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Letzte Chance für Homo-Hasser

Australien: Höchstrichter lassen Berufung von Kardinal Pell zu

Die ehemalige Nummer drei der Vatikan-Hierarchie war wegen Kindesmissbrauchs zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Jetzt erhält Kardinal Pell eine letzte juristische Chance.


George Kardinal Pell war einst einer der übelsten Hetzer gegen Homosexuelle – jetzt sitzt er wegen Kindesmissbrauchs im Gefängnis (Bild: Kerry Myers / wikipedia)

Der höchste australische Gerichtshof, der in der Hauptstadt Canberra angesiedelte "High Court of Australia", hat am Mittwoch entschieden, einen Einspruch von George Kardinal Pell anzuhören. Der 78-Jährige war im März wegen sexuellen Missbrauchs von zwei zum Tatzeitpunkt 13-jährigen Chorknaben zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt worden (queer.de berichtete). Der Kardinal, der bis zum Verfahren als Finanzchef des Vatikans die Nummer drei in der katholischen Kirchenhierarchie war, befindet sich derzeit in einem Gefängnis in Melbourne.

Voraussichtlich Anfang 2020 werden die sieben Höchstrichter den Fall verhandeln. Kardinal Pells Anwälte behaupten, dass die Zeugenaussage von einem von Pells mutmaßlichen Opfern nicht glaubwürdig gewesen sei (das andere Opfer ist vor dem Prozess in Folge einer Überdosis gestorben).

Pell: Homosexualität ist "falsch"

Kardinal Pell war in Australien nicht nur eine religiöse, sondern auch eine politische Figur, Er behauptete unter anderem, der Klimawandel sei eine Lüge, und machte außerdem seit Jahrzehnten auch Stimmung gegen sexuelle Minderheiten. Bereits 1990 sagte er zur Homosexualität: "Wir wissen, dass sie existiert. Wir glauben, dass eine solche Aktivität falsch ist und die Gesellschaft zu ihrem eigenen Wohl nicht dazu ermutigt werden sollte." In einer Messe weigerte er sich 2002, schwulen und lesbischen Gläubigen, die mit Regenbogenschleifen zum Gottesdienst erschienen waren, die Kommunion zu erteilen: "Gott hat Adam und Eva erschaffen und nicht Adam und Steve", sagte er in der Messe. Homosexuelle Aktivitäten seien gegen das Naturrecht. Vor seinen Wechsel nach Rom galt Pell als einer der größten Kämpfer gegen die rechtliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren in Australien.

Der Prozess hatte hohe Wellen in Australien geschlagen. In konservativen Medien, die zum großen Teil vom australischstämmigen US-Medienmogul Rupert Murdoch ("Fox News Channel") kontrolliert werden, wurde er als Opfer einer Verschwörung dargestellt. Unterstützung erhielt er dabei auch von zwei ehemaligen Premierministern: John Howard (1994-2007) attestierte dem Kardinal "einen exemplarischen Charakter", Tony Abbott (2013-2015) sprach ihm öffentlich das Vertrauen aus. Beide Mitglieder der konservativen "Liberal Party" einen auch viele politische Ansichten mit dem Kardinal – etwa die pauschale Ablehnung von LGBTI-Rechten.

Der Vatikan will mit Konsequenzen für Pell bis zu einer endgültigen Einschätzung des Höchstgerichts warten. Pell selbst hat stets seine Unschuld beteuert. Sollte er auch das letzte Verfahren verlieren, hat er erst im Jahr 2022, nach drei Jahren und acht Monaten hinter Gittern, die Chance auf eine bedingte Haftentlassung. (dk)



#1 Carsten ACAnonym
  • 13.11.2019, 15:21h
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    Kardinal Pells Anwälte behaupten, dass die Zeugenaussage von einem von Pells mutmaßlichen Opfern nicht glaubwürdig gewesen sei (das andere Opfer ist vor dem Prozess in Folge einer Überdosis gestorben).
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    Es ist eine alte Taktik, die Glaubwürdigkeit von Zeugen in Zweifel zu ziehen. Aber offenbar hat das Gericht dieser Linie schonmal nicht gefolgt.

    Schade, dass der zweite Zeuge tot ist, aber die Überdosis ist vielleicht auch eine Folge dessen, was ihm als Kind mutmaßlich angetan wurde.

    Ich hoffe sehr, dass das Gericht auch in der Berufung sich nur an die Faktenlage hält und sich nicht von Amt der Person oder seinen Anhängern blenden lässt. Es darf keinen Promi-Bonus geben.
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#2 GerritAnonym
  • 13.11.2019, 15:43h
  • "Er behauptete unter anderem, der Klimawandel sei eine Lüge, und machte außerdem seit Jahrzehnten auch Stimmung gegen sexuelle Minderheiten. "

    Wenn jemand wissenschaftliche Fakten leugnet, weiß man ja, was man von seinen Aussagen zu halten hat. Dann sind auch seine Beteuerungen, unschuldig zu sein, absolut unglaubwürdig.
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