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"Stern"-Interview
Roland Emmerich: Chancen auf selbstverständlich schwule Superhelden gering
Der schwäbische Regisseur lobt Hollywood als sehr liberal, gleichzeitig erklärt er, dass Hollywood-Stars ihre Homosexualität weiter verstecken.

Roland Emmerich hat mit seinem Filmen für Milliardenumsätze in Hollywood gesorgt
- 7. November 2019, 14:51h 3 Min.
Der Blockbuster-Lieferant Roland Emmerich hat in einem Interview mit dem "Stern" in Frage gestellt, ob es bald "ganz selbstverständlich offene homosexuelle Hauptfiguren in Blockbustern oder einen schwulen Superhelden" geben wird. "Ich weiß es nicht. Ich glaube aber, dass die Chancen dafür ziemlich gering stehen", so Emmerich, der dabei offenbar auch auf Absatzmärkte wie China oder Russland blickt. "Es ist ein globales Geschäft. Filme, die für 200 Millionen Dollar produziert wurden, müssen auch in Ländern funktionieren, in denen Homosexualität weiterhin tabuisiert wird", erklärte der 63-Jährige.
Aber auch anderswo könne das Publikum möglicherweise ein Coming-out bestrafen: "Pubertierende Jungs tun sich auch eher schwer damit, wenn ihr Lieblings-Actionstar verkündet, dass er auf Männer steht", so der Regisseur von Blockbustern wie "Independence Day", "Godzilla", "The Day After Tomorrow" und "2012".
"Es gibt natürlich Hollywood-Stars, die auf Männer stehen"
Emmerich erklärte auch, dass es noch immer schwule Hollywood-Stars vorziehen würden, versteckt zu leben: "Ich werde jetzt sicher niemanden outen. Aber natürlich gibt es ein paar Hollywood-Stars, die auf Männer stehen." Innerhalb der Branche wüssten das "fast alle". Es sei aber schwierig, nach einer langen Karriere ein Coming-out zu haben, "wenn man der Öffentlichkeit über Jahrzehnte etwas vorgespielt hat".
Sein eigenes Coming-out bezeichnete der Starregisseur, der 2017 seinen Freund geheiratet hatte, als befreiend: "Seit meinem Coming-out bin ich ein glücklicherer Mensch! Davor ging es mir nicht so gut. Ich möchte frei leben und der Welt ganz offen zeigen können, wen ich liebe", sagte er.
Am Anfang seiner Karriere habe er seine Homosexualität aktiv versteckt, weil ihm das damals "im Science-Fiction und Action-Genre, in dem ich den Erfolg gesucht habe, eher im Wege gestanden hätte". In den letzten Jahrzehnten habe sich aber viel getan. Hollywood sei heutzutage "eine der aufgeschlossensten und liberalsten" Filmindustrien der Welt.
Derzeit läuft in den deutschen Kinos der 100 Millionen Dollar teure Emmerich-Kriegsfilm "Midway – Für die Freiheit" an. In dem Film spielt neben Woody Harrelson, Nick Jonas und Darren Criss auch der offen schwule Brite Luke Evans mit. Der 40-Jährige stellt den amerikanischen Lieutenant Commander Wade McClusky dar, der bei der Schlacht von Midway 1942 zum Erfolg der US-Truppen über das imperiale Japan beitrug. Laut Emmerich gebe es "kaum jemanden, der männlicher aussieht als Luke Evans und somit auch mit dem Klischeebild eines Schwulen bricht, das bis heute leider immer noch zu viele im Kopf haben". Sein Coming-out habe ihm aber womöglich geschadet, da er "nicht als Leading Man besetzt [wird], der Frauenträume bedient". (dk)
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Und im TV gibt's ja mit batwoman derzeit auch ne queere figur....