Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?34695

Interview

"Ein Geschenk an die Community"

Am Freitag feiert die lesbische Berliner Initiative RuT im SchwuZ ihren 30. Geburtstag und lässt es ordentlich krachen. Die neue RuT-Geschäftsführerin Ina Rosenthal erklärt, was es zu feiern gibt und wie das passiert.


Infostand von Rad und Tat (RuT) – Offene Initiative Lesbischer Frauen e.V. (Bild: RuT)
  • 17. Oktober 2019, 14:22h, noch kein Kommentar

Ina, du bist erst seit ein paar Monaten bei RuT. Gibt's da schon viel zu feiern?

Um meine eigene Arbeit zu feiern, ist es noch ein bisschen früh, da hast du recht. Aber ich feiere sehr gerne die Errungenschaften meiner Vorgängerinnen* und aller im Team. Das Fest, das wir am Freitag feiern, ist auch nicht nur für uns, sondern ist auch ein Geschenk an all diejenigen, die in den letzten 30 Jahren durch Solidarität, durch Hilfe und durch Spenden, RuT zu dem gemacht hat, was sie jetzt ist.

Was ist es denn, was RuT jetzt ist? Was hast du vorgefunden, als du deinen neuen Job angetreten hast?

RuT ist die offen lesbische Initiative, die auf jahrzehntelange Erfahrung zurückblickt und die es immer geschafft hat, ganz unterschiedliche Player*innen an einen Tisch zu bringen. Eine sehr gesunde Mischung aus politischer Aktion, sozialem Engagement und Netzwerkarbeit. Und das gefällt mir auch persönlich einfach sehr. Viele, sehr unterschiedliche Frauen*, die ganz unterschiedliche Aspekte von Communityarbeit mit gestalten wollen – und das schon lange tun. Von 18 bis 80 Jahren sind hier alle vertreten.

- Werbung - Video - BEAUTIFUL DESTINATION MALTA

Ina Rosenthal (Bild: RuT)

Das wofür euch die meisten Leute kennen, ist der Kampf um euer Wohnprojekt, der dieses Jahr ein schönes, vorläufiges Ende fand. Feiert ihr Freitag auch das?

Ja, klar. Obwohl der Kampf um dieses lesbische Kultur- und Wohnprojekt in Berlin eben nur vorläufig abgeschlossen ist. Da gibt es noch sehr, sehr viel zu tun. Aber wir sind viel näher dran an der Realisierung als noch vor einem Jahr. Aber ich bin auf sehr vieles andere, was wir tun, genauso stolz und will das feiern.

Was denn?

Da ist erstmal unser großartiger Besuchsdienst, der seit vielen Jahren lesbischen Frauen*, die Hilfe brauchen, weil sie beispielsweise krank sind, ein Angebot macht. Da sind wir bundesweit Rollenmodel und helfen zum Beispiel gerade in Hamburg und Bremen bei der Gründung ähnlicher Initiativen.

Dann gibt's unser Projekt "Lesbisch.Sichtbar.Berlin", ein Strukturprojekt, das Menschen in der Community direkte Hilfe dabei gibt, gleichberechtigte Teilhabe zu organisieren, aber auch darzustellen, was lesbische Frauen in Berlin seit 30 Jahren schon alles wuppen und wie wir miteinander arbeiten! Teil von "Lesbisch.Sichtbar.Berlin" ist auch eine Umfrage, wie lesbische Frauen* sich selbst sehen und definieren. Wir haben über 800 Rückläufe bekommen, die jetzt ausgewertet werden und die wir in ein paar Wochen vorstellen, aber auch weiterverfolgen wollen.

Und dann ist da auch unser LGBTIQ*-Inklusivprojekt, bei dem wir Veranstalter*innen dazu beraten, wie sie ihre Organisationen und Veranstaltungen barriereärmer gestalten können. Also wo kriegt mensch Gelder für solche Verbesserungen her? Aber auch zum Beispiel: Wie sieht eine barrierearme Internetseite aus? Dann gibt's noch das Lesbenfrühstück, Spieleabende bei uns und einiges mehr. Wir sind ein Multigenerationsbegegnungsraum.

Was erwartet die Besucher*innen denn am Freitagabend?

Oh, so viel! Eine echte Geburtstagsparty. Wir werden uns erinnern, essen, trinken, tanzen, singen, uns und andere feiern! Es wird eine kurze Rede vom grünen Senator Dirk Behrendt geben, und Carsten Schatz von den Linken wird ein Grußwort von Kultursenator Klaus Lederer verlesen. Prof. Barbara John, Vorstandvorsitzende des Paritätischen Berlin, wird einen unterhaltsam historischen Rückblick auf die Geschichte des RuT geben, es gibt Live-Musik von Kim Labelle, Cabaret von den Cis*stars, die Ehrenamtlichen werden geehrt und dann gibt's Party auf drei verschiedenen Floors bis in den späten Morgen.

Wie bei jedem Geburtstag darfst du dir was wünschen. Was sind denn die drei dringendsten Wünsche von und für RuT für die nächsten zehn Jahre?

Erstens weiterhin und noch viel mehr Solidarität und Unterstützung auch von der breiten Mehrheit. Wir brauchen, wenn wir die Community aktiv gestalten wollen, nicht nur den politischen Willen, sondern auch Finanzmittel. Mein zweiter Wunsch ist, dass wir mit unseren Angeboten noch mehr Frauen* aus unser Communtiy erreichen. Und dass wir alle zusammen lesbisches Leben und lesbische Kultur vielfältiger, aber auch noch sichtbarer machen. Der dritte ist eher allgemeiner: Ich wünsche mir für uns alle, dass wir gesamtgesellschaftlich entschieden und gut organisiert gegen die rechten Strömungen in unserer Gesellschaft vorgehen. Nur wenn uns das gelingt, können wir alle längerfristig erfolgreich weiterarbeiten.