Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?35009

Alarmierende Zahlen

Berliner Polizeistatistik: Queerfeindliche Hasskriminalität steigt stark an

Die Hauptstadt-Polizei erfasst immer mehr Hasskriminalität, die sich gegen sexuelle oder geschlechtliche Minderheiten richtet.


Statistisch gibt es weit mehr LGBTI-Übergriffe als noch vor einem Jahr – unklar ist, ob dies auf eine erhöhte Anzeigebereitschaft oder eine Verrohung der Gesellschaft zurückzuführen ist

Im Rahmen der Verleihung des Respektpreises durch das Bündnis gegen Homophobie im Scandic-Hotel am Potstamer Platz hat die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Montag die aktuelle Kriminalitätsstatistik homophober und transphober Übergriffe im Jahr 2019 vorgestellt. Im Bereich der Hasskriminalität gegen die sexuelle Orientierung beziehungsweise gegen die geschlechtliche Identität wurden demnach für Berlin in den ersten drei Quartalen 2019 insgesamt 261 Fälle (2018: 184) polizeilich erfasst. Das entspricht einem Anstieg von 42 Prozent.

Allerdings wurden letztes Jahr viele Übergriffe erst später berücksichtigt und nachgetragen. Als die Polizei vergangenes Jahr ebenfalls Anfang November ihre Hasskriminalitätsstatistik vorstellte, hatte sie von nur 105 Fällen berichtet (queer.de berichtete).

Slowik erklärte, sie habe die Zahlen "mit Erschütterung" zur Kenntnis genommen. Weiter sagte die erste weibliche Berliner Polizeipräsidentin der Bundeshauptstadt, dass es bei LGBTI-feindlichen Taten ein sehr großes Dunkelfeld gebe. Viele Taten würden nie angezeigt oder bekannt werden. Gründe für den Anstieg seien eine "zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft". Außerdem seien queere Opfer von Straftaten heutzutage viel eher bereit, zur Polizei zu gehen.

Unter den Straftaten waren 63 Körperverletzungen sowie einige wenige Raubtaten und eine Erpressung. Fünf wurden als sogenannte Propagandadelikte eingestuft. 188 ordnete die Polizei dem Bereich "sonstige Delikte" zu. Dazu zählten 113 Beleidigungen, 46 Sachbeschädigungen, zwölf Nötigungen oder Bedrohungen und elf Volksverhetzungen.

Die große Mehrheit der Opfer bildeten schwule Männer, es folgten Transsexuelle und weit seltener lesbische Frauen. Die Tatorte lagen demnach vorwiegend in den Bezirken Mitte, Tempelhof-Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln. Die Aufklärungsquote der angezeigten Taten liegt im Moment bei 38 Prozent – das sind neun Prozentpunkte weniger als im selben Zeitraum des Vorjahrs. Darüber hinaus stellte Generalstaatsanwältin Margarete Koppers die Arbeit der Ansprechpersonen für LSBTI bei der Staatsanwaltschaft Berlin vor.

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

Türkischer Bund fordert mehr Selbstkritik

Safter Cinar, der Sprecher des mit dem Respektpreis ausgezeichneten Türkischen Bundes, sprach auf der Veranstaltung auch über LGBTI-feindliche Einstellungen unter Türken und anderen Migranten: "Man muss zugeben, dass in unserer Community noch mehr Aufklärungsbedarf besteht als in der Mehrheitsgesellschaft." Es sei eine Herausforderung, hier etwas zu verändern, weil sich viele Türken von der Mehrheitsgesellschaft ausgeschlossen fühlten und daher die Fähigkeit zur Selbstkritik nicht immer ausgeprägt sei. Der Türkische Bund wolle dieser Entwicklung aber entschieden entgegentreten.

Direktlink | Der Türkische Bund wirbt u.a. mit türkischsprachigen Youtube-Videos für die Akzeptanz von sexuellen Minderheiten

LSVD-Landesgeschäftsführer Jörg Steinert verwies angesichts der steigenden Zahlen darauf, dass viel Homo- und Transsexuellenfeindlichkeit in sozialen Netzwerken geschürt würde und der Gesetzgeber in diesem Bereich etwas unternehmen sollte: "Auch die sozialen Medien sind kein rechtsfreier Raum. Strafbare Handlungen sollten niemals toleriert und immer zur Anzeige gebracht werden. Zivilgesellschaftliche Organisationen benötigen zudem eine nachhaltige staatliche Förderung in den Bereichen Opferschutz und Prävention", so Steinert.

Bereits im Mai hatte das Antigewaltprojekt Maneo einen Anstieg der LGBTI-feindlichen Straftaten in Berlin um 18 Prozent gemessen (queer.de berichtete).

In der Bundeshauptstadt wird das Thema LGBTI-feindliche Gewalt wichtiger als anderswo genommen: Die Berliner Polizei macht seit Jahren mögliche Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität gezielt in Polizeimeldungen publik und meldet diese daher regelmäßig und vergleichsweise häufig der Öffentlichkeit. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft der Hauptstadt haben eigene Ansprechpartner für LGBTI. In Bundesstatistiken machen Berliner Fälle die relative Mehrheit aus, während aus anderen – auch nicht LGBTI-freundlicheren – Regionen offiziell kaum Übergriffe gemeldet werden (queer.de berichtete). (dk)



#1 Patrick SAnonym
  • 02.12.2019, 16:35h
  • Dass es weltweit Moralabflüsse gibt, ist ja nichts neues. Der einhergehende Niedrigpegel in Sachen Gewaltbereitschaft und die politische Legitimation, Minderheiten aller Arten dieselben Menschenrechte abzusprechen, plus die kirchliche Erlaubnis, schuldfrei diskriminieren zu dürfen, tun ihr übriges dazu.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 PimsAnonym
  • 02.12.2019, 18:25h
  • "Queerfeindliche Hasskriminalität steigt stark an"

    Wundert mich nicht. Solange die soziale Spaltung weitergeht, steigt der Frust vieler Menschen, die sich als Verlierer des Systems sehen und die suchen sich dann irgendwann vermeintlich noch tiefer stehende Opfer, an denen sie ihren Frust auslassen können. Und das sind dann für diese Leute oft LGBTI.

    Das soll deren Taten nicht entschuldigen. Aber diejenigen, die das Klima für diese Taten erst machen (also die schwarz-rote Bundesregierung, die die soziale Spaltung immer weiter vorantreibt) tragen genauso Mitschuld.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Ralph
  • 02.12.2019, 19:36h
  • Antwort auf #2 von Pims
  • Ich habe erhebliche Zweifel, dass beim Hass auf Schwule, Lesben, Trans- und Intermenschen soziale/wirtschaftliche Gründe eine wesentliche Rolle spielen. Da dürften doch wohl eher jahrhundertealte Vorstellungen von Moral und Sex sowie nicht zuletzt die Religionen sehr viel mehr Verantwortung tragen. Übrigens auch Politiker(innen), die im Schutz der Grundrechte von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten ein Luxusproblem oder eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sehen.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 FinnAnonym
  • 02.12.2019, 20:31h
  • Genau wie bei Wohnungsnot und Mietenexplosion, Klimawandel, Luftverschmutzung in Städten, Verbraucherschutz, Altersarmut, Kinderarmut, Pflegenotstand in Krankenhäusern und Senioreneinrichtungen, Antisemitismus, Erstarken der Rechten, etc. etc. etc. etc. etc. tut unsere schwarz-rote Bundesregierung auch bei LGBTI-Hass und Hassverbrechen nichts. Null, rien, nada, nothing.

    Union und SPD haben Deutschland so sehr ins Koma regiert, dass sie selbst mit eingeschlafen sind.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 TheDadProfil
  • 02.12.2019, 20:48hHannover
  • ""wurden demnach für Berlin in den ersten drei Quartalen 2019 insgesamt 261 Fälle (2018: 184) polizeilich erfasst. Das entspricht einem Anstieg von 42 Prozent.""..

    Nach einem Bericht Heute Mittag auf "tagesschau24" war die Anzahl gemeldeter Übergriffe in den ersten 6 Monaten 2019 mit über 261 Fällen bereits höher als die Zahl gemeldeter Fälle im gesamtem Jahr 2015..

    Das ist zum Teil einer höheren Bereitschaft Anzeige zu erstatten geschuldet..
  • Antworten » | Direktlink »
#6 PeerAnonym
  • 03.12.2019, 08:49h
  • Antwort auf #4 von Finn
  • Ja, die schwarz-rote Regierung ist seit langem in Auflösung begriffen. Dann sollten sie aber auch so fair sein und dieses Trauerspiel endlich beenden. Denn Deutschland und Europa können sich keinen weiteren Stillstand leisten, nur weil Union und SPD sich selbst finden müssen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 LotiAnonym