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Lesbisch Schwule Filmtage Hamburg

Doku über lesbische Liebe in der DDR gewinnt Publikumspreis

Beim 30. queeren Filmfestival in Hamburg holte das Drama "Uferfrauen" einen der diversen Preise der Reihe.


Barbara Wallbraun (2. von links) mit der Dokula – ihr Debütfilm "Uferfrauen" wurde vom Publikum zum besten Dokumentarfilm gekürt (Bild: Volker Zobelt)

  • 21. Oktober 2019, 23:31h, noch kein Kommentar

Zum Abschluss der Lesbisch Schwulen Filmtage Hamburg wurden am Sonntag die diesjährigen Festivalpreise vergeben – 15.000 Zuschauer*innen hatten zuvor an fünf Abenden die Chance, unter 63 Filmprogrammen mit über 130 Kurz- und Langfilmen ihre Favoriten auszuwählen. Den begehrten Publikumspreis holte "Uferfrauen", eine deutsche Doku über lesbisches Lieben in der DDR.

Sieben Jahre lang hat Barbara Wallbraun an ihrem ersten Dokumentarfilm gearbeitet und nun ging alles ganz schnell: Kaum war die Weltpremiere am Sonntagabend im ausverkauften Kinosaal zu Ende, hatte die Regisseurin guten Grund, gleich weiter zu feiern: Das Publikum der 30. Filmtage Hamburg hat "Uferfrauen" zum besten Dokumentarfilm des Festivals gekürt. Völlig überwältigt nahm Wallbraun die "Dokula" auf der Abschlussgala des größten queeren Filmfestivals Deutschlands entgegen und dankte dem Festivalteam für die Unterstützung und Gastfreundschaft.

Direktlink | Bericht des ARD-Kulturjournals zum jetzt ausgezeichneten Film

Homosexuelle waren in der DDR zwar geduldet, aber unerwünscht. Sie wurden von der Stasi beobachtet, der Paragraph 151 untersagte Sex unter gleichgeschlechtlichen Erwachsenen und Jugendlichen, bis zu 4.000 Menschen wurden deswegen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Liebe unter DDR-Frauen wurde öffentlich kaum thematisiert – und auch nach dem Mauerfall nur langsam aufgearbeitet. "Diese Frauen haben ihre Bedürfnisse ganz tief weggeschlossen. So tief, dass es bis weit nach der Wende gedauert hat, diese Bedürfnisse zuzulassen, sich zu öffnen und zu sagen: Ich trenne mich von meinem Mann, ich oute mich vor meinen Kindern, weil ich mit einer Frau zusammen leben möchte", schildert Wallbraun ihren Ansporn, den Lebensgeschichten ihrer sechs Protagonistinnen Sichtbarkeit zu verleihen. Die Filmtage wiederholen die durch Das Kleine Fernsehspiel des ZDF koproduzierte Dokumentation am 24. Oktober (19 Uhr, Metropolis, Tickets gibt es an der Kinokasse).

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Jurypreis für brasilianische Dokumentation

Die "Globula" für den besten Spielfilm vergab das Publikum an "Saint Frances" von Alex Thompson, USA, über eine junge Babysitterin, die auf eine Sechsjährige aufpasst, deren Mütter auf eine Beziehungskrise zusteuern. Ausgezeichnet wurden zudem vier Kurzfilme (Preisübersicht). Die Jury bildeten in diesem Jahr Mel Pritchard (Melbourne), Zoya (Berlin) und Daniel Nolasco (Rio de Janeiro) – ihre Hauptauszeichnung ging an die brasilianische Dokumentation "Espero tua (re)volta".

Direktlink | Trailer "Espero tua (re)volta"

Schüler*innen hatten 2015 in ganz Brasilien Schulen besetzt, um für ihr Recht auf Bildung und damit für ihre Zukunft zu kämpfen. Für die Dokumentation hat Eliza Capai einige der streikenden Schüler*innen über ein Jahr lang begleitet und eine der Fridays-for-Future-Bewegung ähnliche Leidenschaft unter Jugendlichen festgehalten. Der mit 5.000 Euro dotierte Jurypreis ging laut dieser an "einen Film, der uns vertrauten, oft gesehenen Aufnahmen eines Landes in Aufruhr eine neue Perspektive aufzeigt. Seine beeindruckende Zusammenführung verschiedener Erzählungen und die Verstärkung brillanter junger Stimmen machen ihn zu einem überzeugenden Aufruf zum (Wieder)Handeln." Der Dokumentarfilm war einer von fünf brasilianischen Langspielfilmen des diesjährigen Programms; er wird im Rahmen der Filmtage-Schulvorstellungen noch einmal am 22. Oktober (10 Uhr, Metropolis) gezeigt.

QueerScope-Preis an "The Garden Left Behind"

Erstmals wurde in Hamburg der QueerScope-Preis vergeben, die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung für einen internationalen Debütfilm wird jährlich von den Organisator*innen von sechzehn deutschsprachigen, unabhängigen queeren Filmfestivals entschieden und bei einem der Festivals übergeben.

Direktlink | Trailer "The Garden Left Behind"

Tina lebt ohne Aufenthaltsgenehmigung mit ihrer Großmutter in einem kleinen New Yorker Apartment und hat Mühe, sich mit Taxifahrten finanziell über Wasser zu halten, gerade jetzt, wo sie ihre Transition beginnt und Hormone einnehmen muss. Die Hauptfigur von Flavio Alves' Debütspielfilm "The Garden Left Behind" hat mit gleich mehreren Herausforderungen zu kämpfen, körperliche Übergriffe eingeschlossen. Als transidente Latina in den USA sei dies aber eine realitätsnahe Darstellung, bestätigt Hauptdarstellerin Carlie Guevara, die wie alle trans Figuren im Film selbst auch transident ist und gemeinsam mit einem der Filmproduzenten Roy Wol nach Hamburg gereist ist, um den QueerScope-Preis persönlich im Kino Metropolis entgegenzunehmen. (pm/cw)