Patienten leider nicht allzu häufig Deine Annahme bestätigen.
    Sei Dir gewiss, dass die Verschreibungspflicht für Psychopharmaka, Krebsmitteln und Antibiotika schon so manches Leben gerettet hat.
    Und die Einnahme von HIV Medikamenten bedarf der Kontrolluntersuchungen.
    Warum glaubst, warum z.Zt in Deutschland über die Impfpflicht debattiert wird.
    Weil Menschen eben nicht so vernünftig reagieren, wie erhofft.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 KörmetAnonym
  • 09.10.2019, 06:37h
  • Leider achtet wirklich nicht jeder auf die nötigen Untersuchungen.

    Das sieht man schon bei den verschiedenen Krebsvorsorgeuntersuchungen, zu denen viele nicht hingehen.
    Ich gehe brav jedes Jahr zur Prostata-Vorsorge und habe meinem Urologen vorher klar angesagt, dass er mich nicht "an-IGeL-n" soll.

    de.wikipedia.org/wiki/Individuelle_Gesundheitsleistung#Kriti
    k


    Dafür versuchte er mir dann eine Darmspiegelung aufzuschwatzen, weil die Krankenkasse sie bei mir altersbedingt bezahlen würde. Daraufhin habe ich aus "pädagogischen Gründen" - damit er Verzicht lernt - überhaupt eine Darmkrebsvorsorge verweigert.
    Hätte ich vielleicht nicht machen sollen, aber egal...
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#7 IchAlsZahnarztgattinAnonym
  • 09.10.2019, 11:05h
  • Antwort auf #3 von Schlüssig
  • "Oder mochtest [sic!] Du such [sic!] Antibiotika oder systemisch wirksame Funghizide [sic!] zur Selbstmedikation freigeben?"

    Für jemanden, der seinen Beitrag mit "Ich als Mediziner" beginnt, um Autorität für sich geltend zu machen, wirkt die Gleichstellung der PrEP mit Antibiotika konfus; Antibiotikamissbrauch hat Folgen für alle, im Gegensatz zu unterbliebenen Kontrollen bei der PrEP, deren Auswirkungen primär individuell sind.

    Du wirst verstehen, dass ich deine Selbstdeklaration als Mediziner, und damit deinen gesamten Kommentar, mit einem großen Fragezeichen versehe.
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#8 MissPiggyAnonym
#9 andi3Anonym
  • 09.10.2019, 11:27h
  • Die kritiklose Haltung gegenüber Prep ist für mich nicht nachvollziehbar. Jeder Mediziner muss auch auf die Risiken hinweisen dürfen, ohne einen Shitstorm zu riskieren. Auch die Sorge um Freiheit und Selbstbestimmung wenn man das Zeug nicht ohne ärztliche Begleitung unter die Leute wirft, ist überzogen. Grundsätzlich muss es aber meiner Meinung nach einfacher werden, in dieser Hinsicht eine (kompetente) ärztliche Anbindung zu bekommen.

    Ich arbeite seit vielen Jahren als Sozialarbeiter auch zum Thema sexuelle Gesundheit ( und damit will ich nur betonen, woher meine Eindrücke stammen, vom Privaten mal abgesehen) und muss feststellen, dass ansonsten gut durchoptimierte Personen aus allen Bereichen der Gesellschaft die Selbstfürsorge in der Hinsicht nicht geregelt kriegen. Bin auch immer wieder erstaunt über das (teils totale) Unwissen bezüglich sexuell übertragbarer Krankheiten auch bei sexuell sehr aktiven Menschen. Deshalb mag das Argument "das wird man ja wohl noch geregelt kriegen" auf den Einzelnen zutreffen, auf die breite Masse eher nicht.
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#10 Etwas GelerntAnonym
  • 09.10.2019, 14:10h
  • Antwort auf #8 von MissPiggy
  • "Sehr reife Entscheidung, eine Krebsvorsorge aus Trotz abzulehnen. *KopfAnDieWandSchlag*"

    Sehe ich überhaupt nicht so! Es kommt auf das Alter des Patienten und seine Vorgeschicht, bspw. die genetische Disposition an. Viele Ärzte würden vieles mehr machen, bloss weil es die KK bezahlen.
    Und letzteres war wohl das Argument des Arztes.

    Es ist eher lobenswert von Körmet, dass mal zu hinterfragen ... und vielleicht auf ein späteres Mal zu verschieben.
    Ohnehin sollte man auch bei Ärzten einmal kritisch sein und ebenso kritisch etwas hinterfragen. Manche sind Kaufleute im weißen Kittel.
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