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34-Jährige nominiert

Finnland: Neue Regierungschefin wurde in Regenbogenfamilie groß

Die Sozialdemokration Sanna Marin soll künftig die Fünf-Parteien-Koalition in Helsinki anführen – als bislang jüngste Regierungschefin des Landes.


Sanna Marin gilt als "außergewöhnlich talentierte Politikerin" (Helsingin Sanomat) (Bild: SDP)

  • 9. Dezember 2019, 20:23h, noch kein Kommentar

Die finnischen Sozialdemokraten haben am Sonntag eine Nachfolgerin für den nach einem Postler-Streik zurückgetretenen Regierungschef Antti Rinne gefunden: Die bisherige stellvertretende Parteivorsitzende sowie Verkehrs- und Kommunikationsministerin Sanna Marin soll künftig die Spitze der Koalitionsregierung übernehmen.

Da die Koalitionspartner bereits signalisiert hatten, am bisherigen Regierungsprogramm und am Kabinett festzuhalten, steht dem Wechsel an der Spitze wohl nichts im Wege. Die 34-Jährige soll voraussichtlich am Dienstag vom Parlament bestätigt werden – die aus Tampere stammende Politikerin würde damit die jüngste Regierungschefin in Finnland. Die anderen Partei-Vorsitzenden in der Mitte-Links-Regierung sind ebenfalls Frauen, drei von ihnen sind auch unter 35 Jahre alt.

Twitter / TNiskakangas | Die aktuelle Regierungskoalition Finnlands als Bild für sich

Finnland, das aktuell die EU-Ratspräsidentschaft inne hat, bekäme mit der Wahl seine dritte Regierungschefin und die derzeit jüngste amtierende Regierungsspitze der Welt (Österreichs Sebastian Kurz wäre bei einer Wiederwahl jünger). "Ich habe nie über mein Alter oder mein Geschlecht nachgedacht", sagte Rinne am Sonntag. "Ich denke an die Gründe, die mich in die Politik gebracht haben."

Junge Hoffnungskraft soll Regierung beleben

Marin gilt dem linken Flügel der Sozialdemokraten zugehörig und steht für eine soziale Politik, für Umweltfragen und für Menschenrechte ein. Sie selbst wuchs in vergleichsweise schwierigen Verhältnissen in einer Arbeiterfamilie auf und finanzierte sich das Studium der Verwaltungswissenschaften, das sie erst vor zwei Jahren als erstes Familienmitglied abschloss, mit diversen Jobs.

Twitter / MarinSanna | Marin mit Tochter beim CSD in Helsinki

Als Lokalpolitikerin in Tampere hatte sie vor einigen Jahren auch davon berichtet, sie sei "in einer Regenbogenfamilie aufgewachsen, bevor es diesen Ausdruck überhaupt gab". Ihr Vater war Alkoholiker und die Eltern trennten sich sehr früh im Leben von Marin. Später zog ihre Mutter mit einer Frau zusammen und das Paar zog die Tochter gemeinsam auf.

Als Kind habe sie das teilweise verschwiegen, sagte Marin in einem Interview. "Das Schweigen darüber war das härteste. Man erkannte uns nicht als eine wahre Familie an oder als gleichberechtigt mit den anderen." Ihre Mutter, die selbst in einem Waisenhaus groß wurde, habe sie aber immer liebevoll unterstützt und ihr gesagt, dass sie alles erreichen könne, was sie wolle.

Inzwischen arbeitet Marin kräftig mit daran, das gesellschaftliche Klima gegenüber Homosexuellen und Regenbogenfamilien weiter zu verbessern. Zusammen mit ihrem Partner zieht sie inzwischen ihre eigene Tochter auf – und schleppte das damals erst mehrere Monate alte Kind im letzten Jahr mit zum CSD in Helsinki (und dann wegen des Lärms schnell in ein Café).

Vor der Parlamentswahl im Frühjahr hatte Marin den erkrankten 57-jährigen Rinne mehrere Wochen lang vertreten und gilt Medienberichten zufolge durch die Mobilisierung junger Wähler als Mit-Grund für den hauchdünnen Wahlsieg über die rechtspopulistischen "Wahren Finnen". "Wir haben viel Arbeit vor uns, um Vertrauen zurückzugewinnen", sagte Marin am Sonntagabend. (cw)