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Negative Entwicklung

LGBTI-Aktivisten: Rückständige Gesundheits­versorgung treibt trans* Personen in den Selbstmord

In Transgender-Ambulanzen würden trans* Personen aufgefordert, sich mit ihrem zugewiesenen Geschlecht "auszusöhnen". Das könne für Betroffene tödlich enden.


Trans­geschlechtlich­keit wird von vielen noch immer bekämpft – sogar von Ärzten, die es eigentlich besser wissen müssten

  • 9. Oktober 2019, 13:33h 95 3 Min.

Der Bundesverband Trans* e.V. (BVT*) und der HAKI e.V. Kiel warnen in einer gemeinsamen Erklärung vor einem "Wiederaufleben von wissenschaftlich längst verworfenen und unzureichenden Ansätzen bei der psychotherapeutischen Versorgung von trans* Menschen". Psychotherapie und Sexualwissenschaft hätten zwar Fortschritte erzielt. Einzelne Vertreterinnen und Vertreter in diesem Bereich stellten aber "zunehmend erfolgreiche evidenzbasierte Ansätze" und den aktuellen Wissensstand in Frage, ohne
konkrete wissenschaftliche Ergebnisse vorzulegen.

Die Ärztin Annette Güldenring, die auch Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Gesundheit des Bundesverbands Trans* ist, erklärte, diese Entwicklung sei schon bedenklich, wenn sie allein in einem akademischen Rahmen stattfände. "Die Autor_innen dieser Veröffentlichungen arbeiten aber in leitenden Funktionen in staatlichen Transgender-Ambulanzen", so Glüdenring. "Sie propagieren als Therapieziel die Aussöhnung mit dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht oder verhindern für trans* Kinder und Jugendliche eine angemessene medikamentöse Versorgung." Dies beinhalte die Gefahr, dass sich für die Betroffenen die psychische Situation verschlechtere – "im schlimmsten Fall bis zur Suizidalität".

Daher müsse darauf hingearbeitet werden, "dass alle Betroffenen in allen Behandlungen – ob nun in Trans*-Spezialzentren oder im niedergelassenen Bereich – eine evidenzbasierte und bedürfnisorientierte Versorgung erhalten", so Güldenring. Behandlungsangebote, in denen das tatsächlich möglich ist, könnten beim Bundesverband Trans* und bei anderen nationalen und regionalen Trans*-Organisationen wie dem HAKI e.V. erfragt werden.

/ bv_trans
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Güldenring ist Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und setzte sich seit Anfang der Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts für die Belange von transgeschlechtlichen Menschen ein. Sie arbeitet unter anderem in der "Interdisziplinären Arbeitsgruppe Geschlechtsidentitätsstörungen im Kindes- und Jugendalter" sowie im Referat "Sexuelle Orientierung" der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) mit. Außerdem wirkt sie durch Publikationen in Fachzeitschriften aus psychiatrischer Sicht der Pathologisierung von Transidentität entgegen.

Fachzeitschriften und Leitmedien beschreiben Transsexualität als Modeerscheinung

Laut den Aktivist*innen von BVT* und HAKI würden Autorinnen und Autoren in jüngster Zeit in sexualmedizinischen Fachzeitschriften vermehrt die Meinung vertreten, Therapien sollten bei trans* Personen mit dem Ziel angewendet werden, die geschlechtliche Identität an ein binäres und auf Fortpflanzungsfunktion beruhendes Geschlechtermodell anzupassen. Gleichzeitig seien in den vergangenen Monaten in Leitmedien zunehmend Interviews veröffentlicht worden, in denen Transgeschlechtlichkeit als Modeerscheinung dargestellt werde.

Ein Beispiel für diese These ist der Artikel "Ist es jetzt Mode, transgender zu sein?", der letztes Jahr in der "Ärztezeitung" veröffentlicht wurde. Der Artikel war unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) scharf kritisiert worden. Er sei "eine Steilvorlage für die Politik der neu erstarkten rechten Gesinnung in Deutschland und von Anhängern der 'Demo für alle'" (PDF).

Derartigen Meinungen müsse von Wissenschaft und Öffentlichkeit deutlich widersprochen werden, fordern daher BVT* und HAKI: Ärztliche Standesvertretungen und medizinische Fachgesellschaften seien hier auch in Zukunft gefordert, die Fortschritte zu erhalten, die in der medizinischen Versorgung von trans* Personen in den vergangenen Jahrzehnten erzielt worden seien. Dazu zählten eine ergebnisoffene und respektvolle Begleitung, um erwachsenen und jugendlichen Behandlungssuchenden eine selbstbestimmte Entscheidung über ihre Geschlechtsidentität zu ermöglichen und eine Behandlung auf Grundlage empirisch nachgewiesener Wirksamkeit. (dk/pm)

-w-

#1 HerzPeaceVoltEhemaliges Profil
  • 09.10.2019, 16:07h
  • Herr Spahn, das fällt in Ihren Arbeitsbereich. Was tun Sie bezüglich dieser unwürdigen Behandlung?
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#2 Anonyma
  • 09.10.2019, 23:20h
  • "Der Bundesverband Trans* e.V. (BVT*) und der HAKI e.V. Kiel warnen in einer gemeinsamen Erklärung vor einem "Wiederaufleben von wissenschaftlich längst verworfenen und unzureichenden Ansätzen bei der psychotherapeutischen Versorgung von trans* Menschen"."

    Normalerweise müsste der Rat an dieser Stelle lauten, als trans Mensch "psychotherapeutische Versorgung" einfach zu meiden. Aber halt, da war doch was... Ach ja, genau: wir haben hier in Deutschland ja noch immer diesen Zwang zu psychiatrischer/psychotherapeutischer "Begleitung" bzw. "Behandlung". Echt dumm gelaufen.

    "Sie propagieren als Therapieziel die Aussöhnung mit dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht oder verhindern für trans* Kinder und Jugendliche eine angemessene medikamentöse Versorgung."

    Potztausend! Wer hätte das für möglich gehalten? Da konnte ja nun wirklich niemand mit rechnen... Derartiges steht zwar seit JAHRZEHNTEN nachlesbar in der einschlägigen Fachliteratur, aber dass da mal jemand das Näschen reinsteckt und sich zwei oder gar drei Gedanken darüber macht, ist wohl zu viel erwartet. Genau so, wie es wohl zu viel erwartet ist, dass nicht ausgerechnet eine (Sexual-)Psychiaterin zur Sprecherin der "Arbeitsgemeinschaft Gesundheit des Bundesverbands Trans*" gemacht wird. Wie war das noch gleich mit dem Bock und dem Gärtner? Es ist einfach nur noch grotesk, wer in diesem Land damit betraut wird, die Interessen von trans Menschen zu vertreten. Man möchte fast sagen: Selbst schuld!

    "Daher müsse darauf hingearbeitet werden, "dass alle Betroffenen in allen Behandlungen ob nun in Trans*-Spezialzentren oder im niedergelassenen Bereich eine evidenzbasierte und bedürfnisorientierte Versorgung erhalten", so Güldenring."

    Wie wär's, wenn man stattdessen mal darauf hinarbeiten würde, diesen unsäglichen Zwang zu psychiatrischer/psychotherapeutischer "Begleitung" oder "Behandlung" endgültig abzuschaffen? Dann hätten Psychiater und Psychotherapeuten gar keine Chance, trans Menschen ihre obskuren "Therapieziele" aufzunötigen. Aber das würde natürlich bedeuten, dass sich Frau Güldenring selbst arbeitslos machen müsste, was sie selbstverständlich niemals tun wird. Bock + Gärtner = selbst schuld.
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#3 trans naysayerAnonym
  • 09.10.2019, 23:52h
  • Antwort auf #2 von Anonyma
  • "Bock + Gärtner = selbst schuld."

    *high five*

    Ich bin aufrichtig beeindruckt. Ich hätte es nie geschafft, die tragische Geschichte der Deutschen Transverbände auf drei Wörter herabzubrechen.

    Was mich so fasziniert, ist ihre immer wiederkehrende Verwunderung darüber, dass die Geister die sie rufen auch tatsächlich kommen.

    Verblüffend.
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