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Dreharbeiten enden

Letzte Klappe für die "Lindenstraße"

Nach mehr als 34 Jahren ist im nächsten März Schluss mit der "Lindenstraße". Doch für die Schauspieler endet ihre Arbeit schon jetzt. Sie sehen das Serien-Aus als Verlust für die TV-Landschaft – und blicken teils beruflich ins Ungewisse.


Der Kuss zwischen Robert Engel (Martin Armknecht) und Carsten Flöter (Georg Uecker) erhitzte vor zwei Jahrzehnten die Gemüter (Bild: WDR)

In den WDR-Kulissen der "Lindenstraße" in Köln geht es trubelig zu. Schauspieler werden per Lautsprecher zur Probe gerufen, Komparsen warten aufgeregt auf ihren Einsatz. Äußerlich deutet nichts darauf hin, dass es hier sehr bald ganz still werden wird: Am Freitag (20. Dezember) enden die Dreharbeiten für die ARD-Serie. Für die Zuschauer ist dann aber noch nicht Schluss: Die letzte Folge der "Lindenstraße" läuft Ende März 2020.

Die Stimmung unter den Schauspielern ist erstaunlich gelöst – obwohl viele von ihnen noch nicht wissen, wie ihre berufliche Zukunft aussehen wird. "Wir hatten ja Zeit, uns an den Gedanken zu gewöhnen", sagt Moritz Sachs, der seit dem Start der Serie 1985 den Klaus Beimer spielt. Vor gut einem Jahr hatte die Fernsehprogrammkonferenz der ARD sich mehrheitlich gegen eine Verlängerung des Produktionsvertrags entschieden. "Das war schon sehr emotional für mich. Da fällt ja nicht nur mein Arbeitsplatz weg. Viele der Kollegen sind meine Freunde. Wegen der "Lindenstraße" bin ich als junger Mann nicht aus Köln weggezogen."

Twitter / Lindenstrasse | Im kommenden Jahr dürfen sich "Lindenstraße"-Fans noch auf drei Monate ihrer Serie freuen. Danach ist aber endgültig Schluss

Wenn die Dreharbeiten zu Ende sind, will Sachs zunächst sein geplantes Buch über sein Leben in der "Lindenstraße" zu Ende schreiben. "Und dann mal sehen." Es sei noch nichts spruchreif. In der Vergangenheit hat er neben der Schauspielerei auch im Bereich Regieassistenz und Produktionsleitung gearbeitet. "Durch die neue Situation ergeben sich auch Chancen, die man ansonsten nicht hätte." Viel Ausräumen müsse er am letzten Arbeitstag nicht, sagt der 41-Jährige: Die wenigen persönlichen Gegenstände, die er in seiner Garderobe habe, passten in eine Tasche.

Die Nachricht vom Ende der Serie sei ein Schock für ihn gewesen, sagt Erkan Gündüz. "Ich habe den Murat gerne gespielt." Immer wieder hat die Serie die Integration von Ausländern thematisiert. Murat stand dabei in einem besonderen Spannungsfeld: Auf der einen Seite der bodenständige, gut integrierte Türke mit modernen Ansichten – auf der anderen Seite seine zum Islam konvertierte Ehefrau Lisa, die traditionelle muslimische Werte hochhält. Auch persönlich werde ihm etwas fehlen: "Die "Lindenstraße" ist wirklich meine zweite Familie", sagt Gündüz, der sich künftig mehr auf den Bereich Kameraregie konzentrieren will.

"Ich fand es immer toll, dass die Lisa ganz anders ist als ich", sagt Sontje Peplow über ihre Figur "Lisa", die oft durch ihr intrigantes, fieses Verhalten für Spannung sorgte. Bis heute Kultstatus hat die Szene, in der Lisa als junges Mädchen den Priester Matthias Steinbrück mit einer Bratpfanne erschlug. Abgesehen von solchen Extremen habe die "Lindenstraße" aber hauptsächlich Geschichten aus dem Alltag erzählt, meint Peplow – "und das wird dem Fernsehen fehlen". Wie es für sie persönlich ohne die "Lindenstraße" sein wird, könne sie sich nicht vorstellen: "Ich kenne ja gar kein Leben ohne sie", sagt die 38-Jährige, die wie Sachs seit ihrer Kindheit dabei ist.

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"Lindenstraße" griff immer wieder gesellschaftliche Themen auf

Mit dem ersten Schwulenkuss im deutschen Fernsehen sorgte die Serie 1990 für einen echten Skandal. Aber auch ansonsten griff sie unterschiedlichste gesellschaftliche Themen auf, sei es den Umgang mit Krankheit oder Behinderung, Scheidungen, Mobbing, Extremismus oder Flüchtlinge. "Die "Lindenstraße" hat Politik anfassbar gemacht", meint Gunnar Solka (Lotti). Dank der Serie hätten aktuelle Diskussionen auch Menschen erreicht, die sich keine politischen Talkshows anschauten.

Für Moritz Sachs ist das Aus zum jetzigen Zeitpunkt deshalb besonders bitter: "Gerade jetzt gibt es so viele Themen, die die Serie weiterhin auf bissige Weise umsetzen könnte – zum Beispiel Rechtspopulismus oder Klimaschutz."

Nach Ansicht von Marie-Luise Marjan (Helga Beimer) wird vielen langjährigen Zuschauern künftig ein Stück Struktur im Leben fehlen. "Für die Fans ist das furchtbar. Die sagen zu mir: Was soll ich denn jetzt sonntagabends ohne Sie machen?" Es sei für eine Serie einzigartig, über so lange Zeit ein Publikum an sich zu binden.

Marjan will demnächst mehr Zeit für Lesungen und ihr soziales Engagement aufwenden. Sie bedaure das Ende der "Lindenstraße", sehe das Ganze aber professionell, sagt die 79-Jährige: "Wenn eine Tür zu geht, öffnet sich eine andere."



#1 Carsten ACAnonym
  • 16.12.2019, 15:10h
  • Ich kann natürlich verstehen, dass es für alle Beteiligten (Darsteller und Crew) besonders schade ist und für diese natürlich auch eine wirtschaftliche Frage ist.

    Dennoch muss man gestehen, dass die Serie ihre besten Zeiten längst hinter sich hatte.

    Nach fast 35 Jahren kann eine Serie auch mal zu Ende gehen. Lieber jetzt in Würde enden lassen (wo auch Herr Geißendörfer als Schöpfer der Serie noch Einfluss darauf hat, wie es endet) als wenn es irgendwann komplett abrutscht.

    Die Lindenstraße hat ohne Zweifel Fernsehgeschichte (und manchmal auch Zeitgeschichte) geschrieben. Aber irgendwann ist auch mal gut. Es ist ja nur eine Serie. Noch dazu eine, die ihre beste Zeit hinter sich hat.

    Macht zum Abschluss nochmal ein 90-minütiges Special, wo man (vielleicht mit Kommentaren aktueller und ehemaliger Darsteller) ein paar Highlights zeigt und nochmal die Darsteller der ersten Jahre würdigt. Und vielleicht noch mit einem Blick hinter die Kulissen und Wissenswerten drumherum (z.B. die Zeitungsschlagzeilen damals beim ersten schwulen Kuss). Das wäre ein schöner runder Abschluss. Und dann sollte auch gut sein...
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#2 VorbeibyeAnonym
  • 16.12.2019, 15:53h
  • Über 30 Jahre ging das? Vornetflix Zeitalter. Krass, nicht eine Folge davon gesehen. Ist man nicht perfekt gay wenn es einen nicht juckte?
    Gab viele Fußballspiele in der Zeit.
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#3 Leon 4Anonym
  • 16.12.2019, 16:04h
  • Antwort auf #2 von Vorbeibye
  • So in etwa @ "nicht perfekt gay"!

    Und solltest du bei nem fehlenden gendersternchen nicht direkt zitternd in Fötusstellung auf den Boden klappen oder mf Connors "Vincent" nicht für ein pulitzer preis würdiges Stück Musikgeschichte halten das dir beim anklingeln der ersten Note direkt die Tränen in die Augen und die Milch in sowohl vorhandene und nicht vorhandene Drüsen spritzt biste sowieso mindestens ne hete, wenn womöglich auch ne verklemmte....!

    So will es das Gesetz!
    ;)

    Zum Thema: ja, finally... Jetzt können se meine gez Gebühren für was anderes raushaun das ich dann genauso ignorieren kann!
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#4 FredericAnonym
  • 16.12.2019, 18:36h
  • Ich finde den Tenor der Lindenstraße ziemlich belehrend. Stets wird unterstrichen, wie man sich korrekt verhalten muss. Die Figuren sind alle schlicht und die Handlung generell sehr vorhersehbar. Mag sein, dass sie vor 30 Jahren fortschrittlich war, aber es hat keine Weiterentwicklung stattgefunden. Es ist wirklich nicht schade, dass sie eingestellt wird.
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#5 antosProfil
#6 YannickAnonym
  • 16.12.2019, 20:47h
  • Ich konnte schon damals nie verstehen, was manche Leute daran gut fanden.

    Ich fand das immer schon extrem langweilig und langatmig. Und es sah auch oft von Kulissen und Co billig aus.

    Gut, dass nach über 34 Jahren der Sendeplatz und die Kosten für andere Dinge freigemacht werden.
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#7 NevermindAnonym
  • 16.12.2019, 21:23h
  • Sonntagnachmittags ist schon immer eine kritische Zeit, die für viele schwierig zu überbrücken ist. Wenn dann noch am Sonntagabend eine Institution wegbricht, das ist schon schlimm.

    Immerhin wird Sendezeit frei für sinnvolleres.
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#8 BaerchenProfil
  • 17.12.2019, 02:26hzuhause
  • ...hm...an sich schade...bis 1997 habe ich die Serie verfolgt, später nur sporadisch, trotzdem ein kleiner Schock daß diese Serie nun enden wird...R.I.P. Lindenstraße...
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#9 LotiAnonym
  • 17.12.2019, 07:57h
  • Antwort auf #6 von Yannick
  • Ach du mein Schreck. Glaubst Du allen ernstes, wenn die Lindenstraße, die nur einmal die Woche 30 Minuten Sendezeit in Anspruch genommen hat, wegfällt, würden die anderen grottenschlechten Vorabendsoaps irgendwie besser daherkommen? Oder es würde dadurch etwas geändert werden? Ich gestehe, ein großer Lindenstraßenfan zu sein. Dabei bin ich ein Quereinsteiger und habe nicht von Anfang an geschaut. Erst als die vermaledeite Else Kling den Löffel abgab, bin ich eingestiegen. Über Geschmack dieser Serie kann und läßt sich streiten. Ich glaube sogar, das ist auch so gewollt von der Regie. Und ja, ich fand den Abgang von Dr.Dressler zwar zu oberflächlich produziert, doch das wesentliche an seinen Freitod wurde sehr zutreffend beschrieben. Denn wie Ihr sicher wisst, kann nicht jeder todkranke Mensch so einfach in Deutschland über seinen Tod frei entscheiden. Der Krebs ist ein Arschloch. Besser hätte es Dr. Dressler nicht herausschreien können. Mich traf es mitten ins Herz. Denn auch ich werde mich von nichts und niemanden vorschreiben lassen, wie ich mein Leben beende, wenn es nicht mehr anders geht. Schon deshalb, Hut ab vor dieser Produktion um den Tod von Dr.Dressler. So und nun darfst Du und andere hier weiter auf diese wie ich finde, schöne und auch aufklärerische Serie herumhacken, bis nichts mehr übrig ist. Man sieht übrigen auch schon wie die Lindenstraße zu bröckeln anfängt. Da wird frech von der ARD erst wieder ab Anfang Januar weiter ausgestrahlt.
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#10 KomminpoAnonym
  • 17.12.2019, 09:02h
  • Soweit ich weiß wollen sie die Serie mit einem cliffhanger enden lassen.. also wenn die das wirklich machen ist das natürlich irgendwo auch ein kleiner arschtritt...

    Diese Serie sollte doch wirklich einen würdigen Abschluss kriegen..
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