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Jahresrückblick, Teil 3

In Memoriam 2019

2019 mussten wir uns von vielen lieb gewonnenen Menschen verabschieden. Wir erinnern an die Persönlichkeiten, die einen beträchtlichen Einfluss auf die LGBTI-Community gehabt haben.


Wir erinnern unter anderem an Manfred Bruns, Shelley Morisson und Karl Lagerfeld

Henri Belolo (1936-2019)

Der (heterosexuelle) Musikproduzent Henri Belolo ist Miterfinders der Kultband Village People, die mit Hits wie "In the Navy" und "Macho Man" die schwule Subkultur mitgestalteten. Der Hit "YMCA" wurde zur Hymne der LGBTI-Bewegung.
Nach Fertigstellung dieses Artikels wurde der Tod des schwulen Musical-Komponisten Jerry Herman bekannt, verantwortlich für Welt-Erfolge wie "Ein Käfig voller Narren" und "Hello, Dolly!".

Manfred Bruns (1934-2019)

Der ehemalige Bundesanwalt Manfred Bruns war der wohl einflussreichste deutsche LGBTI-Aktivist der letzten Jahrzehnte. Der Bundesverdienstkreuzträger arbeitete in zahlreichen Veröffentlichungen und Vorträgen sowie als Gutachter und Sachverständiger daran, der deutschen Elite ihre Homophobie auszutreiben und sie davon zu überzeugen, bessere Gesetze zu beschließen. Für den Lesben- und Schwulenverband argumentierte er etwa auch bei Anhörungen des Bundesverfassungsgerichts für die Sache – und konnte Karlsruhe immer wieder davon überzeugen, dass LGBTI-Rechte Menschenrechte sind.

Doris Day (1922-2019)

Die amerikanische Schauspielerin und Sängerin Doris Day wird als "Gay Icon" in die Geschichte eingehen. Diesen Status erhielt sie früh durch ihren Song "Secret Love" aus dem Film "Calamity Jane" (blöder deutscher Titel: "Schwere Colts in zarter Hand"), den im Jahr 1953 vor allem die verfolgten schwulen Männer verstanden – und der in den USA zur Homo-Hymne wurde. Zudem war sie ein enger Freund ihres 1985 verstorbenen schwulen Schauspiel-Kollegen Rock Hudson.

Jay Dymel (1992-2019)

Der bekannte Pornodarsteller Jay Dymel ist im Juni aus nicht bekannt gegebenen Gründen in ein Koma gefallen und gestorben. Er war vor allem als Darsteller für das Edel-Label "Falcon" bekannt.

Lissy Gröner (1954-2019)

Die SPD-Politikerin Lissy Gröner setzte sich in ihren 20 Jahren im Europaparlament unentwegt für LGBTI-Rechte ein. Die Fränkin erlag im September einem Krebsleiden.

Casey Jacks (1989-2019)

US-Pornodarsteller Casey Jacks ist im Frühjahr im Alter von nur 29 Jahren gestorben. Der Darsteller aus beliebten Produktionen wie "Swim Meat" oder "Ass Swap" hat sich nach Angaben seiner Freunde das Leben genommen.

Charlot Jeudy (1984-2019)

Charlot Jeudy war der wohl prominenteste LGBTI-Aktivist im äußerst homophoben Haiti. Trotz Anfeindungen und Todesdrohungen warb er jahrelang in Talkshows oder anderen öffentlichen Foren immer wieder für die Anerkennung von LGBTI-Rechten und Gleichbehandlung von Homo- und Transsexuellen. Die Todesursache ist immer noch nicht bekannt – die Botschaften von Frankreich und den USA beschwerten sich darüber, dass es keine Ermittlungen wegen der Umstände des Todes gegeben habe.
In diesem Jahr wurde zudem der ugandische LGBTI-Aktivist Brian Wasswa brutal ermordet. In St. Petersburg wurde die bisexuelle Aktivistin Jelena Grigorjewa erstochen.

Karl Lagerfeld (1933-2019)

Karl Lagerfeld war eines der prominentesten Gesichter der Modebranche. Wie kaum ein anderer bestimmte er, was wir anziehen – auch wenn er in seiner typisch selbstbewussten Art so manchem vor den Kopf stieß.

Lyra McKee (1990-2019)

Die offen lesbische Journalistin Lyra McKee wurde ein weiteres Opfer des Nordirlands-Konflikts: Die 29-Jährige ist am Rande von Ausschreitungen am Karfreitag von mutmaßlichen Terroristen erschossen worden – offenbar aus Versehen. Sie war die erste Journalistin seit 2001, die im Vereinigten Königreich im Dienst getötet wurde.

Shelley Morrison (1936-2019)

US-Schauspielerin Shelley Morrison spielte in über zwei Dutzend Filmen und mehr als 150 Fernsehserien mit. Die Herzen vieler Zuschauer eroberte sie aber erst spät in ihrer Karriere als cholerische Haushälterin Rosario Inés Consuelo Yolanda in der schwulen Sitcom "Will & Grace".

Silas (1993-2019)

US-Pornodarsteller Silas starb im Sommer offenbar an einer Überdosis Drogen im Alter von 25 Jahren. Er hatte zuvor für mehrere schwulen Pornolabels gedreht.

Wilhelm Wieben (1935-2019)

Von den Siebziger- bis in die Neunzigerjahre hinein war Wilhelm Wieben als "Tagesschau"-Sprecher Dauergast in den meisten deutschen Wohnzimmern. Dass er schwul war, darüber sprach er erst nach dieser Zeit in der Öffentlichkeit – und erzählte, wie ihm die Homophobie jahrzehntelang Angst gemacht habe.

Hans-Jürgen Wolter (1941-2019)

Der schleswig-holsteinische SPD-Politiker und LSVD-Aktivist Hans-Jürgen Wolter war einst ein Opfer des Unrechtsparagrafen 175 gewesen. Unentwegt setzte er sich für soziale Themen und LGBTI-Rechte ein.

Gerd Wolter (1942-2019)

Der ehemalige Münchner Grünen-Stadtrat und Rosa-Liste-Gründer war ein Pionier im Kampf um gleiche Rechte für homosexuelle Menschen. Er setzte Gleichbehandlung auf die Tagesordnung, als die Mainstream-Politik noch nichts davon wissen wollte.

Franco Zeffirelli (1923-2019)

Der schwule Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Franco Zeffirelli wurde Ende der Sechzigerjahre durch die Shakespeare-Verfilmung "Romeo und Julia" weltberühmt. Nach seinem Coming-out hatte er unter queeren Aktivisten für Kopfschütteln gesorgt, weil er LGBTI-Rechte partout nicht unterstützen wollte.

Bessy Ferrera (li.) und Santiago Carvajal

Auch im Jahr 2019 wurden hunderte Menschen auf der ganzen Welt wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität getötet, die wenigsten von ihnen prominent. Viele von ihnen waren Transpersonen, viele weiblich. An sie erinnert jährlich der Transgender Day of Remembrance. Das Bild zeigt LGBTI-Aktivistin Bessy Ferrera (li.) und die Fernsehmoderatorin Santiago Carvajal, die beide im Juli an einem Wochenende in Honduras getötet wurden.

Twitter / bv_trans



#1 FredericAnonym
  • 29.12.2019, 16:18h
  • Meiner Meinung nach, wird man Menschen und deren Wirken - wie Manfred Bruns zum Beispiel - nicht gerecht, wenn man sie in einer Aufzählung mit Pornostars nennt.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 DidiAnonym
  • 29.12.2019, 17:24h
  • Antwort auf #1 von Frederic
  • Mein Mitgefühl macht keinen Unterschied. Mögen die oben Genannten in Frieden ruhen. Mögen Ihre Verwandten und Freunde die Traurigkeit überwinden, die einen angesichts des Verlusts überkommt.
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#3 MoKiAnonym
  • 29.12.2019, 18:51h
  • Antwort auf #1 von Frederic
  • Dabei egalisert uns Menschen nichts mehr, als der Tod. Was immer du im Leben gemacht hast, ob du arm oder reich warst, klug oder dumm, schön oder häßlich, Akademiker oder einfacher Malocher, adeliger Herkunft oder bürgerlich: im Tod sind wir alle gleich.

    Das Porno-Sternchen verdient ebenso Erinnerung, wie der Schwulenaktivist. Ich glaube, Manfred Bruns hätte das vermutlich selbst nicht anders gewollt.

    Gut so!
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#4 LorenzAnonym
#5 RafiAnonym