Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?34999

"Synodaler Weg"

Katholische Segnungen von Lesben und Schwulen nicht mehr undenkbar

In der katholischen Kirche tut sich was: Bischöfe und normale Gläubige beginnen in Deutschland einen Reformprozess, an dessen Ende konkrete Veränderungen stehen sollen. Der Vatikan wird schon nervös.


Saardom in Dillingen: Werden homosexuelle Paare hier und in anderen katholischen Kirchen in absehbarer Zeit den Segen erhalten? (Bild: Wolfgang Staudt / flickr)
  • Von Christoph Driessen, dpa
    1. Dezember 2019, 12:09h, 19 Kommentare

Advent, Advent… das bedeutet dieses Jahr für die deutschen Katholiken weit mehr als brennende Kerzen in Erwartung des Weihnachtsfests. Diesmal hat mit dem ersten Adventssonntag ein auf zwei Jahre angelegter tiefgreifender Reformprozess begonnen, der "synodale Weg". Viele sind überzeugt, dass davon nichts weniger als die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland abhängt.

Auslöser für das in dieser Form beispiellose Projekt ist der massenhafte Missbrauch von Kindern durch katholische Priester und die dadurch ausgelöste Vertrauenskrise. Angegangen werden sollen die strukturellen Ursachen, die dazu beigetragen haben, dass der Missbrauch so lange ungestraft geschehen konnte.

Die erste Tagung beginnt am 30. Januar

Oberstes Organ des Reformprozesses wird die Synodalversammlung sein. Ihr gehören 230 Mitglieder an, und zwar die 69 deutschen Bischöfe, 69 Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (Zdk) – das ist die Vertretung der normalen Gläubigen – und 92 Vertreter anderer katholischer Berufsgruppen. Die Synodalversammlung soll zweimal pro Jahr tagen, zum ersten Mal vom 30. Januar bis zum 1. Februar 2020.

Bei dieser ersten Sitzung wählt die Synodalversammlung die Mitglieder von vier Synodalforen, die die vier Themenfelder des Reformprozesses behandeln. Das sind: der Umgang der Kirche mit Macht, die kirchliche Sexualmoral, die umstrittene Ehelosigkeit von Priestern, Zölibat genannt, und die Position der Frauen in der Kirche. In den Foren arbeiten Mitglieder der Synodalversammlung mit, es werden aber auch Außenstehende hineingewählt.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, und ZdK-Präsident Thomas Sternberg appellierten am Sonntag an alle Gläubigen, sich intensiv an dem Prozess zu beteiligen. "Wir laden auch diejenigen unter ihnen ein, die Schwierigkeiten mit dem Glauben und der Kirche haben", betonten sie.

Kann der Prozess wirklich etwas verändern?

Die große Frage ist nun: Kann der Prozess wirklich etwas verändern? Kritiker sagen: Nein, denn die deutschen Katholiken sind nicht unabhängig, sondern Teil der Weltkirche. Deshalb dürfen sie allein auch nichts Wichtiges beschließen. Der Vatikan hat die deutschen Schäflein darauf schon in einem geharnischten Brief hingewiesen.

Dennoch darf man die Brisanz des Prozesses nicht unterschätzen. Zwar kann die Synodalversammlung nicht eigenständig beschließen, dass zum Beispiel künftig Priester heiraten dürfen. Es ist aber sehr gut möglich, dass sich die Versammlung am Ende eben dafür ausspricht und dem Vatikan eine entsprechende Empfehlung übermittelt. Ein solcher Schritt der deutschen Gläubigen hätte eine enorme Symbolwirkung und würde weltweit wahrgenommen. Die nervöse Reaktion der römischen Kurie – der Zentralverwaltung im Vatikan – ist bereits ein deutlicher Hinweis darauf, dass man hier Ungemach befürchtet.

Zudem gibt es auch Bereiche, in denen die Deutschen eine eigene Entscheidungskompetenz haben. Hier kann die Synodalversammlung Beschlüsse fassen, die dann allerdings von der Deutschen Bischofskonferenz umgesetzt werden müssen – denn in der katholischen Kirche liegt die Macht letztlich allein bei den Bischöfen, die sie wiederum vom Papst ableiten. Die deutschen Bischöfe sind aber mit großer Mehrheit davon überzeugt, dass wirklich etwas passieren muss und der "synodale Weg" kein bloßer Gesprächsprozess bleiben darf.

Hardliner-Bischöfen droht ein Autoritätsverlust

Denkbar wäre zum Beispiel folgendes Szenario: Die Bischofskonferenz entscheidet auf Empfehlung der Synodalversammlung, dass Segnungen homosexueller Paare künftig grundsätzlich möglich sein sollen. Das wäre in der strukturkonservativen Welt des Katholizismus ein enormer Schritt. Einzelne Hardliner-Bischöfe könnten sich dem widersetzen, indem sie eine solche Regelung für ihr Bistum verbieten. Allerdings wäre ein solches Vorgehen für sie mit Risiken verbunden: Denn wenn die große Mehrheit der Bischöfe diese Öffnung gegenüber Lesben und Schwulen mittragen würde, wären die Gegner isoliert. Nicht auszuschließen, dass sich einzelne Priester in ihrem Bistum dann einfach über das Verbot hinwegsetzen und die Segnungen trotzdem vornehmen würden. Dann wäre die Autorität der konservativen Bischöfe schnell untergraben.

All das ist bisher reine Spekulation – aber allein die Tatsache, dass ein solches Szenario denkbar ist, bringt Bewegung in die katholische Kirche. Die nächsten zwei Jahre dürften spannend werden.

Wöchentliche Umfrage

» Wird der "Synodale Weg" der katholischen Kirche zur Segnung homosexueller Paare führen?
    Ergebnis der Umfrage vom 02.12.2019 bis 09.12.2019


-w-

-w-

#1 DramaQueen24Profil
  • 01.12.2019, 12:20hBerlin
  • Segnung ist keine Ehe im Sinne der RKK, und weniger als das ist indiskutabel.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 FliegenAnonym
  • 01.12.2019, 12:31h
  • ...bevor alle "schwarzen" Schäfchen Austreten gibt man noch ein kleines "Zuckerchen" wie falsch und verlogen ÜBEL
  • Antworten » | Direktlink »
#3 LotiAnonym
#4 Julian SAnonym
  • 01.12.2019, 14:01h
  • Vor 20 oder 30 Jahren wäre das vielleicht mal fast sensationell gewesen.

    Aber selbst wenn das kommt (was nicht mal sicher ist), dann ist das nach der Eheöffnung nur ein verzweifelter Versuch, sich irgendwie modern zu geben.

    Segnungen sind keine Ehen. Das ist also wieder eine Sonderbehandlung und keine Gleichstellung.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 qwertzuiopüAnonym
  • 01.12.2019, 14:12h
  • Wer hier schreibt, dass die Kirche zu wenig und zu spät handelt, hat es nicht ganz begriffen: Der Klerus will bis auf paar Ausnahmen gar nichts verändern, der Druck geht von den Gläubigen aus.

    Man wird sehen, was sie erreichen. Das System der katholischen Kirche wird aber wohl immer ein absolutistisches bleiben, es ist nunmal von Grund auf autoritär. Deshalb rechne ich auch nicht damit, dass es - wenn überhaupt - auch auf längere Sicht über wenige Zugeständnisse herausgeht.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 hugoAnonym
  • 01.12.2019, 14:23h
  • Die veknöcherte Bischofsriege der Dogmatiker und den Macht von Gestern nachtrauernden, haben noch nicht verstanden, dass man den Respekt der Leute nicht mehr mit der Priester- oder Bischofsweihe verliehen bekommt, wie das früher so ünlich war.
    Respekt muss man sich heutzutage mit Taten erarbeiten!
  • Antworten » | Direktlink »
#7 heavy peteAnonym
  • 01.12.2019, 14:37h
  • Antwort auf #4 von Julian S
  • Es gibt bereits eine katholische Kirche in der es Segnungen für Schwule und Lesben seit gut 20 Jahren gibt. Das ist die altkatholische Kirche Deutschlands und ich glaube in Österreich ist das auch schon möglich. Eine Eheöffnung ist etwas komplizierter weil es ein Sakrament ist, daher wird es in der altkatholischen Kirche diskutiert. Aber es kann sein dass es auch das dort bald geben wird. Die altkatholische Kirche ist eine synodale kleine Katholische Konfession die sich wegen der beschlossenen Unfehlbarkeit des Pabstes 1871 abgespalten hat. Bei uns ist nicht nur die Integration von Schwulen und Lesben selbstverständlich sondern auch das Priesteramt für Frauen und es gibt kein Pflichtzölibat für die Priester. Warum sollen dann noch Gläubige darauf warten wenn es schon eine inklusive kleine katholische Kirche gibt.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 GerritAnonym
  • 01.12.2019, 14:47h
  • Antwort auf #1 von DramaQueen24
  • Volle Zustimmung!

    Segnen tun die auch Tiere, Kuscheltiere, Motorräder, andere Gegenstände und sogar Waffen.

    Und dann wollen die uns mit sowas abspeisen...

    Heteros bekommen von der Kirchen die Ehe. Solange wir nicht dasselbe wie Heteros bekommen, ist das Diskriminierung. Ungleiche Behandlung ist die Definition von Diskriminierung.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 GerritAnonym
  • 01.12.2019, 14:48h
  • Antwort auf #4 von Julian S
  • Also ich selbst lege überhaupt keinen Wert auf irgendwelche okkulten Riten, stimme aber zu:

    alles, was nicht 100% Gleichstellung mit Heteros ist, ist per definition Diskriminierung. Mit sowas sollte sich niemand abspeisen lassen.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Ralph
  • 01.12.2019, 17:33h
  • Die deutsche Sprache kennt ein wunderschönes Wort für solche Vorstellungen: WUNSCHDENKEN.
  • Antworten » | Direktlink »