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Sambia

Nach Einsatz für LGBTI-Rechte: USA rufen Botschafter zurück

Der US-Diplomat Daniel Foote hatte die Verurteilung von zwei schwulen Männern in Sambia zu 15 Jahren Haft scharf kritisiert – nun muss er seinen Posten in dem südafrikanischen Land räumen.


Daniel Foote (li.) bei seiner Vereidigung im Dezember 2017. Nur zwei Jahre später wurde er nach Washington zurückgezogen (Bild: U.S. State Department)

Wegen seines Einsatzes für LGBTI-Rechte muss der US-Botschafter in Sambia, Daniel Foote, seinen Posten räumen. Wie amerikanische Medien in dieser Woche berichteten, wurde der Diplomat nach einem öffentlichen Streit mit Sambias Präsident Edgar Lungu nach Washington zurückgezogen. Ein Nachfolger wurde bislang nicht benannt.

Foote hatte ein Urteil gegen zwei schwule Männer scharf kritisiert (queer.de berichtete). Ein Berufungsgericht in Sambia hatte sie Ende November in zweiter Instanz zu 15 Jahren Haft verurteilt. Die beiden waren angeklagt worden, weil sie 2017 in einem Hotel einvernehmlichen Sex gehabt haben sollen. Sie wurden vergangenes Jahr wegen "unnatürlichem Sex" verurteilt, nachdem sie mit Analtests gefoltert worden waren (queer.de berichtete). Die einvernehmliche Beziehung von zwei Männern tue niemandem weh tun, kritisierte Foote den Richterspruch, "währenddessen können Regierungsbeamte Millionen von Dollar an öffentlichen Mittel stehlen, ohne angeklagt zu werden".

Präsident Lungu: "Wir sagen 'Nein' zu Homosexualität"

Sambias Regierung wies die Kritik des Diplomaten empört zurück. Außenminister Joseph Malanji erklärte, man habe eine Protestnote nach Washington geschickt. Präsident Edgar Lungu forderte im Sender "Sky News" seinen amerikanischen Amtskollegen Donald Trump zum Eingreifen auf, sonst würden die US-sambischen Beziehungen leiden. Lungu fuhr fort, dass er seine Meinung zur Verfolgung Homosexueller auf Druck aus dem Westen nicht ändern werde: "Wir sagen 'Nein' zu Homosexualität. Wenn wir das erlauben, wären wir nicht mehr zivilisiert." Ferner verglich der Präsident Homosexuelle mit Tieren: "Selbst Tiere tun so etwas nicht, warum sollten wir also dazu gezwungen werden?" Foote wurde schließlich von Lungu zur "Persona non grata" erklärt.

Ein Sprecher des US-Außenministeriums erklärte, Washington sei "bestürzt" über die Eskalation. Daniel Foote sei als Botschafter "nicht mehr haltbar". Eine Quelle in der US-Botschaft in der Hauptstadt Lusaka, die keine offiziellen Erklärungen abgeben darf, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, die US-Regierung habe sich entschieden, den Diplomaten zurückzurufen, weil es für ihn schwierig sei, weiterhin in Sambia zu arbeiten.

"Da Lungu sagt, dass er nicht mit Foote arbeiten will, hat es keinen Sinn, dass er dort bleibt. Vergessen Sie auch nicht, dass es Sicherheitsprobleme gibt, also will Washington seinen Mann zurück", so die unbenannte Quelle. "Die USA können kein Gehalt an jemanden zahlen, der nicht arbeiten kann, weil die Gastgeber ihn nicht wollen", meinte eine zweite Quelle in der US-Botschaft. Foote selbst zeigte sich zuletzt in einem am 2. Dezember auf der Botschafts-Homepage veröffentlichten Statement "schockiert über das Gift und den Hass, den eine kleine Minderheit von Sambiern gegen mich und mein Land richtete, größtenteils im Namen der 'christlichen' Werte".

"Trotz dieser Aktion bleiben die Vereinigten Staaten unserer Partnerschaft mit dem sambischen Volk verpflichtet", erklärte der Sprecher des US-Außenministeriums. "Wir streben ein offenes Verhältnis gegenseitigen Respekts an, entsprechend der großzügigen Hilfe der Vereinigten Staaten für das sambische Volk." Jedes Jahr erhält Sambia hunderte Millionen Dollar an finanzieller Unterstützung von den USA.

Homophobie in Sambia weit verbreitet

Das 16 Millionen Einwohner zählende Sambia ist erst seit dem Jahr 1964 unabhängig. Das Gesetz, das Homosexualität unter Strafe stellt, geht noch auf die Zeit der britischen Kolonialzeit zurück. Inzwischen gilt Sambia als eines der Länder mit der höchsten HIV-Infektionsrate der Welt – und Aids-Aktivisten verweisen darauf, dass Präventionsarbeit unter anderem wegen der Homosexuellen-Verfolgung kaum möglich ist.

Homophobie ist weit verbreitet und wird auch von religiösen Anführern gefördert: So forderten vor einigen Jahren sowohl die katholische Kirche als auch evangelische Kirchen, dass das Homo-Verbot beibehalten werden sollte, selbst wenn es dadurch weniger Entwicklungshilfe gebe (queer.de berichtete). (cw)



#1 stephan
  • 26.12.2019, 12:24h
  • Wie peinlich für die USA, wenn man einen Diplomaten zurückzieht, der einfach nur die Wahrheit über ein fürchterliches Land mit einem widerlichen Präsidenten gesagt hat! Aber mit einem Präsidenten wie Trump ist den USA wohl gar nichts mehr peinlich, nicht einmal mehr, dass man Verbrechen nicht mehr Verbrechen nennen darf! Alle zivilisierten Länder sollten reagieren wie es der Botschaft getan hat, man sieht so klarer den Abschaum, der nichts von den Menschenrechten hält!
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#2 FliegenAnonym
#3 ExaktAnonym
  • 26.12.2019, 13:03h
  • Antwort auf #2 von Fliegen
  • Nach der Amtsübernahme von Onkel Donald sind die USA sowohl für Privat- als auch für Geschäftsreisen für mich solange gestorben, bis ein anderer ( aber nicht Pence ) Präsident wird.
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#4 PeerAnonym
  • 26.12.2019, 13:22h
  • Die Trump-Administration bestraft sogar Menschen, die sich in anderen Staaten für Grundrechte einsetzen...
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#5 Ralph
  • 26.12.2019, 15:00h
  • Hat man da nicht jüngst aus der US-Regierung die Behauptung gehört, man wolle sich weltweit für die Menschenrechte von Schwulen und Lesben einsetzen? Nimmt ein Diplomat seine eigene Regierung ernst, wird er gedeckelt. Wenn einer geschasst werden muss, dann ist das der Quotenschwule Grenell, der sich in völlig inakzeptabler Weise in die inneren Angelegenheoten Deutschlands einmischt, wie das noch kein US-Botschafter vor ihm getan hat.
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#6 TomDarkProfil
  • 26.12.2019, 15:24hHamburg
  • ""Wir streben ein offenes Verhältnis gegenseitigen Respekts an, entsprechend der großzügigen Hilfe der Vereinigten Staaten für das sambische Volk.""

    Pruust..! =D
    Selten so viele Fehler in einem Satz gelesen!

    Es wäre "offen" und "respektvoll", wenn die Kritik von dem Botschafter toleriert worden wäre!

    Und die "Entwicklungshilfe" landet eh nicht beim Volk, sondern in den Taschen der korrupten Politiker und Manager.
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#7 TuckDavisProfil
  • 26.12.2019, 16:46hBad Kreuznach
  • Versteht das nicht als Unterstützung der Trump Regierung sondern eher als nüchterne Klarstellung:

    Wenn ein Diplomat zur Persona Non Grata erklärt wird, dann muss er sehr zügig ausreisen, da seine Akkreditierung damit ausläuft und er/sie nur ein diplomatisches Visum hat - kein privates.

    Das hat nichts mit Abberufung zu tun sondern eher mit Ausweisung.
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#8 daVinci6667
  • 26.12.2019, 17:48h
  • Antwort auf #7 von TuckDavis
  • Schon, doch die USA könnten auch mächtig Druck aufbauen und drohen die gesamte Entwicklungshilfe einzustellen.

    Wenn ja wenn das Trumpeltier nicht unbedingt seine religiösen Wähler an sich binden müsste.

    Ein Dem-Präsident Buttigieg würde dies womöglich tun, Sanders allenfalls auch bei den andern eher nicht.
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#9 Religioten-WatchAnonym
  • 26.12.2019, 18:59h
  • Bei aller Abscheu, die ich Trump und seinen Leuten gegenüber empfinde:, aber in diesem Fall liegt die Schuld bei den Christen, wie der Artikel am Ende deutlich sagt: "So forderten vor einigen Jahren sowohl die katholische Kirche als auch evangelische Kirchen, dass das Homo-Verbot beibehalten werden sollte ..."

    Ein Wort von Bergoglio aus dem Vatikan und die schwulenfeindliche Gewalt hätte einen sehr gewichtigen Unterstützer weniger. Aber genau dieses Wort von Bergoglio bleibt aus. Daher:
    www.kirchenaustritt.de
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#10 NevermindAnonym
  • 26.12.2019, 22:04h
  • Der Fehler des Botschafters war meiner Meinung nach, zwei völlig verschiedene Probleme miteinander zu vermischen. Menschenrechte sind universal und dieses Gerichtsurteil sollte für alle progressiven Regierungen inakzeptabel sein. Aber was hat das damit zu tun, dass"währenddessen können Regierungsbeamte Millionen von Dollar an öffentlichen Mittel stehlen, ohne angeklagt zu werden". Das ist eine Behauptung, die er als Botschafter seines Landes aufstellt und die bewiesen werden muss und Konsequenzen haben muss. Wenn Regierungsbeamte Millionen Dollar stehlen, muss (!) das aufgeklärt werden, und man kann nicht ohne weiteres diese Aussage einfach ignorieren. Und wenn er keine Beweise hat, darf er als Botschafter sowas einfach nicht sagen. Wenn er Beweise hat, müssen Konsequenzen folgen. Und außerdem: wäre das Urteil weniger verwerflich, wenn alle Regierungsbeamten absolut korrekt wären? wieso das also verquicken? Abgesehen davon, wäre Sambia meiner Meinung nach ein schöner Dienstort für Richard Grenell.
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