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Gaming

Gay Online Casinos – fortschrittliches Geschäftsmodell oder Marketing-Masche?

Auch beim virtuellen Glücksspiel gibt es mittlerweile Angebote, die sich gezielt an Schwule und Lesben richten. Einen echten Mehrwert bieten sie nicht.


Um "Book of Ra" zu spielen, braucht man nicht wirklich ein eigenes Gay-Angebot.
  • 30. Dezember 2019, 13:34h, noch kein Kommentar

Jeder Betriebswirt lernt heutzutage: Die Zukunft der Wirtschaft liegt in Produkten, die immer genauer auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten sind. Um sich von Konkurrenten zu differenzieren, müssen Marktnischen entdeckt werden, für die bislang keine eigenen Angebote existieren. Es ist daher nicht immer einer fortschrittlichen Einstellung zu verdanken, wenn findige Unternehmer sich mit Angeboten für Schwule und Lesben hervortun.

Natürlich gibt es durchaus Bereiche, wo das sinnvoll ist. Kaum jemand würde wohl die Existenz von Bars oder Dating-Apps speziell für eine queere Zielgruppe in Frage stellen. Andere Angebote sind eher von zweifelhaftem Nutzen. Ein Handy-Tarif speziell für Schwule war kurz nach seiner Einführung in Deutschland wieder vom Markt verschwunden – kein Wunder, denn warum sollten sie anders telefonieren als Heteros? Doch wie sieht es eigentlich mit Gay Online Casinos aus? Tatsächlich hat es bereits mehrere solche Angebote gegeben. Stellen sie eine Bereicherung für die Community dar, oder handelt es sich dabei nur um einen billigen Vermarktungstrick?

Das Geschäftsmodell

Worin unterscheidet sich ein solches Gay Online Casino von herkömmlichen Angeboten? Anscheinend hauptsächlich darin, dass hier und da Bilder von gestählten männlichen Oberkörpern zu sehen sind. Besonderes Spielangebot? Fehlanzeige. Möglichkeiten für die Community, um sich auszutauschen? Fehlanzeige. Echter Mehrwert für schwule Gamer? Gleich Null. Für den Spieler gibt es also egal, ob er Book of Ra hier oder bei einem von vielen anderen renommierten Online-Casinos spielt. Der Verdacht drängt sich auf, dass dem Betreiber eher sein Geldbeutel als die Gay-Community am Herzen liegt. Da ist es kein Wunder, dass die meisten solchen Angebote nach kurzer Zeit wieder geschlossen werden. Denn warum sollten sich schwule Männer für diese Form der Geldschneiderei hergeben?

Videospiele und die queere Community

Dabei gibt es ja durchaus sinnvolle Ansätze, queere Anliegen in der Gaming-Szene einzubringen. Denn lange Zeit taten die meisten Videospiele einfach so, als ob es Schwule gar nicht gäbe. Und wenn doch ein schwuler Charakter vorkam, dann gaben sich die Entwickler meist alle Mühe, um auch wirklich jedes Klischee zu erfüllen. Es gibt zwar auch einige Ausnahmen. Mittlerweile gibt es auch zahlreiche Mainstream-Titel mit queeren Spielfiguren. So ist beispielsweise bei der beliebten Actionspielreihe "The Last of Us" die Hauptfigur lesbisch. Ihre Darstellung wurde von vielen queeren Beobachtern begrüßt. Trotzdem gibt es hier noch einiges zu tun. Denn nicht alle Gamer und Entwicklerstudios sind gegenüber diesem Phänomen aufgeschlossen. Im Internet gibt es immer wieder auch abfällige Äußerungen zu diesem Thema. Es ist zu hoffen, dass diese in Zukunft seltener werden.

LGBT in Las Vegas

Es sind übrigens nicht nur virtuelle Casinos, die sich mit Angeboten direkt an Schwule richten. Viele große Casinos in Las Vegas oder Atlantic City haben öffentlich Unterstützung für die LGBT-Community bekundet. Hinter diesen Bekenntnissen steckt oft deutlich mehr Substanz. So haben viele dieser Casinos etwa spezielle Unterhaltungsprogramme für ein schwules Publikum im Angebot. Auch die Festsaale der Hotel-Casinos werden aktiv als Räumlichkeiten für queere Hochzeiten beworben. Auffallend ist dabei, dass hierbei Angebote für Schwule und Heteros Seite an Seite existieren. Auf diese Weise wird sicherlich eher ein Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe von Schwulen geleistet als durch eine Webseite mit leicht bekleideten Männermodels. (ak)