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"Ich war verzweifelt und verängstigt"

Trans in China: Selbstverstümmelung und Hormone vom Schwarzmarkt

Die trans Bevölkerung in China leidet unter Diskriminierung und mangelndem Zugang zu Operationen.


Das diktatorisch regierte China hält an der Diskriminierung von LGBTI fest (Bild: Tim Sheerman-Chase / flickr)

  • Von Pak Yiu und Helen Roxburgh, AFP
    15. Oktober 2019, 09:25h, 13 Kommentare

Die Volksrepublik China hat unlängst ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert und in den vergangenen Jahrzehnten so tiefgreifende Veränderungen erlebt wie kaum ein anderes Land. Doch im Umgang mit Transgendern hinkt China nach einem aktuellen Bericht von Amnesty International deutlich hinterher. Die Folgen reichen von illegalen Hormonpräparaten bis zu lebensbedrohlichen Selbst-OPs. Und die meisten Betroffenen leiden still.

Die heute 23-jährige Alice erinnert sich, wie sie als 16-Jährige in einem Akt der Verzweiflung im ländlichen Osten Chinas versuchte, ihre Genitalien mit einem Skalpell selbst abzuschneiden – angeleitet von Online-Tutorials. Nach dem ersten schmerzhaften Schnitt hörte sie auf, hielt den Eingriff aber geheim, statt ins Krankenhaus zu gehen.

"Ich war verzweifelt und verängstigt", sagt sie heute. "Ich hatte das Bauchgefühl, dass ich es hinter mich bringen müsste."

Offizielle Zahlen über Transgender gibt es in China nicht. Nur wenige medizinische Einrichtungen bieten Geschlechtsanpassungen oder professionelle Beratung über Hormonbehandlungen an. So sehen sich viele Betroffene gezwungen, auf dem Schwarzmarkt oder im Internet nach einem Ausweg zu suchen.

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OP bedarf Zustimmung der Familie

Auch darf in China ohne die Zustimmung der Familie keine Geschlechtsanpassung vorgenommen werden. Doch aus Angst, verstoßen zu werden, trauen sich viele nicht, ein solches Gespräch mit ihren Angehörigen zu führen. "Es war eine große Sorge, hat mich von innen aufgefressen", erinnert sich Alice.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International kämpfen Transgender in China mit weit verbreiteter Diskriminierung, eingeschränktem Zugang zu Behandlungen und einem Mangel an Information. Auch die hohen Kosten trieben viele Transgender zu unkontrollierten, riskanten Behandlungen oder gefährlicher Selbstverstümmelung.

"Diskriminierende Politik und Gesetze haben vielen Menschen das Gefühl gegeben, dass sie keine andere Wahl haben, als mit extrem gefährlichen Selbstoperationen ihr Leben zu riskieren und unsichere Hormonpräparate auf dem Schwarzmarkt zu beschaffen", erklärt die China-Expertin von Amnesty International, Doriane Lau.

Auch Jiatu spürte, dass etwas mit seinem Körper nicht stimmt. Er begann vor drei Jahren, sich Testosteron zu spritzen, das er illegal aus Thailand geliefert bekam. "Es gibt keinen anderen Weg, das zu beschaffen", sagt er. Erfahren habe er davon durch andere Transmänner in Online-Foren. Laut Amnesty International informieren sich Transgender im Internet oder bei Freunden. Ärzte im öffentlichen Gesundheitswesen sind demnach kaum eine Hilfe.

Transpersonen gelten weiter als "psychisch krank"

Im März akzeptierte China immerhin Empfehlungen des UN-Menschenrechtsrates, die Diskriminierung von Homosexuellen und Transgendern zu verbieten. Doch auch wenn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Mai offiziell "Geschlechtsidentitätsstörung" als Diagnose aus ihrem weltweiten Handbuch entfernte, gelten in China Transgender in China weiterhin als "psychisch krank".

Alice macht die konservative Haltung der chinesischen Gesellschaft verantwortlich dafür, dass die Regierung ihre Politik bezüglich Homosexuellen und Transgendern nur langsam ändert. "Was die Regierung tun kann, wird beschränkt durch die aktuellen Ansichten der Gesellschaft. Wir müssen warten, für die nächste Generation wird es besser."

Alice ließ sich bei einer Operation 2018 die männlichen Sexualorgane entfernen. Um nicht die Einwilligung der Familie vorweisen zu müssen, ging sie dafür nach Thailand. Die Kosten von umgerechnet 11.400 Euro übernahm ihre Freundin. "Es fühlt sich natürlicher an", sagt Alice. "Mir geht es viel besser im Kopf."



#1 la_passanteAnonym
  • 15.10.2019, 14:29h
  • Das läuft leider in den meisten Ländern ähnlich ab, durchaus auch in europäischen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 PetterAnonym
  • 15.10.2019, 17:44h
  • Schlimm.

    Die einzige Lösung gegen sowas ist Bildung, Bildung, Bildung. Und staatliche Anerkennung.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 FaktencheckAnonym
#4 FAktencheckAnonym
#5 DramaQueen24Profil
  • 16.10.2019, 02:29hBerlin
  • Das Problem in China und anderen Gesellschaften, die ähnlich sind, ist, dass, wenn die Führung nichts Positives sagt oder anstößt, das Volk an Althergebrachtem festhält. Zudem sind viele Gesellschaften, die sich "kommunistisch" nennen, in ihrem Wesen eher konservativ. Siehe DDR, Cuba und einige südamerikanische Staaten).
    Darum wundert es nicht, dass transsexuelle Menschen es in diesen Gesellschaften schwer haben.
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#6 HyenadykeProfil
  • 16.10.2019, 09:59hKöln
  • Antwort auf #3 von Faktencheck
  • Nimm einfach mal den Kopf aus dem Sand, dann klappt das auch besser mit den "Fakten".

    Oder frag einfach mal ein paar trans* Freunde, die Du ja sicher hast, wie sich hier in Deutschland Krankenkassen, Behörden und der Sexologen-Sumpf anstellen, wenn sie mal irgendeine Kleinigkeit wollen.

    Oder guck' mal rüber nach Dänemark, nach Polen, nach Ungarn - alles Europa!
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#7 trans naysayerAnonym
  • 16.10.2019, 11:33h
  • Antwort auf #3 von Faktencheck
  • "Kannst du seriöse, belastbare Beweise beibringen für deine Behauptung Europa betreffend?"

    Ich weiss aktuell von 2 Fällen aus Deutschland, bei denen Transfrauen die Epilation ihrer Gesichtsbehaarung selbst nach dem Gang durch die Gerichts-Instanzen abschliessend verweigert wurde. Obwohl sie alle MDK-Richtlinien erfüllten.

    Ich weiss aktuell von einer Frau aus Deutschland, die sich 5 Jahre(!) durch die Instanzen klagen musste, damit die Krankenkasse ihre GaOP übernimmt.

    Diese Fälle nehmen eindeutig in D zu. Sie häufen sich.

    Das gilt auch für Dänemark, Ungarn, Polen, Frankreich, Italien, England, Irland...

    Das Wissen zu trans liegt auf der Strasse. Man muss es nur aufsammeln. Ein paar Mausklicks reichen.

    Wenn ich das weiss, gibt es keinen Grund, warum Du das nicht auch wissen kannst.

    ...dann wird man auch seinem nickname gerecht.
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#8 TheDadProfil
  • 16.10.2019, 11:36hHannover
  • Antwort auf #5 von DramaQueen24
  • ""Zudem sind viele Gesellschaften, die sich "kommunistisch" nennen, in ihrem Wesen eher konservativ. Siehe DDR, Cuba und einige südamerikanische Staaten).""..

    Bei Licht besehen tut das KEIN Staat..

    Denn es sind die Turbo-Kapitalisten die solche Staaten dann als "kommunistisch" bezeichnen..

    Und das hat dann etwas mit der Indoktrination zu tun, der man die Bevölkerung im eigenem Land aussetzt, und mit der in der US-Bevölkerung beispielsweise Angst gegen einen "Sozialisten" wie Bernie Sanders als möglichen Präsidenten verbreitet wird..
  • Antworten » | Direktlink »
#9 N8EngelProfil
  • 16.10.2019, 14:30hWenden
  • Antwort auf #7 von trans naysayer
  • Faktencheck:

    Hormone vom Schwarzmarkt: wenn man in gewissen Foren mitliest, erfährt man in Deutschland durchaus üblich
    Selbstverstümmelung: kommt in Deutschland auch immer mal wieder vor, gar nicht mal selten mit tödlichem Ausgang.
    Problematischer Zugang zu Behandlungen: Therapeuten und Psychater sind Pflicht, bevor es Behandlungen gibt, Wartezeiten von über einem Jahr sind keine Seltenheit in Deutschland.
    Transgender müssen mindestens eine Nebenerkrankung psychischer Natur mitbringen um überhaupt in den zweifelhaften Genuss psychatrischer Behandlung zu kommen.
    Fehlt noch der Punkt Diskriminierung: gehört in Deutschland zum Alltag. Ein hoher Anteil Transpersonen hat auch schon physiche Gewalterfahrungen.
    Dann gab es da noch den Gesetzentwurf, der eine Zustimmung der PartnerIn zur Personenstandsänderung vorsah...
    In Europa und besonders in Deutschland ist also alles wunderbar?
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#10 trans naysayerAnonym
  • 16.10.2019, 15:14h
  • Antwort auf #9 von N8Engel
  • "In Europa und besonders in Deutschland ist also alles wunderbar?"

    Daran wollen einige offensichtlich verzweifelt glauben können.

    Alleine die Zwangs-Therapie ist bereits ein Instrument zur Verhinderung des Zugangs zum Gesundheits-System für Transmenschen.

    Deshalb heisst gatekeeping ja auch gatekeeping.

    Um "Fakten" zu erfahren, reicht Kommunikation und Recherche.

    Man muss sich einfach nur mal um Kontakt zu Transmenschen bemühen. Es gibt in D kaum Transpersonen, die nicht von verschleppten, nur mühsam erkämpften oder verweigerten Massnahmen berichten können.

    Es ist gelebte Lebens-Realität.
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