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Sachbuch

Ein Schlüssel- und Initialwerk der Queer Theory

Das fulminante Erstlingswerk "Das homosexuelle Begehren" des französischen Philosophen und LGBTI-Aktivisten Guy Hocquenghem wurde endlich neu aufgelegt.


Guy Hocquenghem, Jahrgang 1946, wurde 1971 Mitglied des neu gegründeten "Front homosexuel d'action révolutionnaire" (FHAR). Der Vertraute von Gilles Deleuze, Michel Foucault und René Scherer veröffentlichte mehr als zwanzig Werke, bis er 1988 an den Folgen von Aids starb (Bild: Edition Nautilus)

Als er 1972 "Das homosexuelle Begehren" schrieb, war Guy Hocquenghem gerade 25 Jahre alt – eine schillernde Persönlichkeit, Philosoph, Trotzkist und Schwulenaktivist aus Frankreich.


Die Neuausgabe von "Das homosexuelle Begehren" ist im Hamburger Verlag Edition Nautilus erschienen

Hocquenghem fordert in dem Werk ein neues Denken über Geschlecht, Begehren und Sexualität, jenseits binärer Schemata und des "ödipalen Dreiecks" der psychoanalytischen Theorie. Für ihn gibt es keine stabile (sexuelle) Identität, sondern nur ein universelles Begehren. Skeptisch gegen jede Behauptung von "Normalität" kritisiert Hocquenghem daher auch jene liberale Ideologie, die Homosexualität zwar toleriert, aber nur als von der Normalität klar abgetrenntes "Minderheiten-Phänomen".

Sein Buch ist eine radikale Kritik der gesellschaftlich fest verankerten Homophobie, zugleich aber auch ein Appell an die Bewegung, sich nicht vom liberalen Integrationsversprechen blenden zu lassen, das die Stillstellung des Begehrens in einer "homosexuellen Identität" einfordert. Stattdessen sieht er die Rolle der homosexuellen Emanzipationsbewegungen darin, mit ihrer eigenen Befreiung auch die der Sexualität aller zu erkämpfen.

Für die soziologische Debatte in Frankreich ist Hocquenghems Werk wegweisend – so sind die Schriften Didier Eribons wie auch Michel Foucaults Hauptwerk "Histoire de la sexualité" stark von ihm geprägt. Diese Neuauflage schließt eine Lücke im deutschsprachigen Diskurs. (cw/pm)

Infos zum Buch

Guy Hocquenghem: Das homosexuelle Begehren. Aus dem Französischen von Lukas Betzler und Hauke Branding auf Basis der Erstübersetzung von Burkhart Kroeber von 1974. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Lukas Betzler und Hauke Branding. 200 Seiten. Edition Nautilus. Hamburg 2019. Taschenbuch: 18 € (ISBN 978-3-96054-208-7). E-Book: 14,99 € (ISBN 978-3-96054-209-4)


#1 schwulenaktivist
  • 18.10.2019, 08:27h
  • Ich habe damals dieses Buch gelesen und auch in einem Schwulenheft besprochen. Ich kann versichern, dass damals kein Mensch von "queer Theorie" geredet oder an sowas gedacht hat.
    Höchstens war von einem "Tuntenstreit" (VrW) in Berlin etwas bekannt. In dem Buch steht überhaupt nichts von Lesben und anderen Buchstabenmenschen!

    Solche Rückwärtsprojektionen sind anmassend und historisch falsch!
    Höchstens kann mensch sagen, das Buch passe sehr gut in die heute bekannte queer Theorie!

    Ich warte nur noch darauf, dass historische Exponenten rückwärts als "cis-weisse-Homosexuelle" bezeichnet werden. Goots no??
    Wird bald der Tag kommen, an welchem von dem "sogenannten S-Wort" geschrieben wird???
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