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"Wir sind hier nicht bei der Gayparade, Mo'fucker"

Proteste gegen Kollegah-Konzert in Köln

In der Domstadt gibt es wütende Proteste gegen den Auftritt des Deutschrappers, weil er in seinen Songs antisemitische, sexistische und homophoben Vorurteile propagiere.


Kollegah am Rande der Verleihung des Webvideopreises 2014 in Düsseldorf (Bild: Webvideopreis Deutschland / flickr)

Das für Dienstagabend geplante Konzert des Deutschrappers Kollegah in der Köln-Mülheimer Veranstaltungshalle E-Werk stößt auf Widerstand: Gegen den wegen seiner frauenverachtenden, gewaltverherrlichenden und homophoben Texte umstrittenen 35-Jährigen protestieren unter anderem Kommunalpolitiker, die Kölnische Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, die feministische Zeitschrift "Emma" und der katholische Stadtdechanat. Bislang hält das E-Werk am Auftritt fest. Deshalb soll es laut "Emma" vor dem Beginn des Konzerts zu einer Protestaktion vor dem E-Werk kommen.

Aus der Politik kommen Forderungen, das Konzert abzusagen: "Ich finde es beschämend, dass das E-Werk diesem Rapper mit seinen menschenverachtenden Texten eine Bühne bietet", erklärte etwa der Kölner Bürgermeister Andreas Wolter (Grüne).

Auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) machte am Montag beim traditionellen Auftakt der Karnevalssession einen Seitenhieb auf Kollegah, ohne dessen Namen direkt zu erwähnen. Die 62-Jährige sagte: "Jeder, der nach Köln kommt und meint, er könnte bei seinen Konzerten intolerante Ideen und Parolen verkaufen, muss mit dem Widerstand der Kölner rechnen. Wer versucht, unsere Toleranz zu missbrauchen, der ist kein Vertreter von Meinungsfreiheit, sondern von Dummheit."


Oberbürgermeisterin Reker ist sich sicher, dass "intolerante Ideen und Parolen" auf den Widerstand der Kölner stoßen (Bild: Stadt Köln / Danny Frede)

Die Kölner SPD forderte das E-Werk am Montag auf, das Konzert abzusagen: "Seit Jahren ist Kollegah für seine antisemitischen, frauenverachtenden, homophoben, und gewaltverherrlichenden Texte bekannt, daher sollte er aus unserer Sicht in unserer weltoffenen Stadt keine Bühne bekommen."

Der Kölner Stadtdechant Robert Kleine, der die katholische Kirche in Köln repräsentiert, kritisierte bereits vergangene Woche den Auftritt: "Gerade wenn antisemitische Schmähungen und Übergriffe leider wieder an der Tagesordnung sind, dürfen wir keine Rücksicht auf vermeintlich künstlerische Freiheiten nehmen, zumal Rapper wie Kollegah großen Einfluss auf unsere Jugend haben", sagte er dem katholischen Portal "Domradio".

Auch Jürgen Wilhelm, der Vorsitzende der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, sprach sich für eine Absage des Konzerts aus: "Durchgängig propagiert Kollegah in seinen Texten Antisemitismus, Homophobie, Gewalt gegen Frauen und ruft auch zum Hass gegen sozial Marginalisierte auf", so Wilhelm.

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E-Werk: Wir sind nur Vermieter

Das E-Werk hatte auf Anfrag von "Watson" Verantwortung für die menschenverachtenden Texte zurückgewiesen und erklärt, man sei nur Hallenvermieter. Veranstalter sei "Alpha Music", das Label von Kollegah, das bislang nicht zu den Vorwürfen Stellung nahm.

Bereits am Samstag (9. November) war ein Konzert Kollegahs in der badischen Kreisstadt Rastatt abgesagt worden. Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch (CDU) hatte das damit begründet, dass man "gerade am Tag der Reichspogromnacht" die Stadt nicht zum Veranstaltungsort "eines solchen Konzertes" machen werde. Der Gemeinderat hatte mehrheitlich für die Absage gestimmt.

Viele homophobe Textstellen

Viele der umstrittenen homophoben Aussagen Kollegahs fallen in den Bereich des "Battle-Rap", stellen also gegenseitige Beleidigungen unter Rappern dar. Kollegah forderte im Album "Jung, brutal, gutaussehend 3", das er gemeinsam mit seinem Kollegen Farid Bang aufgenommen hatte, beispielsweise: "Wohin man auch schaut, man sieht nur Spasten in der Szene (…) Zieh dein Kleid aus, wir sind hier nicht bei der Gayparade, Mo'fucker."

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hatte sich bereits 2014 besorgt über die Homophobie im Kollegah/Bang-Vorgängeralbum "Jung, Brutal, Gutaussehend 2" geäußert und es auf den Index gestellt. Für die Behörde seien "die extrem homosexuellenfeindlichen Äußerungen (…) sozialethisch nicht mehr vertretbar". Auf diesem Album rappten die Interpreten unter anderem: "Ich schlag dir deine große Schnauze ein / Ich hab gehört du drehst ein Film – Brokeback Mountain 2" oder attestieren Schwulen: "Ihr seid wie Schotten. Männer, die die Hosen nicht anhaben".

In der öffentlichen Debatte sorgen insbesondere antisemitische Textstellen für Kritik – etwa der Satz: "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" aus dem Song "0815". Außerdem sorgten Äußerungen Kollegahs, in denen er Israels Umgang mit Palästinensern mit dem Umgang von Nazi-Deutschland mit Juden gleichstellte, für Empörung.

Twitter / EliDerWanderer

Kollegah hatte erst vergangenen Monat den Schmähpreis "Sexist Man Alive" von "Emma" erhalten (queer.de berichtete). (dk)



#1 WahrheitIstRelativAnonym
  • 12.11.2019, 12:18h
  • Na wenigstens halten dann mal alle zusammen...

    Wieso ist ein Gay eigentlich ein Mo' fucker? Ne Mother ist doch weiblich... (Stirnrunzelnd) Nicht logisch !
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#2 SemiKaledonierAnonym
  • 12.11.2019, 14:13h
  • Antwort auf #1 von WahrheitIstRelativ
  • Mit Mo'fucker meint er seinen Battle-Kontrahenten. Die habens bloß nicht so mit klaren Sätzen in diesen Proll-Tracks. Das hat da mehr sowas wie Drohgebärden gegen einander.

    Der Spruch :
    >>>"Ihr seid wie Schotten. Männer, die die Hosen nicht anhaben"<<<

    ist ja schon doppelt beleidigend. Sowohl geht das gegen Schwule, aber auch gegen Schotten.
    Zeigt auf, dass dieser Kollegahdude noch nicht mal begriffen hat, dass ein Kilt als Beinkleid schon eine ganze Zeit vor der modernen Form der Hose da war, und in Schottland, aber auch anderswo, vom Träger mit ganzem Stolz und selbstverständlich maskulin getragen wird.
    Die Anspielung zeichnet den Herrn Kollegah daher als relativ unkundig aus. Man könnte auch "dumm" dazu sagen.

    Bei den Katholen frage ich mich, ob sie auch über Schmähungen gegen Homosexuelle und Inter*Trans aus dem eigenen Kanon so denken, wie gerade über Antisemitismus in zu sein scheint. Alles andere macht das Hervorheben etwas aschfahl.
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#3 KiltAnonym
#4 mactorProfil
  • 12.11.2019, 14:55hBerlin
  • Musik ist Kunst und Kunst ist relativ.

    Ist eher ein Fanproblem als wieder mal den Verbotshammer der Parteien zu schwingen.
    Das ist lächerlich weil man damit nur den Auftrittsort ändert, sein Image als Stadt versaut und den Künstler für seine Texte mehr Raum gibt als nötig.

    Solange es Gegenden gibt -und gerade in und um Köln gibt es die reichlich- wo solche Musik als Wegweisend und absolut Hip gehalten und gern gehört wird, kann das niemand verbieten. Ist heute digital eh schwierig geworden Musik zu verbieten.

    Dieser und viele andere Künstler die ja ähnlich knapp an der Meinungsfreiheit und dem Strafgesetzbuch entlang-singen, verkaufen schließlich Ihren Mist sehr gut und teuer im Land.

    Mit anderen Worten: Solange die Fans diese Texte gern und zufrieden hören und dafür viel Geld bezahlen wird sich nichts ändern.
    Man muss in den Fan-Clubs und der Fan-Basis was erreichen.
    Die erreicht man aber nicht mit Verboten oder Petitionen sondern nur mit Überzeugung.
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#5 Patrick SAnonym
  • 12.11.2019, 15:13h
  • Der Mann weis, womit man in Deutschland Geld machen kann. Denn offensichtlich werden seine widerlich vertexteten Lieder ja hunderttausendfach verkauft.
    Und genau das sollte uns viel mehr zu denken geben: nicht der eine Rapper, der antisemitsche/rassistische/frauenfeindliche/homophobe Ressentiments schürt, sondern die gigantische Menge Menschen, die den Dreck abfeiert und ihr Geld dafür ausgibt.
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#6 KaktusAnonym
  • 12.11.2019, 16:47h
  • Das E Werk also der Hallenvermieter hätte sehr wohl den Auftritt verbieten können. Die Stellungnahme ist einfach nur dumm. Seit wann entscheidet ein Plattenlabel wo sein Künstler Auftritt. Das Plattenlabel bietet seinen Künstler den Vermieter an und dann entscheidet der Vermieter ob er seine Halle an den Künstler vermietet. In Rastatt hat das super geklappt und der Künstler durfte dort nicht auftreten. Armes E Werk ihr scheint es ja bitter nötig zu haben. Hoffe das heute Abend richtig Stimmung gegen den Künstler gemacht wird.
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#7 FinnAnonym
  • 12.11.2019, 19:39h
  • Alle reden immer gerne davon, man müsse was gegen Sexismus, Rassismus, Antisemitismus, Homo- und Transphobie unternehmen. Aber dann lässt man die geistigen Brandstifter ungehindert ihren Hass verbreiten und zündeln...
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#8 JanVAnonym
  • 13.11.2019, 14:49h
  • Ich finde den Protest gegen Kollegah absolut daneben. Personen die 3 Zeilen aus seinen Texten vorgelesen bekommen und dann den Mund aufmachen. Keiner der Kritiker hat sich auch nur Ansatzweise mit der Person Felix Blume auseinandergesetzt sonst wüssten diese, dass er kein schlechter Mensch ist und mehr gutes tut als man denkt. Deutschrap und dessen Ausdruck im allgemeinen ist nun mal kein Kindergeburtstag. Man muss solche Musik nicht gut finden. Das erwartet niemand. Aber Kollegah nun anzugreifen weil man sich so schön über seine Texte aufregen kann ist wirklich arm.
    Ein Quentin Tarantino Film erntet für 2 Stunden brutales Morden Lob und Oscars. Warum? Weil die Kunstform wie der Regisseur es verpackt diese Gewalt rechtfertigt !!! Genauso ist es bei Kollegah. Man muss es wie gesagt nicht gut finden, aber für mich ist Kollegah der lyrische Gott des Deutschraps mit unbeschreiblichem Wortwitz und einer Komplexität in seinen Lines die seines gleichen sucht. Aber wer sich nicht damit beschäftigt versteht es halt nicht!!!
    Ich selbst war gestern auf dem Konzert und distanziere mich klar von Schwulen oder Frauenhass. Als ich mich im Saal umgesehen habe, waren auch verdächtig viele Frauen anwesend. Sehr komisch..... ;-)
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#9 SemiKaledonierAnonym
  • 13.11.2019, 15:20h
  • Antwort auf #3 von Kilt
  • Danke fürs Bildchen. Da gibt es auch noch andere Kulturen, die Kiltähnliches oder sogar richtige Röcke, etwa Fustanella in Albanien, tragen. Hat dann ja was Befreiendes und man ratscht sich in der unbedachten Grätsche nie den Zwickel.

    Kollegah dagen würde alt aussehen, falls er von der Bühne grätscht. Autsch.
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#10 LotiAnonym
  • 14.11.2019, 09:07h
  • Antwort auf #8 von JanV
  • Wenn dieser Tölpel meint seine Texte zur Kunstform erheben zu müssen, muß er auch mit voller Breitseite Kritik einstecken. So ist das nun mal und das ist auch gut so. Im übrigen soll es ja Frauen geben, die sich gerne vom Manne schlagen lassen und dabei so richtig angetörnt werden. Ist aber hier nicht das Thema. Oder etwa doch? Ein Schelm der Böses dabei denkt.
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