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Keine Fördermittel für "Vulgärsprache"

Analsex geht nicht am Arsch vorbei!

Nach einer Intervention des Hessischen Sozialministeriums hat Marco Kammholz seinen Workshop "A wie Analverkehr – ein Analphabetisierungskurs" am 9. November in Darmstadt abgesagt. Hier erklärt er, warum.


Verzichtet auf mehrere hundert Euro Fördermittel: Marco Kammholz. Mit seinen sexualpädagogischen Analverkehr-Workshops sorgte er auch schon in Köln und Erfurt für Wirbel – siehe die unter dem Artikel bei "Mehr zum Thema" verlinkten Berichte (Bild: privat)

Am 9. November 2019 war mein sexualpädagogischer Workshop zum Thema Analverkehr in Darmstadt – von mir voller Charme und Zuneigung "DARMstadt" genannt – geplant. In Zusammenarbeit mit dem Verein vielbunt e.V. sollte die Bildungsveranstaltung im dortigen queeren Zentrum stattfinden.

Zur Finanzierung der Veranstaltung wurde seitens des Vereins ein Förderantrag an die Antidiskriminierungsstelle "Vielfalt schätzen" des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration gerichtet. Nachdem die Freigabe des Titels und der Ankündigung der Veranstaltung seitens des zuständigen Ministeriums an sprachliche und somit inhaltliche Veränderungen gekoppelt wurde, habe ich entschieden, den Workshop abzusagen.

Mir ist selbstverständlich klar, dass eine mit Landesmitteln geförderte Veranstaltung zumeist in mehr oder weniger intensiver Absprache mit den zuständigen Fördergeber*innen zu erfolgen hat. Von entscheidender Bedeutung ist dabei für mich aber das sachliche Gewicht des Arguments und die Wahrung meiner fachlichen und didaktischen Autonomie als sexualpädagogische Fachkraft.

Der nicht genehmigte Ankündigungstext

A wie Analverkehr – Ein Analphabetisierungskurs

Während der größte und kräftigste Muskel des Menschen gemeinhin Allerwertester genannt und als Sitzgelegenheit gebraucht wird und man sich auch meist täglich der Entleerung des Darms hinwendet, haftet dem Hintern als erogener Zone und Fickgelegenheit immer noch das Tabu, der Schmutz, der Schmerz, die Scham an. Sind wir sexuell am Arsch, so begegnen uns nicht nur Tabus und Verbote, sondern damit einhergehend auch fehlendes Wissen um Tipps & Tricks, die zu einer lustvollen Verwirklichung sexueller Phantasien und Wünsche verhelfen können. Der Workshop möchte einladen sich den großen und kleinen Fragen rund um Analverkehr zu widmen:

Wie soll denn da was rein passen? Welche Hilfsmittel gibt es? Was gilt es anatomisch zu beachten? Wie sprechen wir über Analverkehr? Und wer fickt hier eigentlich wen? Der Workshop ist konzipiert und angeleitet von Marco Kammholz und ist sein Praxisprojekt gewesen im Rahmen der Weiterbildung zum Sexualpädagogen am Institut für Sexualpädagogik (ISP). Die Veranstaltung richtet sich an erwachsene, schwule, lesbische, bisexuelle, trans*- oder cis-geschlechtliche Menschen. Die Veranstaltung sucht die interaktive und inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema Analverkehr. Dabei finden keine sexuellen Handlungen statt. Vielmehr geht es – im Sinne eines Angebot zur sexuellen Gesundheit – um die Auseinandersetzung mit Männlichkeit, Geschlechterrollen, Scham, Lust und Sexualität.

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Keine "Fickgelegenheit" unterm Landeswappen

Kritik und Änderungsanliegen entzündeten sich seitens der zuständigen Fachstelle des Ministeriums am Titel der Veranstaltung wie auch am Sprachgebrauch des Ankündigungstextes. Der Begriff und das von mir gewählte Wortspiel des "Analphabetisierungskurs" beinhalte "ein Diskriminierungspotential gegenüber Personen, die über geringe Lese- und Schreibkompetenzen verfügen und aus diesem Grund stigmatisiert werden". Es sei zudem wichtig, "dass queere Kontexte den stigmatisierenden Sprachgebrauch nicht reproduzieren" um somit die Offenheit und Niedrigschwelligkeit des Angebots für alle Personengruppen zu gewährleisten.

Darüber hinaus wurde der von mir in der Ankündigung verwendeten Bezeichnung "des Hinterns als erogener Zone und Fickgelegenheit" angelastet, sie könne "als gewaltförmige Sprache gelesen werden". Auf die Bezeichnung der "Fickgelegenheit" und die am Ende des Ankündigungstextes aufgeworfene Frage "Wer fickt hier eigentlich wen?" solle in Anbetracht der möglichen Abschreckung von "Personen, die für gewaltförmige Sprache in besonderer Weise sensibilisiert sind", verzichtet werden. Nicht zuletzt stehe die Verwendung von "Vulgärsprache" aus zuwendungsrechtlichen Gründen im Widerspruch zu einer (Flyer-)Publikation, auf der das Logo der Antidiskriminierungsstelle und das Hessische Landeswappen verwendet wird.

Aus der Email des Ministeriums an vielbunt e.V.

Die Thematisierung von sexueller Gesundheit über den Fokus Analverkehr ist für uns fachlich unstrittig ein geeigneter Zugang. Wir wertschätzen insbesondere, dass vielbunt e.V. als queerer Verein das Thema sexuelle Gesundheit aufgreift. […]

In der Frage der Freigabe der Verwendung des Logos waren für uns als Antidiskriminierungsstelle auch diskriminierungspolitische Aspekte von Gewicht. Aus dieser Perspektive bitten wir um folgende Änderungen:

a) Der Begriff "Analphabetisierungskurs" ist ein reizvolles Wortspiel, das sprachlich tatsächlich verfängt. Allerdings beinhaltet der Begriff aus Sicht der Antidiskriminierungsstelle auch ein Diskriminierungspotential gegenüber Personen, die über geringe Lese- und Schreibkompetenzen verfügen und aus diesem Grunde stigmatisiert werden. Es ist uns wichtig, dass queere Kontexte den stigmatisierenden Sprachgebrauch nicht reproduzieren, dies würde nicht zuletzt der Niedrigschwelligkeit und Offenheit eures Angebotes auch für diese Personengruppe entgegenstehen. […]

b) Wir gehen davon aus, dass der Begriff "Fickgelegenheit" und die Frage "Wer fickt hier eigentlich wen?" im Text verwendet werden, um schon in der Bewerbung Sexualtabus offensiv anzusprechen. Diese Intention ist nachvollziehbar. Es stehen dem aber zwei wichtige Einwände gegenüber: Zum ersten ist die Verwendung von Vulgärsprache auf einem Medium, auf dem das Logo der Antidiskriminierungsstelle und damit das Hessische Landeswappen aus zuwendungsrechtlichen Gründen verwendet werden muss, nicht statthaft. […]. Zum zweiten wird hier in einem notwendiger Weise (Medium Veranstaltungsflyer) sehr kurz gehaltenen Text eine Formulierung verwendet, die durchaus als gewaltförmige Sprache gelesen werden kann, zumal sie in anderen Kontexten bewusst in erniedrigender und bedrohlicher Form verwendet wird. Die hierin mitschwingende Ambivalenz von Lust, Dominanz und Unterwerfung muss notwendiger Weise Teil der Veranstaltung sein, es besteht aber in der Abwägung keine zwingende Notwendigkeit, das Thema in dieser – wie gesagt notwendigen – Verkürzung anzureißen. Vielmehr könnte dies dazu führen, dass sich Personen, die für gewaltförmige Sprache in besonderer Weise sensibilisiert sind, durch den Text eher abgeschreckt fühlen, was für den Erfolg der Veranstaltung nicht wünschenswert ist. Wir bitten euch deshalb, den Begriff "Fickgelegenheit" nicht zu verwenden und auf die Frage "Wer fickt hier eigentlich wen?" im Text zu verzichten.

Analphabetismus heißt nicht Humorlosigkeit


Selfie mit Anus: Marco Kammholz bei einem seiner Workshops (Bild: privat)

Für mich kann die in der Gesamtheit wohlwollend und fachlich angemessen formulierte Rückmeldung des zuständigen Ministeriums nicht über die Schwäche ihrer Argumente und ihre sexualpolitisch problematischen Inhalte hinwegtäuschen. Weil mich die darin formulierte Argumentation nicht überzeugen kann und weil sie zudem von fragwürdigen Begriffen der Gewalt und Antidiskriminierung geleitet ist, habe ich entschieden, den Veränderungsvorschlägen und somit den Förderbedingungen nicht zuzustimmen und mein Angebot zurückzuziehen.

Ich bin aus den folgenden Gründen nicht bereit, den von mir fachlich reflektierten Charakter der Veranstaltung und ihrer Ankündigung zu verändern und die sexualpolitischen Implikationen, die mit den vorgetragenen Aspekten von vorgeblicher Antidiskriminierung einhergehen, mitzutragen:

Die Bezeichnung "Analphabetisierung" nimmt Bezug auf anale Sexualität und nicht auf Analphabeten. Die zum Gegenstand des Workshops bestehende Verbindung liegt in der Annahme, dass nicht wenigen Menschen das Handlungswissen zu Analsex fehlt und mitunter dadurch eine lustvolle Verwirklichung sexueller Wünsche verhindert wird. Es geht im gewählten Titel und in meinem Bildungsangebot somit schlichtweg nicht um Lese- und Schreibkompetenz, wohl aber um die Entwicklung sexueller Kompetenzen, zu denen die Befähigung zum Humor zweifelsohne zählt. Auch wenn ich keinen Zusammenhang zu Menschen aus dem Spektrum des Analphabetismus erkennen kann, bin ich zugleich überzeugt, dass Analphabetismus nicht mit Humorlosigkeit einhergeht.

Sprache ist Handlungskompetenz im sexuellen Leben

Zum Zusammenhang von Sexualität und Aggression und der Notwendigkeit diesem Verhältnis Gesprächs- und Diskussionsraum zu geben, ließe sich viel Wichtiges sagen, insbesondere zu den wirkmächtigen Tabuisierungen, die einem angemessenen Austausch hierzu oftmals im Wege stehen. Dabei ist die Beziehung zwischen Sexualität und Sprache unbestreitbar von Bedeutung und muss in pädagogischen Angeboten aufgerufen werden. Nicht ohne Grund beginnt der "Analphabetisierungskurs" mit einer Einheit, die das sexuelle Sprachrepertoire über Analverkehr zum Thema macht und kritisch reflektiert.

Sexualisierten Sprachgebrauch halte ich dabei, offenbar ganz im Gegensatz zu den derzeit geläufigen Ansätzen der Antidiskriminierung, nicht für eine prinzipiell aus der Öffentlichkeit oder pädagogischen Angeboten zu verbannende Sprachpraxis, sondern vielmehr für eine, im besten Fall luststeigernde, Handlungskompetenz im sexuellen Leben. Den Möglichkeiten und Grenzen dessen reflexiv nachzuspüren, ist eine Zielsetzung des Workshops. Für die Ankündigung einer Bildungsveranstaltung für Erwachsene zum Thema Analverkehr halte ich die, in eine insgesamt inhaltlich ausgewogene und ausreichend informative Beschreibung des Workshops eingebettete, Verwendung von einzelnen sexualisierten Begriffen nicht nur für angemessen, sondern für hilfreich.

Gerade die Auseinandersetzung mit sexualisierter Sprache bietet dabei die Möglichkeit Aufmerksamkeit zu erregen und weiterhin vorherrschende Sexualtabus zu thematisieren und offenzulegen. Zugleich kann darin Zugang gewonnen werden zu denjenigen sexuellen Phantasien und Praktiken, die zu den derzeit geltenden Wertevorstellungen im Bereich des Sexuellen im Widerspruch stehen. Der höchste Anspruch an ein sexuelles Bildungsangebot für Erwachsene ist der, der konflikthaften Beziehung zwischen individueller Sexualität und Gesellschaft nachzugehen. Diesem Umstand, der eine Quelle des Glücks und der Zumutung darstellt, sollten selbstbewusste Angebote der sexuellen Erwachsenenbildung nachspüren, gerade wenn sie auf die Mitgestaltung einer weniger gewalttätigen Sexualkultur hinwirken wollen.

Repressive Sexualmoral unter liberalem Vorzeichen

Eine vordergründig und angeblich um diskriminierte und gewaltbetroffene Gruppen bemühte staatliche Antidiskriminierungspolitik leistet gerade dazu keinen Beitrag. Die Befreiung der Sprache von Widersprüchlichkeit, Zweideutigkeit, Anzüglichem und lustvoll vulgärer Erotik, die Infantilisierung erwachsener Menschen und die Gängelung sexueller Bildungsangebote, die das Stilmittel der Provokation im Sinne ihrer Zielgruppen, ihrer Ziele und ihres Inhalts verwenden, ist der falscheste Vollzug politischer Korrektheit. Hier werden letztlich keine politischen Kategorien auf einen Gegenstand angewendet, der gerechter gestaltet werden soll, sondern es wird im Gegenteil eine unter liberalen Vorzeichen weiterhin repressive Sexualmoral durchgesetzt.

Die Gewalttätigkeit dieser Gesellschaft lässt sich weder abmildern noch bekämpfen, indem man meine humor- und lustvoll formulierte und an der sexuellen Lebenswelt Erwachsener orientierte Ankündigung zu einem sexualpädagogischen Workshop zum Thema Analverkehr von ihrem sprachlich-sexuellen Gehalt befreit. Man trägt damit vielmehr zu jener Sprach- und Harmlosigkeit bei, die die Sexualität um ihren Glanz und Reiz beraubt.

Wöchentliche Umfrage

» Was denkst du über staatliche Fördermittel für Analverkehr-Workshops?
    Ergebnis der Umfrage vom 21.10.2019 bis 28.10.2019


#1 Carsten ACAnonym
  • 21.10.2019, 08:44h
  • Umgangssprachlich spricht man nun mal oft anders als es die "Hochsprache" macht.

    Das betrifft gerade auch die Sprache über Sexualität oder über Geschlechtsteile.

    Schon in der Schule haben alle Jungs (egal ob hetero oder schwul) nicht vom Penis bzw. Glied gesprochen, sondern vom Schwanz, Pimmel, Dödel, Riemen, o.ä. Und nicht von Hoden bzw. Testikeln, sondern von den Eiern, Nüssen bzw. Klöten. Und natürlich hat auch niemand Masturbation bzw. Onanie gesagt, sondern "wichsen", "sich einen rubbeln" oder "sich einen runterholen". Und statt kopulieren bzw. Beischlaf praktizieren wurde von ficken, bumsen, vögeln, o.ä. gesprochen.

    Und das ist auch unter Erwachsenen nicht anders. Weder unter Sexualpartnern noch unter Kumpeln. Letztens meinte mein (heterosexueller) Kumpel aus dem Handball-Verein "Die Frau, die ich am Wochenende abgeschleppt habe, wollte am Sonntag 3 mal gefickt werden." Und mein Freund sagt auch nicht "Schatz, ich möchte Oralverkehr mit Dir praktizieren", sondern "Schatz, ich will Dir einen blasen."

    Wenn man Menschen erreichen will, muss man auch deren Sprache sprechen!!

    Wenn man von Kopulation spricht, erwartet jeder einen akademischen Vortrag und entsprechend wenige Leute haben darauf Lust. Wenn man aber vom Ficken redet, weiß jeder, dass es nicht um akademisch-wissenschaftliche Dinge geht, die abgehoben diskutiert werden, sondern um ganz alltägliche Dinge, die jeden betreffen.
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#2 DarmstädterAnonym
  • 21.10.2019, 08:50h
  • Analphabetisierung kann man als An-Alphabetisierung lesen, also als Ent-Alphabetisierung. Das Wort ist wirklich ungeschickt. Das Ministerium hat mit seiner Kritik im Wesentlichen recht und man könnte die problematischen Wörter mit etwas Geschick und immer noch wunderbar derb umschiffen. Die Absage war völlig unnötig, schließlich findet in Darmstadt der Verkehr im Darm statt.
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#3 noBairroAnonym
  • 21.10.2019, 08:59h
  • Antwort auf #2 von Darmstädter
  • "Das Ministerium hat mit seiner Kritik im Wesentlichen recht und man könnte die problematischen Wörter mit etwas Geschick und immer noch wunderbar derb umschiffen."

    Das sehe ich genauso. Zumal die Antwort des Ministeriums sehr wertschätzend ist. Die Absage und die Rechtfertigung dazu wirkt auf mich aufgebläht.
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#4 LinguistAnonym
  • 21.10.2019, 09:01h
  • Alleine schon, dass die Politik umgangssprachliche Ausdrücke als "Vulgärsprache" bezeichnet, zeugt von kompletter Ahnungslosigkeit.

    Sprachwissenschaftlich betrachtet gibt es keine "Vulgärsprache". Jede Sprache hat sogenannte Varietäten, z.B. Dialekte und Regiolekte, Soziolekte, etc. Und eben auch verschiedene Stilebenen und sogenannte "Register", die je nach Situation und kommunikativen Anforderungen genutzt werden.

    Und dazu kommt noch Sprachwandel. "Geil" war mal für viele ein sehr anstößiger Begriff, später ist es dann in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen und bezeichnete nicht mal mehr ausschließlich sexuelle Erregung ("Ich bin geil"), sondern auch wenn man Dinge gut fand ("Das ist ein geiler Film").

    Auch ich würde bei einem Arzt von meinem Penis oder meinem Glied sprechen, aber außerhalb eines wissenschaftlich-medizinischen Kontextes würde ich mit Kumpeln, Kommillitonen und erst recht mit einem Sexualpartner natürlich von meinem Schwanz o.ä. sprechen. Und genauso bei Begriffen wie ficken, blasen, wichsen, etc.

    Das sind einfach unterschiedliche Varietäten, die je nach Kontext verwendet werden, aber nicht wertvoller oder weniger wertvoll sind. Und die Sprachwissenschaft würde auch niemals werten und zwischen "guter" und "schlechter" Sprache unterscheiden. "Vulgärsprache" ist ein rein abwertender Begriff, um Menschen ihren natürlichen und alltäglichen Sprachgebrauch zu untersagen.

    Wenn Politiker Sprachpolizei spielen wollen, zeugt das nicht nur von sprachwissenschaftlicher Ahnungslosigkeit, sondern es erinnert auch eher an Dystopien wie Orwells "1984" oder "Animal Farm".
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#5 GronkelAnonym
  • 21.10.2019, 09:11h
  • Viel Wind um gekränkte Eitelkeiten. Wenn er die sensiblen Sprach- und Deutungsansichten des Förderers nicht nachvollziehen mag, dann sagt er den Kurs eben ab.
    Eine wirkliche Begründung, warum die 2 Worte nicht gewechselt werden, sind hingegen nicht mehr nachvollziehbar und werden auch in Bandwurmsätzen mit Behauptungen nicht gegeben:

    "Der höchste Anspruch an ein sexuelles Bildungsangebot für Erwachsene ist der, der konflikthaften Beziehung zwischen individueller Sexualität und Gesellschaft nachzugehen. Diesem Umstand, der eine Quelle des Glücks und der Zumutung darstellt, sollten selbstbewusste Angebote der sexuellen Erwachsenenbildung, gerade wenn sie auf die Mitgestaltung einer weniger gewalttätigen Sexualkultur hinwirken wollen, nachspüren."

    Am Ende stehen nur eine Unverständnisbekundung, ein an den Haaren herbeigezogener Vorwurf der politischen Korrektheit nebst repressiver Sexualmoral und eine Absage. So sei es.
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#6 YannickAnonym
  • 21.10.2019, 09:12h
  • Übrigens:
    das hessische Sozialministerium ist an Hand der Grünen. Offenbar ist es bei den Grünen wie bei der SPD, dass man schon in vorauseilendem Gehorsam und Unterwürfigkeit vor der Union brav kriecht.

    Oder ist das sogar schon Unterwürfigkeit vor der AfD, die ja auch gerne Sprachpolizei spielt?!
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#7 IronikerEhemaliges Profil
  • 21.10.2019, 09:18h
  • "Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
    Art 5
    (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
    (2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
    (3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung."

    Ich hätte dann ganz gern mal eine Absage gelesen, die diesen Kriterien entspricht. Ansonsten gilt für mich immer noch der Kernsatz

    "EINE ZENSUR FINDET NICHT STATT".

    Man kann sich also durchaus mal Gedanken darüber machen, ob die Absage der Fördermittel bzw. eine Vorgabe der Abänderung der Sprache in "Wissenschaft, Forschung und Lehre" grundgesetzkonform sind.

    Wenn ich denke, was z.B. ein Herr Kutschera hochdotiert als Professor so alles verbreiten darf... aber das Messen mit zweierlei Maß ist ja nun nichts wirklich Neues.
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#8 LinguistAnonym
  • 21.10.2019, 09:19h
  • Antwort auf #5 von Gronkel
  • "Eine wirkliche Begründung, warum die 2 Worte nicht gewechselt werden"

    Die Gründe sind ganz einfach:

    1. Wenn man Menschen erreichen will, muss man auch deren Sprache sprechen.

    2. Ganz unabhängig davon: wieso soll man sich von Politikern, die Sprachpolizei spielen wollen, die eigene Sprache diktieren lassen oder gar (gegen jegliche wissenschaftliche Fakten) als "vulgär" herabwürdigen lassen?

    Eine Umgangssprache, die 90% der Menschen privat nutzen...

    Niemand wird gezwungen, diese Ausdrücke zu verwenden, aber umgekehrt erwarte ich auch keine Verbote, diese Ausdrücke zu verwenden. (Und auch keine diesbezügliche Erpressung mit Fördermitteln.)

    Mit dem Diktieren, was man sagen darf und was nicht und welche Ausdrücke man dabei zu verwenden hat, fängt es an... Aber damit hört es noch lange nicht auf. Wehret den Anfängen.
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#9 Still_Ith
  • 21.10.2019, 09:47h
  • "Auseinandersetzung mit Männlichkeit"

    Achje, was wird erst passieren, wenn die Leute erfahren, dass es weder nen Schwanz noch Männlichkeit braucht, um nen Arsch zu haben?
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#10 GerritAnonym
  • 21.10.2019, 09:51h
  • Die hessische Landesregierung verwechselt da was (oder will das absichtlich verwechseln):

    Nicht alles, was man fördert und wo das eigene Logo auftaucht, muss mit der Meinung der Landesregierung übereinstimmen und ist erst recht keine offizielle Verlautbarung der Landesregierung.

    Sonst gäbe es auch keine staatliche Filmförderung mehr. Oder sollen auch Filmschaffende demnächst ihre Drehbücher und ihre Besetzungslisten von der Politik absegnen lassen, ob es den Damen und Herren Ministern so genehm ist?

    Und bestimmen demnächst nicht mehr Pädagogen und Didaktiker, wie Lehrpläne aussehen, sondern Minister?

    Entweder fördert man Aufklärung oder man fördert sie nicht und will die Menschen dumm halten. Aber wenn man sie fördert, hat die Politik weder in Inhalte noch in Sprache reinzureden, denn das ist ein schwerer Eingriff in Grundrechte wie die Lehr- und Forschungsfreiheit.

    Pfui CDU.
    Pfui Grüne.
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