Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?34788

Urteil

Homophobes Bushido-Album bleibt auf dem Index

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig rügt die hemmungslose Gewaltdarstellung im Bushido-Album "Sonny Black". In einem Song des Rappers heißt es etwa: "Du Schwuchtel wirst hier ausradiert."


Bushido bei einem Auftritt in der ARD-Talkshow "Maischberger" im vergangenen Jahr (Bild: Screenshot Das Erste)

Es ist kein gewöhnlicher Tag am Leipziger Bundesverwaltungsgericht. Eine Wachfrau knipst im Flur mit dem Smartphone Rapper Bushido. Der Richter Thomas Heitz spricht in der dreistündigen Verhandlung in Leipzig von "Bitches", "Nutten" und Drogenhandel. Er zitiert Texte aus einem umstrittenen Album des Gangster-Rappers – Gegenstand der Verhandlung (Az.: BVerwG 6 C 18.18).

Es geht darum, ob die Bundesprüfstelle Bushidos Album "Sonny Black" 2015 zu Recht als jugendgefährdend eingestuft hatte. Das Bundesverwaltungsgericht stimmt zu: "Die hemmungslose Gewaltdarstellung zieht sich durch die Titel", erklärt Heitz. Frauen und Homosexuelle würden durch "vulgäre Sprache" herabgewürdigt. So ist in mehreren Liedern von "Schwuchteln" die Rede. Auch Ausdrücke wie "Du schwuler Spast" finden sich dort. In einem Song heißt es: "Berlin ist mein Hauptquartier, Du Schwuchtel wirst hier ausradiert."

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

Bushido "abgeschmiert auf ganzer Linie"

Es sei schwierig mit der Rapper-Sprache in einer "komplett anderen Abteilung auf Verständnis zu stoßen", sagt Bushido nach der Verhandlung. Er sei "abgeschmiert auf ganzer Linie", allerdings habe er sich auch keine großen Hoffnungen gemacht. Er wolle künftig weniger Gründe für Indizierungen liefern, sagt Bushido. "Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass ich nicht frauen- und schwulenfeindlich bin", behauptet der Rapper.

Seit 2015 darf sein Album "Sonny Black" nicht an Kinder und Jugendliche verkauft werden. Damals landete es auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Die Behörde befand, die Titel verherrlichten Gewalt und einen kriminellen Lebensstil, diffamierten Frauen und Homosexuelle. Der Berliner Rapper klagte gegen den Listeneintrag, das Verwaltungsgericht Köln wies die Klage ab (queer.de berichtete). Im Berufungsverfahren entschied das Oberverwaltungsgericht Münster für Bushido (queer.de berichtete). Daraufhin reichte die Bundesprüfstelle Revision ein.

Die Richter des Bundesverwaltungsgerichts beschäftigen sich nun mit den Fragen, ob die an der Platte beteiligten Künstler hätten angehört werden müssen. Auch die wegen Antisemitismus-Vorwürfen in die Schlagzeilen geratenen Rapper Kollegah und Farid Bang waren daran beteiligt. Und dann geht es auch noch darum, ob die Indizierung von Trägermedien, also von gesamten CDs, Filmen und Büchern, überhaupt noch zeitgemäß ist.

Ist die Indizierung noch zeitgemäß?

"Schon in den Achtzigerjahren hat die Indizierung nicht funktioniert, heute, im digitalen Zeitalter, ist das ein Witz", sagt Marc Urlen vom Deutschen Jugendinstitut im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Statt vorzugeben, was für Kinder und Jugendliche geeignet ist, fordert er mehr Medienkompetenz. "Kinder und Jugendliche müssen von klein auf lernen, mit Angeboten der Medien kritisch umzugehen", so Urlen. Dazu gehöre auch, zu hinterfragen, welches Anliegen Bushido mit seinem Album verfolgt, welchen Nutzen der Rapper aus einer Skandalisierung zieht. "Wenn die Bundesprüfstelle ein Medium auf den Index setzt, erhält dieses viel mehr Aufmerksamkeit", sagt Urlen. Durch eine Tabuisierung werde ein Datenträger für die jugendliche Zielgruppe erst recht interessant.

Bushidos Anwalt Mirko Lenz spricht sich in der Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht für die Indizierung einzelner Titel anstelle ganzer Alben aus. Die Zeit von Kassette und CD sei vorbei, im Internet sei das Verhalten der Hörer ein anderes: "Nicht das Gesamtkunstwerk wird gestreamt, nur der Einzeltitel", sagt Lenz.

Bundesprüfstelle verteidigt Jugendmedienschutz

"Tatsächlich ist es so, dass die großen Streamingdienste wie Amazon und Spotify die Indizierung beachten", entgegnet Frank Hölscher, der die Bundesprüfstelle vor Gericht vertritt. Er räumt aber ein, dass das Internet den Jugendschutz "erheblich erschwert". "Es ist für Behörden, die da tätig werden wollen, ein Hasen- und Esel-Spiel", so Hölscher mit Blick auf Plattformen wie Youtube, auf denen für Minderjährige gesperrte Titel frei zugänglich hochgeladen werden. "Das Internet hat Jugendmedienschutz schwieriger gemacht als er früher war, aber hat ihn nicht völlig obsolet gemacht", so der Anwalt der Bundesprüfstelle.

Liegen kritische Filme oder Songs etwa auf ausländischen Servern, ist der Handlungsspielraum deutscher Behörden begrenzt. Hinzu kommt, dass die gesetzlichen Zuständigkeiten unterschiedliche sind, je nachdem ob ein Medium digital oder "physisch" ist. So regelt bei Telemedien der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag der Länder das Vorgehen nach der Indizierung durch die Bundesprüfstelle. Bei Computerspielen, Büchern, Filmen und CDs gilt das Jugendschutzgesetz. Die Indizierung von Trägermedien wird veröffentlicht, für jugendgefährdend befundene digitale Inhalte werden nicht bekannt gemacht. Indizierte Medien dürfen nicht an Kinder und Jugendliche verbreitet werden, außerdem darf nicht für sie geworben werden.

Entscheider der Bundesprüfstelle bewerten, ob Medien auf eine Liste für jugendgefährdende Medien gesetzt werden. Die Prüfstelle kann nur auf Anregungen von Behörden und Trägern der freien Jugendhilfe aktiv werden. Im Vorjahr schloss die Bundesprüfstelle insgesamt 790 Verfahren ab, in 333 Fällen handelte es sich nach Meinung der entscheidenden Gremien um Pornografie. (dpa/cw)



#1 LotiAnonym
  • 31.10.2019, 08:42h
  • Mich interessiert weder sein Musik Stil , noch sein ganzes gebaren persönlicherseits. Unglaubwürdigkeit. Für mich nur ein lästiges Übel unserer Kulturlandschaft. Wer solchen Schrott hören will, kriegt es auch.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 DominikAnonym
  • 31.10.2019, 08:52h
  • Eine bessere Werbung hätte er sich nicht wünschen können, denn erst durch den Index erhält sein Album den für Jugendliche nicht ganz uninteressanten "Reiz des Verbotenen". Sogar in der "Tagesschau" war dieser unterbelichtete Proll-Rapper ein Thema. Völlig überbewertet dieser Typ, besser ignoriert man ihn einfach.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Ralph
  • 31.10.2019, 10:59h
  • Das Thema ist ja gerade aktuell durch Bemühungen, die Narrenfreiheit für Nazi-Bands einzuschränken. In diese Kategorie gehört Bushido. Richtigerweise wird darauf hingewiesen, dass die Indizierung im digitalen Zeitalter wenig Sinn hat. Die Antwort darauf kann aber nicht der Verzicht darauf sein, sondern ihre Ausweitung. Es gibt keinen Grund, weshalb Nazis weiter erlaubt sein soll, ihren Dreck unter Gleichgesinnte zu bringen, egal ob auf sogenannten Konzerten oder im Internet. Was dagegen rechtlich und technisch unternommen werden kann, muss getan werden. Und man möge sich endlich mal abgewöhnen, Nazis als Künstler zu titulieren, sobald sie ihren geistigen Müll zu musikartigen Tönen singen oder schreien.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 PetterAnonym
  • 31.10.2019, 11:31h
  • Richtig so.

    Gewaltaufrufe haben nichts mehr mit freier Rede oder Freheit der Kunst zu tun.

    Denn Freiheitsrechte finden ihre Grenzen immer dort, wo andere in ihren Rechten eingeschränkt werden. Sonst wären es ja auch nur einseitige Freiheitsrechte bzw. Unterdrückerrechte.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 PetterAnonym
#6 GerritAnonym
  • 31.10.2019, 13:45h
  • Wieso gibt es für Gewaltaufrufe nicht richtig fette Geldbußen? Wenn man einen Teil des Einkommens abschöpft, würde man ihn viel härter treffen.

    Wenn ich mich auf den Marktplatz stellen würde und dort zum "Ausradieren", "Auslöschen" oder was auch immer irgendwelcher Gruppen aufrufen würde, dann käme ich nicht auf den Index, sondern stünde vor Gericht.

    Wieso genießen "Promis" immer besondere Rechte? Ich dachte, in einem Rechtsstaat gilt dasselbe Recht für jeden.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Leon 4Anonym
  • 31.10.2019, 14:20h
  • Antwort auf #6 von Gerrit
  • Wenn du dich schreiend auf den Marktplatz stellst macht dich das auch noch nicht zu einem Kunstwerk!

    Der "promi" hat keinen sonderstatus, sein Schaffen - hier ein Album - ist jedoch wie jede Kunst immer erstmal sowohl unter dem Aspekt der künstlerichen Freiheit als auch im Kontext des Gesamtwerkes zu betrachten. Wenn man anfängt Kunst per se den der zum Entstehungszeitpunkt gängigen Sittsamkeit zu unterwerfen hat Kunst schon verloren, dann gibt's nur noch auf maximale Gefälligkeit runtergebrochenen Plastikmüll (wovon es ja schon erstmal genügend gibt, was wir unter Garantie nicht brauchen sind noch mehr Fischers, Connors oder Bendzkos!)

    Also ja, Kunst darf und sollte mehr dürfen als du oder ich, die grenzen wie weit Kunst gehen darf sind gesetzlich geregelt... Das diese Regelungen im Bezug auf Kunst weiter und weicher gefasst sind als im Bezug auf den einzelnen ist daher nur richtig!
    Hier wurde die Grenze überschritten, also weg damit und gut ist!

    Das man mit so einer Aktion einem Herren Bushido allerdings wieder einen Teil seiner jüngst völlig verspielten "Street Credibility" zurück gibt und das Album jetzt unter Garantie wieder mehr Aufmerksamkeit generiert ist eben der negative Beigeschmack den so ein Verfahren nach sich zieht!

    Die Frage in wie weit ein bushido album als Kunst anzusehen ist steht auf nem anderen Blatt! . Mal abgesehen von ein paar bombastischen beat-gerüsten fällt es mir persönlich auch sehr schwer hier eine "künstlerische Relevanz" festzustellen, jedoch bin ich mir auch bewusst das mein persönliches Missfallen kein allgemeingültiges Kriterium ist!
  • Antworten » | Direktlink »
#8 PetterAnonym
  • 31.10.2019, 14:50h
  • Antwort auf #7 von Leon 4
  • Und was haben Gewaltaufrufe mit Kunst zu tun?

    Und was ist, wenn man seine Rede auf dem Marktplatz als Performance-Kunst tituliert? Wer soll dann entscheiden, ob das Kunst ist oder nicht?

    Ich finde, dass Gewaltaufrufe und Hetze generell verboten gehören, weil das nichts mehr mit Freiheit zu tun hat, sondern das genaue Gegenteil ist. Egal ob man es als angebliche "Kunst" oder wie auch immer tarnt.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 SchubiduAnonym
  • 31.10.2019, 15:49h
  • Diese Slangsprache ist an sich genau derselbe verächtliche Mist, den diverse Neonazibands mit anderen Begriffen daher grölen. Ich glaube, würde wer Bushido's Frau/freundin/Freund als Hündin oder Hure bezeichnen und ihn als prollige Pognohasenfratze, würde er wohl voll doll am Rad drehen. In seinen musikalischen Exkrementionen meint er dann, Land und Leute beleidigen zu dürfen, weil das Kunst sei. Ist halt ne homophobe Trutsche, der DingDong.

    Ja, wenn das vom Einkommen abgezogen würde, so 10 000 Euro pro Shitword, werden entweder die Clips billig, oder die Sprache ändert sich. Bald drauf Künstlersozialkasse.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 KörmetAnonym
  • 01.11.2019, 00:28h
  • Wer hört überhaupt noch "Bushido"? Bis auf wenige Dummdödel wissen doch alle, dass er zwar vom "Gangsterleben" singt, aber brav mit Familie zu Hause lebt - von den ganzen berechtigten Plagiatvorwürfen mal ganz abgesehen.

    Der musste doch jetzt etwas auf den Plattenmarkt bringen, womit er wieder in die Schlagzeilen kommt, sonst würde er (zu Recht) vergessen!
  • Antworten » | Direktlink »