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Heuchler vom Dienst

Wessen Denke Deutschland wirklich "verpestet"

Petr Bystron, Rechtsaußen-Kandidat für den AfD-Vorstand, wirft Altachtundsechzigern vor, Heteros gegen Homosexuelle aufzuhetzen. Dabei ergeht er sich selbst immer wieder in homophoben Tiraden.


Petr Bystron bei einer Rede im Bundestag (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Acht Mal kandidierte der AfD-Bundestagsabgeordnete Petr Bystron bereits für einen Stellvertreterposten im Kuratorium der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld – und fiel immer wieder durch, auch bei der Union. Aus gutem Grund: In der 2011 gegründeten Stiftung, die der Diskriminierung queerer Menschen in Deutschland entgegenwirken soll, hat ein extrem homophober Politiker wirklich nichts zu suchen.

Doch jetzt inszeniert sich der AfD-Rechtsaußen, der seine Kandidatur als Beisitzer für den AfD-Bundesvorstand erklärt hat, plötzlich als größter Freund der queeren Community – und sieht den Gegner ganz woanders: "Dieses Land krankt an linker Dominanz im öffentlichen Diskurs wie in der Politik", erklärte Bystron in einem Interview mit dem Blog des rechten Stimmungsmachers David Berger. "Die Altachtundsechziger haben Deutschland mit ihrer Denke verpestet. Sie hetzen Arbeitgeber gegen Arbeitnehmer, Frauen gegen Männer, Heteros gegen Homosexuelle auf – nur um sich dann immer auf die Seite der vermeidlich [sic] schwächeren Gruppe zu stellen und sich als ihr Beschützer zu stilisieren."

Die Ehe für alle findet Bystron "abartig"

Auf eine Nachfrage zur ziemlich aus der braunen Luft gegriffenen Altachtundsechziger-These hat der schwule Fragesteller leider verzichtet. Uns fallen dagegen sofort Bystrons LGBTI-feindliche Ausfälle der letzten Jahre ein. So bezeichnete er 2017 auf Facebook Pläne zur Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht als "abartig". Dazu veröffentlichte er ein Foto, auf dem ein kleiner Junge zu sehen ist, der einen Delfin küsst.


Facebook-Post von Bystron zur Ehe für alle

Mit dem Flipper-Vergleich hat der 46-jährige AfDler sogar noch Annegret Kramp-Karrenbauer getoppt, die im Zusammenhang mit der Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare ja bekanntlich "nur" vor Polygamie und Inzest warnte. Nicht überraschend auch, dass Bystron im Bundestag mehrere AfD-Initiativen mitzeichnete, um Rechte von homo- und transsexuellen Menschen wieder einzuschränken.

Petr Bystron, der der identitären Bewegung nahesteht, rechtsextreme Mitarbeiter beschäftigt(e) und kürzlich sogar ein Anschwarzportal und "Aussteiger-Programm für Mainstream-Journalisten" mitinitiierte, die "Fakenews, Manipulation und einseitige Berichterstattung satt haben", ist geradezu ein Musterbeispiel für einen Heuchler. Für einen Politiker, der es mit der Wahrheit selbst nicht sehr genau nimmt, der Heteros tatsächlich gegen Homosexuelle aufhetzt und die Denke in Deutschland – in seinen eigenen unschönen Worten – "nachhaltig verpestet". (mize)



#1 Patrick SAnonym
  • 30.11.2019, 13:53h
  • Wer sich ein bißchen mit der Geschichte unseres Landes auskennt, erkennt in der AfD-Strategie, dieselbe wieder, die die NSDAP in der Weimarer Republik angewandt hat. Im Wesentlichen:

    * Täter-Opfer-Umkehr
    * Problemrückführung auf Minderheiten, um die Allgemeinheit aufzuwerten und im Hass auf LGBT oder Ausländer zu vereinen
    * Legendenbildung (Umvolkung statt Dolchstoß)
    * geplante Eklats , um die Roten Linien sukzessive zu verrücken und die "Empfindlichkeit" der Bevölkerung durch die Häufigkeit und anschließenden Relativierungen abzustumpfen, um eine "Kennen wir ja schon, darüber reg ich mich nicht mehr auf-Haltung" zu installieren
    * massive Propaganda (Bots auf allen Socialmedia Kanälen etc.)
    * Schaffung alternativer Fakten und Rufmordkampagnen gegen etablierte Medien und Politiker
    * Störung der Parlamentsarbeit (Hammelsprung) und versuchte Unterwanderung politischer Stiftungen (z.B. Hirschfeld...)
    * Kampfschrift (Höckes Mein Kampf: "wir werden Bevölkerungsteile verlieren", "wohltemperierte Grausamkeiten", etc. ...)
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#2 Patrick SAnonym
  • 30.11.2019, 14:27h
  • Hab ich direkt zwei wichtige Punkte vergessen:

    * Trennung in echte und unechte Deutsche (jetzt Biodeutsche, statt Volksdeutsche)
    * Namenszusätze um Menschen herabzuwürdigen (Messermänner und Kopftuchmädchen, statt der Hakennase ...)
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#3 Ralph
  • 30.11.2019, 17:28h
  • Das Flipper-Bild hat übrigens einen doppelten Boden. Menschen meiner Generation erinnern sich daran, dass man als "Flipper" früher Pädophile bezeichnete, nach der Titelmelodie der Fernsehserie mit dem klugen Delphin gleichen Namens, denn dort wurde gesungen: "Flipper, der Freund aller Kinder". Ich hatte in den 80ern einen schwulen Kollegen, der seinen deutlich jüngeren, aber volljährigen Lebensgefährten adoptiert hatte und deshalb hintenrum als "Flipper" bezeichnet wurde. Das Bild bedient in diesem Zusammenhang also nicht nur die Gleichsetzung von gleichgeschlechtlicher Liebe mit Sex mit Tieren, sondern auch mit Sex mit Kindern.
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#4 panzernashorn
  • 30.11.2019, 23:09h
  • Antwort auf #3 von Ralph
  • Vielen Dank für die Aufklärung in diesem Zusammenhang, lieber Ralph.

    Eine derartige Bedeutung des Wortes Flipper war mir persönlich bis jetzt tatsächlich nicht bekannt (die damalige Serie natürlich sehr wohl).
    Das setzt dieser Anzeigenkampagne natürlich noch einmal speziell etwas drauf.

    Die unverbesserliche Verbohrtheit und Unverschämtheit dieser verlogenen blau-braunen Sippschaft scheint in der Tat grenzenlos zu sein.
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#5 ElfolfProfil
  • 01.12.2019, 16:28hHamburg
  • Antwort auf #1 von Patrick S
  • Danke für diese Aufzählung. Das sollte jeder bedenken, bevor er über ein Stöckchen springt, dass die AfD ihm hinhält. Niemand kann mit der AfD inhaltlich diskutieren, weil diese Partei keine Inhalte, sondern nur rechte Parolen in den Raum stellt, die durch keinerlei demokratische Legitimation gedeckt sind. Alles dient nur dazu den Gegner zu provozieren, um dann bei der ersten Antwort ins große Mimimi zu verfallen. Wir sehen das gleiche System bei Trump, wobei wir derzeit noch das Glück haben, dass der Anteil Verblendeter bzw. Verblödeter bei uns noch relativ gering ist. Was Herr Bystron hier liefert folgt genau dieser Technik. Wenn man ihn auf seine eigenen, früheren Aussagen festnagelt, wird er sofort in die Opferrolle schlüpfen. Die AfD hat mit Schwulenrechten so viel am Hut wie ein Veganer mit einem Schnitzel.
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#6 Homonklin_NZAnonym
  • 01.12.2019, 17:00h
  • Das mit dem "Flipper" kannte ich auch noch nicht, bzw. anders.

    Hatte nun den Gedanken, der Bystro -Dude hat sich selbst mit dem Delphin küssenden Jungen gemeint und war traurig darüber, mit der Ehe für "Alle" seinen innig geliebten Delphin doch nicht sodomistisch ehelichen zu dürfen. Na, dafür haben die Art Leute ja Affären mit Gartenzwergen, Kirchenbauten und Eseln und so. Sicher ist ihm "abartig" auch nur so mausgerutscht, und er meinte "Bart-abig". Tscheschische Kollega andere Dialekte. Wir glauben schließlich alles, was Leute an Fake-News und Ungenauigkeiten heraus geben, die sowas eigentlich gar nicht mögen.
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#7 goddamn liberalAnonym
  • 02.12.2019, 10:19h
  • Antwort auf #2 von Patrick S
  • "Trennung in echte und unechte Deutsche (jetzt Biodeutsche, statt Volksdeutsche)"

    Prima, dann können wir doch bei dem Tschechen Bryston und dem Sorben Chrupalla gleich mal anfangen, die ihre Identitätsneurosen an anderen 'unechten Deutschen' ausleben.

    Wenn schon 'kultureller Rassismus', dann richtig!
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#8 TheDadProfil
  • 02.12.2019, 10:49hHannover
  • Antwort auf #7 von goddamn liberal
  • ""Prima, dann können wir doch bei dem Tschechen Bryston und dem Sorben Chrupalla gleich mal anfangen, die ihre Identitätsneurosen an anderen 'unechten Deutschen' ausleben.""..

    Bist Du dir sicher das richtig verstanden zu haben ?

    Denn "Bio-Deutsch" sind die Nachkommen der ehemaligen Auswanderer in die russischen Tiefländer, sowie die Minderheiten aus Tschechien und den Sorben als polnische Minderheit Allemal..

    Der Ur-Ur-Ur-Enkel einer Maria Koslowski, deren Mann als Kumpel in Bottrop in die Kohlegruben einfuhr ist es dagegen nicht, denn der ist doch nach derzeitigem Sprachgebrauch ein "Migrant der 5. Generation"..

    Was könnte ein neues "Abstammungsrecht" daran ändern ?
    Mal von dem abgesehen, was es für die Nachkommen in Regenbogenfamilien bewirken würde..

    Wahrscheinlich nichts..
    Denn die Abstammung bezieht sich auch dann immer noch auf die Eltern und Großeltern, und nicht auf den Geburtsort, und damit auf die damit verbundenen "staatliche Identität", die sich von der "gefühlten Identität" Kind polnischer oder türkischer oder kurdischer oder bayrischer Eltern zu sein, immer noch unterscheidet..
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#9 Ralph
  • 02.12.2019, 12:17h
  • Antwort auf #8 von TheDad
  • Es ist nicht nur die AfD, die Deutsche als nichtdeutsche Migranten deklariert. Auch unsere Bundesregierung und ihre Statistiker lieben es, in NS-Manier Stammbäume aufzustellen und Deutsche zu Halb-, Viertel- oder Achtelausländern zu erklären ("Menschen mit Migrationshintergrund"). Ich erlebe das in meiner eigenen Familie. Von meinen fünf Enkeln haben drei eine aus Australien eingewanderte Mutter und zwei einen aus Madagaskar eingewanderten Vater. Das ändert nichts daran, dass diese Kinder in Deutschland geborene Deutsche mit deutscher Muttersprache sind. Aber sie werden als Migrationshintergründler gezählt, obwohl sie weder Australien noch Madagaskar je betreten haben.
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#10 goddamn liberalAnonym
  • 02.12.2019, 13:01h
  • Antwort auf #8 von TheDad
  • Du scheinst ein Problem mit Ironie zu haben.

    Die 'Ausländerfeindlichkeit' dieser Schrumpfgermanen ist nicht nur verwerflich, sie ist auch unfreiwillig komisch.

    Kositza heißt übrigens auf polnisch 'Ziege'.
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