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Evangelische Kirche

Sachsen: Das "homophobste Gesicht der Landeskirche" tritt ab

"Gelebte Homosexualität" entspreche nicht "dem Willen Gottes", wetterte Carsten Rentzig kurz nach seinem Amtsantritt 2015. Nun zieht er Konsequenzen aus seiner Mitgliedschaft in einer schlagenden Burschenschaft.


Sachsens Landesbiischof Carsten Rentzing sorgte nach seinem Amtsantritt im Jahr 2015 mit homophoben Äußerungen immer wieder für Schlagzeilen (Bild: Ghostwriter123 / wikipedia)

Sachsens homophober Landesbischof Carsten Rentzing will nach der Debatte um seine Person sein Amt niederlegen. Das kündigte das Landeskirchenamt in einer am Freitag veröffentlichten "Erklärung des Landesbischofs" an.

Rentzing war wegen seiner Mitgliedschaft in einer Burschenschaft in die Kritik geraten. Die aktuelle Diskussion sei nicht nur für ihn persönlich, sondern für die gesamte Kirche eine Belastung. "Um Schaden von meiner Kirche abzuwenden, habe ich mich entschieden, mein Amt zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen", kündigte der 52-Jährige an, der seit 2015 Landesbischof ist.

Kritik an "Beheimatung in rechten Kreisen"

In einem Interview mit der "Sächsischen Zeitung" hatte der als konservativ geltende Rentzing die Mitgliedschaft in der schlagenden Burschenschaft öffentlich gemacht, die seit seiner Studentenzeit in Frankfurt am Main bestehe. Er betonte, kein aktives Mitglied mehr der "Alten Prager Landsmannschaft Hercynia" zu sein. "Ich trage diesen Teil meiner Biografie ganz bewusst nicht offen vor mir her, aber ich stehe dazu, dass es ein Abschnitt in meinem Leben war, den ich nicht verleugnen kann und will", so Rentzing später.

Nach Bekanntwerden der Mitgliedschaft hatten Christen eine Online-Petition gestartet und eine Distanzierung gefordert. Die Petition haben bisher mehr als 800 Menschen unterschrieben, unter anderem Andreas Dohrn, Pfarrer der Peterskirche in Leipzig.

Der frühere Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, Christian Wolff, forderte einen Rücktritt in Kürze. Rentzing müsse die Konsequenzen aus einer Vertrauenskrise ziehen, in die er die Landeskirche gesteuert habe. Wolff sprach von einer "Beheimatung in rechten Kreisen". Wolff forderte mit dem Rückzug Rentzings auch eine Neuausrichtung der evangelischen Landeskirche.

Immer wieder gegen Lesben und Schwule

Der Landesbischof sorgte bereits 2015 nach seiner Wahl für bundesweites Entsetzen, als er behauptete, dass "gelebte Homosexualität" nicht "dem Willen Gottes" entspreche (queer.de berichtete). Ein Jahr später stellte Rentzing klar, dass er trotz eines Einzelfall-Beschlusses seiner Kirche niemals selbst lesbische oder schwule Paare segnen werden (queer.de berichtete). Auch stellte er sich hinter ein Predigtverbot für einen verpartnerten Jugendwart und kritisierte die "öffentliche Debatte" darüber (queer.de berichtete).

"Der Rücktritt von Landesbischof Rentzing bietet nun eine Chance, dass die evangelische Landeskirche Sachsens endlich die Lebenswirklichkeit ihrer Mitglieder anerkennt und alle Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität einlädt", begrüßte die SPDqueer Sachsen die Rückzugs-Ankündigung am Freitagabend in einer Pressemitteilung, "Die evangelische Landeskirche Sachsen gehört zu den Schlusslichtern, wenn es um die Gleichstellung und den Schutz von LSBTIQ vor Diskriminierung geht. Sei es bei der Trauung gleichgeschlechtlicher Paare oder dem Arbeitsrecht", so SPDqueer-Landeschef Oliver Strotzer. "Landesbischof Rentzing war dabei das homophobe Gesicht der Landeskirche."

Der 1967 in Berlin-Spandau geborene Rentzing kam erst als Erwachsener zum Glauben. Nach dem Studium in Berlin, Frankfurt am Main und Oberursel kam er 1999 nach Sachsen. (cw/dpa)



#1 MarcAnonym
  • 12.10.2019, 08:09h
  • Na, da weiß doch jeder Noch-immer-Kirchensteuerzahler, wofür er arbeiten geht: Damit dieser Herr ein anständiges Ruhestandsgehalt kriegt...
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#2 TiberioAnonym
  • 12.10.2019, 08:52h
  • Carsten Rentzig ist kein Ausnahmefall !

    Das geistliche Personal der "christlichen" Kirchenkonzerne hat sich in seiner Mehrheit schon immer vornehmlich mit den rechten (nationalen, völkischen) Kreisen gekuschelt.

    Zwischen 1930-45 gab es bei Protestanten und Katholiken nur einige wenige Ausnahmefälle (die bekannten, medial immer wieder hochgejubelten), die sich NICHT mit dem nationalsozialistischen Wahnsinn gemein machten.

    Die den Lieben Gott anbetende Mehrheit der KirchenMÄNNER arrangierte sich nicht nur mit den Nazis, dem Juden- und Schwulenhass, sie schickte die Soldaten - mit Gottes Segen - auch in die Weltkriegshölle. Inzwischen wissen wir (Gottseidank) etwas mehr; siehe aktuell auch:

    www.domradio.de/themen/kirche-und-politik/2019-10-09/histori
    ker-wolf-pius-xii-schwieg-auch-nach-1945-zu-holocaust


    Und heute? ... gibt es wieder die "christlichen" Bewunderer der AfD, die deren rechte Sprüche aufsaugen und nachplappern; siehe den evangelikalen, pastoral salbadernden Peter Hahne:

    volkundglauben.blogspot.com/2019/10/peter-hahne-der-liebe-go
    tt-rief-mich.html
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#3 Ralph
  • 12.10.2019, 11:19h
  • Tja, wen wundert es, dass es ausgerechnet in der AfD-Hochburg Sachsen ein Rechtsextremist bis an die Spitze der Landeskirche geschafft hat. Freilich ist auch eine solche Kirche selbst als rechtsextrem einzustufen, da sie sich einen solchen Bischof gewählt hat. Angesichts seines offen ausgelebten Hasses auf Minderheiten kann jedenfalls niemand sagen, er habe das nicht gewusst, kein einfaches Kirchenmitglied und erst recht kein Pfarrer.
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#4 qwertzuiopüAnonym
  • 12.10.2019, 12:36h
  • mit der AfD hat die Situation der Kirche in Sachsen höchstens indirekt zu tun. Hier befindet sich der evangelische bible belt Deutschlands, der Teil der Protestanten, der es mit wörtlicher Bibelauslegung sehr genau nimmt.
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#5 Alexander_FAnonym
  • 12.10.2019, 13:32h
  • Interessant ist nur, dass die Mitgliedschaft in einem mittelalterlichen Sauf- und Fechtverein hier der eigentliche Stein des Anstoßes ist und nicht seine Ansichten über unsereinen.

    Na ja, Deutschland halt.
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#6 FinnAnonym
#7 KMBonnProfil
  • 12.10.2019, 17:20hBonn
  • Antwort auf #6 von Finn
  • Doch. Die anderen aus dem evangelischen "Konklave", die diesen Möchtegern-Reichsbischof gewählt haben und also für repräsentativ für die sächsische Landeskirche hielten.
    Das sollte man nicht vergessen. Da sind also noch andere Pastor*innen, die mit dem sächsischen "ReiBi" keine Probleme hatten.
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#8 stephan
  • 12.10.2019, 17:21h
  • Antwort auf #5 von Alexander_F
  • Ich bin ganz Deiner Meinung:
    Die widerlichen Äußerungen über Homosexualität waren offenbar kein hinreichender Rücktrittsgrund, aber dass der feine Herr mit seinen rechten Kumpanen gerne mit ein paar Hieb- und Stichwaffen 'mutig' gespielt hat, ist nun ein Grund für den Rücktritt? ... Egal! Hauptsache er geht!
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#9 ursus
  • 12.10.2019, 17:47h
  • "Nach Informationen des WDR tauchten Anfang der Woche zahlreiche Texte auf, die den sächsischen Landesbischof Carsten Rentzing zwischen 1989 und 1992 als Redakteur der extrem rechten Zeitschrift "Fragmente - das konservative Kulturmagazin" verfasst hat und die in der Deutschen Bibliothek in Frankfurt/Main archiviert sind.
    In einer Reihe von Aufsätzen drückt er seine Verachtung für die liberale Demokratie aus und vertritt ein autoritär-elitäres und völkisches Staatsverständnis."

    www.tagesschau.de/investigativ/bischof-rentzing-101.html
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#10 goddamn liberalAnonym