Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?35195

Im Januar in der Queerfilmnacht

Die Schattenseiten des Pornohimmels

Jonathan Agassi ist ein gefeierter schwuler Pornostar. Der Job habe sein Leben gerettet, sagt er. Die Doku "Jonathan Agassi Saved My Life" zeigt eindrücklich, wie er das geschafft hat – und daran zugrunde geht.


Yonatan aus Tel Aviv ist unter dem Künstlernamen Jonathan Agassi der Star Dutzender schwuler Hardcore-Streifen, zwischen den Drehs tritt er in seinem neuen Zuhause Berlin in Live-Sex-Shows auf und arbeitet als Escort (Bild: Edition Salzgeber)

Zweieinhalb Minuten. Länger dauert es nicht, bis der erste steife Schwanz auf der Leinwand auftaucht. Jonathan Agassi und ein Kollege quatschen vor einem Auftritt in einem Berliner Sexclub. "Bist du noch in Barcelona?", "Meine Schwester ist an Krebs gestorben." Dann geht's auf die Bühne, die Show beginnt.

Dann, etwas später, ist Yonatan, so die hebräische Version seines Namens, bei seiner Familie in Tel Aviv. Das Verhältnis zu seiner Mutter ist hervorragend, "sie ist immer an meiner Seite", erzählt der 29-Jährige. Er hat ein Paket mit Filmen bekommen. Seinen Filmen. Er packt aus, und plötzlich liegen "Urine Fist Fest", "Piss On Me", "Hard & Wet" auf dem Küchentisch. Yonatans Mutter backt währenddessen.

Sie schauen seinen neuesten Film. "Das bist du!", freut sie sich, als würde sie ihren Sohn im Lokalfernsehen sehen. Sie schauen gebannt auf den Laptop. "Jetzt gehen wir hoch und ficken. Das ist nichts für dich", sagt er. "Bis hierher war es echt gut", antwortet die stolze Mama.

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

"Atmest du noch?"


Poster zum Film: "Jonathan Agassi Saved My Life" läuft im Januar 2020 in der Queerfilmnacht

Es ist eine faszinierende Mutter-Sohn-Beziehung, faszinierend in all ihren Facetten. Es ist süß, wie Jonathan Agassi sie ständig anruft, wenn er in Berlin ist. Egal, ob er sich für den Hustla Ball fertig macht oder in Griechenland dreht: Er ruft sie an – oder nimmt sie gleich mit an den griechischen Strand. Aber es ist auch skurril befremdlich, wie er mit ihr skypt, während er sich eine Pfeife mit Crystal Meth anzündet.

Überhaupt, die Drogen. Er macht sich für eine Show fertig, zeigt seiner Mutter das neueste Outfit über Videochat, ein schwarz-gelber Leder-Harness, passende Lederhandschuhe, gelbes Spitzenhöschen. "Du siehst so attraktiv aus. Du bist mein Star! Aber ziehst du dir etwas Warmes an?" Er legt auf, ruft ein Taxi, und tröpfelt sich noch ein paar Tropfen Liquid Ecstasy in seine Cola-light-Plastikflasche, als wäre es Zucker für den Tee. Eine Spritze oder Pfeife Tina hier, eine Line Koks da. In "Jonathan Agassi Saved My Life" sind fast so viele Drogen wie Schwänze auf der Leinwand. Aber nur fast.

Die sind es schließlich auch, die den Darsteller zugrunde richten. Der israelische Regisseur Tomer Heymann muss mehrfach eingreifen, wenn Jonathan einfach einschläft oder kaum mehr reagiert. "Atmest du noch?", frag er einmal.

Eine erschreckende, ungeschönt-brutale Geschichte

Dabei, sagt Jonathan Agassi, "ist die Karriere ein Geschenk. Das Beste, was mir je passiert ist." Ja, die Pornoindustrie hat ihn rausgeholt aus dem konservativen Umfeld, wo der feminine Junge gemobbt wurde. Aber sie hat ihn in eine Welt voller Drogen gebracht, ein Umfeld, das ihn anfleht, Bareback-Pornos zu drehen. Von der einen Hölle in die andere.

Tomer Heymann kommt dem damals 29-Jährigen erstaunlich nahe. Jonathan redet, genau wie seine Mutter, komplett offen. Die Kamera ist auch bei einer Aussprache zwischen Vater und Sohn dabei, Jonathan wird völlig in die Trennung der Eltern reingezogen.

Es ist ein authentisches Bild, das der Dokumentarfilm präsentiert, auch wenn es eine fast zu perfekte, klischeehafte Geschichte von Aufstieg und Fall ist, die auch in seiner zeitlichen Abfolge teilweise verwirrend ist. Eine erschreckende, ungeschönt-brutale Geschichte. So selbstzerstörerisch, wie Jonathan mit sich umgeht, löst der Film den Reflex aus zu googlen, ob er überhaupt noch am Leben ist. (Ja, ist er.)

Wer "Jonathan Agassi Saved My Life" gesehen hat, wird Pornos mit anderen Augen schauen.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

Jonathan Agassi Saved My Life. Dokumentarfilm. Israel, Deutschland 2019. Regie: Tomer Heymann. Laufzeit: 106 Minuten. Sprache: Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Im Januar 2020 in der Queerfilmnacht


#1 NajaAnonym
  • 31.12.2019, 16:52h
  • Ich denke nicht, dass man eine solche Ausnahmekarriere als Standard für die Branche ansehen sollte.

    Und dann wäre da noch immer folgende Möglichkeit: Ab in die Entzugsklinik und dann einen neuen Job suchen. Warum wird immer so getan, als wäre Selbstzerstörung der einzige Weg?
  • Antworten » | Direktlink »
#2 andreAnonym
  • 31.12.2019, 19:11h
  • Antwort auf #1 von Naja
  • Neuen Job suchen wird nicht so einfach. Bleibt die Frage, ob der Chef begeistert ist. Hier sein Steckbrief:
    Eye Color: Brown
    Hair Color: Brown
    Ethnicity: White
    Position: Versatile
    Body Type: Toned
    Dick: Cut
  • Antworten » | Direktlink »
#3 PiakAnonym
#4 KerzmanProfil
  • 01.01.2020, 04:57hPrinceton
  • Yonatan ist übrigens ein Vetter zweiter Reihe von André Agassi, welcher vor wenigen Jahren ein hervorragender Tennisspieler gewesen war und jetzt mit seiner Frau (Steffi Graf) und ihren zwei Kindern in seiner Geburtsstadt Las Vegas (und oftmals auch in Florida) lebt. Yonatans Familie stammt ebenfalls aus Armenien, und er wird gemeinsam mit seinem buddy Aram Geworkian ein Lebensmittel-Geschäft in Tel Aviv managen, so hat es mir mein Onkel Chaim aus Haifa berichtet (ist allerdings keine 100% vertrauenswerte Info, mag auch nur ein Gerücht sein).

    Hier noch meine ganz herzlichen Grüße und beste Wünsche für 2020 an die queer.de community, besonders an meine Freunde Stromboli und ProfDad!
  • Antworten » | Direktlink »
#5 TheDadProfil
  • 01.01.2020, 14:12hHannover
  • Antwort auf #1 von Naja
  • ""Und dann wäre da noch immer folgende Möglichkeit: Ab in die Entzugsklinik und dann einen neuen Job suchen. Warum wird immer so getan, als wäre Selbstzerstörung der einzige Weg?""..

    Bei der Gelegenheit dann mal die Frage :
    Was schauen sich eigentlich Leute so an, die ständig irgendwelchen Porno-Stars und Sternchen raten sich einen anderen Job zu suchen ?
  • Antworten » | Direktlink »