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Steuerrückzahlung

Jahresendspurt: 2019 noch schnell zum Standesamt!

Verpartnerte Lesben und Schwule sollten sich überlegen, ihre Lebenspartnerschaft noch in diesem Jahr in eine Ehe umwandeln zu lassen. Sie könnten damit tausende Euro sparen.


Verpartnerte Lesben und Schwulen können im Extremfall auf eine Rückzahlung von 10.000 Euro und mehr pro Jahr hoffen

In den letzten Wochen des Jahres können schwule und lesbische Steuerzahler*innen einiges an Steuern sparen – zumindest dann, wenn sie verpartnert sind und ein sehr unterschiedliches Einkommen haben. Hintergrund ist die nur trippelschrittweise Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare in Deutschland, die sich bis zu Ehe für alle über fast zwei lange Jahrzehnte streckte.

Seit der Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben am 1. Oktober 2017 haben verpartnerte Paare die Qual der Wahl: Sollen sie weiter in ihrer Lebenspartnerschaft bleiben oder doch eine zweite Hochzeitsfeier organisieren und "richtig heiraten". Praktische Vorteile bringt die Umwandlung – vom Adoptionsrecht abgesehen – eigentlich kaum.

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Ein Upgrade, das sich auszahlen kann

Eine Sonderregelung kann lesbischen und schwulen Paaren jedoch einen wahren Geldsegen bringen: Denn wer seine Lebenspartnerschaft "upgraded", ist offiziell nicht ab diesem Hochzeitstag verheiratet, sondern ab dem Tag, an dem er sich verpartnert hatte – also maximal seit der Einführung der eingetragenen Lebenspartnerschaft im Jahr 2001. Allerdings sind verpartnerte Paare im Einkommensteuerrecht erst seit 2013 gleichgestellt. Wer also zwischen 2001 und 2012 als Paar brav seine Steuern bezahlt hat, hat dem Fiskus wahrscheinlich zu viel spendiert.

Freiwillig hat der Staat diese rückwirkende Gleichstellung nicht angeboten. Erst eine erfolgreiche Klage veranlasste die Politik im November 2018 zur Gleichbehandlung (queer.de berichtete). Allerdings läuft dafür eine Frist ab: "Die Umwandlung einer eingetragenen Lebenspartnerschaft in eine Ehe muss bis zum 31. Dezember 2019 erfolgen", erklärte Udo Reuß, Steuer-Experte bei Finanztip. "Nur dann können beide Partner gemeinsam bis Ende 2020 beim Finanzamt beantragen, dass frühere Steuerbescheide geändert werden." Das hat zur Folge, dass auch nachträglich eine Zusammenveranlagung möglich ist.

Nicht alle Paare profitieren vom Ehegattensplitting

Allerdings hat nicht unbedingt jedes lang verpartnerte Paar einen Vorteil daraus, denn das Ehegattensplitting hilft nicht allen: Wenn ein Paar in einer Lebenspartnerschaft zwischen 2001 und 2012 praktisch gleich viel verdient hat, profitiert es nicht von der Reform. Auch Leute, die etwa als Studenten so wenig verdient haben, dass sie keine Einkommensteuer entrichten mussten, erhalten natürlich auch nichts zurück.

Am meisten profitieren dagegen Paare, deren Einkommen sehr unterschiedlich ist. Denn das deutsche Steuersplitting belohnt insbesondere, wenn eine verheiratete Person gar nicht arbeitet, die andere aber sehr viel verdient. Hier können im Extremfall sogar 10.000 Euro und mehr pro Jahr eingespart werden. (cw/ots)



#1 TraurigAnonym
  • 30.11.2019, 20:42h
  • Ein ganzer Artikel über das Heiraten - aber es kommt nicht ein einziges Mal das Wort "Liebe" in ihm vor.

    Vielleicht bin ich ja wirklich viel zu altmodisch aber mir scheint, etwas stimmt da einfach nicht.
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#2 IronikerEhemaliges Profil
#3 PfoteAnonym
  • 30.11.2019, 21:09h
  • Antwort auf #1 von Traurig
  • Ja, da stimmt etwas nicht. Eine staatliche Ehe ist primär ein Vertragswerk, dass gewisse Dinge im Binnenverhältnis und vor allem rechtliche Dinge nach außen regelt. Mit Liebe hat das alles erstmal nichts zu tun. Es mag vielleicht helfen, wenn man den Menschen liebt, den man heiratet, eine notwendige oder hinreichende Voraussetzung ist das auf dem Standesamt nicht. Es muss nur freiwillig geschehen.
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#4 Ralph
  • 30.11.2019, 23:48h
  • Antwort auf #1 von Traurig
  • Na ja... für uns waren bei der Verpartnerung (bzw. heute rückwirkend Heirat) in der Tat einzig rechtliche Fragen wichtig, insbesondere gegenseitige Fürsorgerechte und -pflichten und die Hinterbliebenenversorgung. Lieben taten wir einander sowieso, dafür brauchte es die Ehe nicht. Damals waren wir schon 15 Jahre zusammen (heute schon fast 33 Jahre). Da darf man durchaus materielle Angelegenheiten in den Vordergrund rücken. Ich denke, der Artikel, der sich ja ganz offen an noch nicht umgewandelte Lebenspartnerschaften wendet, spricht deswegen nicht von Liebe, weil es ja um etwaige Vorteile geht, die bereits langjährig zusammenlebende Paare noch wahrnehmen können. Die Umwandlung ist ja sowieso nicht gerade als großes Liebesfest konzipiert. Für uns war die Verpartnerung das große Fest gewesen. Die Umwandlung geschah dann nicht öffentlich als reine Verwaltungsformalität.
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#5 Frank19243
  • 01.12.2019, 17:24h
  • Wie aus den Vorkommentaren schon hervorgeht, geht es in diesem Artikel nicht ums Heiraten - und schon gar nicht um eine Liebesheirat -, sondern darum, dass es gute Sach-Gründe gibt, seine eingetragene Lebenspartnerschaft noch in diesem Jahr "umzuwandeln".
    (Randnotiz: Unsere Standesbeamtin hat das Ganze tatsächlich als Eheschließung aufgezogen, auf ihren Wunsch hin mit Blumen, Musik und einer wundervollen Rede ...)

    Diese Umwandlung bis Ende des Jahres zu vollziehen, kann tatsächlich massive finanzielle Vorteile bringen.

    Aber seid gewarnt: Es reicht (zumindest bei uns) nicht, dann mal eben die rückwirkende Zusammenveranlagung zu beantragen.
    Anschließend mussten wir für jedes Jahr eine erneute gemeinsame Steuererklärung erstellen - obwohl die Zahlen alle vorlagen und im Finanzamt wahrscheinlich nur zwei Buttons hätten angeklickt werden müssen. ELSTER-Erklärungen lassen sich übrigens nur 10 Jahre rückwirkend erstellen, für die restlichen Jahre muss man sich im Internat auf die Suche nach Formularen machen!

    Dann macht euch auf ein paar Schrecksekunden gefasst: Die alten Steuerbescheide werden aufgehoben und euch flattern plötzlich für jedes Jahr Steuernachforderungen ins Haus. Inklusive horrenden Zinsen, versteht sich.
    Also einmal im FA anrufen (und sich drei- bis viermal durchstellen lassen, bis der/die richtige Sachbearbeiter/in dran ist) und sich erklären lassen, dass in den nächsten Tagen die neuen Steuerbescheide eintrudeln und man nichts zahlen muss, weil das verrechnet wird - wenn man Glück hat. Wenn nicht, muss man "einfach nur" für jedes Jahr einen Antrag auf Verrechnung stellen.

    Dann kommen die neuen Steuerbescheide, auf denen wieder etwas von Zinsen draufsteht und wieder Beträge stehen, die noch zu zahlen sind; man weiß bloß leider nicht, wie viel von wem!
    Also einmal alle Bescheide (Aufhebung und Neuberechnung) nebeneinanderlegen, die Summen berechnen und noch einmal beim Finanzamt anrufen und fragen, was denn jetzt wann ausgezahlt wird ...

    Mein Gott, gäbe es die deutsche Finanzverwaltung nicht, was sollte ich bloß mit meiner ganzen Zeit anstellen???

    Nun muss ich dazusagen: Wir leben auf dem Land und waren offenbar der erste "Fall" in unserem Finanzamt. Mag sein, dass die MitarbeiterInnen in Großstädten schon mehr Erfahrung damit haben.

    Aber ich denke, Geduld braucht man in jedem Fall.
    Und viel guten Willen ...
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#6 Ralph
  • 01.12.2019, 17:45h
  • Antwort auf #5 von Frank19243
  • Vor allem ist der wichtigste Punkt: Ehe man überhaupt Antrag auf Neubescheidung stellt, muss man selbst überprüft haben, ob und ggf. für welche Jahre es sich lohnt, das zu beantragen. Die Finanzverwaltung ist nicht von sich aus verpflichtet, die günstigste Variante zu ermitteln und nur insoweit eine Neubescheidung vorzunehmen. Wer rückwirkend Zusammenveranlagung beantragt, kriegt sie - auch wenn das nicht zu einer Steuererstattung führt, sondern zu einer Nachforderung. Daher - Vorsicht!

    Ich lasse mir jedes Jahr von meinem Steuererklärungsprpgramm ausrechnen, welche Variante günstiger ist. Das war immer die Einzelveranlagung. Erst fürs vorige Jahr war die Zusammenveranlagung besser. Das macht bei uns jeweils ein paar hundert Euro aus. Und noch was: Es kommt nicht allein auf den Abstand zwischen den Einkommen an. Der beträgt bei uns fast 1 000 , und trotzdem war Einzelbveranlagung bis voriges Jahr günstiger. Wichtig ist auch, wer was absetzen und wie das in welcher Weise zwischen den Steuerpflichtigen verteilt werden kann.

    Man kann sich also auch selbst schaden, wenn man auf Teufel komm raus Zusammenveranlagung will. Ein mir bekanntes Paar musste nach der Verpartnerung bei Zusammenveranlagung mehr Steuern zahlen als je zuvor. Ich gab ihnen den Tipp, auf Einzelveranlagung umzusteigen. Seither zahlen sie deutlich weniger. Man muss das wirklich selbst für jedes Jahr einzeln prüfen.
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