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Hintergrund

Woher kommt das große Homophobie-Problem im Profisport?

Noch immer sind nicht wenige Fußballprofis, Fans und Trainer der Meinung, dass man den Fußball und die Homosexualität auf keinen Fall vereinen könnte.


Gerade im Fußball werden die Probleme mit der Homophobie in der Öffentlichkeit erst so richtig präsent (Bild: Tsutomu Takasu / flickr)

  • 6. Dezember 2019, 10:36h, noch kein Kommentar

Wenn sich homosexuelle Sportler outen, kommt es von den Seiten der Fans und anderen Mitspielern, immer wieder zu Pöbeleien, Beschimpfungen und übler Nachrede. In einem solchen Fall ist das Mobbing dann an der Tagesordnung, egal ob der entsprechende Spieler sich im Training befindet, gerade spielt oder in der Öffentlichkeit unterwegs ist.

Zudem werden der Karriere des entsprechenden Sportlers, große Steine in den Weg gelegt, wenn sie sich outen.

Viele Fußballprofis, Fans und Trainer sind der Meinung, dass man den Fußball und die Homosexualität auf keinen Fall vereinen könnte.

Das gilt auch für viele andere Sportarten, wie zum Beispiel Kraftsport, Bodybuilding oder dem Schwimmen. Besonders betroffen sind Profisportbereiche wie der Fußball, Eishockey und Kraftsport aber deshalb, weil diese Sportarten für Dominanz, Stärke und Männlichkeit stehen.

Aufgrund der Diskriminierung gibt es mittlerweile auch große Vereine und Fitnessstudios in vielen Großstädten, wo sich Betroffene treffen können. Die Profisportler trifft es jedoch besonders hart, denn sie stehen im Rampenlicht und haben sozusagen einen Ruf zu verlieren.

Es gibt sogar einige Bodybuilder, welche in der Szene für viel Wirbel gesorgt haben, weil Sie sich geoutet haben. Auch hier ist die Diskriminierung besonders groß. Da die Sportart allerdings nicht so sehr in den Medien vertreten ist, hört man fast nie etwas davon.

Im Fußball sind die Probleme mit der Homophobie schon wesentlich weiter verbreitet, beziehungsweise werden diese in der Öffentlichkeit erst so richtig präsent.

Bei der Olympiade hat es auch schon Sportler gegeben, die sich geoutet haben.

Vor einigen Jahren gab es zum Beispiel eine große Debatte um den Olympia-Boykott wegen Homophobie.

Viele Anfeindungen müssten nicht sein. Doch in Russland war die Diskussion besonders groß, da die Winterspiele 2014 in Sotchi stattgefunden haben. Aufgrund der homophoben Haltung der Russen, schlugen einige Politiker von der SPD sogar einen Olympia-Boykott vor. Erst war angedacht, die Spiele sogar nach Vancouver verlegen zu lassen, damit die Schwulen und Lesben von anderen Sportlern nicht diskriminiert werden.

Anhand dieser Überlegungen kann man erkennen, wie problematisch die Homophobie im Profisport tatsächlich ist!

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Der deutsche Fußball ist besonders stark von Homophobie geprägt

Wenn es um Fußball geht, dann geht es automatisch um die Männlichkeit, es ist in erster Linie eine Sportart in der die Männer dominieren und viele bezeichnen Fußball als das "Allerheiligste des Mannes". Da der Ballsport nun einmal die Männerdomäne #1 ist und für Zusammenhalt, Leidenschaft und Disziplin steht, ist die Homosexualität hier ganz klar fehl am Platz.

Offiziell scheint es irgendwie gar keine schwulen Fußballer zu geben. Das ist doch irgendwie schon recht merkwürdig, dass die Fußballprofis aus der "Schwulen-Quote" quasi vollkommen außen vor sind. Sicher gibt es mehr Homosexuelle im Profisport als man denkt. Doch aufgrund des männlichen Identifikationspotenzials, outet sich so gut wie fast niemand von den Spielern. Viele Fans finden das auch gut so, lieber sollen die Spieler dieses Geheimnis für sich behalten, denn sonst könnte die Männlichkeit der ganzen Lieblingsmannschaft in Frage gestellt werden.

Besonders für die Fans, für welche der Fußball nun mal wie eine kleine Religion ist, ist die Homosexualität im Profisport ein absolutes NoGo. Und da die Vereine auch besonders abhängig von der Loyalität der Fans sind, lastet auf schwulen Spielern jede Menge Druck. Immerhin haben die Fußballverbände im Verlauf der letzten Jahrzehnte einen positiven Wandel durchlaufen und stehen jetzt auch für mehr Toleranz. Manche Verbände ermutigen ihre Spieler sogar sich zu outen, allerdings sind das nur die wenigsten.

Vor einigen Jahren, waren homosexuelle Spieler absolut nicht erwünscht. In dem männerdominierenden Profisport, werden die Homosexuellen stark unterdrückt und zwar besonders von anderen Mitspielern und Fans.

Einer der ersten Engländer der sich jemals geoutet hatte, war Justin Fashanu. Im Jahr 1990 beschloss er bekannt zu geben, dass er schwul ist. Robbie Rogers outete sich im Jahr 2014, allerdings hörte er im gleichen Atemzug auf zu arbeiten und legte seine Profisportkarriere nieder.

Besonders laut wurden die Fans, als sich Thomas Hitzlsperger outete, schwul zu sein. Er gab seine Homosexualität im Jahr 2014 bekannt. Weitere Spieler welche die Bombe haben platzen lassen, waren Oliver Egger im Jahr 2016 und Pascal Erlachnet (2017).

Die Dunkelziffer der schwulen Fußballspieler, dürfte allerdings deutlich größer sein. Wer öffentlich zu seiner homosexuellen Orientierung steht, wird zwar auch etwas Unterstützung erfahren, allerdings ebbt diese irgendwann auch ab und dann fangen die Probleme erst richtig an. Einige Spieler die homosexuell sind, haben sogar eine Scheinfreundin, denn der Verband und andere Spieler sollen auf keinen Fall einen Verdacht schöpfen. Schwule Fußballspieler die sich plötzlich outen, werden oftmals auch von den Werbeträgern gekündigt, denn das Outing sorgt für jede Menge Medienrummel.

Manche Fans werden da sogar richtig ausfallend. Beispielsweise wurde der Torhüter Brasiliens in der Weltmeisterschaft 2014 von den Fans als männliche Prostituierte und Schwuchtel bezeichnet.

Unserer Meinung nach ist sowas ein richtiges "No-Go". Auch wenn man sich vielleicht selbst nicht mit einer Lebenseinstellung identifizieren kann, ist es kein Grund und gibt auch Niemandem das Recht, derartige Äußerungen anzubringen. Mal ganz davon abgesehen, dass die sportliche Leistung eines Profisportlers sicherlich nicht durch die sexuelle Orientierung beeinflusst wird. Wenn überhaupt sind es solch hasserfüllte und feindseelige Äußerungen, oder die Angst davor solchen zum Opfer zu fallen, die Sportler Nerven und Leistung kosten.

Doch nicht nur die Einzelperformance des betroffenen leidet in dem Moment, natürlich spiegelt sich dies auch auf die gesamte Mannschaft wieder, was unter anderem auch anhand der Quoten der Buchmacher erkennbar ist. Auf Oddspedia konnte man in der Vergangenheit bereits öfter schwankende Wettquoten in diesem Zusammenhang beobachten.

Der Präsident von Eintracht Frankfurt den Spielern sich nicht zu outen

Ein sehr eindeutiges Statement zu diesem Thema, gibt der Präsident von Frankfurt ab. Er rät den Spielern davon ab, sich zu outen. Eintracht Frankfurt trägt diese Message auch nach außen. Fischer kritisiert die Haltung und Aussagen von Hitzlsperger scharf. Dieser rät nämlich zu einem Coming-out.

Wenn sich ein Spieler aus seiner Mannschaft des Eintracht Frankfurt outen würde, dann wwäre diesem auch die volle Unterstützung des Vereins und des Präsidenten sicher, allerdings rät dieser trotzdem davon ab und findet, dass diese private Sache lieber geheim bleiben sollte. Er findet, dass die Zeit dafür noch nicht reif ist.

Hitzlsperger bedauert allerdings die Haltung des Präsidenten und wünscht sich mehr Positivität bezüglich dieser Thematik.

Denn Hitzlsperger hatte wie bereits erwähnt, selbst ein großes Coming-Out. Allerdings hatte er seine Karriere ja auch beendet. Der Ex-Nationalspieler macht anderen Spielern viel Mut, dass sie sich outen, auch wenn das Thema heutzutage immer noch für viele tabu ist.

Er sieht einen positiven Aufwärtstrend und meint, dass es in ein paar Jahren eine deutlich bessere Toleranzgrenze gibt und sich in den Köpfen der Menschen noch mehr verändern wird. In den letzten Jahren, hat er schon deutliche Fortschritte gespürt, sagt er. Allerdings ist das auch nur seine subjektive Wahrnehmung, welche die objektive Realität nicht unbedingt korrekt widerspiegelt.

Spieler stehen unter Druck

Im Prinzip muss jeder Spieler mit Beschimpfungen und Beleidigungen umgehen können. Fußballprofis dürfen keine Angst vor Kritik haben. Schwule Profis gelangen zwar deutlich stärker in den Fokus von hasserfüllten Fans, doch die meisten Befürchtungen schwuler Fußballer, bewahrheiten sich in den meisten Fällen nicht. Der scheinbare Druck der Gesellschaft sorgt für jede Menge Sorgen in den Köpfen derjenigen, die sich gerne outen würden.

Insgesamt gibt es 24 Fanklubs in Deutschland, welche homosexuell sind und um die Anerkennung in Deutschland kämpfen. Viele andere Klubs die auch nicht all zu klein sind, haben zur Zusammenarbeit positives Feedback gegeben. Dazu gehören zum Beispiel der 1. FC Nürnberg, der 1. FC Köln, Werder Bremen, der FC Bayern München, der Hamburger SV und der Eintracht Frankfurt.

Es gibt allerdings immer wieder Vereine, welche keine klare Stellung zum Homophobie Problem im Fußball beziehen.

Der FC Bayern und der 1. FC Nürnberg weisen die Kritik der Homophobie zurück und haben mit einer schriftlichen Erklärung darauf hingewiesen, dass sie sich natürlich ganz klar gegen die Diskriminierung im Fußballsport positioniert haben.

Wie entwickelt sich das Homophobie Problem im deutschen Profisport weiter?

Experten sind der Meinung, dass die Homophobie im deutschen Fußball noch länger ein Problem sein wird. Es ist erst dann kein Thema mehr, wenn man nicht mehr darüber debattieren und reden muss. Und da hat er sicherlich auch recht, denn wenn es egal wäre ob ein Spieler sich outet oder nicht, würden sich einige Fußballer wohl erleichtert fühlen.

Doch genau hier gibt es ein großes Problem, denn wie bereits eingangs erläutert, wird der Fußballsport mit großer Sicherheit immer von männlicher Dominanz geprägt sein, daran wird sich wohl leider mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auch in den nächsten Jahrzehnten nichts ändern. Jedoch kann man hoffen, dass sich die allgemeine Akzeptanz und Toleranz der Menschen gegenüber Homosexualität in den kommenden Jahren verbessern wird. Wenn sich die Wahrnehmung der Leute ändert, wird sicher auch die Diskriminierung abnehmen. (ak)