Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?34861

Gedenken

Bochum benennt Straße nach schwulem Nazi-Opfer

Die Ruhrpottstadt ehrt Hermann Hußmann, der von den Nationalsozialisten in den Selbstmord getrieben wurde. Der im Alter von nur 34 Jahren verstorbene Bergmann erhält auch einen Stolperstein.


In Bochum ist auch das Deutsche Bergbau-Museum beheimatet (Bild: M. Knuth / flickr)

Die Stadt Bochum benennt eine neue Verbindungsstraße nach einem schwulen Mann, der wegen seiner sexuellen Orientierung vom Nazi-Regime verfolgt und in den Selbstmord getrieben wurde. Mit der bereits von der Bezirksvertretung Bochum-Mitte beschlossene Straßenbenennung soll stellvertretend an die Verbrechen der Nazis gegenüber Homosexuellen erinnert werden. Die Hermann-Hußmann-Straße befindet sich am nordöstlichen Rand der Innenstadt als Verbindung zwischen Moritz-Fiege-Straße und Josef-Neuberger-Straße.

Im Stadtteil Hofstede ist außerdem am Montag an Hußmanns letzter Wohnstätte (Mühlental 11) ein Stolperstein verlegt worden. Bei Stolpersteinen handelt es sich um zehn mal zehn Zentimeter Messingtafeln, die in den Boden eingelassen werden und den Namen von Menschen tragen, die von den Nationalsozialisten getötet oder in den Selbstmord getrieben worden sind. Die Patenschaft für Hußmanns Stein hat der Bochumer Bundestagsabgeordnete Frithjof Schmidt (Grüne) übernommen.

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

Hußmann erhängte sich 1943 in U-Haft

Hußmann war 1908 in Bochum geboren worden und arbeitete als Bergmann auf der Zeche Constantin. Seine ersten sexuellen Kontakte mit Männern hatte er mit 16 Jahren während der Zeit der Weimarer Republik. Am 5. Februar 1943 wurde er verhaftet, nachdem ein Freund ihn bei einem Polizeiverhör verraten hatte. Er wurde verhaftet, mehrfach verhört und nach Paragraf 175 angeklagt. Drei Monate nach seiner Festnahme erhängte er sich 11. Mai in Untersuchungshaft mit einem Hosenträger.

Bochum ist bundesweit erst die zweite Stadt, die an homosexuelle NS-Opfer mit einem Straßennamen erinnert: Die erste Kommune war 2016 Dortmund mit der Otto-Meinecke-Straße (queer.de berichtete). (dk)



#1 PeerAnonym
  • 11.11.2019, 17:00h
  • Vorbildlich.

    Schön, dass es auch noch Politiker gibt, die sich nicht vor der historischen Verantwortung drücken.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Ralph
  • 11.11.2019, 19:46h
  • Leider gibt es in Deutschland viel zu oft das Gegenteil - viel zu viele Straßen sind nach Nazis benannt oder werden noch immer nach welchen benannt. Erst jüngst hab ich einen Bericht gesehen, dass eine Stadt auf Druck eines Unternehmers eine Straße nach seinem Vater oder Großvater benannt hat, obwohl dessen Rolle im Dritten Reich allen Beteiligten bekannt war. Es müsste ein Forschungsprogramm geben, alle nach Nazis benannten Straßen ausfindig zu mchen, um ihnen die Namen von Opfern zu geben. - Manchmal kommt es übrigens auch zu einer feindlichen Übernahme. Wir z.B. wohnen im Haus der Schwester oder Kusine (dass eines von beidem zutrifft, ist gesichert) des Erbauers des Vernichtungslagers Auschwitz. Ich weiß nicht, ob wir es gekauft hätten, wenn wir das damals gewusst hätten. Wohl eher nicht. Als ich es erfuhr, wurde mir kotzübel. Der Mann verbrachte bei Familienbesuchen sicher schöne Stunden in unserm Haus. Wir haben dann im Vorgarten einen Mast errichtet und daran die Regenbogenfahne gehisst. Da weht sich seither. Die Fahne seiner Feinde über dem Haus seiner Familie. Leider starb er, ohne je von der deutschen Justiz behelligt worden zu sein. Nur 53 Jahre alt. Ich hätt ihm -man verzeihe mir- keinen Tag länger gegönnt.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 sickoAnonym
  • 11.11.2019, 21:06h
  • ach ja, also das ist so eine abgelegene straße, die wird wahrscheinlich eh nicht genutzt. eigentlich ist es ja ein schönes zeichen, eine straße nach einem verstorbenen schwulen zu benennen (dem ein solches unrecht zu teil wurde), aber wenn das dann so ein abgelegener weg im justizzentrum ist, dann ist es doch etwas schal.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Jürgen WenkeAnonym
  • 12.11.2019, 09:59h
  • Antwort auf #3 von sicko
  • Die Hermann-Hußmann-Straße befindet sich auf der Rückseite des Justizzentrums. Die Justiz spielte eine große Rolle bei der Verfolgung von Homosexuellen im sog. Dritten Reich.
    Möglichkeiten zu neuen Straßenbenennungen in Innenstädten in Deutschland sind wenige, weil Straßen in der Regel schon Namen haben.

    Die Nähe zum Nordbahnhof, wo viele Menschen die Züge in den Tod besteigen mussten, ist ein weiterer historischer Ort in der Nähe.

    weitere Infos zu Hußmann unter:

    www.stolpersteine-homosexuell.de
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Jürgen WenkeAnonym
  • 12.11.2019, 18:12h
  • ups, ein Tippfehler,

    die Seite, wo sich weitere Informationen auch zu Hermann Hußmann finden lassen, heißt:

    www.stolpersteine-homosexuelle.de
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Jürgen WenkeAnonym
  • 04.12.2019, 10:19h
  • Die offizielle Einweihung durch den Bezirk Bochum-Mitte und die Enthüllung des Straßenschildes der Hermann-Hußmann-Straße findet am Freitag, den 20. Dez. 2019 um 12 Uhr statt.
    Ort: Bochum, Moritz-Fiege-Straße Ecke Hermann-Hußmann-Straße
  • Antworten » | Direktlink »