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Sambia
Nach Einsatz für LGBTI-Rechte: USA rufen Botschafter zurück
Der US-Diplomat Daniel Foote hatte die Verurteilung von zwei schwulen Männern in Sambia zu 15 Jahren Haft scharf kritisiert – nun muss er seinen Posten in dem südafrikanischen Land räumen.

Daniel Foote (li.) bei seiner Vereidigung im Dezember 2017. Nur zwei Jahre später wurde er nach Washington zurückgezogen (Bild: U.S. State Department)
- 26. Dezember 2019, 10:57h 3 Min.
Wegen seines Einsatzes für LGBTI-Rechte muss der US-Botschafter in Sambia, Daniel Foote, seinen Posten räumen. Wie amerikanische Medien in dieser Woche berichteten, wurde der Diplomat nach einem öffentlichen Streit mit Sambias Präsident Edgar Lungu nach Washington zurückgezogen. Ein Nachfolger wurde bislang nicht benannt.
Foote hatte ein Urteil gegen zwei schwule Männer scharf kritisiert (queer.de berichtete). Ein Berufungsgericht in Sambia hatte sie Ende November in zweiter Instanz zu 15 Jahren Haft verurteilt. Die beiden waren angeklagt worden, weil sie 2017 in einem Hotel einvernehmlichen Sex gehabt haben sollen. Sie wurden vergangenes Jahr wegen "unnatürlichem Sex" verurteilt, nachdem sie mit Analtests gefoltert worden waren (queer.de berichtete). Die einvernehmliche Beziehung von zwei Männern tue niemandem weh tun, kritisierte Foote den Richterspruch, "währenddessen können Regierungsbeamte Millionen von Dollar an öffentlichen Mittel stehlen, ohne angeklagt zu werden".
Präsident Lungu: "Wir sagen 'Nein' zu Homosexualität"
Sambias Regierung wies die Kritik des Diplomaten empört zurück. Außenminister Joseph Malanji erklärte, man habe eine Protestnote nach Washington geschickt. Präsident Edgar Lungu forderte im Sender "Sky News" seinen amerikanischen Amtskollegen Donald Trump zum Eingreifen auf, sonst würden die US-sambischen Beziehungen leiden. Lungu fuhr fort, dass er seine Meinung zur Verfolgung Homosexueller auf Druck aus dem Westen nicht ändern werde: "Wir sagen 'Nein' zu Homosexualität. Wenn wir das erlauben, wären wir nicht mehr zivilisiert." Ferner verglich der Präsident Homosexuelle mit Tieren: "Selbst Tiere tun so etwas nicht, warum sollten wir also dazu gezwungen werden?" Foote wurde schließlich von Lungu zur "Persona non grata" erklärt.
Ein Sprecher des US-Außenministeriums erklärte, Washington sei "bestürzt" über die Eskalation. Daniel Foote sei als Botschafter "nicht mehr haltbar". Eine Quelle in der US-Botschaft in der Hauptstadt Lusaka, die keine offiziellen Erklärungen abgeben darf, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, die US-Regierung habe sich entschieden, den Diplomaten zurückzurufen, weil es für ihn schwierig sei, weiterhin in Sambia zu arbeiten.
"Da Lungu sagt, dass er nicht mit Foote arbeiten will, hat es keinen Sinn, dass er dort bleibt. Vergessen Sie auch nicht, dass es Sicherheitsprobleme gibt, also will Washington seinen Mann zurück", so die unbenannte Quelle. "Die USA können kein Gehalt an jemanden zahlen, der nicht arbeiten kann, weil die Gastgeber ihn nicht wollen", meinte eine zweite Quelle in der US-Botschaft. Foote selbst zeigte sich zuletzt in einem am 2. Dezember auf der Botschafts-Homepage veröffentlichten Statement "schockiert über das Gift und den Hass, den eine kleine Minderheit von Sambiern gegen mich und mein Land richtete, größtenteils im Namen der 'christlichen' Werte".
"Trotz dieser Aktion bleiben die Vereinigten Staaten unserer Partnerschaft mit dem sambischen Volk verpflichtet", erklärte der Sprecher des US-Außenministeriums. "Wir streben ein offenes Verhältnis gegenseitigen Respekts an, entsprechend der großzügigen Hilfe der Vereinigten Staaten für das sambische Volk." Jedes Jahr erhält Sambia hunderte Millionen Dollar an finanzieller Unterstützung von den USA.
Homophobie in Sambia weit verbreitet
Das 16 Millionen Einwohner zählende Sambia ist erst seit dem Jahr 1964 unabhängig. Das Gesetz, das Homosexualität unter Strafe stellt, geht noch auf die Zeit der britischen Kolonialzeit zurück. Inzwischen gilt Sambia als eines der Länder mit der höchsten HIV-Infektionsrate der Welt – und Aids-Aktivisten verweisen darauf, dass Präventionsarbeit unter anderem wegen der Homosexuellen-Verfolgung kaum möglich ist.
Homophobie ist weit verbreitet und wird auch von religiösen Anführern gefördert: So forderten vor einigen Jahren sowohl die katholische Kirche als auch evangelische Kirchen, dass das Homo-Verbot beibehalten werden sollte, selbst wenn es dadurch weniger Entwicklungshilfe gebe (queer.de berichtete). (cw)














