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Utah

Mormonen wollen weiter Homosexuelle "heilen" dürfen

Während einer ihrer Bischöfe wegen Verdachts auf sexuellen Kindesmissbrauch verhaftet wird, will die Mormonenkirche ein drohendes Verbot von "Homo-Heilung" verhindern.


Bild aus dem Film "Latter Days" (2003), in dem die Mormonenkirche ein junges schwules Kirchenmitglied mit Foltermethoden von seiner Homosexualität "heilen" will (Bild: TLA Releasing)

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonenkirche) hat am Dienstag laut der Nachrichtenagentur AP eine Erklärung veröffentlicht, in der sie sich gegen ein Gesetz zum Verbot der "Heilung" von homo- und transsexuellen Jugendlichen ausspricht. Hintergrund ist ein Plan des US-Bundesstaates Utah, derartige "Konversionstherapien" zu verbieten. In Utah hat die Kirche ihren Hauptsitz und stellt die Bevölkerungsmehrheit. Ähnliche Gesetze gibt es bereits in 18 der 50 US-Bundesstaaten.

Die Mormonenkirche argumentierte, dass das Verbot die Religionsfreiheit einschränken würde. In der Erklärung hieß es auch, dass Eltern das Recht haben müssten, die Entwicklung ihrer Kinder "zu lenken". Da viele Abgeordnete in Salt Lake City und auch der republikanische Gouverneur Gary R. Herbert gläubige Mormonen sind, dürfte das Nein der Kirche laut politischen Beobachtern das geplante Gesetz praktisch unmöglich gemacht haben.

Derzeit ist die Mormonenkirche in den USA die viertgrößte christliche Glaubensgemeinschaft – nach Katholiken, Südstaatenbaptisten und Methodisten. Anders als traditionelle Kirchen berufen sich die Mormonen nicht nur auf die Bibel, sondern auch auf das "Buch Mormon" – dabei handelt es sich um eine Art Fortsetzung der Heiligen Schrift, in der die Geschichte des auserwählten Volkes von Israel nach Nordamerika verlagert wurde. Wegen dieser "Bibel 2" werden die Mormonen von anderen Christen oft als nicht-christliche Religionsgemeinschaft angesehen.

Die Kirche hat sich immer wieder durch extreme Homo- und Transphobie profiliert. In der Vergangenheit behauptete sie etwa allen Ernstes, dass Selbstbefriedigung homosexuell mache (queer.de berichtete). Im letzten Jahr erklärte Kirchenpräsident Dallin H. Oaks, dass Satan persönlich für die Gleichstellung von Homosexuellen im Ehe-Recht verantwortlich sei (queer.de berichtete). Immerhin: Zuletzt hat die Kirche erklärt, dass Homosexualität unter Mormonen nicht automatisch als Abfall vom Glauben gewertet wird (queer.de berichtete).

Kirchenbischof wegen Kindesmissbrauchs verhaftet

Auch wenn die Mormonenkirche immer wieder ihre angeblich hohen moralischen Standards betont, wird sie wie auch die katholische Kirche immer wieder von Skandalen heimgesucht – etwa am Mittwoch, als in Utah Bischof Timothy Jame Hallows wegen Verdachts auf Kindesmissbrauch und Verbreitung von Kinderpornografie festgenommen wurde. Der 61-Jährige hat laut Medienberichten ein Teilgeständnis abgelegt.

Twitter / JeremyHarrisTV

"Homo-Heilung" ist laut Ärzten und Psychologenverbänden hoch gefährlich – Personen könnten damit in die Depression oder gar den Suizid getrieben werden. Der Weltärztebund erklärte deshalb 2013, dass "Homo-Heilung" die Menschenrechte verletze und nicht zu rechtfertigen sei (queer.de berichtete). (dk)



#1 DramaQueen24Profil
  • 19.10.2019, 07:22hBerlin
  • "Die Mormonenkirche argumentierte, dass das Verbot die Religionsfreiheit einschränken würde. "

    Therapien sind etwas Medizinisches oder Therapeutisches und hat mit Religionsfreiheit so wenig zu tun, wie Donald Trump mit Ehrlichkeit. Hier ein Beispiel dafür, aus mormonischer Sicht, was so eine Therapie den Menschen antut:

    www.youtube.com/watch?v=F8Ihx2tBris

    Mormonen behaupten heute noch, dass solche Therapien" zum Besten für die Menschen sei (for their own good).
    Niemand wusste damals, als ich zum ersten Mal bei den Mormonen (von Geburt an) war, dass ich transsexuell bin, auch ich nicht (obwohl es Anzeichen und Bilder aus der Zeit gab), und, hätten die es gewusst, wäre ich bei so einer "Therapie" gelandet, käme gebrochen oder tot nach Hause.
    Beim zweiten Mal, als ich Mitglied wurde (von 1975-1992) wussten sie es. Als ich es meinem damaligem Bischof sagte, nachdem Exfrau und Kinder es von mir erfahren hatten, gab der Bischof mir einen Zettel, den ich unterschreiben sollte. Darauf stand, dass ich freiwillig aus der Kirche austreten wolle. Das stimmte aber nicht, ich unterschrieb nicht (blöd, wie ich damals war), und wurde dann im Februar 1992 exkommuniziert. Danach wurde mir an allem die Schuld gegeben, was in meiner ehemaligen Familie schieflief.
    Wenn der Mormonenkult weiter daran festhalten will, zeigt das, dass sie immer noch die eiserne Faust im Samthandschuh trägt, und sie nur an sich, nicht an die homosexuellen und transsexuellen Mitglieder denkt!
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