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Streit um "Rub & Tug"

Scarlett Johansson bereut Reaktion auf Trans-Kritik

Die bestbezahlte Schauspielerin der Welt trat letztes Jahr nach Kritik trotzig von einem Film-Projekt zurück, in dem sie einen Transmann spielen sollte. Jetzt erkennt sie an, dass sie einen Lernprozess durchmachen musste.


Scarlett Johansson gibt zu, dass sie in der Kontroverse um den Film "Rub & Tug" anfangs falsch reagiert habe (Bild: Chairman of the Joint Chiefs of Staff / wikipedia)

Die amerikanisch-dänische Schauspielerin Scarlett Johansson hat in einem Interview mit "Vanity Fair" ihre Reaktion auf Kritik aus der Trans-Community bedauert. "Im Nachhinein betrachtet, habe ich die Situation falsch gehandhabt", sagte die 35-Jährige.

Mit dieser Äußerung reagiert die cis- und heterosexuelle Schauspielerin auf die Kontroverse vom Sommer 2018: Nachdem sie bekannt gegeben hatte, dass sie im Film "Rub & Tug" einen transsexuellen Mann spiele wolle, kam es zu einem Shitstorm. Viele Kritiker, darunter auch prominente trans Schauspielerinnen, warfen ihr vor, das Leben von Transsexuellen "nachzuäffen" und damit Filmpreise einheimsen zu wollen, während trans Schauspielerinnen stets bei Castings übergangen werden würden (queer.de berichtete). Johansson verzichtete schließlich auf die Rolle (queer.de berichtete). Trotzig verteidigte sie sich aber noch vor wenigen Monaten mit dem Argument, dass es möglich sein müsse, dass jeder Schauspieler potenziell jede Rolle übernehmen könne (queer.de berichtete).

Twitter / VanityFair

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"Ich war ungebildet"

In ihrer ersten Reaktion sei sie nicht sensibel gewesen, so Johansson jetzt in "Vanity Fair". Ihr sei nicht bewusst gewesen, wie die Trans-Community darüber denkt, wenn cissexuelle Schauspieler Trans-Rollen übernehmen. "Ich war ungebildet. In diesem Prozess habe ich viel dazugelernt." Es sei kein schönes Gefühl, sich zu fühlen, als ob man taub für etwas sei.

Johansson ist derzeit laut "Forbes" das zweite Jahr in Folge die bestbezahlte Schauspielerin der Welt. Ihre Einnahmen beliefen sich von Mitte 2018 bis Mitte 2019 auf 56 Millionen Dollar. Damit hängte sie "Modern Family"-Darstellerin Sofia Vergara (44 Millionen Dollar) und Reese Witherspoon (35 Millionen Dollar) deutlich ab. Zuletzt lief ihre Tragikomödie "Marriage Story" im Kino, in der sie an der Seite von Adam Driver und Laura Dern spielte.

Bereits 2017 hatte Johansson für Kontroversen gesorgt, als sie im Science-Fiction-Film "Ghost in the Shell" in die Rolle einer ursprünglich asiatischen Frau schlüpfte. Kritiker warfen ihr und Hollywood daraufhin "Whitewashing" vor, das Ersetzen asiatischer Personen und Bezüge. Zuletzt kam es auch vermehrt zu Kritik, wenn männliche heterosexuelle Schauspieler schwule Rollen übernehmen. (dk)



#1 Leon 4Anonym
  • 27.11.2019, 09:32h
  • Mal die übergeordnete Thematik beiseite und nur auf diesen einzelnen Fall bezogen:

    Das eine Frau Johansson vllt einfach talentierter (die Frau hat abseits marvel einige kleine Juwelen abgeliefert) ist und mehr Zugkraft hat als irgend n no name kommt denen nicht in den Sinn?

    Selbst trans zu sein bedeutet nicht automatisch auch gut darin zu sein einen Charakter zu spielt, sonst wären wir alle alle perfekte Schauspieler für Rollen deren skizzierung wir entsprechen....
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#2 TheDadProfil
  • 27.11.2019, 10:19hHannover
  • Neulich gab es in der ARTE-Kurzfilmnacht einen Film über einen Trans*Mann der Probleme an seinem neuem Arbeitsplatz hat..

    Die Regisseurin berichtete im anschließendem Interview das ihr bei der ersten öffentlichen Aufführung in der nachfolgenden Diskussion mit dem Publikum die Frage gestellt wurde, ob denn die darstellende Person auch im wirklichem Leben Trans* sei..

    Sie beantwortete die Frage mit der Gegenfrage, ob denn der Eindruck entstanden sei, dies sei nicht so, und wenn, was das an der Darstellung ändern würde, wenn man von vorne herein wüßte ob ein* Darsteller Cis oder Trans* sei ?

    Die Frage konnte vom Publikum nicht beantwortet werden, wirft aber viele weitere Fragen auf..

    Analoges kann man auch zur Darstellung Schwuler/Lesbischer Charaktere durch Hetero-Darstellende sagen..

    Es kommt auf die Qualität der Darstellung an, und nicht auf die Identität des Darstellenden dahinter..

    Und so gilt das dann ebenso für den Fall, in dem Trans*-Menschen sowohl schwul/lesbische Rollen, oder Hetero-Rollen, wenn sie nicht ihrer Sexuellen Identität entsprechen, als auch Cis -Rollen verkörpern..
    Es kommt auf die Authentizität der Darstellung an..
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#3 LotiAnonym
  • 27.11.2019, 11:16h
  • Antwort auf #2 von TheDad
  • Und wieder ein dickes Danke für Deinen Kommentar. Leider habe ich diesen Film versäumt anzusehen. Und fürs Nachschauen im Internet reichen meine bescheidenen 5 GB leider nicht aus.
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#4 AnonymAnonym
  • 27.11.2019, 13:13h
  • Antwort auf #2 von TheDad
  • Ich stimme dir in jedem Wort zu.

    Aber das Problem, oder die Empörung liegt doch (meiner Wahrnehmung nach) auf einer ganz anderen Ebene.

    Selbst Homosexuelle werden heutzutage noch oft benachteiligt. Überall. Wir Trans* Menschen ... Puh, Wir waren gestern noch die Zugkraft der ganzen Abteilung, und heute sind wir die lästige Fliege, der stinkende Müll, überflüssig, werden gefeuert ( Ja, selbst erlebt )

    Es geht darum, dass Trans* Schauspieler*innen mit fadenscheinigen Argumenten keine Rolle bekommen, und oft eben mit "Dein Passing ist Mieserabel". Uns wird so vieles verwehrt. Undzwar nicht wegen irgendwelcher Qualifikationen, sondern nur auf Grund unserer Identität. Und dann wird es eben als absolut unpassend empfunden, wenn Frau Johansson eine Trans* Rolle spielt. Ist das echt nicht nachvollziehbar?

    Frau Johansson hat aber natürlich Recht. Jede*r soll jede Rolle spielen dürfen. Aber es ist einfach unfair, wenn das für einen Teil der Gesellschaft gilt, und für einen anderen Teil nicht.

    Wenn wir endlich ganz normal behandelt werden, und alle Chancen haben, die jeder CIS mensch auch hat, dann ist es vollkommen Legitim, dass eine Frau Johansson eine Trans* Rolle Spielt. Aber auch wirklich erst dann.
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#5 PiepmatzAnonym
  • 27.11.2019, 13:42h
  • Es schadet einer differenzierten Diskussion übrigens nicht, wenn wir einbeziehen, dass sich die Kritik u.A. darauf bezog, dass hier ein trans Mann von einer Frau dargestellt werden sollte. Man befürchtete, sicher nicht ganz zu Unrecht, dies hätte das gesellschaftliche Vorurteil verstärken können, dass trans Männer "in Wirklichkeit" Frauen seien, die Männer lediglich "darstellen" oder "vorspielen". Genau dieses Narrativ der Identitätsvortäuschung trägt leider sehr erheblich zu transfeindlicher Diskriminierung und Gewalt bei. Wo immer man vermeiden kann, dieses Narrativ zu verstärken, sollte man es daher vermeiden.

    Es geht im konkreten Fall also nicht nur um "cis spielt trans". Bitte die Kritik, mag sie auch hier und da vereinfacht wiedergegeben worden sein, nicht allzu simplifizierend abhandeln.
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#6 Martina_BerlinProfil
#7 TheDadProfil
  • 28.11.2019, 10:53hHannover
  • Antwort auf #3 von Loti
  • Brauchst Du gar nicht suchen, denn den Film mit Miss Johansson gibt es ja Dank des Boykottes gar nicht, das Projekt ist derzeit tot..

    Den Film auf ARTE gibt es mit Glück noch in der ARTE-Mediathek..
    Kann den leider aber gerade auch nicht finden..
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#8 TheDadProfil
  • 28.11.2019, 10:57hHannover
  • Antwort auf #4 von Anonym
  • ""Es geht darum, dass Trans* Schauspieler*innen mit fadenscheinigen Argumenten keine Rolle bekommen, und oft eben mit "Dein Passing ist Mieserabel". Uns wird so vieles verwehrt. Undzwar nicht wegen irgendwelcher Qualifikationen, sondern nur auf Grund unserer Identität. Und dann wird es eben als absolut unpassend empfunden, wenn Frau Johansson eine Trans* Rolle spielt. Ist das echt nicht nachvollziehbar?""..

    Ich darf hier an den ausführlichen Thread zum Projekt verweisen, dort ist meine Position dazu dargelegt..

    Ich sehe hier immer noch eine Unterschied im Fernhalten aus Rollen, und in Projekten die wie hier geplant war, eine Sichtbarkeit überhaupt erst ermöglichen..
    Das Eine ist ein Projekt, das Andere ein grundsätzliches Problem der Film-Industrie, welches neben Trans*-Menschen und "Homosexuellen" dann auch PoC, ältere Menschen, vor allem auch Frauen betrifft, Menschen mit Handicap, und, und, und..
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#9 ArchivAnonym
  • 28.11.2019, 13:46h
  • Antwort auf #8 von TheDad
  • "Ich darf hier an den ausführlichen Thread zum Projekt verweisen, dort ist meine Position dazu dargelegt.."

    Du meinst den Thread, in dem du die ganze Zeit über nicht mal begriffen hattest, dass Johansson in diesem Film einen trans MANN spielen sollte. Was dich natürlich in keiner Weise davon abgehalten hat, andere Diskutierende rechthaberisch abzukanzeln. Interessant, dass du an diesen peinlichen Tiefpunkt so selbstbewusst erinnerst.
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#10 DamienAnonym