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"Oute dich, steh dazu"

Nagelsmann rät schwulen Fußballern zu Coming-out

Beim Besuch der Weihnachtsfeier des queeren Fanklubs "Rainbow Bulls" empfahl RB-Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann homosexuellen Profikickern ein Ende des Versteckspiels – wenn es die Leistung beeinflusst.


Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann im Stadion (Bild: Steffen Prößdorf / wikipedia)

  • 4. Dezember 2019, 10:13h 44 2 Min.

Julian Nagelsmann, Trainer von RB Leipzig, hat sich für das Coming-out von schwulen Fußballern stark gemacht. "Wenn ein homosexueller Spieler mir sagen würde, ich bin nicht frei und kann mich auch in meiner Leistung nicht entwickeln, würde ich ihm sagen: 'Oute dich, steh dazu'. Ich habe damit gar kein Problem", sagte Nagelsmann laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung beim Besuch der Weihnachtsfeier des schwul-lesbischen RB-Fanklubs "Rainbow Bulls" am Dienstagabend.

"Generell glaube ich, dass, wenn man seine Sexualität nicht outen darf, auch nicht frei leben kann. Es gibt dann einfach zu viele Ängste, entdeckt oder vielleicht nicht ernst genommen zu werden. Wenn du dich immer verstecken musst in deiner Liebe, dann ist das ein großes Problem", erklärte Nagelsmann, der bei der Veranstaltung über das Thema Homophobie sprach.

"Der Fußball geht noch immer nicht offen damit um"

Der 32 Jahre alte Fußball-Lehrer wirbt für Offenheit, sieht beim Thema Coming-out von schwulen Fußballern allerdings auch Probleme in der teils fehlenden Akzeptanz in der Gesellschaft. "Ich würde nicht von vornherein sagen: 'Oute dich'." Denn wir müssen uns nichts vormachen: Die Fußballwelt ist eine Männerdomäne in der nicht jeder offen für gleichgeschlechtliche Liebe ist", sagte Nagelsmann. Entscheidend sei, ob das Thema den Spieler und seine Leistung beeinflusst. "Der Fußball geht noch immer nicht offen damit um. Ein Spieler wie Thomas Hitzlsperger hat sich auch erst nach seiner Karriere geoutet."

Bereits im August hatte RB Leipzig als 13. Erstligaverein die von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld initiierte "Berliner Erklärung" gegen Homophobie im Sport unterzeichnet (queer.de berichtete). Vor fünf Jahren hatte der Verein gegen eigene Fans wegen antiziganistischer und homophober Ausbrüche ermittelt (queer.de berichtete). (cw/dpa)

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#1 AmurPride
  • 04.12.2019, 12:03hKöln
  • Für einen Hetero eine überraschend sehr differenzierte und zutreffende Analyse der Situation von aktiven homosexuellen Profifußballern und auch seine diesbezüglichen situativen Ratschläge überraschen mich sowohl mit ihrer Richtigkeit wie auch in ihrer Weitsichtigkeit. Klingt geradezu richtig professionell, ganz genau so sagen wir das auch in unserer Beratung.

    Zufall oder Vorkenntnisse?
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#2 AndrarEhemaliges Profil
  • 04.12.2019, 12:39h
  • Ich bin jetzt 50 Jahre. Und ja, es hat sich seit meiner Jugend und meinem Coming-Out Vieles verbessert. Aber ,das es noch ein langer Weg zur völligen gesellschaftlichen Gleichstellung ist, zeigt doch die Tatsache ,dass es immer noch selbstverständlich ist , "schwule Sau", "Schwuchtel" -gerade im Fußball -als Schimpfwort zu benutzten. Und auch ein Coming-Out eines Fußballers wird an dieser Einstellung nichts ändern. Ich möchte an den englischen Fußballer Liam Davis ,der sich nach seinem Outing von den Fans auf dem Spielfeld permanent mit "Schwuchtel" -Sprechchören begrüssen lassen musste. Oder dem Selbstmord von Justin Fashanu nach seinem Outing. Oder Thomas Berling ,der nach seinem Outing nur noch einen Job in unteren Ligen bekam. Und auch Thomas Hitzlsberger hat sich erst nach seiner Laufbahn geoutet. Alle Männer berichten in Interviews vom homophoben Klima in den Klubs und dem Umfeld, egal ob in England, Skandinavien oder Deutschland. Gerade diese Beispiele zeigen doch sehr deutlich ,dass das Outings eines Fußballers alleine nichts ändern wird.
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#3 PetterAnonym
  • 04.12.2019, 12:43h
  • Man kann jedem Menschen - egal ob Fußballer oder nicht - nur zum Coming-out raten.

    Diese Selbstverleugnung, das ständige Aufpassen und die ewige Angst vor Enttarnung bleiben langfristig nicht ohne Folgen für die Psyche.

    Je früher man dieses unwürdige Versteckspiel beendet, desto besser.
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