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"Paradiset"

Schweden: Erstes queeres Altarbild wegen "Transphobie" entfernt

Nach nur zehn Tagen wurde ein umstrittenes queeres Altarbild aus einer Kirche in Malmö wieder entfernt – angeblich nicht wegen der Kritik von Homo-Hassern, sondern weil das Gemälde "transphob" sei.


Das Altarbild "Paradiset" erregte vor allem die Gemüter von LGBTI-Gegnern

Die St.-Paulus-Kirche in Malmö hat am Mittwoch das queere Altarbild "Paradiset" wieder entfernt. Das Bild, das erst am 1. Dezember enthüllt worden war, zeigt den Garten Eden, in dem nicht Adam und Eva, sondern gleichgeschlechtliche Paare mit unterschiedlichen Hautfarben zu sehen sind.

Die Kirche teilte mit, dass das Bild abgebaut worden sei, weil es als transphob angesehen werden könne. Grund sei, dass die Schlange, die sich in der Mitte des Bildes auf einem Baum räkelt, als Transfrau dargestellt werde. Da die Schlange in der Bibel "traditionell für das Böse steht", sei diese Darstellung problematisch. "Die Schwedische Kirche kann das absolut nicht unterstützen", hieß es in einer Pressemitteilung (PDF). Die gezeigten schwul-lesbischen Paare seien dagegen kein Problem.

Künstlerin hält Transphobie für vorgeschobenen Grund

Die lesbische Künstlerin Elisabeth Ohlson Wallin, die das Bild 2012 erstellt hatte, hält den angegebenen Grund für die Entfernung ihres Werkes für vorgeschoben. "Ich denke, die wollen einfach keine LGBT-Bilder in ihren Kirchen", so Ohlsen.

Tatsächlich hatten LGBTI-Aktivisten das Bild gelobt, während Gleichbehandlungsgegner teils extrem aggressive Kritik übten. Konservative hatten etwa kritisiert, dass das Bild unbiblisch sei, weil in der Heiligen Schrift Homosexualität verurteilt werde. Rechtsextreme hätten außerdem laut der Morgenzeitung "Sydsvenskan" online Drohungen gegen Kirchenmitarbeiter ausgesprochen, sollte das Bild nicht entfernt werden. Selbst von hohen Geistlichen der Kirche kam Widerspruch: Johan Tyrberg, der Bischof von Lund, erklärte in einem Interview mit der christlichen Zeitung "Dagen", das Bild repräsentiere "offensichtlich" nicht die evangelische Kirche Schwedens.

Ohlsen kündigte an, sie werde nun ein weiteres Altarbild schaffen, das nicht als transphob fehlinterpretiert werden könne. Dann werde sie dieses Bild der Kirche anbieten – und schauen, ob es erneut abgelehnt wird. (dk)



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#1 AndreasKAProfil
  • 13.12.2019, 15:25hKarlsruhe
  • Wir haben ein Kunstwerk vor uns, das mit den hergebrachten Lesarten/Auslegungen der Genesis in der Bibel bricht und zum Nachdenken anregt. Warum ist es also zwingend gegeben, dass die Schlange das Böse verkörpert?

    Die Schlange im biblischen Mythos hat immerhin dazu geführt, dass die ersten Menschen ein Bewusstsein ihrer selbst entwicklen konnten, da sie auf ihre Initiative hin vom Baum der Erkenntnis aßen.
    So könnte man das auch sehen!
    In diesem Bild wäre also die Transperson ein Katalysator der kulturellen und wissenschaftlichen Entwicklung der Menschheit. Ist doch keine schlechte Rolle?
    (Dass das alles nicht ohne Regelbruch geht, ist ja alles andere als negativ. Regeln, die eine Weiterentwicklung hemmen, müssen gebrochen werden. Insofern sind Transpersonen auch weit über unkonventionelle Altarbilder hinaus Impulsgeber für eine Gesellschaft, die nicht stehen bleibt.)

    Zusammengefasst lässt sich der Grund, die Schlange sei ein transphobes Element, für die Entfernung des Bildes, absolut als vorgeschoben entlarven.
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#2 Ralph
  • 13.12.2019, 16:28h
  • Was für eine dumme Ausrede. Das BIld wurde abgehängt, weil der Druck konservativer Kreise zu groß wurde. Was denn sonst. Unabhängig davon: Mir erschließt sich nicht, wozu es gut sein soll, solch ein provokatives Werk in eine Kirche zu hängen. In eine Kunstgalerie, gut und schön. Aber man muss nicht unnötig Grenzen austesten.
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#3 AndreasKAProfil
  • 13.12.2019, 16:41hKarlsruhe
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • ... hmmm, wenn sich die Möglichkeit ergibt, ein Altarbild in der Kirche aufzuhängen, sollte man sie doch ergreifen.
    Was spricht dagegen, hier die Grenzen auszutesten - bzw. die konservativen Grenzzieher mit ihrer einen Grenzbeschränktheit zu konfrontieren ... ???
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#4 Ralph
  • 13.12.2019, 16:57h
  • Antwort auf #3 von AndreasKA
  • Ich bin der Meinung -ausdrücklich als Atheist-, dass soweit der säkularen Gesellschaft zumutbar Rücksicht auf religiöse Gefühle genommen werden sollte, zumindest dort, wo sie sich naturgemäß manifestieren: in einer Kirche zum Beispiel.
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#5 Ana NymAnonym
  • 13.12.2019, 17:32h
  • Antwort auf #4 von Ralph
  • Die Kirche hat die Entscheidung getroffen das Bild zu verwenden.
    Ein Versuch einer Annäherung an die realen Verhältnisse seit es Menschen gibt. Das an einem Ort von der zuständigen religiösen Organisation deutlich zu machen, einem Ort von dem oft Hass auf LGBTQIA+ ausgeht, ist genau richtig.
    Viele Menschen die einer Religion angehören denken inzwischen anders und wollen ihre Religionen besser machen, ehrlicher machen.
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#6 haulchenProfil
  • 13.12.2019, 23:50hMarburg
  • Antwort auf #1 von AndreasKA
  • Genauso hätte ich auch argumentiert. Dorothee Sölle hat mal vom "Sündenfall" als Coming Out gesprochen - eben als Hinaustreten aus einer Scheinwirklichkeit ins "echte Leben" bzw. als Entscheidung für Freiheit unter Inkaufnahme von Beschwerlichkeiten. In dem Zusammenhang wird die Schlange tatsächlich zu einer Art Prometheus-Figur, die man positiv würdigen kann. Gerade mit Blick auf die Stonewall-Proteste hat es eine tiefe Logik, diese Rolle mit einer Transperson zu besetzen. Das alles hätte man für Interessierte sogar noch irgendwo erläutern können. Schade, dass die Chance nicht genutzt worden ist.
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#7 N8EngelProfil
  • 14.12.2019, 06:06hWenden
  • Antwort auf #6 von haulchen
  • Man kann in die Symbolik halt so vieles hineininterpretieren. Die Schlange wurde in der Bibel als das Symbol des Bösen dargestellt, aber auch als Prometheusderivat. Bei einer derartigen Deutung ist die Erkenntnis also das Böse, das den Menschen verdirbt. Damit macht auch die Deutung der evangelikalen Sinn. alles, was über den einfachen Glauben hinausgeht als Böse darzustellen. Denn nachdenken und etwas erkennen ist ja böse.
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#8 AndreasKAProfil
  • 14.12.2019, 10:56hKarlsruhe
  • Antwort auf #6 von haulchen
  • Hallo haulchen,

    ich sehe das wie du: Man hätte die einzelnen Elemente des legitimerweise abgewandelten Bildes besser erklären müssen. So hätten Leute, die vielleicht auf den ersten Blick brüskiert sind, wenigstens Ansätze bekommen, über die sie nachdenken können und so ihre Brüskierung überprüfen können.
    In diesem Falle hätte man sogar Theologen, wie etwa Sölle, zitieren können und damit herausgearbeitet, dass eine derartige Diskussion sogar kirchenintern läuft.

    Jeder Mythos, auch einer aus der Bibel, ist bekanntlich weit interpretierbar und nicht zuletzt Vorlage von künstlerischen Bearbeitungen in Dramen, Romanen, Malerei, Bildhauerei etc. aller Epochen. Da gibt es nichts zu kritisieren - im Gegenteil! Das ist inspirierend und ein Ausweis menschlicher Kultur.

    Klassischerweise läuft die Engführung der kircheninternen Interpretation dieses Baumthemas auf die Menschen haben das Paradies verloren, weil sie sich nicht an Gottes Weisung, nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen, gehalten haben. hinaus. Gehorsam ist also das oberste Gebot.
    Hier lassen sich aber zahlreiche Fragen andocken, die auch gläubige Menschen (nicht nur in den Bibelseminaren, an denen ich seinerzeit selbst teilgenommen hatte) stellen:
    Etwa Warum will Gott nicht, dass die Menschen Gut, Böse und alles zwischendrin erkennen können?
    Oder: Was ist eigentlich besser? Doof im Paradies zu bleiben, oder es schlau zu verlassen?
    Oder: Welche Rolle spielt die sexuelle Konnotation hier? Als erstes nach dem Obstgenuss erkannten die zwei beiden ersten Menschen schließlich, dass sie nackt waren und hefteten sich Feigenlaub um die Lenden, weil sie sich schämten. Darauf hin hat Gott bekanntlich Adam angesprochen. Da eine beliebte biblische Umschreibung für Sex dieser hat jene erkannt (!)" lautet, lässt sich davon ausgehen, dass es vorher zu keinen derartigen Erkenntnissen gekommen war. Wie wäre denn dann die überhaupt eine Menschheit entstanden? Parthenogenese? Heiliger Geist? Weiterer Rippenentnahmen?

    Bekanntlich ist die Menschheit entstanden und wir alle wissen ganz gut, wie das mit dem Seid fruchtbar und mehret euch vonstatten geht.

    Und so ist sonnenklar: Mythen sind Erklärungsversuche und Zustandsbeschreibungen, wie Dinge entstanden sind, wie sie sich verhalten, wie Menschen (re-)agieren. Sie sind Rückschauen und keine Mitschriften und Reportagen die notiert wurden, als das mythisch Beschriebene zeitgleich passierte.
    Die Bibel ist menschengemacht und zeitgebunden entstanden. Jeder Versuch, sie für alle Ewigkeit zu verabsolutieren muss zwangsläufig scheiten.

    Das wird allerdings, von allen, die die Bibel als Gottes Wort fest und unverrückbar gegeben verstehen, nach gusto ignoriert.

    @ Ralf: Auch dir stimme ich im Grundsatz zu. Ebenfalls Agnostiker mit Tendenz zum Atheisten habe ich auch keine Absichten, religiöse Gefühle zu verletzten. Leben und leben lassen eben.
    Doch dieses Altarbild war nun einmal, wie bereits klargestellt wurde, in der Kirchenwelt. Und immer, wenn im Glauben etwas dargestellt oder dargelegt wird, das nicht dem Gewohnten entspricht, lässt es sich nicht vermeiden, dass jemand sich in seinen Gefühlen verletzt sieht.
    Genau das ist das Problem: Ich mute in diesen Dingen auch religiösen Menschen zu, ihre Auslegungen und Haltungen zu hinterfragen. Reflexhaftes Aufregen disqualifiziert sie genauso wie ein Berufen auf verletzte religiösen Gefühle. Wo genau sollen wir bei diesem Totschlag-Argument denn die Grenze ziehen? Bei Satire? Bei Kraftausdrücken? Bei einem Einfordern von Rechten für die, die in der Bibel als rechtlos und verdammungswürdig beschreiben werden?

    Und was ist mit meinen Gefühlen als Atheist? Hier wird erwartet, dass ich Kritik an meine Haltung gelassen und rational aufnehme - was für mich erstmal kein Problem ist, da meine Haltung rationaler Erwägungen entsprungen ist. Aber wehe, ich würde es als Attacke auf meine atheistischen Gefühle thematisieren, dass Kreuze in öffentlichen Gebäuden aufgehängt werden ...

    ... nun, vielleicht siehst du diese Punkte ja auch ähnlich wie ich.

    OK, der Kirchenraum sollte geschützt werden, das verstehe ich. Aber das von Dir beschriebene Dilemma ist keins: Dass die Kirche selbst hier diesen Schutzraum geöffnet hat ist ja bereits herausgearbeitet worden - und das ist doch etwas Positives, dass hier etwas in Bewegung gekommen ist.

    Das Peinliche ist doch ganz klar der Rückschritt der Kirche und die Angst vor der eigenen Courage. Damit wird den Leuten, die ihre Fragen haben und sich in ihrer Religiosität weiterentwickeln wollen genau das erschwert. Und zwar um die religiösen Gefühle der Unbeweglichen zu schützen. Was ist denn dann mit den religiösen Gefühlen derjenigen, die sich bewegen (wollen)?

    Mit anderen Worten: Inhaltlich (durch fehlende Erläuterungen) wie auch im Umgang mit dem Thema (Fort mit dem Bild aus der Kirche) sind bei dieser Altarbild-Aktion Chancen vergeben worden.

    Immerhin wurde das ganze öffentlich und die Thematik erreicht mehr Menschen als nur die Besucher der Kirche, die das Altarbild anschauen wollen.
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#9 Ralph
  • 14.12.2019, 11:29h
  • Antwort auf #7 von N8Engel
  • Ja. Man bedenke hierzu den Namen des Teufels: Lucifer - der Lichtbringer. In Verbindung mit Johannes I 5 darf man die gewagte These aufstellen, dass das Licht, personifiziert in Jesus, nicht von Gott in die Welt gebracht wurde, sondern vom Teufel, und dass die im Aberglauben wurzelnde Welt das Licht nicht ergriffen hat. Hinzu kommt, dass Jesus selbst eben gerade nicht den Teufel, sondern ausdrücklich Gott als denjenigen bezeichnet, der die Menschen in "Versuchung" führt, d.h. zur Sünde verleiten will (Lukas XI 4). Nicht umsonst ist es ja auch nicht der Teufel, der Jesus ans Kreuz schlagen lässt, sondern dieser barbarische Akt geschieht nach dem Willen Gottes, der dann Judas Iskariot, den Juden und den Römern in die Schuhe geschoben wird. Wie gesagt, gewagte Interpretation, aber nicht verrückter als Theologie nun mal überhaupt ist. Zudem dürfte sich in der Geschichte vom Engelsturz (Lucifers Verbannung aus dem Himmel) der Prometheus-Mythos widerspiegeln, d.h. die Eifersucht des Gottes auf denjenigen, der die Menschen von der Abhängigkeit vom Schöpfergott befreien will.
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#10 TheDadProfil
  • 15.12.2019, 20:22hHannover
  • Antwort auf #4 von Ralph
  • ""Ich bin der Meinung -ausdrücklich als Atheist-, dass soweit der säkularen Gesellschaft zumutbar Rücksicht auf religiöse Gefühle genommen werden sollte, zumindest dort, wo sie sich naturgemäß manifestieren: in einer Kirche zum Beispiel.""..

    Das ist eine vernünftige Haltung..
    Zumindest dann, wenn diese Rücksicht keine Einbahnstraße ist und bleibt..

    Doch so lange dieser vermeintlich säkulare Staat irgendwelchen "Religionen" immer irgendwie "Vorfahrt" gewährt, und diese sich ungeniert im öffentlichem Raum ausbreiten können, und damit solche "Rücksichten" gegenüber Anders- wie Nicht-Gläubigen gar nicht zum Tragen kommen können, besteht mMn nach gar keine Veranlassung dazu, mit einer "rücksichtsvollen Handlungsweise" voraus zu gehen..

    Mal so als Beispiel..
    Die BRD unterhält Autobahnen, und auf oder an ihnen auch Tank-und Restanlagen..
    Die dafür gegründete bundeseigene Tank&Rast GmbH unterhält dazu auch "Autobahnkirchen"..

    Ich halte es nicht für die Aufgabe eines säkularen Staates solche Einrichtungen zu unterhalten..
    Ähnliches gilt für "Andachtsräume" in staatlichen Kliniken, Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden..

    Wer seiner "Religion" nachgehen will, kann das jederzeit während seiner Freizeit in seiner "Gemeinde" tun, aber weder während der Urlaubsreise auf der Autobahn, oder in einem Flieger, einem Zug der Bundesbahn oder deren Bahnhöfe, einer öffentlichen Klinik, einer Schule oder Hochschule..

    Und wenn wir schon dabei sind..
    Sämtliche sichtbare Zeichen wie Kruzifixe oder ähnlichem sind aus diesen Gebäuden rigoros zu entfernen..
    Und das dann auch in Bayern..
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