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Saudi-Arabien

Schwuler Social-Media-Star offenbar wegen Badehosenbild verhaftet

Ein 23-Jähriger aus Riad soll offenbar wegen eines harmlosen Bildes hinter Gitter. Dabei schickt sich die Regierung gerade an, Saudi-Arabien ein wenig offener zu machen.


Suhail al-Jameel veröffentlichte ein Bild in Badehose in sozialen Netzwerken, das ihm jetzt offenbar zum Verhängnis werden könnte

  • 15. Oktober 2019, 11:54h 14 3 Min.

In sozialen Netzwerken sorgt derzeit das Schicksal des 23-jährigen Suhail al-Jameel aus der saudi-arabischen Hauptstadt Riad für Aufregung: Ursache ist offenbar ein auf am 6. Oktober auf Snapchat und Twitter veröffentlichtes Bild, das den Social-Media-Star mit 170.000 Twitter-Fans oberkörperfrei in Badehose zeigt. Eine Woche später, am 13. Oktober, erklärte al-Jameel in sozialen Netzwerken auf Englisch, dass er wegen des Bildes angeklagt werden solle – wegen Verbreitens von Nacktheit.

"Es ist eine Schande, dass LGBTQ in Saudi-Arabien nicht willkommen sind, man im Geheimen leben muss und keinen Frieden findet", so al-Jameel in dem Twitter-Eintrag. "Ihr wollt Tourismus, aber ihr gebt uns keine Freiheit." An seine Leser richtete er die Aufforderung: "Wenn ihr gay seid und Geld habt, bleibt weg von Saudi-Arabien." Er nutzte dabei den Hashtag #IamGay.

Laut unbestätigten Berichten erhielt al-Jameel bereits eine dreijährige Gefängnisstrafe wegen des Bildes. Wie die unabhängige nahöstliche Nachrichtenseite Al Bawaba berichtete, soll al-Jameel bereits zuvor wegen eines "kompromittierenden" Bildes mit einer anderen Person zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt worden sein. Seine Strafe sei aber laut dem Bericht zunächst zur Hälfte erlassen, nachdem al-Jameel Koran-Verse auswendig gelernt hatte. Am Ende habe er gar nicht ins Gefängnis gemusst, weil er eine Liste von Forderungen erfüllt habe.

In sozialen Netzwerken hat sich in den letzten Tagen der Hashtag #Freesuhail verbreitet. Gesicherte Details über sein Schicksal sind allerdings nicht erhältlich.

Öffnet sich Saudi-Arabien?

Saudi-Arabien versucht derzeit, sich ein liberaleres Image zuzulegen und Besucher anzulocken. Bislang ist das Land für Touristen kaum zugänglich, sondern nur für Geschäftsleute, stationierte Militärangehörige von alliierten Staaten wie den USA, islamische Pilger und Besucher mit saudi-arabischen Angehörigen. Erst kürzlich gab das diktatorisch regierte Königreich aber bekannt, dass Personen aus 49 Ländern, darunter auch Deutschland, künftig Touristenvisa beantragen könnten. Für Ausländerinnen sollen dabei gelockerte Bekleidungsvorschriften gelten. Bis 2030 solle die Zahl der internationalen und heimischen Besucher auf hundert Millionen pro Jahr steigen, teilte die Tourismuskommission vergangenen Monat mit.

Ob LGBTI-Besucher willkommen sind, ist mehr als fraglich: Saudi-Arabien gilt als einer der wenigen Staaten der Erde, der Homosexualität nicht nur im (Scharia-)Recht mit der Todesstrafe bedroht, sondern diese auch zumindest in einigen Fällen tatsächlich durchführt. Das Regime behauptet, dass dies nur in Kombination mit schweren Straftaten wie Mord oder Kindesmissbrauch geschehe. In anderen Fällen kam es zu Auspeitschungen oder Gefängnisstrafen für Personen, die der Homosexualität beschuldigt wurden. Mehrfach war es in den letzten Jahren zu anti-homosexuellen Razzien gekommen.

Berichte über angebliche Hinrichtungen, wie etwa im Frühjahr auf CNN, können oft nicht von unabhängiger Stelle bestätigt werden, da es im Land praktisch keine Pressefreiheit gibt. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" stuft das Königreich auf Platz 172 im Pressefreiheitsranking ein – von 180 Staaten. (dk)


In Saudi-Arabien sieht es in Sachen Pressefreiheit schwarz aus (Bild: Reporter ohne Grenzen)

-w-

#1 TechnikerAnonym
  • 15.10.2019, 15:50h
  • Auf Touristen kann der mordende Ölprinz wohl lange warten - wer reist freiwillig in ein Land, in dem es außer Öl und Sand sowieso praktisch nix Interessantes gibt, man als Solo-Mann nicht ins Einkaufszentrum kommt, weil da ja auch Weibsvolk rumläuft und man wegen Harmlosigkeiten mit drakonischen Strafen rechnen muß? Diese Folterdiktatur tut man sich nur des Berufs wegen an - und auch das nur, wenn's gar nicht anders geht. Aber dort Urlaub machen?

    Der Prinz sollte mal unter seiner Kopfbedeckung durchlüften...

    www.faz.net/aktuell/gesellschaft/-16407554.html

    "Dazu zählen das Tragen unanständiger Kleidung ebenso wie die Zurschaustellung gegenseitiger Zuneigung. Enge Hemden und Hosen, sowie wie für Frauen freie Schultern oder Knie sind untersagt, erklärte die saudische Tourismuskommission.

    Auch spucken, vordrängeln oder Müll auf die Straße werfen sind verboten. Fotos oder Videos von Leuten dürfen nicht ohne Erlaubnis gemacht werden und es darf auch keine Musik während der Gebetszeiten gespielt werden. Die Höhe der Bußgelder reicht von umgerechnet etwa zwölf Euro bis 1500 Euro.

    Alkohol bleibt illegal. Unklar ist, ob unverheiratete Männer und Frauen gemeinsam in ein Hotelzimmer dürfen."

    Da kommt doch sofort Urlaubsstimmung auf - nicht...
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#2 PetterAnonym
  • 15.10.2019, 17:42h
  • Man kann LGBTI aus solchen Staaten nur dringend raten, in andere Staaten zu fliehen.

    Und es wird höchste Zeit, dass Verfolgung aufgrund der geschlechtlichen Identität oder der sexuellen Orientierung endlich als genereller Asylgrund anerkannt wird.

    Auch in Deutschland, wo Union und SPD nach wie vor blockieren.
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#3 Patrick SAnonym
  • 15.10.2019, 18:09h
  • Antwort auf #2 von Petter
  • Selbst wenn, wird das schwierig für die Betreffenden Personen zu beweisen sein. Denn wie wir ja gelernt haben, aus den Nachrichten, ist nur der nachweislich schwul für unsere Beamten, der ein dutzend Gaypornos auf dem Smartphone hat und mit Passbild und Lebenslauf seine Verflossenen belegen kann.

    Ich warte nur darauf, bis sie auch bei uns Analuntersuchungen durchführen.

    Oder, bevor ich das vergesse, man bekommt von einem freundlichen deutschen Richter erklärt, wie man am besten unsichtbar lebt, um in seinem Heimatland nicht aufzufallen und Opfer der Justiz zu werden.
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