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Transphobie-Vorwürfe

Linkspartei macht Chelsea Manning zum Mann

Die Trans-Whistleblowerin Chelsea Manning ist für viele Linke eine Heldin. Für Aufregung sorgt jetzt, dass Manning bei einer Protestaktion der linken Bundestagsfraktion als Mann dargestellt wurde – das wird als transphob kritisiert.


Stauten von Edward Snowden, Julian Assange und einer männlichen Chelsea Manning vor dem Brandenburger Tor (Bild: Twitter / Heike Hänsel)

"Medien unter Beschuss", so lautet der Titel eines Kunstevents und einer öffentliche Anhörung der Linksfraktion vom Mittwoch, in dem sie Angriffe auf investigativen Journalismus kritisierte. Nun steht die Partei aber selbst unter Beschuss, weil sie vor dem Brandenburger Tor kurzzeitig Statuen von Edward Snowden, WikiLeaks-Gründer Julian Assange und Chelsea Manning zeigte – und alle drei als Männer dargestellt wurden, obwohl Manning bereits vor über sechs Jahren ihr Coming-out als Transfrau hatte und obwohl es als respektlos und beleidigend gilt, eine Transperson zu misgendern. Schließlich haben diese Menschen meist jahrelang gegen viele Widrigkeiten dafür gekämpft, in ihrem Geschlecht anerkannt zu werden.

Bei der Veranstaltung waren unter anderem Fraktionschef Dietmar Bartsch und Ex-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht anwesend. Wagenknecht war bereits im letzten Jahr vorgeworfen worden, Homophobie zu schüren, nachdem sie die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht als Ablenkungsmanöver kapitalistischer Politik dargestellt hatte (queer.de berichtete).

In sozialen Netzwerken führte die Statue Mannings zu scharfer Kritik: "Sie schämen sich nicht mal dafür, dass Chelsea Manning, die schon so viel Transfeindlichkeit überstehen musste, als Mann dargestellt wird. Wow. Das fühlt sich gerade wie ein Schlag in die Magengrube an", hieß es in einem Twitter-Eintrag. "Trans Personen zu respektieren ist wohl zu viel verlangt", schrieb ein anderer Nutzer.

Diese Kritik brachte viele transphobe Nutzer dazu, ihrem Hass freien Lauf zu lassen: "Wenn ein geistig behinderter Mann sich für weiblich hält, müssen doch nicht alle mitmachen", schrieb etwa eine Person als Reaktion. In einem anderen Eintrag wurde schlichtweg bestritten, dass die Figur einen Mann zeige: "Ist es nicht eher transfeindlich von den Kritikern? Wer sagt denn, dass die Skulptur männlich ist?"

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Linke: Manning sah halt früher so aus


Dieses Bild wurde Mitte 2013 den Medien zugespielt

Gegenüber dem "Spiegel" erklärte Künstler Davide Dormino: "Sie war in Einzelhaft und so unmöglich für mich zu erreichen. Mein Porträt basierte auf den damals einzigen verfügbaren Bildern." Die Linken-Abgeordnete Sevim Dagdelen erklärte, dass Künstler Davide Dormino die Skulptur "2014 geplant und Anfang 2015 angefertigt" habe. Demnach sei die "Whistleblowerin Chelsea Manning abgebildet [worden], wie sie damals ausgesehen hat." Allerdings sind einige dieser Behauptungen schlicht unwahr: Bereits lange vor der Fertigestellung der Statue kursierten Abbildungen, die Manning als Frau zeigten. Mitte 2013 wurde etwa ein Bild von Manning der Presse zugespielt, auf dem Manning beim Autofahren mit langen Haaren und Make-up zu sehen ist.

Manning war als Militärangehörige 2010 verhaftet worden, weil sie Hunderttausende geheime Dokumente der Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt hatte. Diese zeigten unter anderem Kriegsverbrechen der US-Armee im Irak-Krieg. Nach ihrer Verurteilung zu 35 Jahren Haft outete sich Manning 2013 als Transfrau. 2017 erließ Präsident Barack Obama drei Tage vor dem Ende seiner Amtszeit den größten Teil von Mannings Strafe, wodurch sie im Mai in Freiheit kam (queer.de berichtete). Seit Monaten sitzt sie jedoch in Beugehaft, weil sie sich weigerte, Julian Assange mit einer Aussage zu belasten (queer.de berichtete). (dk)

 Update  01.12.19: Reaktion von DIE LINKE.queer

Die Bundesarbeitsgemeinschaft DIE LINKE.queer veröffentlichte bereits am 29. November auf Facebook einen Offenen Brief an die Organisatorin der Protestaktion, Heike Hänsel, den wir im Folgenden dokumentieren:

Offener Brief an Heike Hänsel

Liebe Heike,

kürzlich hast Du gemeinsam mit einigen Genoss*innen die Ausstellung des Kunstwerks "Anything to Say?" von Davide Dormino vor dem Brandenburger Tor eröffnet, um Whistleblower*innen wie Chelsea Manning zu ehren. Tatsächlich handelt es sich bei Manning um eine bewundernswerte und mutige Frau, die jede Ehrung verdient hat.

Hier stoßen wir aber bereits zu dem Problem vor, das uns als Bundesarbeitsgemeinschaft DIE LINKE.queer dazu bewogen hat mit einem offenen Brief an dich heranzutreten. Manning wird in der Installation als Mann dargestellt – und eben nicht in ihrer Identität als Frau.

Seitdem Du Fotos der Aktion veröffentlicht hast bist Du mehrfach aus der Community heraus darauf hingewiesen worden, dass diese Darstellung inkorrekt und transfeindlich ist. Leider ist deine Reaktion auf die Kritik nicht so ausgefallen, wie wir uns das gewünscht hätten: Du hast Kritiker*innen blockiert oder darauf verwiesen, dass die Skulptur entstanden ist bevor Manning zu ihrer Identität als Frau gefunden hat. Du unterschlägst dabei aber, dass es genau diese Kontroverse schon bei der ersten Ausstellung der Skulpturen im Jahr 2015 auf dem Gelände der Ufa-Fabrik in Berlin gegeben hat – wohlgemerkt zwei Jahre nach dem Coming Out von Manning.

Da Manning ansonsten an jeder anderen Stelle von euch als Frau bezeichnet wird und ihr in engem Kontakt mit ihrem Unterstützer*innenkreis gewesen seid, gehen wir davon aus, dass es sich nicht um eine Böswilligkeit handelt. Wir hoffen aber, dass Du verstehst woher der Aufschrei rührt und dass eine Entschuldigung angemessen wäre. In dieser Form hat die Installation aus unserer Sicht nichts auf dem Pariser Platz verloren.

BAG DIE LINKE.queer



#1 alohaAnonym
  • 29.11.2019, 16:12h
  • Tja, Chelsea Manning sitzt in Beugehaft nach einem Verfahren, das Fragen zur Rechtsstaatlichkeit des ganzen Verfahrens aufkommt.

    Die einzige Partei, die an Chelsea Manning's Schicksal erinnert und ehrt sie, ist Die Linke, eine Partei, die jetzt von ihren Gegnern als transphob dargestellt wird.

    Na dann. Weiter so!
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#2 Ralph
  • 29.11.2019, 16:51h
  • Die Sache ist doch ganz einfach. Nehmen wir mal an, die Bundesregierung lässt Helmut Kohl ein Denkmal errichten. Bei der Einweihung wird eine Statue enthüllt, die den Kanzler als Frau zeigt. - Na? Noch Fragen?
  • Antworten » | Direktlink »
#3 alohaAnonym
  • 29.11.2019, 18:22h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • Nö, keine Fragen, sondern Widerspruch.

    Die drei Skulpturen mit dem Namen "Anything to Say?" (Edward Snowden, Julian Assange and Chelsea Manning) von Davide Dormino sind nicht ganz neu. Sie wurden von Dormino zum ersten mal schon am 1. Mai 2015 am Berliner Alexanderplatz vorgestellt. Etliche weitere Präsentationen folgten.

    Mit der Partei Die Linke hatte das damals nichts zu tun. Die "Reporter ohne Grenzen" haben die Skulpturen gesponsert.

    en.wikipedia.org/wiki/Anything_to_Say%3F

    Dormino hat im Januar 2016 für das Skulpturen Ensemble einen "Prix Ethique" von "Anticor contre la corruption, pour l'ethique en politique" erhalten.

    www.anticor.org/2016/01/30/les-prix-ethiques-et-casseroles-2
    016-2/


    Insofern ist die heutige Diskussion nichts als Scheindiskussion. Und ich bin überzeugt, dass es Chelsea genauso sieht.

    Was zählt, ist darauf hinzuweisen, dass Chelsea in Beugehaft sitzt, und als Verräterin diffamiert wird.
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#4 Ana NymAnonym
  • 29.11.2019, 18:32h
  • Es ist schön, daß die Linke Chelsea in Erinnerung halten will. Das ist richtig denn sie ist damals (offiziell noch Mann) gegen ein Unrecht aufgestanden und hat Courage gezeigt die ich nur bewundern kann. Sie hatte unter anderem die Berichte weitergegeben aus denen klar wurde wie sich die Amerikanischen Soldaten ihren Gefangenen gegenüber verhalten habe, etwa dass sie Kriegsgefangene dazu zwangen mit einander Sex haben zu müssen, sie müssten sich nackt ausziehen, selbstbefriedigen vor den "siegreichen" Soldaten und vielerlei weitere Abartigkeiten tun.
    Sie hat das bekannt gemacht, Chelsea.
    Doch was hält Chelsea selbst vom Missgendern.?
    Sie mag es nicht. Trump hat erst vor wenigen Tagen Chelsea Missgendert und aus ihrer Reaktion wird ganz deutlich was die davon hält

    twitter.com/xychelsea/status/1199159486667218945?s=19

    Leute wie uns zu Missgendern, nicht aus Versehen sondern mit Vorbereitung, ist überhaupt nicht okay. Auch wenn wir mal in der falschen Rolle gelebt haben, so ist es doch so, dass nach dem Outing viele von uns.wunschen, dass dies auch rückwirkend anerkannt wird.
    Wir nennen einander oft nicht mals unseren früheren Namen. Er wird oft durch Deadname ersetzt, was ganz ganz deutlich machen soll diese Phase ist tot, roter geht nicht. Kennt niemand den früheren Namen, kann er auch nicht zum Verletzen verwendet werden.
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#5 Ralph
  • 29.11.2019, 20:06h
  • Antwort auf #3 von aloha
  • Was Chelsea Manning selbst zu dieser Statue zu sagen hätte, weilß ich nicht und will ich nicht unterstellen. Ich sehe nur, dass eine Frau, der das Frausein wiederholt öffentlich abgesprochen wurde, als Mann dargestellt wird. Und das gefällt mir nicht.
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#6 Help ChelseaAnonym
  • 29.11.2019, 23:58h
  • Es sollte in erster Linie um Chelsea gehen, und darum, was ihr hilft.

    Fakt ist: Sie sitzt in (potentiell lebenslänglicher) Beugehaft, und unsere Politik und auch Medien sind dabei, die Sache zu vergessen bzw. unter den Teppich zu kehren.

    Deswegen war eine Aktion der Linken richtig und wichtig. Nur leider: Die Statuen sind älter, und sie zeigen Chelsea vor ihrem Transition.

    Was hätten sie also mit der Statue machen sollen ? Sie einschmelzen ? Sie weglassen ? Wäre es unter diesen Umständen richtig gewesen, die Aktion abzusagen ? Wäre das solidarischer ihr gegenüber gewesen ?

    Fragen, die im Vordergrund stehen sollten.
    Ebenso wie die Frage, ob es Chelsea nützt, wenn jetzt ein Shitstorm gegen die "transfeindlichen Linken" losgetreten wird. Besser wäre ein Shitstorm gegen die, die sie einsperren und demütigen und zwar bis sie sie freilassen.
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#7 Anonyma
  • 30.11.2019, 01:08h
  • Antwort auf #6 von Help Chelsea
  • "Es sollte in erster Linie um Chelsea gehen, und darum, was ihr hilft."

    Glaubst Du wirklich, dass es Chelsea Manning irgendwie hilft, wenn die deutsche Linkspartei am Brandenburger Tor in Berlin temporär eine Skulptur aufstellt, die sie ALS MANN zeigt? Ich glaube offen gestanden kaum, dass diejenigen, die Chelsea Manning in Beugehaft halten, sich auch nur einen müden Pfifferling dafür interessieren, was die deutsche Linkspartei so vor dem Brandenburger Tor treibt... Und mal ganz abgesehen von der transfeindlichen Ignoranz, die aus dieser Aktion hervorquillt wie zäher Schleim: Die Darstellung von Chelsea Manning ALS MANN gibt diese ganze Aktion vollständig der Lächerlichkeit preis, denn es bleibt einem fast schon gar nichts anderes mehr übrig, als über die totale Borniertheit der Linkspartei zu lachen. Und damit lässt sich dann auch die eigentliche Botschaft der Aktion ganz einfach mit einem Lachen vom Tisch wischen. Die Damen und Herren von der Linkspartei haben sich mit ihrer transfeindlichen Ignoranz hier nicht nur massiv in die Nesseln gesetzt, sie haben gleichzeitig auch ihre eigene Aktion demoliert. Da kann man nur noch sagen: Herzlichen Glückwunsch! Oder, wie man in der Heimat von Chelsea Manning so schön sagt: Epic fail!
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#8 beate_rAnonym
  • 30.11.2019, 01:51h
  • Antwort auf #6 von Help Chelsea
  • Chelsea Mannings Transition begann streng genommen bereits in ihrer Zeit im Irak. Da hatte sie m.W. nämlich versucht, sie therapeutische Hilfe für ihren Konflikt zu holen, aber sie wurde abgewiesen.

    Ebenso ist aus der Zeit vor dem Beginn der Arbeit an den Skulpturen mindestens ein Bild bekannt, dass sie als Frau zeigt.

    Zum dritten war sie ja zwischenzeitlich frei und konnte gefragt werden. Bzw es wäre vermutlich genügend Zeit gewesen, die Skulptur anzugleichen.

    Von daher teile ich die Kritik. Aber ich finde es gut, dass Frau Manning endlich einmal mit erwähnt wird und nicht wie sonst üblich ignoriert oder bestenfalls als Randnotiz zum Fall Assange behandelt wird (nachdenkseiten - ok, die sind bekannt LGBT-skeptisch)
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#9 DramaQueen24Profil
  • 30.11.2019, 07:36hBerlin
  • Ich denke nicht, dass die Linkspartei bewusst so entschieden hat, ich denke, sie haben es in die chronologische Reihenfolge gebracht, denn zu dem Zeitpunkt, als sie zur Whistleblowerin wurde, war sie noch ein Mann, diente in der US-Army als Nachrichtendienstanalytiker. Erst später sagte sie, dass sie transsexuell ist, und setzt es vor Gericht durch, dass die Army all ihre Kosten der GAO (geschlechtsangleichenden Operation) bezahlen musste. So sehe ich das, denn ich war einige Zeit in der Linkspartei (vor ihrem Zusammenschluss mit der WASG).
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#10 DramaQueen24Profil
  • 30.11.2019, 07:38hBerlin
  • Antwort auf #1 von aloha
  • Dem würde ich widersprechen. Die Linke ist weder homophob noch transphob (irrationale Angst vor Homosexuellen und Transsexuellen), sondern hat mit ihrer Statue nur der damaligen Zeit Rechnung getragen, als sie offiziell noch ein "Mann" war.
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