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Kommentar

Singt die Nationalhymne auf dem Christopher Street Day!

Der Cologne Pride demonstriert im kommenden Jahr unter dem Motto "Einigkeit! Recht! Freiheit!". Richtig so! Die queere Community sollte sich endlich die Symbole unserer Demokratie aneignen.


Ein seltenes Bild: Deutschlandfahne beim Berliner CSD 2014 (Bild: David J / flickr)

"Einigkeit! Recht! Freiheit!" ist das Motto, unter dem in Köln kommendes Jahr auf dem Christopher Street Day (CSD) demonstriert werden soll (queer.de berichtete). Es sind die drei markanten Worte aus der deutschen Nationalhymne, der dritten Strophe des "Lied der Deutschen". Die richtigen Worte für den CSD. Denn der CSD sollte die Deutungshoheit über die Nationalhymne nicht den Rechtspopulisten überlassen. Diese Werte gehören nicht Pediga und der AfD, sie gehören allen.

Wer denkt, die Hymne sei ein Symbol der Nazis, ist geschichtsvergessen. Hoffmann von Fallersleben dichtete "Einigkeit und Recht und Freiheit" im Jahr 1841. Sein "Lied der Deutschen" war ein Symbol der deutschen Nationalbewegung. Und die kämpfte gegen die Monarchie, für Parlamentarismus und Demokratie. Werte, die für LGBTI auch heute noch unverzichtbar sind. Ohne diese Nation hätten wir heute keine Ehe für alle, kein Recht auf Adoption in Regenbogenfamilien und keine Staatsanwaltschaften, die transphobe Beleidigungen strafrechtlich verfolgen.

FRIEDE, FREUDE, EIERKUCHEN? – Keine CSD-Parade für Deutschland! Wir rufen die Teilnehmenden des #ColognePride 2020…

Gepostet von Rheinisches antifaschistisches Bündnis gegen Antisemitismus am Donnerstag, 5. Dezember 2019
Facebook / Rheinisches antifaschistisches Bündnis gegen Antisemitismus | Ein "Rheinisches Antifaschistisches Bündnis gegen Antisemitismus" warnt vor einem "deutschtümelnden CSD" in Köln

Queere Menschen brauchen den demokratischen Staat, weil nur dieser Staat ihre Rechte schützen kann. Wenn zwei Frauen aufs Standesamt gehen, dürfen sie heiraten, auch wenn es dem Standesbeamten nicht passt. Einfach weil das Gesetz sie vor Willkür schützt. Diesen Schutz, den sogenannten Rechtsstaat, haben die Nazis 1933 als erstes abgeschafft. Gerade weil der Rechtsstaat Minderheiten schützt, brauchen ihn LGBTI so dringend.

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Aussöhnung der Community mit dem Staat hat begonnen

Gewiss, der deutsche Staat hat LGBTI viel Unrecht getan. In der Bundesrepublik kamen schwule Männer unter Paragraf 175 in den Knast, blieben lesbische Frauen unsichtbar, wurden trans und intergeschlechtliche Menschen körperlich misshandelt. Und noch immer sind Letztere rechtlich nicht vollkommen gleichgestellt. Manches ist noch zu tun.

Doch die Versöhnung mit diesem Unrecht hat begonnen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat im vergangenen Jahr eine bewegende Rede gehalten, in der er die LGBTI-Community um Vergebung gebeten hat (queer.de berichtete). Für all die Verbrechen und Schändlichkeiten, die der Staat an LGBTI begangen hat, auch nach 1945.


Der CSD Köln 2020 wird unter dem Motto "Einigkeit! Recht! Freiheit!" stehen

Längst ist die queere Bewegung ein Teil der Identität der Bundesrepublik. Seit Jahren gehen jeden Sommer Millionen Menschen im ganzen Land auf die Straßen und demonstrieren unter der Flagge des Regenbogens auf dem Christopher Street Day. Darunter Menschen aller demokratischen Parteien, aller Religionen, aller sexuellen und geschlechtlichen Identitäten.

Ladet den Bundespräsidenten zum CSD ein

Im kommenden Jahr jährt sich die Wiedervereinigung Deutschlands zum dreißigsten Mal. Ein guter Zeitpunkt für die Community, sich endlich die Symbole der Bundesrepublik anzueignen. Denn LGBTI sind genauso Bürger dieses Landes wie Heteros und Cis-Personen. Es ist ein Land für alle Menschen, die hier leben.

"Einigkeit! Recht! Freiheit" sollte nicht nur Schlachtruf der deutschen Nationalbewegung sein, sondern auch der queeren Bewegung. "Einigkeit im Kampf gegen Diskriminierung, Ausgrenzung und Respektlosigkeit!", "Recht auf Würde, Gleichheit und Gewaltfreiheit!" und "Freiheit von Angst, Verrohung der Gesellschaft und für Meinungsfreiheit!" So begründen die Veranstalter das Motto für den ColognePride (PDF).

Das kommende Jahr ist ein guter Zeitpunkt, mit der Aneignung "Einigkeit, Recht und Freiheit" zu beginnen. Wieso auf dem nächsten CSD nicht die Nationalhymne singen? Nicht allein, als Queers unter sich, sondern gemeinsam mit allen Verbündeten. Mit den Heteros, den Cis-Personen, dem Bundespräsidenten.

Umfrage zum Artikel

» Ist "Einigkeit! Recht! Freiheit!" ein gutes CSD-Motto?
    Ergebnis der Umfrage vom 07.12.2019 bis 02.01.2020


#1 Carsten ACAnonym
  • 07.12.2019, 09:43h
  • Wieso sollte ich die Hymne eines Staates singen, der uns auch im Jahr 2019 immer noch diskriminiert und nicht voll gleichstellt?

    Ein Staat, wo wir bereits im Gleichheitsartikel des Grundgesetzes explizit nicht genannt werden und somit als einzige Bevölkerungsgruppe schon per Grundgesetz Menschen 2. Klasse sind.

    Ein Staat, der zwar die Ehe geöffnet hat, diese aber nach wie vor nicht der heterosexuellen Ehe voll gleichgesetellt hat (Stichtwort Abstammungsrecht - Diskriminierung lesbische Familien).

    Ein Staat, wo Trans- und Intersexuellen nach wie vor ihre Freiheit genommen wird und sie bevormundet werden.

    Ein Staat, der trotz eindeutiger wissenschaftlicher Belege immer noch keine sog. Konversions-"Therapien" verbieten will und wenn überhaupt, dann nur für manche Opfergruppen, womit es für andere Opfergruppen explizit erlaubt würde.

    Ein Staat, der in einem angeblichen Anti-Diskriminierungsgesetz Religionen und anderen "Tendenzbetrieben" explizit die Diskriminierung von LGBTI erlaubt.

    Etc. etc. etc.

    Ich finde das Motto des CSD Köln zwar gut, um daran zu erinnern, dass diese Werte auch für uns gelten sollten. Aber halt als Forderung. Als Teil der National-Hymne sind die Worte "Einigkeit, Recht, Freiheit" für LGBTI ein wahrer Hohn, weil sie für uns nicht gelten.
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#2 Frank LaubenburgAnonym
  • 07.12.2019, 09:51h
  • Es sei also geschichtsvergessen, wenn man dem fremdenfeindlichen und anfisemitischem Hoffmann von Fallersleben und seinem "Lied der Deutschen" nicht huldigt. Gruselig, einfach nur gruselig.
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#3 LunaAnonym
  • 07.12.2019, 09:59h
  • Nach allem was Deutschland "für" uns getan hat wäre "Deutschland verrecke" das bessere CSD Motto
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#4 Ralph
  • 07.12.2019, 10:23h
  • Wir haben hier ja schon eine -z.T. eskalierte- Diskussion zu diesem Thema. Ich verteidige die Hymne gegen den Vorwurf, ein nationalistisches Machwerk zu sein. Aber sie ist auf dem CSD so fehl am Platze wie die schwarz-rot-goldene Fahne. Das sind die Symbole eines Staates, der nicht der unsere ist und nicht der unsere sein will. Wenn es heißt, ohne diese Nation (geht es nicht eine Nummer kleiner: ohne diesen Staat?) hätte es die Eheöffnung nicht gegeben, dann ist dem entgegenzuhalten, dass in einem Staat, der seine eigenen Verfassungsgrundsätze ernst nähme, die Eheöffnung 20 Jahre früher gekommen wäre. Die nationalsozialistische Schwulenverfolgung wäre in einem anderen Staat nicht nahtlos fortgesetzt worden. Ein anderer Staat hätte Menschen nicht die Freiheit geraubt und ihre bürgerliche Existenz vernichtet. Für all das und noch viel mehr steht auch diese Hymne und steht auch diese Fahne. Da ist die Rede von einem Versöhnungsangebot des Bundespräsidenten durch seine wahrheitswidrige Rede, das GG schütze auch uns. Das reicht nicht. Es reicht nicht, dass wir weiter vom Gleichbehandlungsgebot des Art. 3 III GG ausgeschlossen sind. Es reicht nicht, dass jede Verbesserung unserer rechtlichen Lage gegen den erbitterten Widerstand beharrender Kräfte über Jahrzehnte hinweg in winzigen Tripüpelschrittchen erkämpft werden muss. Es reicht nicht, dass aus hohen politischen Ämtern heraus unsere Anerkennung als gleichwertige Bürger zur Gefahr für die Gesellschaft erklärt wird - und der Bundespräsident dagegen nicht seine mahnende Stimme erhebt. Es reicht nicht, dass vor der Abstimmung über die Eheöffnung der Parlamentspräsident unter dem Beifall eines Großteils des Hauses und ohne klaren Widerspruch verkündet, Benachteilung und Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben seien gleich respektable Positionen. Es reicht nicht, dass die Richter des Bundesverfassungsgerichts von 1957 nicht öffentlich als Täter angeprangert und ihr Urteil als zutiefst verwerflich bezeichnet wird. Es reicht nicht, dass der jetzige Gerichtspräsident in der Öffentlichkeit nur einräumt, für dieses Urteil dürfe man sich ein bisschen schämen. Es reicht nicht, dass die Schwulenverfolgung und die heutige Diskriminierung von Schwulen, Lesben, Trans- und Intermenschen im Geschichts- und Sozialkundeunterricht regelmäßig nicht vorkommen. Es reicht nicht, dass wir uns noch immer für unsere Existenz rechtfertigen und uns anhören müssen, Verbreitung von Hass gegen uns sei zu schützender Ausdruck der Meinungsfreiheit. Es reicht so vieles und noch so viel mehr nicht. Dieser Staat ist nicht unser Staat und er will es auch nicht sein. Deshalb ist seine Fahne nicht unsere und seine Hymne auch nicht.
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#5 schwulenaktivist
  • 07.12.2019, 10:30h
  • Ich war immer stolz darauf, dass "Falschsexuelle" keine NATIONALhymne zu singen brauchen! Da würde ich niemals hingehen! Hört damit auf! Bitte!

    Aber ich weiss auch, dass es unter den Schwulen und Lesben auch viele "nationalgesinnte" Leute gibt. Warum das so ist, wäre der Diskussion wert!

    Oder ist das ein neuer Fetisch???
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#6 WUBWAnonym
  • 07.12.2019, 10:34h
  • Ich schließe mich dem Artikel vollumfänglich an. Der Titel des CSD ist top und ich bin sehr froh, dass ich in diesem Staat leben darf.

    Bloß weil ich schwul bin heißt das nicht, dass ich kein Deutscher bin.
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#7 Unsoziales LandAnonym
  • 07.12.2019, 10:40h
  • Antwort auf #1 von Carsten AC
  • Es stimmt, dass LGBTI die einzige Bevölkerungsgruppe sind, die schon per Grundgesetz nicht gleichgestellt sind.

    Aber "Einigkeit, Recht und Freiheit" gilt für andere Bürger genauso wenig.

    Man braucht sich nur mal die wachsene Kluft zwischen Arm und Reich anzusehen. Die stetig steigende Kinderarmut und Altersarmut. Dass Menschen in einem der reichsten Länder der Erde im Alter vom Pfandsammeln leben müssen und/oder auf Tafeln angewiesen sind, ist ein Skandal.

    Und die Wohnungsnot und Mietenexplosion ist auch ein Beispiel dafür, dass nur für eine kleine Oberschicht "Einigkeit, Recht und Freiheit" gelten. Weil Union und SPD lieber das von der Bau-Lobby geforderte Baukindergeld durchsetzen (obwohl alle Experten zu Recht warnten, dass das die Situation noch verschärft) statt endlich wieder sozialen Wohnungsbau zu fördern, wo die letzten 20 Jahre (16 davon mit Beteiligung der SPD) immer mehr kaputt gespart wurde.

    Und wer nicht genug Kohle hat, landet im Alter in einem Heim, wo man betteln muss, um auf Toilette zu dürfen, weil der Gesundheits- und Pflegesektor von der Politik seit Jahren ruiniert wird, um die eigene Bilanz zu schönen:

    www.zeit.de/arbeit/2019-11/altenpflege-pflegeheim-menschenwu
    erde-beruf-fachkraeftemangel/komplettansicht


    Und dann wird noch die Arbeitslosen-Statistik so lange geändert, bis man den Leuten weis machen kann, das sei die beste seit Wiedervereinigung. Das heute viele Gruppen, die damals noch erfasst wurden, heute nicht mehr auftauchen, verschweigt man. (Z.B. tauchen ältere Arbeitslose erst gar nicht mehr auf, weil sie als "nicht mehr vermittelbar" eingestuft werden.)

    Und in diesem Land, das zwar angeblich immer reicher wird, wobei dieser Reichtum aber nur die oberen 2% immer reicher macht, sollen Einigkeit, Recht und Freiheit gelten?

    Pah. Erzählt das all den Menschen, die tagtäglich merken, dass dem nicht so ist.
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#8 FinnAnonym
  • 07.12.2019, 10:56h
  • Antwort auf #6 von WUBW
  • "Bloß weil ich schwul bin heißt das nicht, dass ich kein Deutscher bin."

    Wäre schön, wenn die Politik das genauso sehen würde und uns nicht unsere staatsbürgerlichen Rechte vorenthalten würde.
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#9 FinnAnonym
  • 07.12.2019, 11:00h
  • Antwort auf #3 von Luna
  • Das finde ich etwas zu hart formuliert.

    Das Problem ist nicht das Land oder seine Bürger (die mehrheitlich für unsere volle Gleichstellung sind).

    Sondern das Problem sind Parteien und Politiker, die wie Sonnenkönige herrschen oder Marionetten irgendwelcher Ewiggestrigen sind und die eben nicht den Volkswillen umsetzen und uns nicht voll gleichstellen.

    Da sind allen voran Union und SPD zu nennen, die schon seit Jahren Deutschland ins Koma regieren. Und wenn man gerade meint, die SPD würde sich doch nochmal besinnen und diese unsägliche Groko, die nur die AfD stärker macht und dem Land schadet, beenden, beschließen sie auf dem aktuellen Parteitag doch ein "Weiter so".

    Es wird sowas von Zeit für einen Regierungswechsel und Politikwechsel. Damit Deutschland wirklich ein Land wird, in dem auch LGBTI, sozial Schwache, etc. "gut und gerne leben", wie die Union so gerne wirbt.
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#10 gastAnonym
  • 07.12.2019, 11:03h
  • Also ich singe lieber die deutsche Nationalhymne als die russische, die saudi-arabische, die kenyanische ...
    Wer "Deutschland verrecke" bevorzugt, sollte sich schon mal Gedanken machen wo er seinen zukünftigen Wohnort hin verlegen möchte. Dann sollte er auch so konsequent sein und dieses Land verlassen, wohin nämlich nicht wenige aus anderen Ländern und Kulturen fliehen um hier wenigstens halbwegs sicher vor Verfolgung und Bombardements sein zu können.
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