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Ab Donnerstag im Kino

Bunte Bundeswehr: Doku über die erste trans Kommandeurin

Die Doku "Ich bin Anastasia" erzählt die Geschichte von Oberstleutnant Anastasia Biefang, der ersten trans Bataillonskommandeurin der Bundeswehr. Ihr Weg ist bemerkenswert, doch dem Film hätte ein anderer Schwerpunkt gutgetan.


Im Oktober 2017, gleich nach ihrer Geschlechtsangleichung, hat Anastasia Biefang das Informationstechnikbataillon im brandenburgischen Storkow übernommen (Bild: missingFILMs)

Links, zwo, drei, vier, links, zwo, drei vier. Gleich zu Beginn von "Ich bin Anastasia" wird marschiert. Die Truppe läuft in Reih und Glied, schnell wird klar: Die Bundeswehr ist ein Ort der Normierung, der Strenge, der Disziplin, der kurz geschorenen Haare. Bei einem Frauenanteil von zwölf Prozent immer noch eine Männerdomäne.

Kein Wunder, dass Anastasia Biefang da auffällt. Sie ist seit Oktober 2017 die erste trans Kommandeurin eines Bataillons. Eine Soldatin und Führungsperson aus Leidenschaft, die sich erst mit über 40 als trans* geoutet hat – weil sie nicht mehr anders konnte. Sie musste einen "Schlussstrich mit dem männlichen Leben" machen.

Der Dokumentarfilm "Ich bin Anastasia" erzählt ihre Geschichte. Beginnt damit, dass Anastasia erzählt, wie sie 16 oder 17 war, als es angefangen hat. Als sie so gerne die Kleider der Mutter probiert hat, später in einen speziellen Laden ging, wo sie zum ersten Mal, ganz spontan, ihren neuen Namen gesagt hat.

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Fokus auf den körperlichen Veränderungen


Poster zum Film: "Ich bin Anastasia" startet am 21. November im Kino

Thomas Ladenburger, Regisseur, Produzent und Kameramann von "Ich bin Anastasia", hat die Kommandeurin begleitet – zu Hause, unterwegs, in der Kaserne. Hat sie und ihre Frau befragt, mit den Eltern gesprochen, und mit vielen Kolleg*innen.

Um besonders ästhetische Bilder hat er sich dabei keine Gedanken gemacht, es scheint ihm um die Sache zu gehen. Möglichst nah dran, so authentisch und alltäglich wie möglich – was bei Bundeswehr-Sicherheitsvorkehrungen sicher kein leichtes Unterfangen war. Doch, diese Frage drängt sich immer mehr auf, worum geht es überhaupt?

Geht es um Anastasias Transition? Um das Coming-out in der Bundeswehr, um die Reaktionen der Kolleg*innen, darum, wie offen die deutsche Armee mit queeren Menschen umgeht? Ein bisschen von alledem, aber ein Schwerpunkt des Films liegt auf den körperlichen Veränderungen von Anastasia.

Wir sehen sie zweimal auf dem OP-Tisch, bei einer genitalangleichenden Operation sowie später bei einer Brustvergrößerung. Wir sehen Fotos von der Zeit vor ihrem Coming-out – im Auslandseinsatz in Afghanistan oder im elterlichen Bilderrahmen.

Die Vorurteile verschwinden schnell

Tatsächlich scheinen die körperlichen Veränderungen unfassbar wichtig für Anastasia gewesen zu sein. Das wird deutlich, wenn ihre Frau die Momente beschreibt, als Anastasia zum ersten Mal ihre Vagina gesehen hat. Kein Wunder, dass davor eine Schwanz-Ab-Party – mit Penistorte und Penispiniñata und Penislollys – gefeiert wird. Später gibt es eine andere Feier, bei der alle Gäste durch eine als Vagina dekorierte Tür gehen müssen, um die Wohnung zu gelangen. Im nächsten Bild dann wieder Marschmusik, und der Kontrast könnte nicht größer sein.

Und dennoch wirkt der Film zu sehr auf den Körper konzentriert. Trans Menschen und ihre Organisationen beklagen häufig, zu sehr auf ihren Körper und ihre Genitalien reduziert zu werden und in Interviews oder privaten Gesprächen relativ schamlos danach gefragt zu werden.


Anastasia Biefang im Hochzeitskleid (Bild: missingFILMs)

Dass Anastasia, bevor sie Kommandantin wurde, im Bataillon "Gesprächsthema Nummer eins" war, kommt natürlich genauso zur Sprache wie die Kolleg*innen, die sich darum sorgen, dass das von der eigentlichen Arbeit ablenkt. Doch die ganzen Vorurteile, Vorbehalte und blöden Sprüche scheinen wie verschwunden, als Anastasia das Kommando übernimmt. Auch in Interviews betont sie immer wieder, wie verständnisvoll das Kollegium reagiert hat. Zum Glück – und das ist sicher keine Selbstverständlichkeit.

Anastasia Biefang: Vorbild und Vorreiterin

Und dennoch würde man gerne mehr wissen über Anastasias ungeoutete Zeit, die knapp 20 Jahre bei der Bundeswehr, als sie noch als Mann gelebt hat. Über die Ängste vor dem Coming-out, die nur kurz angesprochen werden. Über erste Reaktionen, nicht nur bei Vorgesetzten, sondern bei Kolleg*innen. Ob sie der Öffentlichkeit, die um ihre Person entstanden ist, irgendwann überdrüssig wird, und einfach nur ihren Job machen will, ohne dass ihr Transsein im Mittelpunkt steht. Was der Hass in sozialen Netzwerken und Foren wirklich mit ihr macht wird ebenso relativ kurz abgehandelt wie die Frage, wie sie sich als trans Frau auf den Einsatz in Afghanistan vorbereitet.

"Ich bin Anastasia" ist dennoch ein gelungener, weil geradliniger, emotionaler und unterhaltsamer Film über eine bemerkenswerte Frau und Karriere. Die Bundeswehr kommt erstaunlich locker daher, auch weil die Soldat*innen und Angestellten ziemlich frei sagen, was sie denken. Dass viele nicht wussten, was transgender überhaupt ist, oder Angst hatten, dass jetzt gleich die Regenbogenflagge einzieht.

Oberstleutnant Anastasia Biefang ist nicht die einzige deutsche Soldat*in mit trans Hintergrund, aber sicher die bekannteste. Ein Vorbild, eine Vorreiterin, der Beweis, dass es geht.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film

Infos zum Film

Ich bin Anastasia. Dokumentarfilm. Deutschland 2019. Regie: Thomas Ladenburger. Laufzeit: 95 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 0. Verleih: missingFILMs. Kinostart: 21. November 2019


#1 Daniel DüsentriebAnonym
  • 20.11.2019, 15:29h
  • Wo ist der Unterschied zur schon existierenden Menschen Hautnah Folge die in der ARD lief?!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 MaksimAnonym
  • 21.11.2019, 00:26h
  • "Und dennoch wirkt der Film zu sehr auf den Körper konzentriert. "

    Teile die Einschätzung, schade!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 FredericAnonym
  • 21.11.2019, 16:32h
  • Den Trailer finde ich nicht so toll, würde den Film nicht unbedingt anschauen. Aber muss natürlich jeder selbst wissen, ob er dafür ins Kino geht.
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#4 ToffiAnonym
  • 22.11.2019, 09:53h
  • Antwort auf #1 von Daniel Düsentrieb
  • So wie sich das anhört wird auf dasselbe Material wie für die Doku zurückgegriffen, wahrscheinlich nur etwas ausführlicher.

    Ich bin auch hin- und hergerissen, ich habe die Doku schon zweimal gesehen und finde sie unheimlich beeindruckend, weil gerade die Reaktionen des Umfelds soviel unverkrampfter gezeigt werden als man eigentlich erwartet hätte. Aber ob der Film da jetzt wirklich noch viel neue Aspekte beinhaltet?
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