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"Die Rollen haben sich ein bisschen vertauscht"

Kermani: AfD-Erfolg ist Gegenreaktion auf Öffnung Deutschlands

2009 lobte Navid Kermani bei einer Preisverleihung, dass Deutschland weltoffener und vielfältiger geworden sei. Dazu steht er noch heute – nur habe sich mittlerweile eine Gegenbewegung etabliert, die etwa die Gleichbehandlung Homosexueller ablehnt.


Navid Kermani gehört zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern der Gegenwart

Der Schriftsteller Navid Kermani betrachtet den derzeitigen Erfolg der AfD als eine Gegenreaktion auf die Öffnung Deutschlands in den vorhergehenden Jahrzehnten. "Jeder Pendelschlag in die eine Richtung bewirkt eine Bewegung in die andere", sagte der Friedenspreisträger in Köln der Deutschen Presse-Agentur. "Deshalb ist das, was widersprüchlich erscheint – etwa dass gleichzeitig die Grünen und die AfD stark werden – Teil einer gemeinsamen Entwicklung."

In seiner Dankesrede für den Hessischen Kulturpreis hatte Kermani 2009 gesagt, er fühle sich durch die Verleihung in seinem Eindruck bestätigt, "dass Deutschland in den letzten Jahren weltoffener und kulturell vielfältiger geworden" sei. Dieser Meinung sei er nach wie vor, sagte Kermani. Allerdings sei die Gesellschaft heute polarisierter als vor zehn Jahren.

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"Rechte der Homosexuellen, Emanzipation der Frau, Deutschland als Einwanderungsland, Umweltschutz"

"Der grün-alternative Diskurs, der in den Achtzigerjahren noch widerständig war, hat sich inzwischen in weiten Bereichen der Öffentlichkeit und Politik als maßgeblich durchgesetzt: Rechte der Homosexuellen, Emanzipation der Frau, Deutschland als Einwanderungsland, Umweltschutz", erläuterte Kermani. "Das ist nun gleichsam der herrschende Diskurs geworden – und dagegen hat sich wiederum ein Gegendiskurs herausgebildet. Da haben sich die Rollen ein bisschen vertauscht."

In diesem Zusammenhang sprach sich Kermani dafür aus, mit AfD-Wählern im Gespräch zu bleiben. Als Reporter habe er es immer wieder mit Menschen zu tun, die andere, für ihn teilweise schwierige Ansichten vertreten würden. Das gelte auch für den Besuch einer AfD-Versammlung. "Aber auch dort habe ich die Erfahrung gemacht: Wenn man auf die Menschen zugeht, ist viel mehr Austausch möglich, als man vorher gedacht hätte."

Kermani sieht sich nicht als AfD-Versteher

Es habe ihn beileibe nicht zum AfD-Versteher gemacht, die Ansichten halte er nach wie vor für fatal. "Aber man kann die subjektiven Gründe besser nachvollziehen, warum Wähler bei dieser Partei landen. Und das wäre doch auf der politischen Ebene eine Voraussetzung, um mit ihnen und gegen sie zu argumentieren."

Kermani gilt als einer der einflussreichsten deutschen Intellektuellen. Der 51-jährige in Siegen geborene Sohn iranischer Eltern ist habilitierter Orientalist und ein Kenner der deutschen Literatur. Er arbeitete als Regisseur und Dramaturg, recherchierte als Reporter in Kriegsgebieten. Als Autor ist er bekannt für seinen Roman "Große Liebe", das Kinderbuch "Ayda, Bär und Hase" und eine originelle Huldigung an die Musik des Rockstars Neil Young.

Der Schriftsteller ist ab Donnerstag auf Lesereise mit seinem soeben erschienenen Buch "Morgen ist da. Reden". Die Reise führt ihn unter anderem ins Thalia Theater Hamburg, zum Berliner Ensemble, in die Münchner Kammerspiele, an das Wiener Akademietheater, das Schauspielhaus Frankfurt, das Staatsschauspiel Dresden und an andere namhafte Theater. (dpa/dk)



#1 schwulenaktivist
  • 07.11.2019, 12:22h
  • Ich bin nicht der Ansicht, dass es so klare "Gegen- oder Pendelbewegungen" gibt. Der Reaktionsbereich ist nicht so einfach zu definieren!
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#2 goddamn liberalAnonym
  • 07.11.2019, 12:51h
  • Antwort auf #1 von schwulenaktivist
  • Das Problem bei Kermani ist, dass er wie viele Intellektuelle wenig Bodenhaftung hat und deswegen wenig Gespür für primitive Instinkte und 'Blut und Boden' (auch unter seinesgleichen) aufbringt.

    Das, was sich heute in vielen Teilen Deutschlands an der Urne tut, zeichnete sich schon seit Jahrzehnten ab. 'Südländische' Leute aus meinem Bekanntenkreis konnten schon vor fast 30 Jahren keinen Urlaub in Sachsen oder im ländlichen Brandenburg machen.

    Die Wahlergebnisse in Gebieten wie Thüringen stehen sowieso in einer manifesten, mindestens hundertjährigen völkischen Tradition und haben auch nichts mit irgendwelchen Pendelbewegungen zu tun.
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#3 Ralph
  • 07.11.2019, 14:30h
  • Es ist schon was dran, wenn man sagt, dass zunehmende rechtliche Gleichstellung und gesellschaftliche Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Minderheiten deren Gegner grad erst recht zu Diffamierung und Ausgrenzung anstacheln. Gründe dafür haben diese Leute aber auch vorher schon genug gefunden. Schutz der Jugend, Förderung der hergebrachten Familie, AIDS, christliches Menschenbild, öffentliche Ordnung, schlichter Ekel...
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#4 jochenProfil
  • 07.11.2019, 15:03hmünchen
  • Dass das Erstarken der AfD EINE Gegenreaktion ist, auf eine Politik, die gegen den Willen eines grossen Teils der Bevölkerung ist, ist eine Binsenweisheit.

    Kermani nennt es "Öffnung".
    Ob dieses Wort es treffend beschreibt bei einer Zuwanderung von - im Jahr 2015 - einer knappen Million . Und jedes weitere Jahr ca. 150 000 zusätzliche Zuwanderer bis heute.

    DAss man bei dieser imensen Zuwanderung, NICHT die politische Rechte stärkt, kann man nicht ernsthaft angenommen haben .

    (ich bin für die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch Verfolgten. Die oft ungeregelte Masseneinwanderung halte ich für falsch)
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#5 goddamn liberalAnonym
  • 07.11.2019, 15:50h
  • Antwort auf #4 von jochen
  • Ich teile die peinlichen Kirchentagsverzückungen von Göring-Eckardt, der Märchenfrau aus Thüringen, überhaupt nicht.

    Sie ist das naive Gegenstück zu Höcke, dem bösen braunen Märchenonkel.

    ABER:

    NRW hat mehr Geflüchtete aufgenommen als Italien.

    Neue Umfrage:

    CDU 32 % SPD 20 % Grüne 23 % FDP 8 % Linke 6 % AfD 7 %

    Die Wahlergebnisse aus Thüringen und Sachsen sind bekannt.

    These: Das liegt nicht so sehr an Migration, das liegt wie 1933 (wo der Unterschied im Wahlverhalten ähnlich war) am Mangel an Zivilisation.
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#6 TheDadProfil
  • 07.11.2019, 21:51hHannover
  • Antwort auf #4 von jochen
  • Die genutzten Zahlen lassen vermuten sich nicht wirklich ausführlich damit beschäftigt zu haben, denn von den "ca. 1 Million des Jahres 2015"
    (es waren dann 1,5 Millionen Grenzübertritte) waren die überwiegende Masse einfach "Durchreisende" in die nördlichen und westlichen Nachbar-Länder der BRD..

    Geblieben sind weniger als 400.000..
    Immer noch viele..
    Gleichzeitig haben allein 2015 mehr als 900.000 Menschen die BRD verlassen..
    Fakt :
    In 2015 ist die Bevölkerung der BRD geschrumpft..

    Bayern "ächtste" dann ja auch über die "Schwemme" von 65.000 Asylsuchenden, die sie aufnehmen mußten..

    Bayern hatte aber zwischen den Jahren 2000 und 2011 etwa 1 Million Einwohner verloren..

    Die wurden durch die 65.000 Zugewanderten nicht einmal im Ansatz kompensiert..

    Und deshalb dann hier noch einmal die Frage :

    Wo sind eigentlich die Wohnungen der Menschen geblieben, die Bayern zwischen 2000 und 2011 verlassen haben ?
    Wurden die abgerissen, oder was ?

    ""Und jedes weitere Jahr ca. 150 000 zusätzliche Zuwanderer bis heute.""..

    Und trotzdem schrumpft die Bevölkerung, respektive wächst längst nicht so stark, wie allenthalben behauptet..
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#7 JadugharProfil
  • 08.11.2019, 03:11hHamburg
  • Homosexuelle wurden in Deutschland seit mehr als 1500 Jahren verfolgt. Minderheiten wie Juden, Roma und Sindi ebenfalls. Das was die AfD vertritt und verkörpert, sind ururalte Traditionen. Es sind Leute, die auf einfache reaktionäre und primitive Lebensmodelle schwören und sie allen aufzwingen möchten. Sie wollen das Rad der Geschichte um Jahrhunderte zurückdrehen. Deswegen ist das keine Pendelbewegung, da diese traditionellen Gedanken in einigen Teilen unserer Gesellschaft tief verankert sind, wo konservative Gesiteshaltungen wie Religion, Faschismus usw. wesentlich dazu beigetragen, daß diese Traditionen erhalten bleiben. Es sind bestimmte Formen von Traditionen für einfache Gemüter! Die wird es immer geben!
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#8 KörmetAnonym
  • 08.11.2019, 07:06h
  • Antwort auf #6 von TheDad
  • Die Zahlen sind sicher richtig, aber es kommen in den Augen der "AfDler" die falschen Menschen her.

    Ein Deutscher muss blond sein und blaue Augen haben. Ein gewisser CDU-Politiker forderte, als man über eine "Green-Card" für Fachkräfte sprach "Kinder statt Inder", denn man wollte Ingenieure aus Indien anwerben.
    Für jedes gezeugte (deutsche !) Kind muss man einen Ausländer weniger ins Land lassen. Weit weg ist die CDU/CSU ja von der AfD wirklich nicht entfernt.

    Schwule stören da nur...
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#9 ZenkimausAnonym
  • 08.11.2019, 09:49h
  • Antwort auf #5 von goddamn liberal
  • Super wieso soll ich nicht zivilisiert sein. Weil ich in Dresden lebe?? Ich verstehe meine Landsleute die die rechten wählen auch nicht. Doch arbeite ich und mein Freund Tag für Tag daran das diese Partei weniger Zuspruch erfährt. Bisher mit wenig Erfolg doch steter Tropfen höhlt den Stein. Ich empfinde mich zivilisiert.
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#10 goddamn liberalAnonym