Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?34850

Rheinland-Pfalz

"Früher wärst du vergast worden"

Auf einer Hassbotschaft an ihrer Wohnungstür wurde ein trans Frau aus Oppenheim aufs Übelste beschimpft und bedroht. Die Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung, die Stadt zeigt sich solidarisch.


Der Drohbrief gegen die 46-Jährige, das Foto haben wir nachträglich verpixelt

Ein transfeindliches Stalking in Oppenheim sorgt seit Freitag für Entsetzen in ganz Deutschland. Das Opfer, eine 46-jährige trans Frau aus der rheinland-pfälzischen Stadt, veröffentlichte auf Facebook einen Zettel, den ein Unbekannter an ihrer Haustür angebracht hatte. Darauf wird die Frau aufs Übelste beleidigt und bedroht.

Unter der Überschrift "Für ein schwuchtelfreies Oppenheim!" heißt es in der Hassbotschaft: "Wer immer diese Transe sieht: Bespuckt ES. Schlagt ES. Früher wärst Du vergast worden, aber auch heute kriegen wir Dich noch." Die 46-Jährige solle aus der Stadt verschwinden, so der anonyme Verfasser: "Du krankes, perverses Schwein, verpiss Dich aus Oppenheim." Illustriert wurde der Drohbrief mit einem Foto der trans Frau, den der Unbekannte offensichtlich von ihrem Facebookprofil kopiert hat.

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

"Keinen Nanometer werden wir vor dieser infamen Drohgebärde weichen"

Oppenheims Stadtbürgermeister Walter Jertz zeigte sich in einer Stellungnahme auf der Homepage der Stadt "wütend, schockiert und gleichwohl entschlossen" über die anonyme Anfeindung: "Für Intoleranz und intolerante Menschen ist hier nicht nur kein Platz. Vielmehr werden wir als weltoffene Oppenheimerinnen und Oppenheimer diese menschenverachtende Tat nicht hinnehmen", erklärte der parteilose Politiker, der in engem persönlichen Kontakt zur Betroffenen und deren Kindern sowie ihrer Familie stehe. Der anonyme Verfasser möge sich "gut in Acht nehmen", so Jertz. "Keinen Nanometer werden wir vor dieser infamen Drohgebärde weichen. Oppenheim ist seit jeher ein Hort der Vielfalt, Heimat von vielen Menschen aus der ganzen Welt und unter meinem Mandat ein bunter, sicherer Hafen für alle jene, die ihn brauchen."

Auch die Stadtratsfraktionen zeigten sich in einer gemeinsamen Resolution "entsetzt über das Ausmaß von verbaler Verrohung". Als Zeichen der Solidarität solle künftig am 17. Mai, dem internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie, die Regenbogenfahne gehisst werden. Auch Christiane Rohleder, Landesbeauftragte für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Geschlechtsidentität, verurteilte den transfeindlichen Drohbrief: "Das ist menschenverachtend. Wir kämpfen weiter dafür, dass alle ihre geschlechtliche Identität ohne Angst leben können", twitterte sie über den Account des Familienministeriums.

Twitter / Vielfalt_RLP

Am Freitagabend kam es zudem zu einer Solidaritätskundgebung. Rund 150 Menschen versammelten sich nach einem Aufruf verschiedener Gruppen auf dem Oppenheimer Marktplatz.

Solidarischer Bürger setzt 500 Euro Belohnung aus

Die Polizei hat unmittelbar nach Bekanntwerden des Hassbriefes Ermittlungen wegen Volksverhetzung und Beleidigung aufgenommen und bereits Spurensicherungsmaßnahmen durchgeführt. Bislang gibt es jedoch keine Hinweise auf den Verfasser des Briefes. Die Tatzeit grenzt die Polizei auf den Zeitraum zwischen 22.30 Uhr am Donnerstag und Freitag um 6 Uhr ein. Sachdienliche Hinweise können unter der Telefonnummer (06133) 933100 oder per E-Mail an pioppenheim@polizei.rlp.de gemeldet werden. Für den entscheidenden Hinweis, der zur Ergreifung des Täters führt, hat ein Oppenheimer spontan eine Belohnung in Höhe von 500 Euro ausgesetzt.

Von der Solidaritätswelle zeigte sich die Betroffene auf Facebook "völlig geflasht". "Vielen Dank an alle, die hier ein Zeichen für Toleranz setzen. Das macht Mut", bedankte sich die 46-Jährige. Ihr ursprünglicher Post, mit dem sie den Drohbrief öffentlich gemacht hatte und der rund 1.000 Mal geteilt wurde, wurde hingegen zwischenzeitlich vom Netzwerk gelöscht, da dieser angeblich zu Hassreden auffordere. "Schade Facebook, nicht verstanden", kommentierte die trans Frau. (cw)



#1 WadimAnonym
  • 09.11.2019, 09:02h
  • " Ihr ursprünglicher Post, mit dem sie den Drohbrief öffentlich gemacht hatte und der rund 1.000 Mal geteilt wurde, wurde hingegen zwischenzeitlich vom Netzwerk gelöscht, da dieser angeblich zu Hassreden auffordere."- meines Erachtens hat fb richtig gemacht.
    Ich denke, dass wir sehr vorsichtig mit so einem Mist umgehen müssen, da jede böse Tat oft nachgeahmt wird. Leider.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 FinnAnonym
  • 09.11.2019, 09:18h
  • Dass sowas im Land von KZ und rosa Winkel nochmal möglich sein wird, hätte ich noch vor 10 Jahren nicht gedacht...

    Schlimm...

    Gut, dass die Stadt und die überwältigende Mehrheit der Bürger sich solidarisch zeigen.

    Jetzt wird es Zeit, dass auch die Politik sich endlich solidarisch zeigt und dass auch im Bereich Trans- und Intersexualität endlich die versprochenen Fortschritte kommen.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 OkayBoomerAnonym
  • 09.11.2019, 09:36h
  • Ja, das würde dir wohl so passen. Schön die Taten gegen Transmenschen unter den Teppich kehren. Das die bloß unsichtbar bleiben. Und sorgen müssen die sich ja auch nicht, denn sie genießen ja unter Artikel 3 bei "Geschlecht" besonderen Schutz.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 JarJarProfil
  • 09.11.2019, 09:40hKiel
  • Solche Typen kriegen die leider eh nicht, die haben nicht genug Eier in der Hose um so etwas öffentlich zu sagen, da wird sich Nachts herumgeschlichen und an die Tür Zettel gehängt.
    In Kiel wurden auch gerade Bushaltestellen beschmiert wo Prinz Charming Werbung drauf ist, ist natürlich nicht so krass wie dieser Fall, zeigt aber leider dass die Offenheit und Toleranz dank AfD Idiotie zurück gegangen ist.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Patrick SAnonym
  • 09.11.2019, 09:47h
  • Da warte ich gleich wieder darauf, dass hier der oder die erste "es wird besser" schreit.
    Die Einschläge kommen nicht nur näher, sie werden auch größer.
    Ehe für alle und die Debatte um die Erweiterung von Artikel 3 sind zwar wichtige Meilensteine, aber was kaum jemand versteht ist, dass das rein gar nichts an dem aktuellen Rollback auf der ganzen Welt und auch bei uns ändert.
    Platt ausgedrückt: Was nützt es, wenn ich heiraten darf, aber ich es nicht mehr aus der Kirche schaffe?!
    Im Gegenteil: der geschürte Hass von politischen und religiösen Gruppen trifft auf offene Ohren und jede unserer Errungenschaften verstärkt diesen noch. Homophobie wird wieder salonfähig und in Teilen der Welt auch staatliche Agenda.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 la_passanteAnonym
  • 09.11.2019, 11:18h
  • Genau um solche Drohungen und ihre Umsetzung geht es jedes Jahr am 20.11., dem Trangender Day of Remembrance. Auch Oppenheim wäre gut beraten, diesen Tag offiziell zu begehen (natürlich unter Regie der Betroffenen, also Transpersonen).
  • Antworten » | Direktlink »
#7 qwertzuiopüAnonym
  • 09.11.2019, 11:44h
  • krass.

    und von "verbaler verrohung" oder "beleidigung" zu sprechen, finde ich da bisschen verfehlt. das ist eine handfeste drohung, eine ankündigung von gewalt.

    ich hoffe, der täter wird gefunden.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 vkitmAnonym
  • 09.11.2019, 12:58h
  • Antwort auf #1 von Wadim
  • Was ist denn das für eine gedankenlose Logik? Wenn nichts öffentlich gemacht wird, passiert auch nix, oder wie?
    Willst du vllt dein Gedankenkonstrukt noch ausdehnen auf Antisemitismus, Rassismus oder ganz allgemein Mobbing und Beleidigungen? Sollte alles totgeschwiegen werden, dann verschwindet es bestimmt von alleine...
    Solange zuviele Leute mit deiner Meinung rumlaufen, braucht sich keiner wundern, dass es hinsichtlich LGBTIQ-Rechten nicht voran geht...

    Im Gegenteil, nur Veröffentlichung und möglichst breite öffentliche Sichtbarkeit solcher Taten kann überhaupt etwas bewegen. Kann Solidarität in Teilen der Bevölkerung hervorrufen, die ansonsten mit diesen Themen keine Berührungspunkte haben. Nur durch Sichtbarkeit und Verbreitung kann evtl. ein Täter ermittelt und hoffentlich verurteilt werden...mit ignorieren und schweigen erreicht man gar nichts außer riesiges Leid bei den Opfern.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Ralph
  • 09.11.2019, 13:19h
  • Antwort auf #1 von Wadim
  • Da wird die Frau zur Zweckveranlasserin erklärt. Sie macht die Drohung und Beleidigung gegen sich selbst öffentlich und soll laut Facebook dafür verantwortlich sein, wenn weitere Rechtsradikale solche Parolen posten. Macht also z.B. eine jüdische Gemeinde Nazi-Schmierereien an ihrer Synagoge auf Facebook öffentlich, dann ist sie nach dieser Lesart verantwortlich dafür, dass ihrem Post weiterer antisemitischer Dreck folgt. Da scheint Facebook doch ein erhebliches Problem zu haben, die Begriffe Täter und Opfer richtig zuzuordnen.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 VashAnonym
  • 09.11.2019, 13:25h
  • Hallo,

    ich finde das dies sehr traurig ist. Es dürfte klar sein das egal ob wir wollen oder nicht in einem Bund stehen. Wir Queeren sollten unbedingt zusammenhalten.

    Das Übel daran ist, das die Person einfach verunglimpft wird und entmenschlicht, das sie einfach nur bezeichnet wird.

    An euch alle, wir sind Menschen, lasst euch bitte dies nie aberkennen.

    Liebes wenn Du das Opfer bist und das gelesen hast,

    viele Schwestern sowie ich, leiden mit Dir.

    LG
  • Antworten » | Direktlink »