Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?34909

Jetzt auf DVD

Die Insel, auf der sich Cruising, Mord und Mimosas abwechseln

Joseph gönnt sich eine Auszeit auf Fire Island. Er wird unter Drogen gesetzt, beobachtet einen Mord – und wacht bei Cameron auf. "Last Ferry" ist ein cooler Mix aus Romantic Gay Comedy und fesselndem Thriller.


Sex, Mord und Liebe: Josephs Ausflug nach Fire Island verläuft etwa anders als gedacht (Bild: Pro-Fun Media)
  • Von Fabian Schäfer
    17. November 2019, 08:02h, noch kein Kommentar

Joseph (Ramon Torres) kann einem fast ein wenig leidtun, schon von der ersten Sekunde an. Der New Yorker Anwalt kommt im Anzug auf die anzügliche Insel Fire Island. Ganz schüchtern kauft er sich eine neongrüne Badehose. Joseph scheint fest entschlossen zu sein: Er will Freunde und am besten auch noch eine Beziehung finden. Unbeholfen-putzig fragt er die Verkäuferin, wo denn die ganzen Partys seien. Fire Island ist immerhin als schwule Erholungsoase der New Yorker Community bekannt.

Die teilt ihm mit Bedauern mit, dass April einfach zu früh sei. Die Saison geht noch nicht los. Am Strand lernt er dann doch einen jungen Mann kennen, der ihn anflirtet, ihn mit ins Gebüsch nimmt, die Augen verbindet – und unter Drogen setzt und ausraubt. Auf der Mitleidsskala klettert Joseph damit schnell nach oben. Weil es so real ist, seine Erwartungen so sehr enttäuscht werden, er leidet, und diese Angst eine zutiefst schwule Angst ist.

Dann, durchs Gebüsch torkelnd und noch nicht ganz bei Sinnen, beobachtet er etwas. Irgendwas ist da passiert, jemand zieht einen Körper den Strand entlang – ein Verbrechen? Der Unbekannte entdeckt Joseph, der rennt und rennt und versteckt sich.

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

Der Mörder kommt Joseph näher, als ihm lieb ist


Pro-Fun Media hat "Last Ferry" mit deutschen Untertiteln auf DVD veröffentlicht

Er wacht bei Cameron (Sheldon Best) auf, der sich liebevoll um den zunächst Unbekannten kümmert. Schnell wird Joseph Teil von Camerons diverser Clique. Es gibt mindest so viele Mimosas wie Gossip zum Frühstück, ein Pool gehört natürlich auch zur Ausstattung des Ferienhauses.

Die junge New Yorker Regisseurin Jaki Bradley hat mit "Last Ferry" einen gelungen Genremix aus schwuler Romantic Comedy und fesselndem Thriller geschaffen. Camerons Clique, allen voran Shane (Larry Owens), ist unfassbar witzig, das Drehbuch, von Hauptdarsteller Ramon Torres geschrieben, ist authentisch und setzt bekannten "Queer as Folk"-Humor fort. Dazu entwickelt sich zwischen Joseph und Cameron eine ziemlich süße Liebesgeschichte – der schüchterne Loser findet endlich jemanden.

"Last Ferry" entwickelt sich immer mehr zu einem spannenden Thriller, als Joseph merkt, dass der Mörder ihm näher kommt als ihm lieb ist. Die Rolle der Zuschauer*innen ist geschickt geschrieben, denn wir sind anfangs im Vorteil, weil wir mehr als Joseph wissen. Doch das kehrt sich schnell um: Alle Beteiligten wissen ein bisschen – und erst nach und nach finden sie (und wir) heraus, dass die anderen auch etwas wissen.

Die richtige Dynamik aus Unterhaltung und Spannung

So schafft Regisseurin Jaki Bradley einen spannenden und durchaus brutalen Film, immer begleitet von passender, nie aufdringlicher Filmmusik (Ash Knowlton). "Last Ferry" arbeitet dabei mit ganz klassischen Suspense-Mitteln (unklare Geräusche ohne Quelle, Kamerafahrten, Jump Scares, Verfolgungsjagden) – und macht so erfahrbar, dass Film ein absolutes Körper-Medium ist: Wir zucken, wir erschrecken, wir fiebern mit, unsere Hände werden schwitzig.

Das lässt verzeihen, dass insbesondere Cameron in seiner Ambivalenz nicht ganz ausgearbeitet und konsequent wirkt. Auch das Ende wird nicht allen gefallen. Dennoch ist "Last Ferry" ein sehenswerter Post-Gay-Film, der die richtige Dynamik aus Unterhaltung und Spannung findet. Ohne das filmische Rad neu zu erfinden, eröffnet ein fast ausschließlich weibliches Team und ein sehr diverser Cast neue Perspektiven und weist (hoffentlich) die Richtung, in die der junge, queere Film geht.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

Last Ferry. Thriller. USA 2019. Regie: Jaki Bradley. Darsteller: Ramon Torres, Sheldon Best, Myles Clohessy, Larry Owens, Gabriel Sloyer, Henry Ayres-Brown, R. Ward Duffy, Sheilagh Weymouth, Sam Leicht, Sam Given (Millie Grams). Laufzeit: 87 Minuten. Sprache: englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 16. Pro-Fun Media
Galerie:
Last Ferry
10 Bilder