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Berlin

Zwei Männer homophob beleidigt, geschlagen und getreten

Erneut ist es in Berlin zu einem homosexuellenfeindlichen Zwischenfall gekommen, infolgedessen eines der Opfer wegen einer gebrochenen Nase behandelt werden musste.


Der offenbar homophob motivierte Vorfall ereignete sich um kurz vor halb vier Uhr morgens (Bild: René Mentschke / flickr)

Zwei Männer sollen nach Angaben der Berliner Polizei Mittwochfrüh in Tiergarten homophob beleidigt und geschlagen worden sein. Die beiden 23- und 41-Jährigen waren nach derzeitigem Ermittlungsstand gegen 3.25 Uhr in der Kurfürstenstraße unterwegs, als sie von zwei Unbekannten homophob beleidigt worden sein sollen.

Als die beiden Männer darauf nicht reagierten, sollen die beiden Täter sie mit Schlägen und Tritten angegriffen haben und in unbekannte Richtung geflohen sein. Der 23-Jährige erlitt unter anderem einen Nasenbeinbruch. Beide Verletzte mussten zur Behandlung in ein Krankenhaus.

Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt hat – wie bei Fällen von vermuteter Hasskriminalität üblich – die Ermittlungen übernommen. Weitere Angaben zu den mutmaßlichen Tätern und den Opfern machte die Polizeibehörde in ihrem Bericht bislang nicht.

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Die Berliner Polizei macht mögliche Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität gezielt in Polizeimeldungen publik und meldet diese daher vergleichsweise häufig der Öffentlichkeit. Erst am Montagabend berichtete die Behörde von einer von vier Jugendlichen begangenen verbalen Attacke auf ein lesbisches Paar (queer.de berichtete). Am Wochenende war zudem eine lesbische Frau von einem Taxifahrer homofeindlich beleidigt und angegriffen worden (queer.de berichtete). Am Wochenende zuvor hatte die Polizei einen 27-Jährigen vorläufig festgenommen, der einen schwulen Mann aus Hass auf dessen sexuelle Orientierung geschlagen haben soll (queer.de berichtete).

Die Polizei und die Staatsanwaltschaft in Berlin haben eigene Ansprechpartner für LGBTI.

Vergangenen Monat hatte die Bundesregierung in der Antwort auf einen Kleine Anfrage der Linksfraktion bekanntgegeben, dass die Zahl der bundesweit gemeldeten queerfeindlichen Straftaten binnen eines Jahres um 46 Prozent angestiegen ist (queer.de berichtete). (dk)



#1 Patrick SAnonym
  • 16.10.2019, 13:24h
  • Berlin, Berlin, Berlin. Warum hören wir immer nur von Berlin? Ganz einfach: weil Berlin die einzige Kartei für Hasskriminalität mit homophobem Hintergrund führt.
    Also multiplizieren wir die Vorfälle aus Berlin mit der Anzahl aller größeren Städte Deutschlands und wir wissen, wie weit wir 2019 mit der Tolleranz und Akzeptanz sexueller Minderheiten in unserer Gesellschaft sind.
    Alltägliche Diskriminierungen und psychische Gewalt selbstredend gar nicht mit eingerechnet.

    Aber wir installieren ja jetzt Kameras am Berliner Denkmal, heiraten darf ich ja auch schon und wir verabschieden ein Gesetz gegen Konversionstherapien, das liebevoll mit der Kirche erarbeitet wurde, die diese menschenverachtenden Praktiken bis dahin über ihre Vereine selbst durchgeführt hat.

    Also, was will ich denn eigentlich, es wird doch besser?! - Sarkasmus off...
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#2 PetterAnonym
  • 16.10.2019, 14:00h
  • Und wieder schweigt unsere schwarz-rote Bundesregierung.

    Die lehnen sogar die Anträge von Grünen und Linkspartei ab, das Problem deutschlandweit zu erfassen, damit man überhaupt mal weiß, wie groß das Problem ist, ob es regionale Häufungen oder spezielle Täterstrukturen gibt, etc.

    Geschweige denn, dass die endlich mal einen nationalen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie auflegen oder mit voller rechtlicher Gleichstellung zeigen, dass LGBTI keine Menschen 2. Klasse sind.
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#3 berliner_bärchenAnonym
  • 16.10.2019, 17:21h
  • Die Gewalt in meiner Wahlheimatstadt ertrage ich kaum noch. Klar ist, dass in einem queeren Medium "nur" die Gewalt gegen Lesben, Trans und Schwule veröffentlicht wird - und die Dunkelziffer an lgbt-feindlichen Übergriffen wird wohl auch nicht gering sein (Diebstähle, Erpressung aber auch körperliche und seelische Gewalt usw.).

    Nicht nur die Gewalt gegen LGBTI hat sich im öffentlichen Raum erhöht, sondern auch die Gewalt gegen Musliminnen mit Kopftuch, gegen Behinderte, gegen Obdachlose, gegen Kinder, gegen Prostituierte und "ausländisch aussehende" Personen,gegen alte Menschen, gegen Frauen usw. Kurz: die Atmosphäre in der einst relativ friedlichen Stadt hat sich in Richtung Gewalt verschoben und wird es weiter tun. Leider sind viele, auch in meinem Umfeld, gegenüber dieser Gewaltspirale ignorant. Vielleicht aus Selbstschutz, aber vielleicht auch aus Egoismus heraus nach dem Motto: "...solange mich es nicht erwischt...".

    Allerdings macht es einen großen Unterschied, in welcher Gegend Berlins man wohnt. Als ich aus meiner geliebten Schöneberger-Wohnung wegen Eigenbedarf ausziehen musste, habe ich keine für mich bezahlbare Wohnung mehr gefunden und musste in einen ärmeren Bezirk außerhalb des S-Bahnrings ziehen. Da wurde mir erstmal bewusst, wie privilegiert ich über Jahrzehnte gelebt hatte. Im meinem neuen Kiez geht es deutlich rauer zu und Gewalt z.B. innerhalb der Trinkerszene ist fast täglich zu beobachten und auch außerhalb dieser. Natürlich leben hier auch viele liebenswerte Menschen, aber eben auch viele Ärsche, Nazis und Loser - manche vereinen alles in einer Person. SS-Runen sind hier an vielen Wänden zu sehen und werden nicht wie in anderen Kiezen übermalt. Das Ausmaß an menschlicher Verwahrlosung ist erschütternd. Diese Verwahrlosung ist aber auch deutlich bei Angehörigen der Mittelschicht zu beobachten, die z.B. mit ihren schicken Rädern haarscharf an Hochbetagten vorbeibrettern ohne wahrzunehmen, dass die alten Menschen erschrecken oder vielleicht sogar den Schreck erzeugen wollen um ihr kleines Ego aufzubauen.

    Den Opfern von homo- bzw. transphober Gewalt hilft es nicht weiter, wenn man ihnen von den anderen diskriminierten und von alltäglicher Gewalt bedrohten erzählt. Darauf wollte ich nicht hinaus, sondern, dass Berlin ein allgemeines, ernstes Gewaltproblem hat, dass alle Schichten, Nationalitäten und Geschlechter durchdringt. Hier trifft Neuzeit auf DDR-Nostalgie, Liberalität auf autoritäres Denken, Internationalität auf dumpfen Nationalismus. Immerhin hat fast jeder vierte in Brandenburg (das Bundesland, in dessen Mitte Berlin liegt) die AfD gewählt - und das auch in S-Bahn-Nähe zur Berliner Innenstadt.

    Vor ein paar Jahren noch, haben sich die unterschiedlichsten Gruppen ignoriert oder sogar toleriert. Diese Zeit ist vorbei - jetzt wird immer öfter auf "unliebsame" Zeitgenossen eingeschlagen oder verbal attackiert. Solange sich diese aggressive Stimmung und die Ignoranz dem gegenüber nicht ändert, wird die Gewalt gegen LGBTI bestimmt nicht abnehmen. Das ist kein (ausschließlich) politisches Problem sondern vor allem ein gesellschaftliches.
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#4 TheDadProfil
  • 16.10.2019, 21:06hHannover
  • Antwort auf #2 von Petter
  • ""Die lehnen sogar die Anträge von Grünen und Linkspartei ab, das Problem deutschlandweit zu erfassen, damit man überhaupt mal weiß, wie groß das Problem ist, ob es regionale Häufungen oder spezielle Täterstrukturen gibt, etc.""..

    Ich bin ja dringend dafür das einfach mal hochzurechnen..
    Man liest ja inzwischen beinahe täglich davon..

    Berlin selbst hat 3,5 Millionen Einwohner..
    Pro Jahr gibt es mehr als 300 Überfälle dieser Art..
    Macht im Durchschnitt Einen Überfall pro 11.667 Einwohner pro Jahr..

    Macht dann bei 82,5 Millionen Einwohner im Bund eine Überfallrate von
    7.072 Überfällen pro Jahr..

    Und selbst das ist als "Dunkelziffer" sicher noch zu gering gegriffen..
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#5 SixtinusAnonym
  • 17.10.2019, 06:13h
  • Antwort auf #3 von berliner_bärchen
  • Eine unsägliche Relativierung homophober Gewalt, die dieser Kommentar betreibt. Und ein Schlag ins Gesicht der Opfer.

    Homosexuelle sind in Berlin die häufigste Opgfergruppe von Gewalt. Schau einfach mal auf die Webseite der Berliner Polizei, wie viele homophobe Einträge zu finden sind.

    Zugleich sind sie die am wenigsten geschützte Opfergruppe (Hassgesetze, Grundgesetz, fehlender öffentlicher Diskurs über Homophobie).
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#6 SixtinusAnonym
  • 17.10.2019, 06:18h
  • Und zu den Grünen: wenn es ihnen wirklich ernst wäre, würden sie mehr politisches Gewicht hinter diese Forderung werfen, Stichwort Koalitionsverhandlungen und vor allen öffentliche Thematisierung.

    Dass dies Schaufensteranträge sind, sieht man schon daran, dass immer nur Hinterbänkler diese Entwürfe einbringen.
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#7 TheDadProfil
  • 17.10.2019, 10:46hHannover
  • Antwort auf #5 von Sixtinus
  • ""Homosexuelle sind in Berlin die häufigste Opgfergruppe von Gewalt.""..

    Solche "Hitparaden" sind nicht hilfreich !

    Denn diese Statistik erfasst nicht nur "Homosexuelle" als Opfer, sondern auch Trans*-Menschen, Lesben, Intersexuelle, und alle Menschen die sich Queer zum heterosexuellem Mainstream verhalten, und dafür dann angegriffen werden..

    Mal völlig davon abgesehen das die größte Gruppe Opfer von Gewalttaten Frauen sind..
    Auch dann, wenn man hier nur den "öffentlichen Bereich" als Tatorte nimmt..

    Den Kommentar von "berliner_bärchen" als Ausdruck eigenen Erlebens dann auch Infrage stellen zu wollen, und sogar als ""unsägliche Relativierung homophober Gewalt"" zu bezeichnen ist dann auch einfach unverschämt..
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#8 TheDadProfil
  • 17.10.2019, 10:53hHannover
  • Antwort auf #6 von Sixtinus
  • ""Dass dies Schaufensteranträge sind, sieht man schon daran, dass immer nur Hinterbänkler diese Entwürfe einbringen.""..

    Und Anträge die sich mit berechtigten Forderungen befassen sind ja nur deshalb, weil sie von "Hinterbänklern" stammen mit Ignoranz zu belegen ?

    Wie sehr man selbst dann die Politik zu einer "Sache der Etablierten" erklärt, und sich schon deshalb gar nicht mehr wirklich mit berechtigten Forderungen befassen will, man man es für "aussichtslos" hält das sich diese "Eliten" damit befassen werden, fällt dann schon gar nicht mehr auf..
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#9 berliner_bärchenAnonym
#10 SixtinusAnonym
  • 17.10.2019, 21:09h
  • Antwort auf #7 von TheDad
  • Natürlich gehören auch Trans* und Inter* Menschen zu jenen, die überproportional Gewalt erfahren.

    Die Gewalt gegen LSBTI geht aber so weit, dass jeder, der auch nur irgendwie als solcher erkennbar ist, damit rechnen muss, im Krankenhaus zu landen. Das ist zum Beispiel bei der Frau mit Kopftuch, die Berliner Bärchen genannt hat, nicht son

    Und ja, der Kommentar von Berliner Bärchen ist relativierend, da er impliziert, dass alle Formen der Gewalt irgendwie gleich ausgeprägt wären.

    Es findet nicht mal ein öffentlicher Diskurs über Gewalt gegen LSBTI statt.
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