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Leseprobe

Erstbesteigung

Durch einen schweren Schneesturm wird die winterliche Bergtour für Jason und Nico zu einem gefährlichen Abenteuer – und auch zu einem ziemlich geilen... Eine exklusive Leseprobe aus der erotischen Erzählung "Seilschaft" von Jo Perridge und Cliff Morten.


Als Schutz vor nächtlicher Kälte ist Körperwärme hilfreich, doch am nächsten Morgen herrscht betretenes Schweigen… (Bild: Pride Studios)

Über den Bergen hing undurchdringlicher Nebel, massiv wie Beton.

Die Schneeflocken buhlten um ihre Aufmerksamkeit. Sanft tänzelnd zuerst, hübsch anzusehen, Dekoration für eine Weihnachtskarte. Dieser Reiz verlor sich nach einer Minute, als ihnen der Schnee hart um die Ohren wirbelte. Nico verfluchte sich selbst, weil er das Auftürmen der Wolken nicht früh genug beachtet hatte. Jason stand hinter ihm, der Blick verborgen durch die gefärbten Brillengläser, aber Nico konnte sich die verengten Augen vorstellen, den Ausdruck einer Katze, die plötzlich in einen Eimer Eiswasser getaucht wird.

Zumindest der Wind war nicht heftiger geworden. Sicher, es blies eine kalte Brise, genug, um sie daran zu erinnern, dass auch diese mächtige Naturgewalt sie nicht vergessen hatte. Vorerst blieb es aber bei dieser Warnung. Noch schnitt der Wind nicht durch ihre Kleider, aber wahrscheinlich würde er das bald versuchen.

"Wir müssen campen, bis das vorbei ist", rief Nico. Sofort spürte er die Besorgnis, die dieses kleine Statement hervorrief.

Er seufzte und schaute umher über die winzige Fläche, die er überblicken konnte. Der Nebel verhüllte alles, was mehr als fünf Meter entfernt war, und schob sich geradezu bösartig immer wieder zwischen ihn und sein anvisiertes Ziel.

"Du willst mich verarschen, stimmt's?" Das leise Heulen des Windes untermalte den ängstlichen und aufgewühlten Klang in Jasons Stimme "Du willst, dass wir hier oben bleiben?"

"Hier sind überall Gletscherspalten", antwortete Nico in der Hoffnung, seine Stimme könnte ein bisschen mehr Gelassenheit vortäuschen, als er wirklich fühlte. "Ich will vermeiden, in diesem Nebel herumzukriechen. Abgesehen davon: Es ist spät."

Nico testete die Schneeverwehungen mit der Sonde. An einer Stelle ließ sie sich etwa einen Meter tief gegen Widerstand durch den Schnee drücken und glitt dann ganz leicht weiter hinein. Wenn er viel Glück hatte … Nico montierte die Schaufel. Sie hatten Glück: Wie er vermutet hatte, wich der Fels an dieser Stelle ein wenig zurück. Es war keine große Höhle, sondern nur eine kleine Ausbuchtung, aber es ersparte ihm weiteres Graben. Er musste nur noch den Schnee im Eingangstunnel festklopfen und ihre Unterkunft war fertig.

Nico kroch rückwärts aus dem Tunnel und drehte sich um. Die verschwommene Frosty-der-Schneemann-Erscheinung dort musste Jason sein.

"Kommst du?", rief er. Jason zauderte kurz; er zweifelte an der Statik der Schneehöhle, aber die schien ganz zufrieden mit der Architektur und blieb, wie Nico sie geschaffen hatte. Schließlich bewegte Jason sich vorwärts und krabbelte in die kleine Höhle.

Der Wind heulte halbherzig im Hintergrund. Jason gähnte ausgiebig, wie eine große Katze nach einer guten Gazellenmahlzeit, dann kroch er noch tiefer in die Schneehöhle. Nico öffnete den Reißverschluss seiner Jacke. Jason starrte ihn mit aufgerissenen Augen an.

"Nico, was zum Teufel tust du?" Nico fuhr fort, unbeeindruckt. "Dir ist kalt."

"Ich bin auf einem beschissenen Berg! Das bringt das Territorium so mit sich!", schnauzte Jason. "Pass auf, das ist hier nicht der Platz für einen Striptease, okay?"

Eine Hand legte sich auf Nicos Hand und stoppte ihre Bewegung. Grüne Augen blitzten ihn gefährlich an und forderten Streit heraus.

"Jason, dir ist kalt, mir nicht. Lass mich dir einfach nur helfen, okay? Ich bin besser an das hier gewöhnt als du, das weißt du …" Es war die Art von Stimme, mit der Eltern ihre Kinder ermahnen. Doch dieser Ton funktionierte nicht bei Jason. Bei Kindern meistens auch nicht, wenn er es recht bedachte.

"Du kriegst Frostbeulen", beharrte Jason.

"Krieg' ich nicht." Nico befreite sich von Jasons Hand und zog die Jacke aus. "Schau, mir geht's gut. Aber wenn du dir hier den Arsch abfrierst, müsste ich mir die Schuld daran geben. Bitte, Jason. Tu's einfach. Für mich."

Er lächelte ihn freundlich an. Jason musterte ihn zweifelnd, aber sein Zittern erreichte ein deutlich sichtbares Stadium. Nico gab ihm die Jacke. "Hier. Nimm sie."

Jason starrte ihn weiter an, als ob er ein bösartiges Komplott vermutete. Nico kam sich vor wie in einem James-Bond-Film, obwohl James Bond sicher eine schicke Berghütte gefunden hätte, mit Champagnervorräten im Gletscher, eisgekühlt.

Endlich, widerwillig, nahm Jason die Jacke. Nico lächelte erleichtert und kramte eine zweite Hose aus seinem Rucksack, reichte sie ihm hinüber.

"Ich nehm nicht all deine Kleider, Nic!", protestierte Jason beleidigt. Nico seufzte und zwang sie ihm auf, auch wenn Jason leise grummelte. Nico atmete erleichtert aus. Offenbar begriff Jason, dass er ein leichteres Leben haben würde, wenn er einfach akzeptierte, was Nico vorschlug. Während sie sich stritten, hatte sowieso niemand die verdammten Klamotten an, und damit war keinem geholfen. Nico hätte ihm den Kopf getätschelt, wenn die Chance bestanden hätte, die Hand danach noch gebrauchen zu können.

Jason war ein stolzer Mann, erst recht, wenn er Angst hatte.

Nico breitete sich auf seinem Rucksack aus und versuchte den Frost zu vergessen. Es war eben so. Er würde eher selbst erfrieren als zulassen, dass sein Partner fror.

Doch nach einer Weile erkannte Jason, dass die Nacht eine grausame Folter für Nico werden würde, wenn es so weiterging. Nico, der in ein ungemütliches Dösen gefallen war, sprang fast aus seinem Schlafsack, als Jason ihn im Nacken berührte. Im Licht der Taschenlampe sahen ihn besorgte grüne Augen an.

"Nico, du frierst."

Und ja, das war vermutlich eine gute Interpretation. Nico war nicht überzeugt, dass seine Füße noch da waren, aber sehr sicher, dass er sie nicht fühlen wollte, wenn sie erst einmal wieder warm wurden. Jason drückte sich an ihn, aber die Körperwärme, so vital, drang nicht durch.

Nico biss sich auf die Lippen und grübelte. Nein, er konnte nicht. Es wäre … okay, es wäre richtig, aber der Himmel weiß, wie Jason auf den Vorschlag reagieren würde. Zwei Körper. Ein Schlafsack. Nackte Haut.

Er wäre entsetzt. Nico konnte es schon vor sich sehen. Gut, Jason kam klar mit dem Rückenklopfen, den gelegentlichen Umarmungen, den Rugby-Knuffen. Er würde wohl auch ein gemeinsames Bett verkraften, wenn auch mit dem üblichen Knurren. Aber …

Jason kramte in seinem Schlafsack. "Hier, nimm deine Kleider zurück. Du brauchst sie."

Nico seufzte: "Und du auch. Hör zu, einer von uns wird frieren, Jason. Es sei denn…"

Jason sah auf, Überraschung im Gesicht. Offensichtlich hatte er nicht erwartet, dass eine Alternative existierte, dachte Nico amüsiert. Ah, wusste er nicht, dass ein Action-Held immer eine Idee im Hinterkopf hat …? Allerdings, er hatte nicht mit diesem Ausmaß an Hoffnung in Jasons Gesicht gerechnet. Die Aussicht, einige von den Kleidern wieder abzugeben, war allem Anschein nach nicht sehr verlockend für Jason gewesen, was nahe legte, dass auch ihm ziemlich kalt war.

Na dann…

Nico hüstelte unnatürlich, er nutzte jeden Vorwand, um hinauszuzögern, was er zu sagen hatte. Ihm war bewusst, dass Jason zu ihm aufsah, vertrauensvoll, wartend. Na schön. Wie schlimm konnte es werden? Er wusste verdammt gut, dass dies das bestmögliche Vorgehen war. Okay, Jason könnte es erstaunlich finden.

"Wir müssen uns einen Schlafsack teilen", erklärte er vorsichtig. Jason glotzte ihn an. Nach einigen Momenten ohne jede Reaktion musste Nico sich fragen, ob der Mann überhaupt etwas gehört hatte.

"Zusammen", fügte er hinzu, nur für den Fall, dass er sich nicht klar ausgedrückt hatte.

Jason nickte langsam, mit bekümmertem Blick. Nico wusste nicht, ob Jasons Knochen so schmerzten wie seine, aber diese Knochen entwickelten eine große Überredungskunst. Für etwas Wärme hätte Nico mit einem Polarbär geknuddelt.

"Außerdem …", sagte er langsam. Jason kniff die Augen zusammen, als das "außerdem" in der Konversation auftauchte. Nico legte mehr Nachdruck in seine Worte. "Es ist das Beste, wenn wir möglichst viel nackte Haut aneinander bringen. Um die Körperwärme zu nutzen. Und wir bedecken uns mit dem ganzen restlichen Zeug. Unsere Kleidung ist eh zu nass, um uns noch zu wärmen."

Er wartete auf eine Reaktion. Dumpfes Schweigen begegnete ihm. Auf Jasons Gesicht lag ein Ausdruck intensivster Konzentration, als hätte Nico ihm soeben eine komplexe Rechenaufgabe gestellt. Zuletzt beugte Jason sich ein wenig vor.

"Du sagst also", sein Ton war voller Missbilligung, "dass uns tatsächlich wärmer wäre ohne irgendwelche Klamotten?"

"In einem Schlafsack, unter zusätzlichen Decken", beteuerte Nico hastig. "Ja." Unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten war er sich nicht ganz sicher, aber er verließ sich auf ein untrügliches Gefühl, das ihn drängte, die klammen Sachen loszuwerden und stattdessen mit Jason in einen noch relativ trockenen Schlafsack zu schlüpfen.

Immer noch Unglauben in Jasons Gesicht. Grüne Augen forschten in seinen, fast wie um die Kringel eines Lachfältchens zu finden, den Beweis für einen Scherz.

Nico begegnete seinem Blick verlegen. Jason kicherte trocken vor sich hin.

"Oh, was für ein perfektes Ende eines perfekten Tages", murmelte er wie zu sich selbst. "Na, ich schätze, du wolltest, dass wir uns näher kommen. Obwohl das ein bisschen zu nahe ist, für meinen Geschmack."

"Du willst nicht?"

"Das hab ich nicht gesagt." Jason schniefte und rollte sich ein Stück zur Seite. Das leise Surren eines Reißverschlusses drang an Nicos Ohr. Jason sah ihn wieder an: "Na, was ist? Kommst du jetzt oder nicht?" Großer Gott, er war wirklich ein wenig belustigt. Nico seufzte einmal mehr vor Erleichterung. Seine Knochen schmerzten, als er sich bewegte.

Es gab ein höllisches Gefummel, Knöpfen, Zippen, Herauswurschteln aus feuchten Unterhemden. Nico war sicher, Jason fröstelte es im übertragenen wie auch im physischen Sinn bei der ersten Berührung mit seinem Körper, aber die Außentemperatur brachte ihn dazu, es auszuhalten. Beide krochen in Nicos Schlafsack, weil der ein bisschen größer war als Jasons. Allerdings, mit Jason an sich gepresst, Stirn an seiner Schulter, Arm um ihn geschlungen, wusste Nico nicht, wie er seinen Körper zum Schlafen bringen sollte.


"Seilschaft" ist im Dezember als 16. Band der "Gay Hardcore"-Reihe von Bruno Books erschienen

Verdammter Scheiß. Er hätte gern die Position geändert, wenn es dann für Jason nicht so offenkundig geworden wäre, dass bestimmte Körperfunktionen in Gang gesetzt worden waren. Er konnte die Wärme von Jasons Körper spüren, dessen Beine waren um seine gewickelt. Jasons Atem blies weich und sanft in sein Ohr, und sein leises, schläfriges Grunzen ließ Nico erschauern.

Nico schloss die Augen und versuchte an alles andere zu denken als an das, was sein Körper jetzt verlangte. Verdammt sei dieser ganze Mist, verdammt noch mal. Hatte er denn überhaupt keinen Sinn für Timing? Nico seufzte und rutschte leicht hin und her, stoppte aber sofort, als er merkte, dass er über Jasons Glied rieb. Der Schlafsack ließ wenig Spielraum, und Jason drehte sich automatisch mit, wann immer er sich bewegte, und verhinderte damit unbewusst, dass seine menschliche Wärmflasche sich ihm entwand.

"Nic!" Jasons Mund war so nah an seinem Ohr, dass er nur zu murmeln brauchte. Gott, er atmete die Worte geradezu in sein Ohr! Nico unterdrückte die Erregung. Er widerstand. Lassen wir mal ein bisschen Würde walten hier. Obwohl erst die trockene Kehle enträuspert werden musste, bevor er sprechen konnte.

"Ja?", flüsterte er zurück.

Amüsiertes Kichern. "Du schläfst nicht."

"Du auch nicht!", schoss Nico zurück. "Ist dir immer noch kalt?"

Jason krabbelte näher zu Nico, sein Arm schloss sich fester um dessen Brust. Klopfte sein eigenes Herz so verrückt, oder war es Jasons? Noch ein schläfriges Gähnen von Jason, kleines Kätzchen voller Milch. Kratziger Bart, sanftes Rubbeln an Nicos Haut.

"Nah, Kamerad. Mir geht's gut. Fühl mich nur so'n bisschen, als wär'n wir lebend begraben, irgendwie." Noch ein vergnügtes Lachen. Nico musste zugeben, mit den verbleibenden Kleidern und Jasons Schlafsack über ihnen blieb wenig Raum für nützliche Dinge wie Luft.

Jason kuschelte sich an ihn. Wusste dieser Kerl, wie sich das auf Nicos Verfassung auswirkte? Wenn ja, war er einer der miesesten Bastarde überhaupt.

"Bist du okay? Du bebst." Jason drückte sich noch härter an ihn. Nico überkam ein warmes Rauschen, und er wusste verdammt gut, das hatte nichts mit der Körpertemperatur zu tun.

"Danke, alles klar. Ehrlich." Nico legte seinen Arm auf Jasons und versuchte entspannt zu klingen. Jason hob ein wenig den Kopf.

"Du lügst mich an, was?", sagte er langsam. "Ich kann fühlen, wie du bebst."

Nico unterdrückte das Beben mit schierer Willenskraft, er zwang es nieder. Er konnte ahnen, wie Jasons Augen zu Schlitzen schrumpften bei dem Versuch herauszufinden, was hier los war. Plötzlich, und mit einem elenden innerlichen Zusammenzucken, fühlte er Jasons Hand auf Erkundungstour an sich herunterkriechen. Seine eigene Hand schloss sich hart und dramatisch um Jasons Handgelenk. Eine Spur zu dramatisch. Ein kleines Zischen des Schmerzes hinter ihm zeigte an, dass er Jason etwas zu fest gepackt hatte. Nico ließ sofort los.

Eine Minute später, und Jasons Hand glitt tiefer. Nico konnte sich kein Herz fassen, ihn zu stoppen, seines klopfte so hart, dass es ihm fast die Rippen brach. Jasons Handfläche strich sanft über sensible Stellen.

Nico wartete betäubt auf die Explosion hinter sich. Auf Jasons sofortiges Strampeln aus dem Schlafsack, wahrscheinlich mit sämtlichen Flüchen, die er kannte, in schwerem Yorkshire-Akzent. Aber die Explosion kam nicht.

Jasons Hand kurvte zart und fast entschuldigend um Nicos harte, quälende Erektion, als ob er befürchtete, dass Nico vor Schmerz japsen würde bei dem Kontakt. Nico widerstand dem Drang, seine Hüften zu bewegen, obwohl er das Stöhnen nicht verhindern konnte, als Jason ihn zärtlich streichelte. Und guter Gott, war das…?

Es war. Der Himmel weiß, wie und warum, aber das war definitiv Jasons harter Schwanz, an seine Arschbacken gedrückt. Nico kreiste ein wenig mit den Hüften und wurde von einem Stöhnen belohnt. Nico grinste in der Dunkelheit. Er gab keinen Kommentar ab. Er wagte es nicht. Jason schien glücklich auch ohne Worte, und Nico hatte nicht vor, infrage zu stellen, was sein bester Kamerad anscheinend attraktiv fand.

Jasons Hand strich etwas rauer über seinem Schwanz, fordernder. Nicos Stöhnen klang kehliger, er konnte nicht mehr anders, als in Jasons Hand zu stoßen. Er fühlte das Kratzen von Jasons Bart an der zarten Haut seines Nackens, als er ihn sanft küsste. Seine Hand hielt immer noch einen gleichmäßigen, stetigen Rhythmus bei, als agiere sie unabhängig. Nico fühlte die Frustration, ein Gefangener in seinem eigenen Schlafsack zu sein.

Infos zum Buch

Jo Perridge & Cliff Morten: Seilschaft. Gay Hardcore 16. 160 Seiten. Bruno Books / Salzgeber Buchverlage. Berlin 2019. Taschenbuch: 12,99 € (ISBN 978-3-95985-391-0). E-Book: 7,99 €