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Ein bisschen Segnung statt Trauung für alle

Evangelische Kirche Württemberg bleibt homophobes Schlusslicht

Maximal ein Viertel der Gemeinden darf ab 2020 homosexuelle Paare segnen – offen dafür zeigt sich nur jede achte. Trotz der Diskriminierung spielen die bei der Kirchenwahl erfolgreichen Reformer auf Zeit.


Es dürfte noch lange dauern, bis eine Szene wie diese in der württembergischen Landeskirche Normalität ist (Bild: David Haug)

Nach der Kirchenwahl der württembergischen Protestanten steht der faule Kompromiss zu den Segnungsgottesdiensten für homosexuelle Paare trotz der Erfolge der Reformbewegung "Kirche für morgen" derzeit nicht zur Debatte. Sowohl der Gesprächskreis "Offene Kirche", der sich eigentlich geschlossen für eine Trauung für alle ausspricht, als auch die "Kirche für morgen" wollen abwarten, welche Erfahrungen mit dem komplizierten neuen System gemacht werden. Auch Landesbischof Frank Otfried July hält sich deutlich zurück: Es sei richtig, den eingeschlagenen Weg zu gehen. "Über synodale Prozesse zu spekulieren, und das noch vor der Konstituierung der neuen Synode im Februar, gehört sich nicht, zumal als Landesbischof", sagte er der dpa.

Um den doppelt diskriminierenden Kompromiss, der lesbischen und schwulen Ehepaaren keine Trauungen zugesteht, sondern nur Segnungen – und auch diese nur in Ausnahmefällen – war hart und lange gerungen worden. Beide Kreise schließen nicht aus, dass später erneut über eine Lösung debattiert wird. Es wird unter den Gemeindevertretern allerdings nicht damit gerechnet, dass das Thema in nächster Zeit auf die Tagesordnung der Synode, also des Kirchenparlaments, kommt.

Diese hatte im März beschlossen, dass maximal ein Viertel der Kirchengemeinden ihre örtliche Gottesdienstordnung ändern dürfen. Zudem müssen sich drei Viertel aller Pfarrer der jeweiligen Gemeinde sowie drei Viertel des Kirchengemeinderates für die Segnung von Lesben und Schwulen aussprechen (queer.de berichtete). Beobachter gehen davon aus, dass Homo-Hasser in vielen Gemeinderäten leicht diese Sperrminorität von 25 Prozent erreichen können. Im Jahr 2017 war ein erster Vorstoß, öffentliche Segnungen landeskirchenweit als Amtshandlung einzuführen, knapp gescheitert (queer.de berichtete).

Kaum Interesse an der Segnung für wenige

Nach dem Verlust der konservativen Pietisten bei der Kirchenwahl und dem daraus folgenden abnehmenden Einfluss in der württembergischen Landessynode waren Forderungen nach einer neuen Debatte über die Segnungsgottesdienste aufgekommen. Bislang haben nach Angaben der Kirchenverwaltung allerdings auch erst rund 160 Gemeinden das Gespräch mit dem zuständigen Dezernat gesucht. Sollten sich mehr als 325 Gemeinden dafür aussprechen, wäre eine landeskirchenweite Regelung nötig. Dann müsste die Synode erneut beraten – und mit Zweidrittel-Mehrheit beschließen.

"Nein, ich denke nicht, dass wir uns da neu positionieren", sagt Jens Schnabel, der Vorsitzende des jungen Gesprächskreises "Kirche für morgen", der durch die Kirchenwahl an Einfluss gewonnen hat. Die erzielte Regelung müsse erst noch in Kraft treten. "Im Moment gehe ich davon aus, dass wir diese nun auch erstmal ausprobieren. Deshalb sehe ich derzeit auch keinen Bedarf."

Skeptisch ist auch Erika Schlatter-Ernst, die dem eher liberalen Gesprächskreis "Offene Kirche" vorsteht. Die von Januar an geltende Regel sei zwar "ein schmerzhafter Kompromiss gewesen und nach unserer Auffassung nur ein Zwischenschritt". Auch sei es gut möglich, dass sich die Synode mit dem Thema Segnungsgottesdienste erneut beschäftigen werde. "Allerdings wird das nicht gleich sein, sondern erst später", sagte Schlatter-Ernst. Ihr Kreis würde zwar sofort eine Änderung angehen, wenn er die Mehrheit dafür bekäme. "Auch muss man nicht erst die Erfahrungen mit der neuen Regelung abwarten", sagte Schlatter-Ernst. Realistischerweise werde es aber wohl so kommen.

Für die "Lebendige Gemeinde" gehören zur Ehe Mann und Frau

Der neben der "Offenen Kirche" nach wie vor größte Gesprächskreis, die theologisch konservative "Lebendige Gemeinde", forderte Geduld ein: "Hart, hart errungene, schmerzhafte Kompromisse brauchen auch Zeit in der Umsetzung", sagte deren Sprecher, Dekan Ralf Albrecht. Es gebe zudem die "grundlegende Einsicht" von Bibel und reformatorischen Bekenntnissen, dass zu einer Ehe Mann und Frau gehörten.

Die Landeskirche Württemberg war bis zum Kompromiss im vergangenen März eine der letzten, die gleichgeschlechtlichen Paaren öffentliche Segnungen mit Kirchengeläut verwehrt hatte. Viele Landeskirchen erlauben dagegen längst auch Trauungen von Lesben und Schwulen – zum Beispiel in Baden.

"Es gibt bei uns keine Diskussionen mehr über das Thema, es ist Kirchenalltag geworden", sagt Daniel Meier, Sprecher der dortigen Evangelischen Landeskirche. Pfarrer könnten sich in Baden zwar aus Gewissensgründen verweigern. "Aber mir ist kein solcher Fall bekannt." Warum es keine Kontroverse gibt? "Baden war schon immer ein Durchzugsland, wo liberale Ideen eher heimisch waren als in Württemberg", sagte Meier.



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#1 Ralph
  • 14.12.2019, 11:01h
  • Wenn man für Gleichbehandlung ist, macht man sie; wenn man gegen Gleichbehandlung ist, macht man sie nicht. Mit dieser hochkomplizierten, doppelt benachteilgenden Regelung aber kann sich eine Kirche nur der totalen Lächerlichkeit preisgeben. Aus meiner Sicht das beste, was unseren Feinden passieren kann.
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#2 marbellaAnonym
  • 14.12.2019, 11:36h
  • Es scheint so als würden die Kirchen anstelle der Liebe (wie sie ja dort selbst immer predigen), dem Hass den Vorzug geben...
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#3 LotiAnonym
  • 14.12.2019, 11:47h
  • Antwort auf #1 von Ralph
  • Aber in Sachen Kirchensteuer eintreiben schießt insbesonders die Evangelische Kirche den Vogel ab. Gelesen auf rbb24.de Mehr schreibe ich hier nicht mehr zu diesen verlogenen A*******
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#4 BePrideAnonym
  • 14.12.2019, 14:30h
  • Auch die Kirche unterliegt dem Gleicheitsgrundsatz des Grundgesetzes. Sie hat nicht das Recht, einzelne Mitglieder aufgrund ihrer Sexualität zu benachteiligen oder sie ihrer willkürlichen Gnade auszusetzen. Seit der Einführung der Ehe für alle als Konsequenz aus den Urteilen des Bundesverfassungsgerichts zum Partnerschaftsgesetz, dem weiteren Inkraftsetzen des Gleichheitsgrundsatzes damit und der absoluten Bestätigung des Verbots der Benachteiligung sexueller und geschlechtlicher Identität wie dessen Gleichheit vor dem Gesetz in der Urteilsbegründung des Bundesverfassungsgerichts zur 3. Geschlechtsoption, wurde es mit öffentlichen Äusserungen der katholischen Kirche dagegen merkwürdig still, und mehrere evangelische Kirchenkreise sahen sich genötigt, bezüglich Trauungen dem Gleichheitsgrundsatz zu folgen. Auch wenn andere Bezirke dem nicht folgen und das Bundesverfassungsgericht eine Woche nach seinem Urteil eine Beschwerde eines transsexuellen Menschen mit Hinweis auf ein eigenes überholtes Urteil zurückweist, kann es nach einer einmal auch aufgrund des Hinweises auf viele Gesetzeskommentatoren ergangene eigene Erkenntnis keine Rückkehr von dieser geben, sondern nur noch um die praktische Umsetzung dieser gehen. Sollte es dafür hierzulande kein Einsehen geben, ist es auch an der EU und dem EuGH mit seinen teils schon ergangenen Urteilen gelegen, im Sinne der Menschenrechte dem Inhalt des Grundgesetzes zu folgen und Deutschland z.B. zu zwingen, die verfassungswidrige Glaubensvorbehaltsklausel des AGG ersatzlos zu streichen.
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#5 KaweAnonym
  • 14.12.2019, 14:59h
  • Kirche von morgen, eine Reformbewegung? Da bin ich sehr, sehr skeptisch! Wie kommt Martin Oversohl denn überhaupt auf so eine Behauptung? Bei Reformbewegten würde ich mir eine positive Äußerung zu Segnung und Trauung wünschen. Indes im Wahlprogramm habe ich, ganz im Gegensatz zur offenen Kirche, keine Silbe darüber gefunden. Im Gegenteil findet man ab Seite 8 im Wahlprogramm unter "Vielfalt theologischer Positionen" folgende aufschlussreiche Formulierung: "Wir engagieren uns dafür, dass unsere Kirche evangelikales, charismatisches, liberales, ökologisches uvm. integrieren kann". Man beachte die Reihenfolge! Und was darf man sch den unter dem v.m. denn vorstellen? Nur für den kirchlich Desinteressierten sei gesagt, dass wir Schwulen den Evangelikalen jenes berüchtigte Gräuel sind!
    Ich kenne übrigens einen schwulen Mann, der sich nicht traut, sich in diesem charismatischen Milieu zu outen! Das lässt doch misstrauisch werden!

    Man darf Martin Oversohl nur wünschen, dass er sein Sabbatical dazu nützt, sein Bild von der Landeskirche Württemberg zu verfeinern. Aber wer weiss schon, wo er bereits kirchlich steht...

    Im Übrigen, auf eine Segnung, über die von Kirchengemeinderäten abgestimmt werden muss und die allerhöchstens von einem Viertel der Gemeinden gegeben darf, ist doch gepfiffen, sie ist absurd und unzumutbar!
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#6 dorfpflanze
  • 14.12.2019, 21:34h
  • Wer braucht einen Gott oder so ne pseudo Religion? Ich lass mir doch nicht vorschreiben was gut und schlecht ist.

    Eine freie Hochzeit im Wald ohne dieses sakrale Getue ist 1000 Mal entspannter und interessanter für alle anwesenden

    Im Herzen Buddhist ;-) aber noch nicht auf dem Weg der Vollkommenheit ;-)
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#7 TheDadProfil
  • 15.12.2019, 21:36hHannover
  • Antwort auf #1 von Ralph
  • ""Wenn man für Gleichbehandlung ist, macht man sie; wenn man gegen Gleichbehandlung ist, macht man sie nicht.""..

    Exakt..
    Der Bundesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen in den 2009 bis 2013, Hubert Hüppe, prägte den Ausspruch :
    ""Wer Inklusion will, sucht Wege, wer sie nicht will, sucht Begründungen.""..

    Genau nach diesem Verfahren der "gesuchten Begründungen" verhalten sich solche "Kirchen"..
    Sie suchen nach Ausreden um bloß nicht alle Menschen gleich behandeln zu müssen, weil sie immer noch "denken", es gäbe "Unterschiede, die man machen muß"..

    Diese gemachten Unterschiede sind der Beleg dafür :
    Sie WOLLEN diskriminieren, denn sie selbst brauchen diese Unterschiede um sich selbst als "etwas besseres" empfinden zu können..

    Sie sind dann aber nicht "etwas besseres", sie nur nur "etwas anderes", denn sie sind die Rassisten unserer Gesellschaft..
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#8 TheDadProfil
  • 15.12.2019, 21:41hHannover
  • Antwort auf #4 von BePride
  • ""Auch die Kirche unterliegt dem Gleicheitsgrundsatz des Grundgesetzes. Sie hat nicht das Recht, einzelne Mitglieder aufgrund ihrer Sexualität zu benachteiligen oder sie ihrer willkürlichen Gnade auszusetzen.""..

    Da irrst Du..
    Die "Kirchen" sind Kraft Verfassung eine
    "Körperschaft öffentlichen Rechts",
    und damit sichern die sich neben den Pfründen aus dem Steuersäckel auch gleich noch das Recht auf ein "eigenes Recht"..
    So genanntes "Kirchenrecht" rangiert dann auch außerhalb dessen was dem "einfachem Bürger" zugestanden wird..
    Als Ausdruck dieses "Kirchenrechtes" haben wir die Einschränkungen die das "Allgemeine Gleichbehandlungs Gesetz" zu einem Zahnlosem Tiger macht..
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#9 BePrideAnonym
#10 TheDadProfil
  • 15.12.2019, 23:23hHannover
  • Antwort auf #9 von BePride
  • ""Du beziehst Dich anscheinend auf Art 140 GG .""..

    ""Dieser stellt jedoch wie das GG allgemein die persönliche, eben auch die
    sexuelle Freiheit über die religiöse.""..

    Das wird nachhaltig ignoriert..

    So weit nach unten muß man im GG auch gar nicht gehen, denn das GG ist "stringent" aufgebaut, und Artikel 4 hat sich den Artikeln 1, 2, und 3 zu beugen und unterzuordnen..

    Dennoch missachten die "Kirchen" diese Stringenz schon seit Anbeginn dieser Republik..

    Entgegen der in Artikel 140 angeführten Artikel aus der Weimarer Verfassung missachten sie z.B. das "Offenbarungs-Verbot", und fragen Bewerber*innen auf Jobangebote in ihren "Kirchen-Konzernen" nach ihrer "Religions-Zugehörigkeit", obwohl dies nach Artikel 136 Absatz 3 ausdrücklich untersagt ist :
    ""(3) Niemand ist verpflichtet, seine religiöse Überzeugung zu offenbaren. Die Behörden haben nur soweit das Recht, nach der Zugehörigkeit zu einer Religionsgesellschaft zu fragen, als davon Rechte und Pflichten abhängen oder eine gesetzlich angeordnete statistische Erhebung dies erfordert.""..

    Diese "Kirchen" sind aber gar keine solchen "Behörden"..

    Auch Artikel 138 Weimarer Verfassung wartet immer noch auf Umsetzung, denn dort heißt es eindeutig :
    ""Art. 138
    (1) Die auf Gesetz, Vertrag oder besonderen Rechtstiteln beruhenden Staatsleistungen an die Religionsgesellschaften werden durch die Landesgesetzgebung abgelöst. Die Grundsätze hierfür stellt das Reich auf.""..

    Das haben die "Kirchen" durch den Abschluß des "Reichskonkordates" mit der Hitler-Regierung umgangen..

    Liest man die Artikel 136 bis 141 Weimarer Verfassung mal bei Licht, dann wird gegen JEDEN EINZELNEN Satz dieser Artikel ständig verstoßen..

    Nimmt man dazu mal Artikel 136 Satz 4 zur Hand :
    ""(4) Niemand darf zu einer kirchlichen Handlung oder Feierlichkeit oder zur Teilnahme an religiösen Übungen oder zur Benutzung einer religiösen Eidesform gezwungen werden.""..

    Das passiert quasi täglich und überall..

    Was dann Artikel 141 Weimarer Verfassung betrifft :
    ""Art. 141
    Soweit das Bedürfnis nach Gottesdienst und Seelsorge im Heer, in Krankenhäusern, Strafanstalten oder sonstigen öffentlichen Anstalten besteht, sind die Religionsgesellschaften zur Vornahme religiöser Handlungen zuzulassen, wobei jeder Zwang fernzuhalten ist. ""..

    Das ist mir selbst schon Dutzende Male im meinem Leben als "auszuübendes Recht auf Nicht-Teilnahme" verwehrt worden..
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