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Carsten Rentzing

LGBTI-feindlicher Bischof geht an Halloween

Nach der Debatte um seine erzkonservative Haltung und Texte für eine rechte Zeitschrift will der Landesbischof zurücktreten. Die Kirchenleitung entspricht dem Wunsch – und ruft zur Einheit auf. Proteste gegen den Rücktritt gibt es von Homo-Hassern und der AfD.


Carsten Rentzing war vier Jahre lang Chef der sächsischen Landeskirche (Bild: Steffen Giersch / EVLKS)

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens braucht einen neues geistliches Oberhaupt. Der wegen seiner Vergangenheit umstrittene Landesbischof Carsten Rentzing kann gemäß seines Wunsches aus dem Amt scheiden. Nach Beschluss der Kirchenleitung endet sein Dienst am 31. Oktober, wie Synodalpräsident Otto Guse nach einer Sondersitzung des Gremiums am Montagabend in Dresden bekanntgab. Bis dahin werde der Landesbischof keine Aufgaben mehr übernehmen. Für den 29. Februar und 1. März 2020 wurde eine Bischofswahl zur Bestimmung seines Nachfolgers terminiert.

Die Kirchenleitung habe den von Rentzing am 11. Oktober erklärten Verzicht auf das Amt nach langer und intensiver Beratung angenommen, wie Synodalpräsident Guse berichtete. Der Beschluss, es zur Verfügung zu stellen, basiere auf einer freien Entscheidung ohne Druck, schrieb Rentzing in einer Mail am 20. Oktober an das Landeskirchenamt. Er habe angesichts der öffentlichen Diskussionen um seine Person "keine Gewissheit, ob ich der Einheit der Landeskirche im Amt des Bischofs weiter dienen kann". Auf Nachfrage hat er laut Guse bestätigt, dass es dabei bleibt.

Rentzing lehnt "gelebte Homosexualität" ab

Der als erzkonservativ geltende 52-Jährige, der seit 2015 Landesbischof ist, war wegen der Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung in die Kritik geraten. Zudem wurden von ihm als Student zwischen 1989 und 1992 verfasste Texte in der rechten Zeitschrift "Fragmente" und eine Rede in der "Bibliothek des Konservatismus" bekannt. Kritisiert wurden auch immer wieder Rentzings homosexuellenfeindliche Äußerungen. So hatte er offen erklärt, dass er grundsätzliche Vorbehalte gegen "gelebte Homosexualität" habe (queer.de berichtete). Auch die Segnung von Homo-Paaren, die seine Heimatsynode beschlossen hatte, versuchte er zu torpedieren (queer.de berichtete). Rentzing zeigte sich zudem empört darüber, dass in der Öffentlichkeit über Homophobie in seiner Landeskirche diskutiert wurde (queer.de berichtete).

Über Rentzings künftige Verwendung solle mit ihm nach seinem Urlaub gesprochen werden, sagte der Präsident des Landeskirchenamtes, Hans-Peter Vollbach. "Es gibt keine Vorbehalte."

"Was ist rechtsextrem und was ein wertkonservativer Christ?"

Die Kirchenleitung dankte Rentzing für sein Wirken, er habe sich in schwieriger Zeit "um die Einheit der Landeskirche verdient gemacht". Sie rief dazu auf, bei allen unterschiedlichen Positionen und Meinungen geschwisterlich und respektvoll miteinander umzugehen. Es gehe darum, mit- statt übereinander zu reden, sagte Guse. Die Landessynode werde zusammen mit dem Landeskirchenamt überlegen, welche Konsequenzen aus dieser Situation für das künftige Handeln gezogen werden müssen. Das Kirchenparlament wird laut Guse am 2. November auch darüber beraten, was "rechtsextrem und was ein wertkonservativer Christ" sei. Es gehe um klare Abgrenzungen. "Das gab es bisher nicht und das ist meines Erachtens Teil des Problems."

In einer Online-Petition hatten Leipziger Christen von Rentzing eine Distanzierung "von den neuen Rechten" gefordert, die Initiatoren einer anonymen Pro-Rentzing-Petition hatten indes von einer "Schmutzkampagne" gegen den "letzten verbliebenen konservativen Bischof" in der EKD gesprochen. Sie war beim europaweiten fundamentalistischen Portal CitzenGo erschienen, das auch gegen LGBTI-Rechte extreme Stimmung macht.


Die Petition der Rentzing-Fans brachte es eigenen Angaben zufolge bislang auf 20.000 Unterschriften

Die Landeskirche habe sich stets gegen Rechtsextremismus und gegen Extremismus und Radikalismus jeglicher Form gewandt, betonte Landeskirchenamts-Präsident Vollbach. In ihr hätten sowohl konservative als auch liberale und linke Christen ihren Platz und seien aufgerufen, an der Einheit der Kirche mitzuwirken. Das sei schwierig und werde nicht ohne Kompromisse gehen.

Rund 150 Menschen hielten vor dem Landeskirchenamt, wo die Kirchenleitung tagte, eine Mahnwache für Rentzings Verbleib im Amt ab, mit Gesang und Kerzen. Dazu hatte die LGBTI-feindliche Sächsische Bekenntnisinitiative aufgerufen, die sich gegen homosexuelle Lebenspartnerschaften im Pfarrhaus und die Segnung Homosexueller richtet. Rentzing hatte der Bekenntnisinitiative vor seiner Wahl zum Bischof als Pfarrer im Erzgebirge und Vogtland angehört. Unter den Teilnehmern waren auch Politiker der AfD im Landtag. Die Fraktion hatte sich mit Rentzing solidarisiert und von einer "Hetzkampagne" gesprochen. (dpa/dk)



#1 goddamn liberalAnonym
#2 Uwe MAnonym
  • 22.10.2019, 13:15h
  • Wenn ich das so lese

    "Rund 150 Menschen hielten vor dem Landeskirchenamt, wo die Kirchenleitung tagte, eine Mahnwache für Rentzings Verbleib im Amt ab, mit Gesang und Kerzen."

    War sicher eine vorgezogene Walpurgisnacht. Schön, wenn er mit dem Besen zur nächsten Kirchensitzung fliegt.

    Möge er mit seinen Leipziger "Christen" zur braunen Hölle fahren.
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#3 Religioten-WatchAnonym
#4 goddamn liberalAnonym
#5 lindener1966Profil
#6 Ralph
  • 22.10.2019, 20:50h
  • Dass die Kirche erst mal beraten muss, was der Unterschied zwischen Wertkonservatismus und Rechtsextremismus ist, lässt lachen und weinen zugleich.
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#7 BaerchenProfil
  • 23.10.2019, 00:55hzuhause
  • Warum habe ich gerade das Gefühl ich bin in einen Spiegel gefallen? Wie kommt ausgerechnet dieses blaue Pack dazu von einer Hetzkampagne zu reden? Sind die doch die allerersten wenn es umd Hass und Aufhetzung geht...
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#8 ClarkAnonym
#9 SchleicheR74
  • 23.10.2019, 12:00h
  • Antwort auf #6 von Ralph
  • Heje, ja, ich seh da auch keinen großen Unterschied, gerade weil ja rechtsradikale Ansichten durch Religion geprägt wurden. Ich werde eh nie verstehen, warum man andere Menschen hassen soll, um von Gott geliebt zu werden. Der Teufel hat kräftig an der Bibel mitdiktiert... und die Hölle dürfte voll von Päpsten, Bischhöfen, Pastoren und anderen Fehlgläubigen sein *fg*
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#10 Ralph