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Frankreich

19-jähriges Missbrauchsopfer tötet Priester mit Kruzifix

Ein katholischer Priester missbrauchte offenbar 40 Jahre lang junge Gemeindemitglieder – und wurde dabei wohl von seiner Kirche gedeckt. Offenbar aus Rache rammte ihm ein Teenager ein Kruzifix in den Hals.


Sujetbild: Ein Missbrauchsopfer hat offenbar Priester Roger Matassoli ein Kruzifix in den Hals gerammt (Bild: Johnny Silvercloud / flickr)

Ein 19-Jähriger steht in Frankreich im Verdacht, einen 91-jährigen Priester umgebracht zu haben. Der Geistliche Roger Matassoli soll laut Medienberichten sowohl den mutmaßlichen Mörder Alexandre V. als auch dessen Vater sexuell missbraucht haben.

Die Leiche Matassolis war bereits am 4. November in seinem Haus in der 3.000 Einwohner zählenden Gemeinde Agnetz im nordfranzösischen Département Oise entdeckt worden. Er war laut der Gerichtsmedizin erstickt, berichteten französische Medien vor wenigen Tagen. Ihm war ein Kruzifix in die Kehle gerammt worden, außerdem hatte sein ganzer Körper Spuren von Gewaltanwendung aufgezeigt. Unter anderem war ihm auf Kopf und Bauch geschlagen worden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem mutmaßlichen Täter Folter, Mord, Widerstand bei der Festnahme und Diebstahl vor. Der Teenager, der als Haushälter beim Priester gearbeitet hatte, war zunächst nach der Tat wegen Fahrens ohne Führerschein im Wagen des Verstorbenen festgenommen worden. Er erklärte, er könne sich an die Tat nicht erinnern. Nach einem Selbstmordversuch wurde er in eine Psychiatrie eingewiesen.

Priester "hat eine ganze Familie kaputt gemacht"

"Dieser Mann hat eine ganze Familie kaputt gemacht", erklärte der Vater des mutmaßlichen Täters gegenüber der Tageszeitung "Le Parisien". Ferner behauptete er, dass sich sein eigener Vater – also Alexandres Großvater – umgebracht habe, nachdem er von den Misshandlungen seines Sohnes erfahren hatte.

Priester Matassoli soll zwischen 1960 und 2000 Dutzende Jungs missbraucht haben – rechtliche Konsequenzen hatte es deswegen keine gegeben, da die Kirche offenbar ihre schützende Hand über ihren Mitarbeiter gehalten hatte. Der Geistliche war nach Bekanntwerden von Vorwürfen 1967 erstmals versetzt worden. 2009 soll er wegen des Missbrauchs von der Kirche seines Amtes enthoben worden sein, die ihn aber weitere zehn Jahre auf ihrer Gehaltsliste beließ.

Die laxe Haltung der katholischen Kirche bei Kindesmissbrauch wird in Frankreich immer wieder scharf kritisiert – insbesondere auch deshalb, weil die Kirche mit einvernehmlichen gleichgeschlechtlichen Beziehungen weit größere Probleme zu haben scheint. So erklärte etwa der Erzbischof von Avignon Mitte 2018, dass es keine homosexuelle Identität gebe und Homo-Partnerschaften nichts weiter als "Freundschaften" seien (queer.de berichtete).

Erst vor knapp einem Jahr wurde der französische Kardinal Philippe Barbarin von einem Gericht in Lyon zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er Kindesmissbrauch durch einen Priester vertuscht hatte (queer.de berichtete). (dk)



#1 Alexander_FAnonym
  • 02.01.2020, 13:40h
  • Eine furchtbare Tat, aber eben auch eine, deren Gründe leider nur zu nachvollziehbar sind.
    Es ist mir unbegreiflich, dass dieser Priester seine ganzen 91 Lebensjahre niemals für seine Taten zur Rechenschaft gezogen wurde.

    Sowas kommt von sowas.
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#2 panzernashorn
  • 02.01.2020, 16:02h
  • Antwort auf #1 von Alexander_F
  • Volle Zustimmung!

    Was ich aber auch nicht verstehen kann: wenn der Vater schon von diesem Verbrecher missbraucht wurde, wie kann er dann zulassen, dass sein Sohn erneut in die Nähe zu diesem Kerl kommen kann?
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#3 Patrick SAnonym
  • 02.01.2020, 20:22h
  • Die spannendste Frage ist doch, weshalb ein Vater, selbst Missbrauchsopfer, seinen eigenen Sohn in die Fänge seines Peinigers übergibt? Unfassbar.

    Trotz allem ist Mord durch nichts zu rechtfertigen und ich verstehe auch nicht, dass Menschen einen Mord "nachvollziehen" können. Bei solchen Aussagen stellen sich mir sämtliche Nackenhaare auf.
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#4 HiragyAnonym
  • 02.01.2020, 20:39h
  • Antwort auf #3 von Patrick S
  • Ganz einfach, weil nachvollziehen eben nicht das selbe wie legitimieren ist.
    Ich kann auch Rassismus, Homophobie, judenhass, islamhass usw. verstehen (also nachvollziehen), das bedeutet aber nicht im geringsten, dass ich das auch gut finde.
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#5 David JacobAnonym
  • 02.01.2020, 21:20h
  • Kurz vor Weihnachten 2019 wurde ein katholischer Geistlicher aus meiner Geburtsstadt Duderstadt stillschweigend versetzt, nachdem bekannt wurde, dass er sich sexuell an Minderjährigen vergangen hat. So was macht mich unfassbar wütend. Wieso hat die scheiss Kirche ihre eigene Gerichtsbarkeit?
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#6 TheDadProfil
  • 02.01.2020, 22:18hHannover
  • Antwort auf #1 von Alexander_F
  • ""Es ist mir unbegreiflich, dass dieser Priester seine ganzen 91 Lebensjahre niemals für seine Taten zur Rechenschaft gezogen wurde.""..

    Bitte mal auf dem Teppich bleiben !

    Der Mann war WEDER 91 Jahre lang "Priester" NOCH 91 Jahre lang Täter !

    Dazu wurde er TROTZ bekannt werden seiner Taten durch den zuständigen "Kardinal" oder "Bischof" gedeckt und NICHT der dafür zuständigen Justiz übergeben..

    Es wird Zeit dies zu ändern, und den dafür zuständigen Kleriker JETZT anzuklagen..

    Hat man in Australien auch getan, kann man hier auch machen..
    Man muß es wenigstens versuchen..
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#7 DramaQueen24Profil
  • 03.01.2020, 01:31hBerlin
  • Diese Tat wurde durch die Heuchelei und Doppelmoral der RKK erst möglich. Schweigen, leugnen und vertuschen von Missbrauch in den eigenen Reihen, bei gleichzeitiger Schuldzuweisung an Homosexuelle, das löst in den Opfern dieser sexualisierten Gewalt Schuldgefühle, Selbsthass, oder/und Hass auf Täter und Institution Kirche aus. Mein Mitleid für den Täter des Missbrauchs hält sich in Grenzen, mein Mitleid für deren Opfer und Angehörigen hingegen nicht.
    Damit will ich die Tat nicht rechtfertigen, denn das kann man nicht! Aber ich hoffe, die Richter verstehen, durch welche Hölle er gegangen ist, wenn alles zutrifft, was in dem Artikel steht.
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#8 DramaQueen24Profil
  • 03.01.2020, 01:36hBerlin
  • Antwort auf #6 von TheDad
  • Ein Priesterleben dauert im Schnitt 40-50 Jahre. Also genug Zeit, sich als Kinderschänder seine Opfer zu suchen.
    Hier wurde die Frage aufgeworfen, warum der Vater es zuließ, dass sein Sohn bei dem Typ arbeitete? Kann ich Dir mit einem Wort der Mafia sagen: OMERTA.
    Das Gesetz des Schweigens gibt es nicht nur bei Tätern und Opfern der "Ehrenwerten Gesellschaft", es gibt sie auch bei Tätern und Opfern einer Kirche.
    Man will das "heilige Amt" des Priesters, und somit die Kirche schützen, und erträgt als Opfer alles, auch den Missbrauch der eigenen Kinder.
    Das ist krank und pervers, ich weiß, aber ich habe damit, wie man so schön sagt, "einschlägige Erfahrungen".
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#9 Alexander_FAnonym
  • 03.01.2020, 02:11h
  • Antwort auf #6 von TheDad
  • "Der Mann war WEDER 91 Jahre lang "Priester" NOCH 91 Jahre lang Täter !"

    Natürlich war er nicht die ganze Zeit über Priester, geschweige denn Täter. Deshalb habe ich ja auch von Lebensjahren gesprochen und nicht etwa von Dienst- der Missbrauchsjahren.
    Und zweifellos ist es ja so, dass er sein ganzes Leben lang, bis hin zu dieser Tat, nicht für die Taten zur Rechenschaft gezogen wurde, die er als Priester und im Sinne eines Missbrauchs begangen hat.

    "Es wird Zeit dies zu ändern, und den dafür zuständigen Kleriker JETZT anzuklagen.."

    Ich stimme dir natürlich da vollkommen zu. Das ist das, was hätte geschehen müssen, aber nicht geschehen ist, und leider angesichts dieses blutigen Ausgangs auch in diesem Fall nicht mehr geschehen wird.

    Ich hoffe natürlich inständig, dass anderen Missbrauchsfällen nachgegangen wird und die Sache nicht so ausgeht, wie hier. Wenn ich hier sage, dass ich diese Tat nachvollziehen kann, so keineswegs, um sie zu rechtfertigen. Es war die Verzweiflungstat eines psychisch Kranken und Zerstörten, die ihre Ursachen in dem hatte, was ihm angetan wurde, ein klassischer Opfer-Täter-Zyklus, wie er im Buche steht.

    Wenn schon sonst nichts, sollte es die katholische Kirche doch nachdenklich stimmen, zu welchen Taten Missbrauchopfer fähig sein können, weil Verbrechen an ihnen ungesühnt bleiben.
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#10 riedeldödelAnonym
  • 03.01.2020, 02:51h
  • Also dää Verfassungsschutz hätt misch jiemanden unggereluchst, dää minge Denken und minge Lebensweis nitt teilt. Äwwer Päntz sinn Päntz. Dat heesst, mir wolle et jut han en su luure mir, datt et den ongere nit völlig verdrisslich wörd. Un so maache mir villes, äwwer nit alles.

    Auf Hochdeutsch: wir können dieses Handeln erklären, es ist aber kein Leitbild. Das Leben soll eigentlich weitergehen.
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