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Ljubljana

Slowenien: Angreifer stürmen queeren Club

Gäste verbarrikadierten sich im Innern, während die Angreifer unter homofeindlichen Bedrohungen die Einrichtung zertrümmerten.


Der angegriffene Club von innen und außen im Jahr 2016 (Bild: Klub Tiffany / facebook)

In der slowenischen Hauptstadt Ljubljana ist es in der Nacht zum Freitag zu einem Angriff auf den queeren Tiffany Club gekommen. Gegen sechs Uhr kurz nach Schließung drangen Unbekannte in den alternativen Kulturzentrumskomplex Metelkova Mesto ein, der die Szeneclubs Tiffany und Monokel beherbergt.

Die Angreifer, von der österreichischen Nachrichtenagentur APA als Hooligans, von Szeneorganisationen als Bullies beschrieben, schlugen die Haustür ein und drangen ins Gebäude vor. Verbliebene Mitarbeiter und Gäste des Tiffany retteten sich ins Innere des Clubs und verbarrikadierten sich, während die Angreifer begannen, die Menschen homo- und transphob zu beleidigen und zu bedrohen. So hätten sie "Wo seid ihr Pussys, kommt raus, ihr Schwuchteln" geschrieen.

Die Gruppe beschädigte das Mobiliar des Hauses und schlug mehrere Fenster ein, der Sachschaden wurde mit mehreren Tausend Euro angegeben. Laut Mitteilung des Clubs sei die Polizei schnell nach einem ersten Notruf erschienen, worauf die Angreifer geflohen seien. Niemand sei verletzt worden, einige Menschen seien nach dem Angriff allerdings verängstigt oder stünden unter Schock.


Der Club berichtete bei Facebook von dem Angriff

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Anstieg von homofeindlicher Rhetorik und Gewalt

Die queeren Organisationen ŠKUC Magnus und Škuc LL verurteilten den Angriff und forderten ebenso wie der Club umfassende Strafermittlungen. Die Organisationen beklagten, dass es keine spezielle Gesetzgebung zu Hassverbrechen gebe und dass man einen Anstieg von homo- und transfeindlicher Gewalt verzeichne, die man auch auf nicht verfolgte Hassrede zurückführe. Innerhalb eines Monats habe es zwei gewalttätige Angriffe auf LGBT-Personen gegeben. Anfang Oktober hatte eine Gruppe gewalttätiger Männer etwa einen schwulen Mann brutal verprügelt, der in der Kleinstadt Murska Sobota durch einen Park nach Hause ging. Sie brachen ihm mehrere Rippen und verletzten seine Niere schwer.

Premierminister Marjan Sarec hat inzwischen den "feigen Angriff" auf das Tiffany verurteilt, der Gleichstellungsbeauftrage der Regierung sprach von einem Angriff auf die gesamte LGBTI-Community. Der Club selbst rief für den Freitagabend zu einer Kundgebung vor dem Gebäude auf, danach startet man in die vorab geplante Clubnacht ("Slovenian horror story: Drag Attacks!"). "Wir lassen uns von Gewalt und Hass nicht einschüchtern", so die Ankündigung.

Slowenien hatte 2015 die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet (queer.de berichtete) – der Schritt wurde allerdings vor Inkrafttreten durch ein Referendum gestoppt (queer.de berichtete). Seit 2006 gibt es Eingetragene Lebenspartnerschaften mit zunächst begrenzten Rechten, seit 2017 mit allen Rechten der Ehe bis auf das Recht auf Adoption und künstliche Befruchtung.

In diesem Jahr war es unter anderem in Polen, Ungarn und Russland mehrfach zu Angriffen auf queere Einrichtungen und Festivals gekommen. Erst in der letzten Woche hatten Neonazis in Budapest ein Kulturzentrum attackiert und eine Regenbogenflagge vor dem Eingang verbrannt (queer.de berichtete). (nb)



#1 TomDarkProfil
  • 01.11.2019, 23:15hHamburg
  • Wenigstens hat der slowenische Premierminister Sarec sich geäußert und den feigen Angriff verurteilt.

    Von so einer Anteilnahme kann unsereins hierzulande nur träumen. Abgesehen davon, dass die slowenische Regierung einen Gleichstellungsbeauftragten hat.

    In unserer Regierung interessiert es kaum jemanden, dass Gewalt und Beleidigungen gegen LGBTI wieder zunehmen.
    Sie steht für Stillstand, Gleichgültigkeit und Selbstsucht.

    Aber das ist zur Zeit wohl nicht nur in Deutschland so...
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#2 Patrick SAnonym
#3 djf2019Anonym
  • 02.11.2019, 07:00h
  • Die betroffenen haben richtig gehandelt. Man sollte nicht auch angreifen und das hat nichts mit Pussy sein zu tun.

    1. Der Mensch hat ein Recht auf Unversehrtheit , man hat das Recht sich vor schlägen usw. zu schützen z.B. in dem man sich wie in dem Fall verbarrikadiert hat.

    2. Angreifer sind meistens besser für den Angriff organisiert und könnten sich zum Beispiel mit Messern oder anderen Waffen ausgestattet haben.Das bedeutet , dass wenn man auch angreifen tut vielliecht mit einem Messer usw. angegriffen wird und lebensbedrohlich verletzt wird.

    3. Meistens sind es Gruppen die Homosexuellemenschen angreifen . Als einzelne Person kann man da schlecht die Gruppe von Menschen angreifen oder sich verteidigen.
    Außerdem die Täter sind meistens Menschen in einer Gruppe und denen ist es egal , ob ihr Verhalten unfair ist gegenüber einer Einzelperson.
    Die attackieren eine Einzelperson mit mehreren Personen , was aussagt , dass diese Menschen feige sind.Aber auch wenn eine einzelne Person der Gruppe eine Einzelperson angreift , so kann diese z.B. durch den Täter mit Messerstichen oder durch andere Waffen lebensbedrohlich verletzt werden.
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#4 FliegenAnonym
  • 02.11.2019, 10:31h
  • ...bei uns berichtet nur die Presse wenn es Tode gibt! LEIDER!!! So weit darf es nicht kommen!!!
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#5 berliner_bärchenAnonym
  • 02.11.2019, 11:05h
  • Antwort auf #1 von TomDark
  • Zitat: "Wenigstens hat der slowenische Premierminister Sarec sich geäußert und den feigen Angriff verurteilt.

    Von so einer Anteilnahme kann unsereins hierzulande nur träumen"

    Der slowenische Premier hat sich geäußert, aber nach wie vielen Gewalttaten in dem kleinen Land mit etwas über 2 Mio. Einwohner und einer Hauptstadt, die etwas weniger Einwohner als Bonn hat?

    Ging es ihm um die Besucher des Club oder fürchtet er einen Rückgang von Touristenzahlen?

    Es stimmt einfach nicht, dass "die" deutsche Politik sich nicht zu Homophobie und anderen Hassformen äußert. Gerade werden Plakattafeln mit ua. sich küssenden Männern plakatiert (glaube vom Familienministerium). An "meiner" S-Bahnstation allerdings mittlerweile mit einem fetten Hakenkreuz beschmiert.

    Auf die Politik zu warten und zu lamentieren hilft gar nichts. Es ist kein rein politisches sondern ein gesellschaftliches Problem. Der Hass wird nicht nur aber vor allem von der AfD geschürt, aber der Hass kommt vom "Normalbürger", der sich als überlegen fühlen darf, wenn andere diskriminiert und diffamiert werden.

    Wer anderen vorwirft nichts zu tun, aber denkt mit einem kleinen Text auf queer.de etwas für die LGBTI-Gemeinde zu tun ist entweder berufsfrustriert, naiv oder macht subtil Stimmung gegen die liberale Gesellschaft.
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#6 FinnAnonym
  • 02.11.2019, 13:11h
  • Das passiert, wenn Politik und Gesellschaft aufkeimenden Faschismus nicht im Kern ersticken, sondern zulassen, dass er stark wird.

    Wenn man in Deutschland nicht endlich die immer häufigeren Warnzeichen erkennt und handelt, wird das auch hierzulande nur eine Frage der Zeit sein, bis sowas passiert...
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#7 seb1983
  • 02.11.2019, 15:19h
  • Antwort auf #6 von Finn
  • Auch auf jüdische Einrichtungen gibt es vermehr Angriffe.
    Da muss offen benannt werden aus welcher politischen, und aus welcher religiösen Ecke das kommt. Es sind die gleichen die auch gegen Schwule Hetzte verbreiten.
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#8 TheDadProfil
  • 02.11.2019, 19:04hHannover
  • Antwort auf #7 von seb1983
  • Der Attentäter von Halle ist ein deutscher Faschist..

    ""Vor der Tat veröffentlichte der Beschuldigte ein Bekennerschreiben in englischer Sprache im Internet. Darin gab er Auskunft über seine Motive, Absicht und Planung. Der Text zeigt einen extremen Antisemitismus: Ursprünglich habe er eine Moschee oder ein Antifa-Zentrum stürmen wollen, weil sie schlechter bewacht seien. Doch wolle er vorrangig Juden ermorden, da diese auch hinter muslimischer Einwanderung nach Europa steckten.""..

    de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_in_Halle_(Saale)_2019

    Die Ziele sind solchen Faschisten offensichtlich einfach egal, und ihr "Wissen" über gesellschaftliche Zusammenhänge offensichtlich ein Produkt der Phantasie..
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#9 berliner_bärchenAnonym
  • 03.11.2019, 11:00h
  • Antwort auf #6 von Finn
  • Gewalt gegen LGBTI passiert doch ständig hierzulande. 2018 wurde in Aue (Sachsen?) ein junger schwuler Mann gefoltert bis er starb. Mir ist nicht bekannt ob die Tat mittlerweile als politisch motivierte Tat anerkannt wurde. In Berlin wurde unlängst eine junge Frau vor einem Club homophob beleidigt und bespuckt - war auch hier auf queer.de zu lesen. Neben den sonstigen Gewalttaten, die in den letzten Jahren in Berlin erfasst wurden und das trotz der politischen Unterstützung durch den R2G-Senat, der sich ernsthaft dieses Problems annimmt.

    Die gesellschaftliche Situation ist dermaßen vergiftet, dass alles was sich außerhalb einer diffusen "Norm" bewegt, einer deutlich höheren Gefahr ausgesetzt ist, angegriffen oder diskriminiert zu werden.

    Jede/r AfD-Wähler/in in Thüringen wusste, wen und was er/sie wählt - das sind keine unterdrückten, unterrepräsentierten Bürger zweiter Klasse - was ja gerne als Entschuldigung für die Wähler von rechtsextremen Parteien herhalten muss - sondern das sind kleinbürgerliche Nazis oder zumindest Sympathisanten. Die wissen sehr wohl was sie tun, wenn sie zwei Wochen nach Halle AfD wählen.

    Unlängst habe ich einen Text von einem Überlebenden des Holocaust gelesen, der sinngemäß schrieb. "... es waren nicht Hitler, Göring, Heß, Dönitz und wie sie alle hießen, die mich bespuckten, schlugen, verrieten und erniedrigten, sondern meine Nachbarn, der Bäcker, Fleischer, Bekannte...".

    Sich selbst in Gefahr zu bringen ist nicht klug, aber ruft die Polizei, macht auf Situationen aufmerksam oder zeigt Mitgefühl mit den Opfern von homophober, rassistischer, antisemitischer, frauenfeindlicher... Gewalt. Das kann man ohne die Hilfe der Politik tun. Es liegt an jeder/jedem von uns.
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