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Heuchler vom Dienst

Wessen Denke Deutschland wirklich "verpestet"

Petr Bystron, Rechtsaußen-Kandidat für den AfD-Vorstand, wirft Altachtundsechzigern vor, Heteros gegen Homosexuelle aufzuhetzen. Dabei ergeht er sich selbst immer wieder in homophoben Tiraden.


Petr Bystron bei einer Rede im Bundestag (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

  • 30. November 2019, 11:40h 12 2 Min.

Acht Mal kandidierte der AfD-Bundestagsabgeordnete Petr Bystron bereits für einen Stellvertreterposten im Kuratorium der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld – und fiel immer wieder durch, auch bei der Union. Aus gutem Grund: In der 2011 gegründeten Stiftung, die der Diskriminierung queerer Menschen in Deutschland entgegenwirken soll, hat ein extrem homophober Politiker wirklich nichts zu suchen.

Doch jetzt inszeniert sich der AfD-Rechtsaußen, der seine Kandidatur als Beisitzer für den AfD-Bundesvorstand erklärt hat, plötzlich als größter Freund der queeren Community – und sieht den Gegner ganz woanders: "Dieses Land krankt an linker Dominanz im öffentlichen Diskurs wie in der Politik", erklärte Bystron in einem Interview mit dem Blog des rechten Stimmungsmachers David Berger. "Die Altachtundsechziger haben Deutschland mit ihrer Denke verpestet. Sie hetzen Arbeitgeber gegen Arbeitnehmer, Frauen gegen Männer, Heteros gegen Homosexuelle auf – nur um sich dann immer auf die Seite der vermeidlich [sic] schwächeren Gruppe zu stellen und sich als ihr Beschützer zu stilisieren."

Die Ehe für alle findet Bystron "abartig"

Auf eine Nachfrage zur ziemlich aus der braunen Luft gegriffenen Altachtundsechziger-These hat der schwule Fragesteller leider verzichtet. Uns fallen dagegen sofort Bystrons LGBTI-feindliche Ausfälle der letzten Jahre ein. So bezeichnete er 2017 auf Facebook Pläne zur Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht als "abartig". Dazu veröffentlichte er ein Foto, auf dem ein kleiner Junge zu sehen ist, der einen Delfin küsst.


Facebook-Post von Bystron zur Ehe für alle

Mit dem Flipper-Vergleich hat der 46-jährige AfDler sogar noch Annegret Kramp-Karrenbauer getoppt, die im Zusammenhang mit der Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare ja bekanntlich "nur" vor Polygamie und Inzest warnte. Nicht überraschend auch, dass Bystron im Bundestag mehrere AfD-Initiativen mitzeichnete, um Rechte von homo- und transsexuellen Menschen wieder einzuschränken.

Petr Bystron, der der identitären Bewegung nahesteht, rechtsextreme Mitarbeiter beschäftigt(e) und kürzlich sogar ein Anschwarzportal und "Aussteiger-Programm für Mainstream-Journalisten" mitinitiierte, die "Fakenews, Manipulation und einseitige Berichterstattung satt haben", ist geradezu ein Musterbeispiel für einen Heuchler. Für einen Politiker, der es mit der Wahrheit selbst nicht sehr genau nimmt, der Heteros tatsächlich gegen Homosexuelle aufhetzt und die Denke in Deutschland – in seinen eigenen unschönen Worten – "nachhaltig verpestet". (mize)

-w-

#1 Patrick SAnonym
  • 30.11.2019, 13:53h
  • Wer sich ein bißchen mit der Geschichte unseres Landes auskennt, erkennt in der AfD-Strategie, dieselbe wieder, die die NSDAP in der Weimarer Republik angewandt hat. Im Wesentlichen:

    * Täter-Opfer-Umkehr
    * Problemrückführung auf Minderheiten, um die Allgemeinheit aufzuwerten und im Hass auf LGBT oder Ausländer zu vereinen
    * Legendenbildung (Umvolkung statt Dolchstoß)
    * geplante Eklats , um die Roten Linien sukzessive zu verrücken und die "Empfindlichkeit" der Bevölkerung durch die Häufigkeit und anschließenden Relativierungen abzustumpfen, um eine "Kennen wir ja schon, darüber reg ich mich nicht mehr auf-Haltung" zu installieren
    * massive Propaganda (Bots auf allen Socialmedia Kanälen etc.)
    * Schaffung alternativer Fakten und Rufmordkampagnen gegen etablierte Medien und Politiker
    * Störung der Parlamentsarbeit (Hammelsprung) und versuchte Unterwanderung politischer Stiftungen (z.B. Hirschfeld...)
    * Kampfschrift (Höckes Mein Kampf: "wir werden Bevölkerungsteile verlieren", "wohltemperierte Grausamkeiten", etc. ...)
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#2 Patrick SAnonym
  • 30.11.2019, 14:27h
  • Hab ich direkt zwei wichtige Punkte vergessen:

    * Trennung in echte und unechte Deutsche (jetzt Biodeutsche, statt Volksdeutsche)
    * Namenszusätze um Menschen herabzuwürdigen (Messermänner und Kopftuchmädchen, statt der Hakennase ...)
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#3 Taemin
  • 30.11.2019, 17:28h
  • Das Flipper-Bild hat übrigens einen doppelten Boden. Menschen meiner Generation erinnern sich daran, dass man als "Flipper" früher Pädophile bezeichnete, nach der Titelmelodie der Fernsehserie mit dem klugen Delphin gleichen Namens, denn dort wurde gesungen: "Flipper, der Freund aller Kinder". Ich hatte in den 80ern einen schwulen Kollegen, der seinen deutlich jüngeren, aber volljährigen Lebensgefährten adoptiert hatte und deshalb hintenrum als "Flipper" bezeichnet wurde. Das Bild bedient in diesem Zusammenhang also nicht nur die Gleichsetzung von gleichgeschlechtlicher Liebe mit Sex mit Tieren, sondern auch mit Sex mit Kindern.
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