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Saudi-Arabien

Schwuler Social-Media-Star offenbar wegen Badehosenbild verhaftet

Ein 23-Jähriger aus Riad soll offenbar wegen eines harmlosen Bildes hinter Gitter. Dabei schickt sich die Regierung gerade an, Saudi-Arabien ein wenig offener zu machen.


Suhail al-Jameel veröffentlichte ein Bild in Badehose in sozialen Netzwerken, das ihm jetzt offenbar zum Verhängnis werden könnte

In sozialen Netzwerken sorgt derzeit das Schicksal des 23-jährigen Suhail al-Jameel aus der saudi-arabischen Hauptstadt Riad für Aufregung: Ursache ist offenbar ein auf am 6. Oktober auf Snapchat und Twitter veröffentlichtes Bild, das den Social-Media-Star mit 170.000 Twitter-Fans oberkörperfrei in Badehose zeigt. Eine Woche später, am 13. Oktober, erklärte al-Jameel in sozialen Netzwerken auf Englisch, dass er wegen des Bildes angeklagt werden solle – wegen Verbreitens von Nacktheit.

"Es ist eine Schande, dass LGBTQ in Saudi-Arabien nicht willkommen sind, man im Geheimen leben muss und keinen Frieden findet", so al-Jameel in dem Twitter-Eintrag. "Ihr wollt Tourismus, aber ihr gebt uns keine Freiheit." An seine Leser richtete er die Aufforderung: "Wenn ihr gay seid und Geld habt, bleibt weg von Saudi-Arabien." Er nutzte dabei den Hashtag #IamGay.

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Laut unbestätigten Berichten erhielt al-Jameel bereits eine dreijährige Gefängnisstrafe wegen des Bildes. Wie die unabhängige nahöstliche Nachrichtenseite Al Bawaba berichtete, soll al-Jameel bereits zuvor wegen eines "kompromittierenden" Bildes mit einer anderen Person zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt worden sein. Seine Strafe sei aber laut dem Bericht zunächst zur Hälfte erlassen, nachdem al-Jameel Koran-Verse auswendig gelernt hatte. Am Ende habe er gar nicht ins Gefängnis gemusst, weil er eine Liste von Forderungen erfüllt habe.

In sozialen Netzwerken hat sich in den letzten Tagen der Hashtag #Freesuhail verbreitet. Gesicherte Details über sein Schicksal sind allerdings nicht erhältlich.

Öffnet sich Saudi-Arabien?

Saudi-Arabien versucht derzeit, sich ein liberaleres Image zuzulegen und Besucher anzulocken. Bislang ist das Land für Touristen kaum zugänglich, sondern nur für Geschäftsleute, stationierte Militärangehörige von alliierten Staaten wie den USA, islamische Pilger und Besucher mit saudi-arabischen Angehörigen. Erst kürzlich gab das diktatorisch regierte Königreich aber bekannt, dass Personen aus 49 Ländern, darunter auch Deutschland, künftig Touristenvisa beantragen könnten. Für Ausländerinnen sollen dabei gelockerte Bekleidungsvorschriften gelten. Bis 2030 solle die Zahl der internationalen und heimischen Besucher auf hundert Millionen pro Jahr steigen, teilte die Tourismuskommission vergangenen Monat mit.

Ob LGBTI-Besucher willkommen sind, ist mehr als fraglich: Saudi-Arabien gilt als einer der wenigen Staaten der Erde, der Homosexualität nicht nur im (Scharia-)Recht mit der Todesstrafe bedroht, sondern diese auch zumindest in einigen Fällen tatsächlich durchführt. Das Regime behauptet, dass dies nur in Kombination mit schweren Straftaten wie Mord oder Kindesmissbrauch geschehe. In anderen Fällen kam es zu Auspeitschungen oder Gefängnisstrafen für Personen, die der Homosexualität beschuldigt wurden. Mehrfach war es in den letzten Jahren zu anti-homosexuellen Razzien gekommen.

Berichte über angebliche Hinrichtungen, wie etwa im Frühjahr auf CNN, können oft nicht von unabhängiger Stelle bestätigt werden, da es im Land praktisch keine Pressefreiheit gibt. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" stuft das Königreich auf Platz 172 im Pressefreiheitsranking ein – von 180 Staaten. (dk)


In Saudi-Arabien sieht es in Sachen Pressefreiheit schwarz aus (Bild: Reporter ohne Grenzen)



#1 TechnikerAnonym
  • 15.10.2019, 15:50h
  • Auf Touristen kann der mordende Ölprinz wohl lange warten - wer reist freiwillig in ein Land, in dem es außer Öl und Sand sowieso praktisch nix Interessantes gibt, man als Solo-Mann nicht ins Einkaufszentrum kommt, weil da ja auch Weibsvolk rumläuft und man wegen Harmlosigkeiten mit drakonischen Strafen rechnen muß? Diese Folterdiktatur tut man sich nur des Berufs wegen an - und auch das nur, wenn's gar nicht anders geht. Aber dort Urlaub machen?

    Der Prinz sollte mal unter seiner Kopfbedeckung durchlüften...

    www.faz.net/aktuell/gesellschaft/-16407554.html

    "Dazu zählen das Tragen unanständiger Kleidung ebenso wie die Zurschaustellung gegenseitiger Zuneigung. Enge Hemden und Hosen, sowie wie für Frauen freie Schultern oder Knie sind untersagt, erklärte die saudische Tourismuskommission.

    Auch spucken, vordrängeln oder Müll auf die Straße werfen sind verboten. Fotos oder Videos von Leuten dürfen nicht ohne Erlaubnis gemacht werden und es darf auch keine Musik während der Gebetszeiten gespielt werden. Die Höhe der Bußgelder reicht von umgerechnet etwa zwölf Euro bis 1500 Euro.

    Alkohol bleibt illegal. Unklar ist, ob unverheiratete Männer und Frauen gemeinsam in ein Hotelzimmer dürfen."

    Da kommt doch sofort Urlaubsstimmung auf - nicht...
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#2 PetterAnonym
  • 15.10.2019, 17:42h
  • Man kann LGBTI aus solchen Staaten nur dringend raten, in andere Staaten zu fliehen.

    Und es wird höchste Zeit, dass Verfolgung aufgrund der geschlechtlichen Identität oder der sexuellen Orientierung endlich als genereller Asylgrund anerkannt wird.

    Auch in Deutschland, wo Union und SPD nach wie vor blockieren.
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#3 Patrick SAnonym
  • 15.10.2019, 18:09h
  • Antwort auf #2 von Petter
  • Selbst wenn, wird das schwierig für die Betreffenden Personen zu beweisen sein. Denn wie wir ja gelernt haben, aus den Nachrichten, ist nur der nachweislich schwul für unsere Beamten, der ein dutzend Gaypornos auf dem Smartphone hat und mit Passbild und Lebenslauf seine Verflossenen belegen kann.

    Ich warte nur darauf, bis sie auch bei uns Analuntersuchungen durchführen.

    Oder, bevor ich das vergesse, man bekommt von einem freundlichen deutschen Richter erklärt, wie man am besten unsichtbar lebt, um in seinem Heimatland nicht aufzufallen und Opfer der Justiz zu werden.
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#4 Ana NymAnonym
  • 16.10.2019, 08:40h
  • Zu @2 und @3 Ich finde es auch sehr merkwürdig, dass wir zu Recht soviel auf die abgeschaffte Todesstrafe geben und ein fortschrittliches Rechtssystem, aber das irgendwelche Asylantragsbearbeiter*innen (selten mit der Ausbildung eine*r Richter*in!) indirekt z.B. LGBTIQ+ zu schweren Gefängnisstrafen, Folter und Tod verurteilen dürfen, indem sie sie in entsprechende und dafür bekannte Länder abschieben.
    Unsere Asylgesetzgebung hält dabei noch die "schützende" Hand darüber.
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#5 JanJanAnonym
  • 16.10.2019, 10:06h
  • Antwort auf #1 von Techniker
  • Es gibt genug Menschen/Deutsche die in Saudi Arabien Urlaub machen werden. Die sich von der "tollen" Werbung angesprochen fühlen und es in keinster Weise interessiert, was für dreckige Kriege dieses Land führt, Islamisten auf der Welt und die Islamisierung der Welt fördert und strunzkonservativ ist.

    Ees gibt ja schließlich auch Menschen die in der Türkei Urlaub machen.
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#6 AmurPrideProfil
  • 16.10.2019, 13:42hKöln
  • Vielleicht sollte man in diesem Kontext noch einmal daran erinnern das Saudi-Arabien die geistige Heimat des Wahhabismus, einer puristisch-traditionalistischen Richtung des Islam ist.
    Die Anhänger nehmen für sich in Anspruch, als einzige die islamische Lehre authentisch zu vertreten. Glaubensauffassungen, die mit dem Wahhabismus nicht vereinbar sind, werden von ihnen als "unislamisch" deklariert.

    Die in Asien verbreitete Gruppe der Ahl-i Hadîth sowie das al-Qaida-Netzwerk stehen den Wahhabiten nahe.
    Die Ideologie der Taliban weist Ähnlichkeiten mit dem Wahhabismus auf.
    In seinem Herrschaftsgebiet führte der Islamische Staat einen auf der Scharia und dem Wahhabismus basierenden 16-Punkte-Katalog ein, der das öffentliche und private Leben massiv normierte und einschränkte.
    Gleichzeitig fördert der saudische Staat wahhabitische und andere dogmatische sunnitische Organisationen in allen Teilen der Welt.
    Etwas "spitz" formuliert könnte man also sagen: Der Staat Saudi-Arabien ist Ursprung, Keimzelle und bis heute zumindest ideologischer Ausgangsort des radikalisierten Islamismus und des auf ihm basierenden islamischen Terrorismus.

    Kennzeichnend für den Einfluss der Wahhabiten in Saudi-Arabien selbst sind unter anderem folgende Praktiken im öffentlichen Leben:
    >Verbot des Autofahrens für Frauen (2018 abgeschafft)
    >Verbot für Frauen, sich in der Öffentlichkeit mit fremden Männern zu zeigen
    >Öffentliche Scharia-Strafen wie Hinrichtungen und Auspeitschungen
    >Verbot der freien Religionsausübung
    >Lange Zeit waren Musik und Fernsehen uneingeschränkt verboten.
    >Zerstörung des islamischen Kulturerbes in Saudi-Arabien

    Neben der regulären Polizei gibt es in Saudi-Arabien die islamische Religionspolizei Mutawwi. Diese hat die Aufgabe die Einhaltung der koranischen Vorschrift "..das Rechte zu gebieten und das Verwerfliche zu verbieten.." in der Öffentlichkeit zu überwachen.

    Wer angesichts dieser Tatsachen, egal ob LGBTIQ* oder nicht, trotzdem noch freiwillig dort hinreist, ist einfach ein .... *bin einfach zu höflich erzogen um das zu schreiben*
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#7 PetterAnonym
#8 LarsAnonym
  • 16.10.2019, 23:21h
  • Antwort auf #6 von AmurPride
  • Hinreisen kann man schon und sollte das vielleicht auch, wenn man die Kraft dazu hat - allerdings nicht als Tourist, der es sich in abgeschlossenen Resorts gut gehen lässt, sondern als Reisender, der sich für andere Länder interessiert und Land und Leute kennen lernt. Erst dann kann man auch besser einschätzen, wie man queere Menschen in diesen Ländern unterstützen kann. Ich denke aber nicht, dass solche Reisen Erholungsurlaube sein können. Sie wären eher politische Arbeit.
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#9 TheDadProfil
  • 17.10.2019, 11:42hHannover
  • Antwort auf #8 von Lars
  • ""Hinreisen kann man schon und sollte das vielleicht auch""..

    Es gab auch hier schon Leute die sich damit rühmten nach Jerusalem zu reisen, um sich dort vor Ort dann ausschließlich "Christliche Kirchen" zu bekucken..
    Um mit keinem einzigem Wimpernzucken auf die politische Situation der dort lebenden Menschen einzugehen..

    "Bildungsreisen" in Länder in denen LGBTTIQ*-Menschen nicht nur unterdrückt sind, sondern auch staatlicherseits ermordet werden, sind die offenbar "logische fortsetzung" der Handlungsweise einer Gattung Mensch, die man als "Gaffer" am Unfallort betrachten kann, und die sich dann auch konsequent der "unterlassenen Hilfeleistung" schuldig machen..
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#10 LarsAnonym
  • 17.10.2019, 22:13h
  • Antwort auf #9 von TheDad
  • Woher kommt jetzt dieser Abwehrreflex?

    Auch LGBT-Aktivisten reisen in die Länder, in denen queere Menschen bedroht werden und knüpfen notwendige Kontakte.

    Das ist wie gesagt nicht jedem zuzumuten.

    Hier, hinter dem sicheren Bildschirm die Welt mit leichtem Grusel zu begaffen, ist sicher am leichtesten.
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