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Streit um LGBTI-Unterricht

England: Homo-Hasser dürfen nicht vor Grundschule demonstrieren

Religiös motivierte LGBTI-Gegner hatten monatelang eine Grundschule in der Industriestadt Birmingham belagert. Die Stadt hat das im Sommer verboten – zurecht, wie jetzt der "High Court" befand.


Die homophoben Demonstranten standen im ersten Halbjahr fast jeden Schultag vor der Grundschule

Ein Gericht in Birmingham hat am Dienstag entschieden, dass ein von der Stadt verhängtes Demonstrationsverbot vor einer Grundschule rechtens ist. Hunderte meist muslimische Demonstranten hatten im ersten Halbjahr 2019 vor der "Anderton Park Primary School" dagegen protestiert, dass LGBTI-Themen im Unterricht vorkommen.

Die Schule hatte an einem Pilotprojekt teilgenommen, das nächstes Schuljahr auf alle Schulen ausgeweitet werden soll. Dabei soll den Schülern Gleichberechtigung aller Menschen näher gebracht werden – etwa, dass es außer traditionellen Familien mit einem verschiedengeschlechtlichen verheirateten Elternpaar auch andere Familien gibt, beispielsweise Familien mit zwei Müttern. Auch an anderen Schulen hatte es Proteste gegeben, die vorübergehend erfolgreich waren (queer.de berichtete).

Die "Anderton Park Primary School" wird fast ausschließlich von Kindern muslimischer Eltern besucht – die demonstrierenden Eltern hatten ihre Ablehnung des neuen Lehrplans meist mit ihrem Glauben begründet. Sie skandierten monatelang jeden Tag während des Schulunterrichts lautstark Parolen und zeigten Schilder mit Aufschriften "Mein Kind, meine Entscheidung" oder "Adam und Eva, nicht Adam und Steve".

Direktlink | Bericht in der Nachrichtensendung des kommerziellen Fernsehsenders ITV

Für die Schule hatten die Proteste weitgehende Auswirkungen: Die Kinder konnten nur noch mit geschlossenen Fenstern unterrichtet werden. Außerdem klagten Lehrer über Bedrohungen von teils aggressiven Demonstranten. 21 Mitarbeitern der Schule, die meisten davon Lehrer, wurden wegen der Proteste von einer eigens hinzugezogenen Psychologin seelische Probleme attestiert, die etwa zu Schlaf- oder Angststörungen führten.

Die Demonstranten verbreiteten dabei auch Fehlinformationen. Besonders kritisiert wurde der Auftritt eines lokalen Imams im Mai, der behauptete, dass Grundschülern jetzt Analsex und Pädophilie beigebracht werde. Der Stadtrat von Großbritanniens zweitgrößter Stadt erwirkte daraufhin eine einstweilige Verfügung, die Protestaktionen im unmittelbaren Umfeld der Schule verboten hat.

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Richter: Demonstranten haben offensichtlich Lügen verbreitet

"High Court"-Richter Mark Warby erklärte nun nach einer fünftägigen Anhörung die Demonstrationsverbotszonen für dauerhaft. Er sagte, dass die Demonstranten die Thematik falsch dargestellt hätten: "Demonstranten haben behauptet, dass die Schule eine 'Pädophilie-Agenda' verfolge und Schülern Masturbation beibringe. Nichts von dem ist wahr."

Die Organisatoren der Demonstration müssen zudem 80 Prozent der Gerichtskosten tragen. Sie haben bereits angekündigt, Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen zu wollen.

England: Vom "Homo-Propaganda"-Verbot zum LGBTI-freundlichen Unterricht

Die Entscheidung ist auch wichtig für andere Städte in England und Wales, da ab September 2020 an allen Grund- und weiterführenden Schulen ein neuer Lehrplan gelten soll, der auch LGBTI-Themen behandelt. LGBTI-Aktivisten hatten jahrelang für die Einbeziehung der Thematik in den Unterricht gekämpft. Bis 2003 hatte das aus der Thatcher-Zeit stammende Gesetz "Section 28" Schulen noch ausdrücklich verboten, das Thema Homosexualität auch nur anzudeuten, geschweige denn darüber zu sprechen.

Auch Anhänger anderer Religionen haben gegen die Erwähnung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten an Schulen protestiert. Eine von christlichen Fundamentalisten initiierte Petition gegen den neuen Lehrplan wurde etwa von mehr als 100.000 Menschen unterzeichnet. Ein jüdischer Rabbi sorgte letzten Monat zudem für Empörung, nachdem er erklärt hatte, dass er lieber sein Leben geben würde als die LGBTI-Thematik an britischen Schulen zu akzeptieren (queer.de berichtete). (dk)



#1 Alexander_FAnonym
  • 27.11.2019, 13:02h
  • Ein Glück, dass man im Lande des Brexit-Theaters und strohköpfigen Insel-Trumps doch noch mal von etwas Gutem hört.

    Gut so, dass diesen Schreihälsen endlich das Handwerk gelegt wird und die Lehrer endlich wieder normal ihren Unterricht abhalten können.
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#2 PetterAnonym
#3 ReneAnonym
  • 27.11.2019, 14:54h
  • Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und werde dem ein oder anderen wohl sein idealistische Weltbild zerstören:
    Aber schaut euch bitte mal genau an wer da demonstriert.
    Das sind sinngemäß die Eltern, deren Söhne euch später mal im schlimmsten Falle krankhausreif prügeln, wenn ihr mit eurem Partner Hand in Hand in der Stadt unterwegs seit.
    Wenn ich mir so die Akzeptanz für LGBT unter den religiösen Menschen (egal welcher Couleur) ansehe, dann kann ich mir ableiten, wer aktuell für die größte Zahl der Übergriffe auf uns verantwortlich ist.
    Auch wenn das in den Polizeiberichten nie zu lesen ist, so schätze ich doch mal, das Dreiviertel davon einen Migrationshintergrund hat.
    Sollte man mal drüber nachdenken.
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#4 Pete2020Anonym
  • 27.11.2019, 15:08h
  • Bevor hier losgejubelt wird, dass der homophobe Mob in die Schranken gewiesen wird, sollte man sich die Aussagen der Behörden mal auf der Zunge zergehen lassen: Die Lehrer sollten entscheiden, was thematisiert wird.

    Man lässt also die Lehrkräfte im Stich. Welcher Lehrer soll denn bei solch hetzerischen Eltern sein Programm für LGBTI-Akzeptanz durchziehen?

    Man knickt also ein.

    Früher oder später wird das bei uns auch so laufen. Manche Politiker werten ja schon heute jedes kleine Mädchen, das mit Kopftuch in die Schule geschickt wird, als Zeichen für Toleranz und Vielfalt.

    Diese Toleranz hat sich in Großbritannien schon umgekehrt -eine besorgniserregende Entwicklung.
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#5 Ralph
  • 27.11.2019, 15:27h
  • Antwort auf #3 von Rene
  • Und gerade deren Kinder sind es, die der Erziehung zu Mitgliedern einer freiheitlichen, vielfältigen Gesellschaft durch die Schule in besonderem Maße bedürfen, denn in ihren Familien lernen sie nur Hass auf alle Menschen, die nicht den Vorstellungen einer frühmittelalterlichen, gewaltbereiten Ideologie genügen.
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#6 LandfluchtAnonym
  • 27.11.2019, 17:05h
  • Antwort auf #3 von Rene
  • Wenn man da all die Dorftrampel mit hinein rechnet, die mit einem erzkatholischen Umfeld gesegnet waren, und die vom Land in die Städte abhauen, kann das sogar zutreffen. Wie weit die Wanderung ging, steht im Begriff Migrationshintergrund nicht drin, auch ein Trampel aus dem Allgäu mit strikt katholischen Ansichten ist ein Migrant.

    Die Religionsform ist wirklich egal, denn die glauben alle an künstlich vereinfachte Welten.
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#7 WahrheitIstRelativAnonym
#8 TheDadProfil
  • 28.11.2019, 11:09hHannover
  • Antwort auf #3 von Rene
  • ""Aber schaut euch bitte mal genau an wer da demonstriert.
    Das sind sinngemäß die Eltern, deren Söhne euch später mal im schlimmsten Falle krankhausreif prügeln, wenn ihr mit eurem Partner Hand in Hand in der Stadt unterwegs seit.""..

    Mal völlig davon abgesehen daß die Schule hier als "Gegenmaßnahme" Aufklärung betreibt, und die Kinder dazu bildet, warum man solche Vorurteile nicht haben darf..

    Es gibt KEINE Belege dazu das Übergriffe auf LGBTTIQ*-Menschen "vorwiegend" von "muslimischen Menschen" begangen werden !
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#9 SoSoAnonym
  • 28.11.2019, 13:52h
  • Antwort auf #8 von TheDad
  • Er hat ja nicht davon gesprochen, dass die Mehrheit der LGBT feindlichen Angriffen von Muslimen ausgeht.
    Was er gesagt hat stimmt:
    Die Söhne derer, die da vor der Grundschule protestieren, haben beste Chancen zu denen zu gehören, die Leute wie uns nachher als Jugendliche / Erwachsene aus Homophobie "krankenhausreif prügeln"
    Dem muss man ebenso in die Augen sehen, wie einer Homophobie seitens der AfD.
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#10 Ralph