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Prozess nach Razzia

Malaysia: Haft und Stockhiebe für versuchten schwulen Sex

Ein Scharia-Gericht verurteilte fünf Männer zu mehrmonatigen Haftstrafen – weitere Urteile könnten folgen.


Einige der Angeklagten auf dem Weg in den Gerichtssaal (Bild: Screenshot "Harian Metro TV")

Ein islamisches Gericht in Malaysia hat am Donnerstag in der Nähe der Hauptstadt Kuala Lumpur fünf Männer wegen angeblich versuchter homosexueller Handlungen verurteilt. Das berichten die Nachrichtenagentur Reuters, lokale Medien und eine queere Menschenrechtsgruppe.

Das höchste Scharia-Gericht des Bundesstaats Selangor verurteilte demnach vier Männer im Alter von 26 bis 37 Jahren zu sechs Monaten Gefängnis, sechs Stockschlägen und einer Geldstrafe von 4.800 Ringgit (rund 1.500 Euro). Ein fünfter, 47-jähriger Mann sei zu sieben Monaten Haft, ebenfalls sechs Stockschlägen und zur Zahlung von 4.900 Ringgit verurteilt worden. Laut der Zeitung "Harian Metro" warf der Richter dem verheirateten Angeklagten vor, seine Familie "verraten" zu haben.

Das Urteil lautet auf "versuchten Geschlechtsverkehr gegen die Ordnung der Natur". Bei Nichtzahlung der Geldstrafe drohen den Männern drei bis vier weitere Monate Haft. Den Berichten zufolge waren die fünf Angeklagten zusammen mit sieben weiteren Männern, darunter drei Nicht-Muslimen, im letzten November von der Moralpolizei bei einer Razzia in einem privaten Apartment festgenommen worden.

"Die Fakten zeigen, dass es einen Versuch gab, Geschlechtsverkehr außerhalb der Ordnung der Natur zu betreiben, und dass er sich nicht in der Anfangsphase der Vorbereitung befand", habe der Richter bei der Verhandlung betont. Laut der Lokalzeitung "Harian Metro" wurden vor Ort Kondome und Gleitmittel sichergestellt.

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Queere Menschen in Sorge

Numan Afifi von der LGBTI-Kampagne "Pelangi" sprach gegenüber Reuters von einem "abscheulichen Urteil", das in der Community für Angst Sorgen werde. Laut dem Aktivisten sei vor dem gleichen Gericht für fünf weitere bei der Razzia festgenommene Männer eine Urteilsverkündung für den 19. November angesetzt.

Nach nationalem, aus britischer Kolonialzeit stammendem Strafrecht können homosexuelle Handlungen (genauer: das Eindringen eines Penis in den After oder den Mund einer weiteren Person) mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden, daneben existiert eine vage Regel gegen "grobe Anstößigkeiten" mit bis zu zwei Jahren Haft. Zusätzlich gibt es teilweise auf nationales Recht aufbauende Strafgesetze für Scharia-Gerichte. Das Gericht in Selangor bezog sich auf eine regionale Vorschrift, die als Maximalstrafe acht Monate Haft, sechs Stockhiebe und eine Geldstrafe von 5.000 Ringgit vorsieht.

In der Praxis kam es in dem Land bislang selten zu Verurteilungen nach den diversen Vorschriften. Allerdings wurden im letzten Jahr trotz internationaler Kritik zwei Frauen wegen der "Anbahnung" homosexueller Handlungen von einem Scharia-Gericht im Bundesstaat Terengganu zu je sechs Stockhieben verurteilt und die Strafe – erstmals wegen Homosexualität von Frauen – auch vollstreckt, bei einem öffentlichen Termin vor rund 100 Zuschauern (queer.de berichtete).

Die Strafe hatte für ein Politikum im Vorfeld der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) im Frühjahr in Berlin gesorgt, die sich Malaysia als diesjähriges Partnerland ausgesucht hatte. Vor Ort betonte Tourismusminister Datuk Mohamaddin, dass es in seinem Land keine Homosexuellen gebe (queer.de berichtete). (nb)



#1 Carsten ACAnonym
  • 08.11.2019, 09:01h
  • Jeder, der in solchen Staaten noch Urlaub macht, unterstützt sowas direkt und indirekt.

    Und wenn LGBTI dort Urlaub machen, bringen sie sich auch noch selbst in Gefahr.

    Solche Staaten muss man boykottieren. Und bei solchen Staaten, die einen Großteil ihrer Einnahmen aus dem Tourismus generieren, ist ein Boykott sehr einfach.
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#2 Julian SAnonym
#3 Ralph
  • 08.11.2019, 11:51h
  • Man höre doch endlich auf, solche Gesetze als "aus der britischen Kolonialzeit stammend" zu bezeichnen. Das mag zwar vordergründig stimmen, aber sie werden in seit Jahrzehnten souveränen Staaten heute angewandt. Das ist nicht Entscheidung der ehem. Kolonialmacht, sondern des jetzigen Regimes. Immer wird suggeriert -absichtlich oder unabsichtlich-, solche Verfolgungsgesetze seien diesen Ländern erst von der Kolonialmacht aufgezwungen worden. Malaysia z.B. wurde vor mehr als einem halben Jahrhundert unabhängig. Da war genug Zeit, dieses Kolonialgesetz aufzuheben, wenn es einem denn nicht gepasst hätte. Es ist ja auch richtig, dass der § 175 StGB in seiner Nazi-Fassung im Dritten Reich geschaffen wurde. Befreit das etwa die Bundesrepublik von der Verantwortung, dieses Nazi-Gesetz weiter zur Menschenrechtsverletzung schwuler Männer benutzt zu haben?
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#4 Religioten-WatchAnonym
#5 dellbronx51069Anonym