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Ungarn

Budapest: Neonazis verbrennen Regenbogenfahne vor Kulturzentrum

Der Angriff auf das liberale Zentrum, in dem unter anderem der CSD sein Büro hat, ist der zweite binnen weniger Wochen.


Das Aurora im Herbst 2017 (Bild: nb)

Rund 50 Neonazis haben am Mittwoch gegen 14 Uhr ein bekanntes liberales Kulturzentrum in der ungarischen Hauptstadt Budapest angegriffen. Sie rissen die Regenbogenfahne am Eingang herunter, verbrannten sie und schmierten Nazi-Slogans an das Tor und an die Hauswand, wie Adam Schönberger, der Leiter des Kulturzentrums Aurora, auf seiner Facebook-Seite berichtete.

Das Zentrum sei zum Zeitpunkt des Angriffs noch nicht geöffnet gewesen, in den Innenräumen habe sich niemand aufgehalten, fügte Schönberger hinzu. Die Polizei leitete Ermittlungen gegen unbekannt wegen Randalierens ein.


Die mutmaßliche Angreifertruppe. Bild: Andras Piko

Das aus einer jüdischen Jugendgruppe heraus gegründete Aurora besteht seit 2014 und bietet auch kritischen Zivilorganisationen eine Bleibe. Unter anderen haben die Veranstalter des Budapest Pride, Obdachlosen-Aktivisten und das Roma-Pressezentrum dort Büros. Die bis vor kurzem amtierende zuständige Bezirksverwaltung, die von der rechts-nationalen Fidesz-Partei kontrolliert war, hatte mehrfach versucht, den Club zu schließen. Über die Anfeindungen gegen das Zentrum hatte im letzten Jahr gar CNN berichtet.

Doch bei den Kommunalwahlen vor zehn Tagen war die Fidesz-Partei von Ministerpräsident Viktor Orban auch im 8. Budapester Stadtbezirk der Opposition unterlegen. Dort befindet sich das Aurora. Der neue Bezirksbürgermeister Andras Piko begab sich unmittelbar nach dem Angriff der Rechtsextremisten an den Schauplatz. Er erhielt Polizeischutz für das Zentrum, zunächst für 48 Stunden.

Die Angreifer vom Mittwoch hatten zuvor an einer Kundgebung von Gleichgesinnten aus Anlass des ungarischen Nationalfeiertages teilgenommen. Am 23. Oktober 1956 war ein Aufstand gegen die damalige kommunistische Führung des Landes ausgebrochen. Sowjetische Streitkräfte hatten die Rebellion nach knapp zwei Wochen blutig niedergeschlagen.

"Schon wieder fanden von der Regierung unterstützte Faschisten eine konstruktive Aktivität", beklagte der Budapest Pride am Nachmittag ironisch bei Facebook, um dann kämpferisch zu betonten: "Liebe und Akzeptanz werden immer gewinnen! Wir werden nicht aufgeben! Wir hoffen, dass die Täter für das Hassverbrechen bald ins Gefängnis kommen! Wir werden in Kürze eine neue Flagge aufhängen." Am Abend veröffentlichte die Organisation ein Bild mit einer neuen Regenbogenflagge an dem Gebäude.

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Queere Filmvorführung gestört

Bereits am 26. September hatten rund zehn Neonazis eine queere Filmvorführung in dem Zentrum gestört: Sie stürmten den Raum mit Plakaten wie "Stoppt LGBT-Propaganda" und "Keine Toleranz" und bedrohten und beleidigten Besucher. Letztlich konnten die Organisatoren die Neonazis in den Hof drängen. Die herbeigeholte Polizei griff laut einem Bericht des Budapest Pride nicht ein und nahm nur zu einer Person die Personalien auf, die einen Jogurt-Becher auf einen Neonazi-Banner entleerte.


Der Übergriff im September (Video bei Facebook). Bild: Budapest Pride

Laut dem Bericht hätten die Neonazis bereits im Sommer ganze sieben Veranstaltungen im Rahmen des Pride gestört und Videos davon veröffentlicht. Sie gehören der Gruppe "Mi Hazánk Mozgalom" (Bewegung Unsere Nation) an, die sich als Fidesz-Unterstützer ansieht. (dpa/nb)



#1 DramaQueen24Profil
  • 24.10.2019, 03:58hBerlin
  • Da der Versuch, den Club zu schließen, von der Orban-Partei gescheitert ist, bitten sie nun ihre Nazifreunde in Ungarn (oder die fühlten sich dazu "ermutigt"), sich um den Club zu "kümmern", um so den Club zum Aufgeben zu zwingen.
    Und so was ist in der EU!
    Und die Polizei?
    Ich sehe vor meinem geistigen Auge, wie die "ermittelt".
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#2 PetterAnonym
  • 24.10.2019, 10:06h
  • Da sieht man wieder mal, welche Auswirkungen Politik auf das gesellschaftliche Klima hat.

    Staaten wie Ungarn und Polen hätten niemals in die EU aufgenommen werden dürfen, da sie nicht freiheitlich-demokratische Grundwerte teilen und die EU dem offenbar machtlos zusehen muss.
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#3 Fascho-WatchAnonym
  • 24.10.2019, 13:17h
  • Antwort auf #2 von Petter
  • Erst brennen Flaggen, dann Bücher und Häuser, dann Menschen.

    Das mit der Aufnahme in die EU sieht der CSU-Seehofer aber ganz anders. Er ist doch schon als Ministerpräsident seines bayerischen Operettenstaates immer gern auf "Staastbesuch" in Ungarn (und Putin-Russland) gewesen und hat seinen Orbán-Kumpel mit großer Freude mehrfach in München als "Freistaatsgast" mit allen Ehren begrüßt.
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#4 GerritAnonym
  • 24.10.2019, 13:25h
  • Es fängt immer mit Gewalt gegen Dinge an, der dann aber bald die Gewalt gegen Menschen folgt...

    Die EU muss endlich mal aktiv werden. Und wenn das Staaten nicht passt, sollen sie halt austreten. Solche Staaten wird niemand vermissen.
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#5 Ralph
  • 24.10.2019, 20:10h
  • Dass man dort aus Sicherheitsgründen die Fenster vergittern muss, sagt alles. Das ist Orbans "illiberale Demokratie" - der weniger verlogene staatsrechtliche Fachausdruck lautet Ochlokratie (Pöbelherrschaft).
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#6 YannickAnonym
  • 25.10.2019, 08:38h
  • So hat es damals auch angefangen...

    Wehret den Anfängen...

    Wenn man jetzt nichts dagegen unternimmt, wird das noch ein schlimmes Ende nehmen.
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